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Full text of "Thüringen, praktisches Reisehandbuch"

Griebens Reise-Bibliothek 

BAND 3,,. , 






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RINGEN 



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Verlag von Albe 



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Verlag- von Albert Goldachmidt, Berlin W., 

Köthenerstrafse 32. 



Griebens Reise -Bibliothek. 

Praktische lleisefülii*er. 



Band 22. 

6. 

. 2-5. 



^^ 



Aachen, im Band: Rhein. 

Amsterdam, im Band: Beigisn und Holland. 
Antv^erpen, im Band: Belgien und Holland. 
Baden -Baden, im Band: Schwarzwald. 
Bade-Orte siehe unter Brun-nen- und Bade-Orte. 

(Als Ergänzung: Die Privat - Heilanstalten. 

1890. 1 Uk.) 
Belgien und Holland. 5. Auf 1. 189J. Geb. 3Mk. 
Berlin, Potsdam und Umg-ebungr. 30. Auf 1. Geb. 2Mk. 
Berlin. Miniatny-Ausuahe. 18. Auf 1. Kart. 60 Pf. • . 
Berlin. Murk-Aitsgnhe. 1893. 1 Mk. 
Bornholm, im Band: Kopenhagen. 
Brenner siehe unter Italien: Nach Venedig u. s. w. 
Brunnen- und Bade-Orte. 14. Auf 1. 2M. 50 Pf. 
Brüssel und Umgebung*. 1891. 75 Pf. 
Dänemark siehe unter Schweden und Kopenhagen. 
Deutschland. 7. Auf 1. 1890. Geb. 6Mk. 
Deutschland, Reisekarte (im Karton). 50 Pf. 
Dresden und die Sächsische Schweiz. 15. Aufl. 

1890. Geb. 2 Mk. 
Dresden, Plan und Wegweiser. 15. Aufl. 1890. 75 Pf. 
Düsseldorf siehe unter Köln. 
Eifel, die vulkanische. 1889. 80 Pf 
Eisenach, die 'Wartburg und Umgebungen. 2. Autl. 

1888. 6ÜPf 
Eger, Elster siehe unter Franzensbad. 
Ems und das Lahnthal. 7. Aufl. 1890. 1 Mk. 20 Pf. 
Erzgebirge. 1890. IMk. 50Pf. 
Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz. 9. Aufl. 

1888. Geb. 2Mk. 
Flnland. 1886. 1 Mk. 50 Pf 
Florenz siehe xmtor Italien. 

Frankfurt a. M. und Umgebung. 2. Aufl. 1890. 60 Pf. 
Fränkische SchAveiz siehe unter Ficlitelgebirgo. 
Franzensbad, Eger und Elster. 8. Aufl. 1890. 7ö Pf. 
Freienwalde, Buckow und Märkische Soh^veiz. 

6. Aufl. 1888. 50 Pf. 
Fröhlichs Reisetaschenbuch für Hand^verker. 

18. Aufl. 1891. Geb., mit Karte. 2 Mk. 
Genua siehe unter Riviera. 

Gotthardbahn siehe unter Italien: Nach Venedig u.s.w. 
Hamburg und Umgebungen. 14. Aufl. 1890. Gtofse 

Aiisffuie. IMk. 50 Pf. 
Hamburg. Kleine Ausgabe. 1890. 75 Pf. 
Harz. Urofse Ausaahe. 22. Auf 1. 1890. Geb. 2Mk. 
Harz. KUhie Ausgahe. 22. Auf 1. 18iio. 80 Pf. 



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Verlag: von Albert Croldschmic 

Köthenerstrafse 32. ^ 

_ ■ ^^ 

Harz, Reisekarte (im Karton). 50 Pf. 
Band 38. Heidelberg: und das Neckarthal. 1891. 1 Ätk. 

Helg'oland, im Band: Ost- und Nordsee-Bäder. 
Hering'sdorf siehe nnter Misdroy. 
Holland siehe ixnter Belgien. 
86. Hotel-Adressbuch für die Reise. 4. Aufl. 1891. 60 Pf. 
Italien. Ober-Italien und Florenz. 1888. Geb. 4 Mk. 

„ Nach. Venedin, Mailand und Verona über den St. 

Gotthard, Brenner und Semmering. 4. Aufl. 
It^iJO. Geb. 2 Mk. 50 Pf. 
15. „ Ober-Italienische Seen. 1891. IM. 50 Pf. 

43. Karlsbad und Umgebung-. 9. Aufl. 1890. 1 Mk. 50 Pf. 

Karpatheu siehe unter Tatra. 
71. Kissingren und Umgebung-. 7. Auf 1. 1890. IMk- 
30. Köln und Düsseldorf. 2. Aufl. 1888. 60 Pf. 
57. Kopenhagren und Umgebung^. 18. Aufl. 1891. Große 

Ansf/abe. 1 Mlc. 50 Pf. 
68. Kopenhag-en. K'eiuc Aiisr/abe. 1891. 75 Pf. 

Kurorte, im Band: Brunnen- und Bade-Orte. 
London und Umg-ebung-. 6. Aufl. 1888. Geb. 2 Mk. 50 Pf. 
Mailand siehe unter Italien: Nach Venedig u. s. w. 
42. Marienbad und Umg-ebung-. 8. Aufl. 1S91. 1 Mk. 
Märkische Schweiz siehe unter Freienwalde. 
56. Misdroy, Swinemünde, Hering-sdorf. 7. Aufl. 1890. 
1 Mk. 50 Pf. 

28. Moselthal. Von Koblenz bis Trier. 1889. IMk. 20Pf. 
19. München lind die Königsschlösser. 18. Auf 1. 1890. IMk. 

Niederwald siehe v^nter Rüdesheim. 

Nizza siehe unter Riviera. 

Norderney, im Band: Ost- und Nordsee-Bäder. 

Nordsee-Bäder siehe unter Ost- u. Nordsee-Bäder. 

Norwegen siehe unter Schweden. 
62. Nürnberg- und Umgebung;. 7. Aufl. 1891. 1 Mk. 
34. Ostende und Umgebung-. 18Ü1. 1 Mk. 
.55. Ost- und Nordsee-Bäder. 4. Auf 1. 1890. IMk. 50 Pf. 
21. Paris und Umgebung-. 7. Aufl. 1800. 2 Mk. 
27. St. Petersburg- u. Umgebung-. 11. Aufl. 1887. Geb.SMk. 
33. Saint-Petersbourg- (in französischer Sprache). 11. AufL 

18.?7. Geb. 3 Mk. 
10. Potsdam und Umgebung:. 31. Aiif 1. 50 Pf. 
26. I Prag- und Umg-ebung-, 8. Aufl. 1890. 1 Mk. 50 Pf. 

Pyrmont siehe unter Wesergebirge. 

Reinerz siehe ixnter Warmbrunn. 

29. Rhein. Große Ausijube. 17. Avif 1. 1S90. Geh. 3Mk. 
75. Rheinreise. Kleiner Führer. 17. Auf 1. 1S90. IMk. 50 Pf. 

Rböngebirg'e, im Band: Kissingen (Anhang). 
18. Riesengebirg'e. Große Ausgabe. 12. Auf 1. 1890. Geb. 2 Mk. 
81. Rieseng-ebirg-e. Kleine Ansyabe. 12. Auf 1. 1S90. 80 Pf 

Riviera. Nizza, Genua bis Pisa. 2. Auf 1. 1891. Geb.SMk. 

Rüdesheim und der Nieder-wald. 1^88. 1 Mk. 



m^- 



^' 



Verlag- von Albert Goldschmidt, Berlin W., 

Kötlionerstrarse 32. 



t Band 



05. 

16. 
20. 
3«. 
37. 
12. 

23. 
24. 

51. 

52. 
77. 
70. 

47. 
44. 



39. 



45. 



76. 



-'H 



Bügren. n. Aufl. 1 Mk. 

Rtig-en, Rcisekarto (im Karton). 50 Pf. 

Sächsische Schweiz. IG. Aufl. 18i)l. 1 Uli. 

Salzkammerffut und Tirol. 17. Aufl. 18»J. Geb.2Mk.50Pf. 

Schwarzwald. a,o/sc Au^,/. 7. Auf 1. 1!^9L'. Geb. 2 Mk. 50 Pf. 

Schwarzwald. Kinne Aitsijaf/e. 7. Auf 1. 1890. 1 Mk. 

Schweden, Norwegen und Dänemark. 7. Aufl. 1880. 

Gel). 4Mk. 
Schweiz. Große Ausr/abe. 15. Aufl. 1891. Geb. 3 Mk. 
Schweiz. Kh ine Ausgabe. 15. Auf 1. 1891. 1 Mk. 50 Pf. 
Seebäder siehe unter Ost- und Nordsee-Bäder. 
Spreewald. B. Auf 1. 1890. 80 Pf. 
Stockholm und Umgebung:. ISSG. 1 Mk. 50 Pf. 
Strassburg und Umgebung. 3. Auf 1. 18ö6. 75 Pf. 
Stuttgart und Umgebung. l.SSS. CO Pf. 
Swinemünde siehe unter Misdroy. 
Tatra, Die hohe. 1891. 2Mk. 

Teplitz und Umgebung. 9. Aufl. 1801. 1 Mk. 50 Pf. 
Teutoburger 'Wald siehe unter Wesergebirge.. 
Thüringen. Große Aiisyabe. 10. Aufl. 1891. Geb. 2 Mk. 
Thüringen. Kleine Amgabe. 16. Auf L 
Thüringen, Reisekarte (im Karton). 
Tirol siehe unter Salzk.a mmergut. 
Trier siehe unter Moselthal. 

Venedig", Veronas. unt. Italien: Xach Venedig u. s.w. 
"Warmbrunn, Reinerz, Schlesische Kurorte. 11. Aufl. 

18>8. 75 Pf. 
^Vartburg siehe unter Eisenach. 
■Wesergebirge, Teutoburgrer Wald und Pyrmont. 

ISOl. 1 Mk. 50 Pf. 
Wien und Umgebung. 11. Auf 1. 1889. 2Mk. 
Wiesbaden und Umgebung. 2. Auf 1. 1891. 1 Mit. 50 Pf. 
Wildbad, im Band: ^5ch^v arzwald. 



1891. 80 Pf. 
50 Pf. 



Praktische Sprachführer zum Gebrauch auf der Reise. 



Band 1. 

2. 

" 3. 

r 4. 

n 5- 

„ 6. 

„ 7. 



Deutsch-Schwedisch. 1 IMk. 
Deutsch-Italienisch. 1 Mk 
Deutsch-Französisch. 1 Alk. 
Deutsch-Russisch. Geb. 3 Mk. 
Deutsch-Englisch. 1 Mk. 
Deutsch-Holländisch. 1 Mk. 
Deutsch-Dänisch (Norv^egisch). 



IMk. 



AJ.S "willkom.mene Ergänznug zu allen obigen Eeiseführern 
empfiehlt sich das 

Praktische Hotel-Adressbuch für die Reise. 1891, 

■welches bei seinem billigen Preise von CO Pf. die weiteste Vei'- 
breitung findet. 



Saiuie 



) Apolda 



'^ TKirthurq 



/EISEiVACH 



' Dombur^ 



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UoDUtSJ 



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ho7v.r^d ^^"^^xo' re..^^?--'-* /F^ 



'OT/I/ 

I Sailzuiigeii 

i„ Jrnmelbt 



^\BadLi<i, 



y JrnrruMoirn-^ Werges VoiJita^ ^ ^ 






Ohrdniff 

Allenburffi _ 

^ / jfffiisserleite 



WäldsfPl^össcTien, 
IchiefsJisTh 

Kraiücl 
nstadt 



Farsthäuschen. 

lerlca 

bBlamkenliaiR 



^deua 

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J^iichstÄztrm. 

i oXoieda- 

Stadt Roda 



%\ >PlaueJ 



Schcaien^rst 



KaWa/ 



^eutJiieniß. 



Blexs-B. 



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'^ermliacif \ 

jclinii 

I JQostr. Siniiervbßn.. 

1 Kalten ^ Gr.I>«l,vuuB. 



L 



Jf^ntnqerB. 



Stadt tba 



[<Ä«^«r'^. 






...^i^^'J 






Rudolstadl 



"ynederkuriA 



Neustadt 



Jla 



/SchwttfTza 

Kitbn. 



Pössneckj 



^ 



Raiiis 



i^feld 



DretssigacAer / U ^/ ITirscMoAr. 

_, ? f lAmAHcnruTie "^"^s^. °- 

Jasanerw / . j ^ 



, Gr. l^^ltep^adi 

JOelza 

§'i mifJ^lÄ -<y°~~ ^'alleziM. 



TrotbsiKeTJa 



Erkläi'und*. 

"=^^r-^ i'isenbaJinen 

(yuxusseen 

Chaussirte ftiar 



.HhsdrietherB. 
M.Gieit^B. 



Eisfeld. 
lüdbuTohsii. 



QStrcui/?ucui 



Wallend/brf 
r® St^nheide 



JLeliesten 

' Wetzstein. 



'^eusladt;fe 



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^Veste^ 



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Beldbiir^ ' 



JOtüenberff 



^OesTazt 



FriedrichsÄaZi C OBURG/C ^VestA 



Routenkarte 

zu 

Grieten's 



Verla»- r Albert Goiasdunidt, Berlin 



LitKj\i\st V L'Ki-siati.Ber.r 



Griebens Reise-Bibliothek. Band 3. 



T'eXs^ 






^ wJW 



Praktisches Reisehandbuch. 



Sechzehnte A.\x f 1 a g- e , 

neu bearbeitet 
von 

Dr. G. Schmidt, 

Professor. 

Mit Karten und Plänen. 







BERLIN, Köthenerstr. H2. 

Verlag von Albert Gold Schmidt. 
1891. 




Auch bei dieser Auflage, wie schon bei früheren, haben 
sich viele Vorstände von Thüringer Waldvereinen durch Be- 
lichtignngen und Verbesserungen sehr verdient gemacht, 
wofür wir unsern Dank hiermit öffentlich aussprechen. 



Sehenswürdigkeiten, welche besondere Beachtung ver- 
dienen, sind durch einen Stern (*) hervorgehoben; in gleicher 
Weise wurden die empfehlenswertesten Gasthöfe etc. mit 
einem *. diejenigen, welche die Preise für Wohnung, 
Mittagstisch u. s. w. in einem Anschlage fest angegeben 
haben, mit einem f bezeichnet. 

Da unser Buch ein praktisches Reisehandbuch sein will, 
so sind vorzugsweise die Bedürfnisse des Touristen berück- 
sichtigt; dagegen ist eine ausnahmslose Vollständigkeit aller 
Aussichtspunkte, industriellen Anlagen u. s. w. gar nicht er- 
strebt worden, so dafs der Reisende, der sich im Thür. Walde 
erholen will, nicht viel Ballast über Bord zu werfen hat. 
AVohl aber ist grofser Wert auf historische Wahrheit gelegt 
worden. Geschichtslügen wie die, dafs Luther in Eisenach 
eine Franziskaner -Schule besucht und in dem altertümlich 
aussehenden Hause an der Ecke des Lutherplatzes gewohnt 
habe, historischer Unsinn wie ein Tisch, an dem Luther als 
Knabe in seinem elterlichen Hause in Möhra gesessen, Märchen, 
die sich an das Leben unserer Dichterheroen knüpfen, Be- 
schreibungen von Naturmerkwüwiigkeiten, die längst nicht 
mehr existieren, wie Nonne und Mönch am Metilstein bei 
Eisenach, sind unbedingt fern gehalten. Wenn mau der- 



gleklien von amU'ieii Heisehaiidbüchcrn gebrachte Dinge vcr- 
luifst. so wolle nun überzeu;^t sein, dal's sie mit gntem 
Grunde weggelassen worden sind. 

Sämtliche Anführungen, Empfehlungen und Auszeich- 
nungen in den Führern aus Ciriebens Reise-Bibliothek 
werden vollständig kostenfrei — einzig und allein im In- 
teresse des reisenden Publikums — gegeben. Solche Em- 
pfehlungen sind in keiner Weise käuflich, noch durch Beein- 
flussungen irgendwelcher Art zu erlangen. 

Die Führer aus Griebens Reise-Bibliothek haben sich 
gerade durch ihre absolute Unparteilichkeit und durch ihre 
vorurteilsfreien Angaben das allgemeine Vertrauen erworben. 

Die Berichtigung etwaiger Irrtümer in dem Bviche und 
die Mitteilung von Veränderungen oder Neuerungen sind 
uns jederzeit sehr willkommen und werden zur Benutzung 
für fernere Auflagen höflichst erbeten. 



Berlin W., Köthenerstr. 32. 



Die Redaktion von 

Griebens Reise-Bibliothek. 

Albert Goldschmidt. 



Karten-Beilagen. 



Eisenbahn-Routenkarte, vor dem Titel. 

Grosse Karte vom Thüringer Wald, am Schlufs des Biiches. 

Karte der Umgebungen von Schwarzburg, zwischen S. 56 u. 57. 

Touristenkarte für den Thüringer Wald, zwischen S. 80 u. Sl. 

Karte der Umgebung von Elsenach, zwischen S. 120 und 121. 

Plan von Erfurt, zwischen Seite 140 und 141. 

Plan von Weimar, zwischen Seite 148 und 149. 



Inhalts- Verzeichnis, 

Seite 
Einleitung. 

I. Die Heise nach Thüringen 1 

SoHimerkarten nach Thüringen 1 

Zusammenstellhare Rundreisehefte 2 

A. Reise von Berlin 2 

B. Reise von Leipzig, Dresden etc 3 

C. Reise von Hamburg 3 

D. Von Sachsen (Voigtland) und Bayern (Franken) 4 
IL 'Reisepinne 4 

III. Praktische Winke für die Reise r> 

Eisenbahnen 5 

Poststrafsen. Kosten. Zeit zur Reise, Führer . , 6 

Fuhrwerke, Praktische Reiseregeln 7 

lY. Geognostische und botanische Notizen 10 

Mineralogisch und geognostisch merkwürdige Ört- 
lichkeiten am Thüringer Walde 11 

Botanisch wichtige Örtlichkeiten in Thüringen . 12 

V. Geographisches und Geschichtliches 14 

Geographische Notizen 14 

Geschichtliche Notizen 15 

Reiseroaten. 

1. Naumburg und Umgebung 20 

Frankenhausen in Thüringen 22 

2. Von Naumburg nach Kosen und Grofsheringen . . 23 
Kosen 24 

3. Von Grofsheringen nach Jena 2G 



luhalts-Verzeichnis. VII 

Seite 

•i. Jena und Umgegend 27 

5. Von Jena nach Rudolstadt 32 

6. Eudolstadt 35 

Die Umgebung- von Rudolstadt 38 

7. Von Rudolstadt nach Saalfeld 41 

8. Saalfeld 42 

9. Die Umgehung von Saalfeld 45 

10. Von Saalfeld nach Lobenstein und Ebersdorf . . 51 
Saalfeld-Lobenstein 51 

11. Von Saalfeld oder Rudolstadt nach Schwarzburg . 53 

12. Blank enburg und Umgebung 55 

13. Das Schwarza-Thal 58 

14. Schwarzburg und der Tripstein 59 

15. Das obere Schwarza-Thal 62 

A. Schwarzburg. — Zirkel. — Amt Grebren . . 62 
Zirkel — Katzhütte — Grofsbreitenbach . . 64 

B. Durch das Lichte-Thal 65 

16. Von Schwarzbnrg nach Paulinzelle 66 

17. Von Schwarzburg nach Ilmenau über Paulinzelle 

und Königsee 67 

18. Ilmenau 69 

Umgebungen Ilmenaus 70 

19. Von Ilmenau nach Schleusingen 74 

20. Von Ilmenau nach dem Schneekopf (Schmücke) . . 76 

Elgersburg und Umgebungen 76 

Von Elgersburg nach der Schmücke 78 

Von Ilmenau nach der Schmv.cke 79 

21. Die Schmücke 79 

22. Von der Schmücke nach Oberhof und über Ohrdruf 
nach Georgenthal und Tambach. Suhl. Zella . . 81 

23. Von Oberhof nach Tambach und Georgentlial . . SD 

24. Von Georgenthal und Tambach nach Friedrichroda, 
Reinhardsbrunn und Waltershausen 91 

25. Friedrichroda 92 

26. Reinhardsbrunn 95 

27. Waltershausen 96 



\' J [ [ Inhalts-Vei'zoiclinis. 

Seito 
2S, V^on Waltershivusen, Keinliardsbruiin, Friednchroda 

nach dem Iiisclberg 1)7 

•29. Der Inselberg- 100 

00. Vom Inselberg- nach Liebeiisteiii und Altenstein . 102 

01. Bad Liebensteiu und Scblofs Altenstein .... 105 
32. Yon Altenstein nach llulila, Wilhelmstlial , Wart- 
burg-, Eisenacli 110 

Ruhla 110 

SS. Eisenach und Umgebungen 117 

84. Die Wartburg 128 

35. Von Eisenach nach ßuhla. Wachstein 12S 

36. Gotha 180 

87. Von Gotlia nach Neudietendorf 185 

Die Drei Gleichen 130 

38. Arnstadt 137 

89. Erfurt 140 

40. Weimar 140 

41. Yon Eisenach nach Salzungen 159 

Salzungen 1^*-^ 

42. Schmalkaldcn - . 1<)1 

43. Meiningen 164 

44. Koburg 109 

Alphabetisches llegister 174 



Einleitung. 



I. Die Reise nach Thüringen. 

Vom 1. Mai bis 30. September werden von Berlin nacb 
Thüringen folgende Fahrkarten ausgegeben: 

Sommerkarten nach Thüring-en mit 14tägiger Gültigkeit 

— kiin Freiiitpiicl;. — Bei Benutzung der Srlinellzüge Ziischlagkarten. 

Von Berlin Anh. Bahnliot nach Blankenburg (Schwarzathal) oder 
Eisenach oder Ilm'Cnau. Rückfahrt beliebig von einer dieser Sta- 
tionen II. 2 ;,-2, III. 16,6 Mk. 

Sommerkarten nach Thüring^en mit 45tägiger Gültigkeit 

— 35 k(/ Frtijejjück. — 

Beniitzung aller Züge. Rückfahrt nur von der Station, auf 
welche die Karte lautet, oder von einer in der Richtung nach der 
Ausgangsstation vorgelegenen Station zulässig. 



Nach : 

Arnstadt * 

Berka i lim) oder Blankenhain oder") 

Tannroda / 

Blaukenburg (Schwarzathal) . . . 

Eisenach * 

Elgersburg * 

Friedrichroda * 

Fröttstädt * 

Georgenthal * 

Ilmenau * 

Kosen 

Liebenstein-Schweina * 

0])erhof * 

Ohrdruf * 

Probstzella 

Rudolstadt 

Salzungen * 

Sehmalkalden * 

Schwarza 

Sonneberg * 

Stadtsulza 

Weimar . ' 

Wutha * 



V.Berlin Anh. Rf. 
I. II. ni. 

3%Q 29,0 19,0 



43,1 

41,9 

41,0 



28,8 
48,8 
42,6 

42.8 
38,5 
46,9 



39,1 

•29,8 
82,9 
42,5 



27,2 

29,4 
32,1 
30,8 
31,2 
30,5 
30,7 
31,5 
21,4 
35,6 
31,7 
31,0 
31,9 
28,5 
34,7 
36,7 
29,0 
41,9 
22,1 
24,5 
31,7 



17,8 

19,6 
21,1 
20.2 
20,5 
20,0 
2' 1,1 
20,7 
13,9 
23,4 
20,8 
20.4 
21,2 
19,0 
22,8 
2J,3 
19,3 
27,7 
14,4 
16,0 
20,8 



Von Magdeburg 
I. II. m. 



33,3 
32,1 

19,7 
29,3 



22,6 
24,7 
23,5 

2!,S 



24,1 
14,6 



21,7 



29,9 ^2^,2 
23,8 17,6 



15,0 
16,2 
15,3 
15,6 



15,7 
9,4 



14,1 
14,7 
11,4 



* Zur Rückfahrt auch gültig über Erfvirt-Sangerhaiisen-Belzi 
oder Magdeburg nach Berlin Potsd. Bahnhof oder Stadtbahn. 
Griebens Reise-Bibl.: Thüringen. (16. Aufl.) J 



Dil- Ueisf iiiali Tliiiriiigf n. 



Nach: 
Bliuikonlmry; . . . . 

Kiseimch 

Friodrichroila . . . . 
Georgenthal . . . . 

Ilmeniui 

Kosen 

Lieheiistein-Suhweina 

Oherhof 

Salzungen 

Wutha 

Nach: 

Eisenach 

Elg^ersbnrg 

Friedrichroda .... 

Ilmenau 

Liebenstein-Schwoina 

Oherhof 

Salzungen 



Braunschw. 

•.ü),ü 1!)J 
i I 2{iA 
■20,9 



129,1 



21,6 



17,3 
17,6 



14,1 



Y. Halle 



23,0 
21,8 



17,0 
l(i,l 
15,5 
16,4 



20,5 
U),5 

in,u 

16,5 



28,2 
2-:i,4 
26,,S 
22,4 
Von Dessau 
29,6 i 21,9 14,3 

.20,7 
28,5 21,1 
. 21,3 
34,8 2.i,4 
29,1 I 21,6 
a3,4 ' 21,5 



11,0 
10,4 
10,0 
10,6 

13,8 
10,7 
13.1 
10,7 



V. Leipzig Th.llf. 
15,6 10,4 

17,7 
16,8 
l(i,3 
17,1 



23,9 

22,7 , 



29,1 
23,3 
27,7 



21,2 
17,3 
20,3 



ll.i 
10,9 
10.5 
11,1 



14,3 
11,2 
13,6 
11,2 



13,5 
13,8 
13.9 
17,1 
14.1 
16.4 



23,3 ' 17,3 
Von Wittenberg 
30,9 ! 22,9 , 15,0 J(. 
. 1 21,7 I 14,1 „ 
22,1 14,4 .. 
22,4 i 14,6 „ 
26,4 17,8 „ 
22.6 14.7 „ 
■^ö.ö 17.1 .. 



29. 



AuCserdeiu kommen uocli die zusaiiimeiistellbaroii lluiul- 

reiseliofte (während des g-auzen Jahres verkäutiich. Uültii>-- 
keitsdauer 45 Tage, Bündestentfernnng (iOO km, kein Frei- 
gepäck) und die festen liundreise-Fahrkarteu (vom 1. Mai bis 
oO. September verkäuflich, 25 kg Freigepäck, Gültigkeitsdauer 
verschieden) zur Ausgabe. 



A. Reise von Berlin. 

Grleicli nachdem der Zug den Anhalter Bahnhof in Berlin 
verlassen, passiert er den Landwehrkanal; weiterhin 1. zeigt 
sich der Kreuzberg mit dem Monument. Später r. das durch 
vortreffliche Rüben bekannte Teltoir. Bei Grofsbeeren 1. ein 
m hoher Obelisk zum Andenken an die Schlacht vom 
23. August 181."5. Es folgen die Stat. Trebhiv und Luchen- 
irnlde mit grofsen Tuchfabriken und Wollspinnereien, Jiiferboy 
(Balinhofs-Restauration). 

"Wittenberg (* Weint rni(be; Adler; Schwarzer Bär: 
Kaiserhof; Bahnhofs- Mestauration, beliebter Apfelkuchen), 
alte Stadt an der Elbe, mit 14 000 Einw. In der Schlofs- 
Idrche ruhen Luther, Melanchthon und Friedrich der Weise. 
An die Thüreu der Schlofskirche schlug Luther 1517 seine 
Thesen an. Im Hofe des Augusteum das Lntherhans mit 
Luthers Wohnstube und der Reformatiüiishalle, täglicli ge- 
öffnet, Eintrittsgeld 1—2 Personen 50 l't'. Auf dem 3Iarkt- 
platze Luthers Standbild, von Schadow. und Melanchthmis 
Denkmal, von Drake. 

Die Balm überschreitet gleich hinter Wittenberg auf 
einer 283 m langen, auf 12 Bogen ruhenden Brücke die Elbe. 
Bei Gräfenlminichen erinnert eine Kai)elle an den hier 1()0(> 



Die Reise nach ThUriugen. 3 

geh. Dichter geistlicher Lieder Paul Gerhardt (t 1670). Hinter 
Burglvemnitz über die Mulde nach Bitterfeld (gute Bahnhofs- 
Restauratiou). 

Halle (Stadf Hamhirg; Kronprinz; Stadt Zürich; Gold. 
Bing: Breitfs. Hof; Gold. Loire: Gold. Kxujel) au der Saale, 
mit 82 500 Eiuw.. berülinit durch die 1694 gestiftete Univer- 
sität. Auf dem Marktplatze das Denkmal des hier geboreneu 
Komponisten Händel (-j- 1751) und ein Siegesdenkmal von 
1870—71. In der Marktkirche. 1529—54 erbaut, sind treff- 
liche Gremälde, ein berühmter Altarschreiu etc. Die Salzicerke 
der Stadt sind bedeutend. (Dieselben werden auf Anfrage 
gezeigt; 50 Pf. in die Witwenkasse.) Die Franke\schen Stif- 
tungen. Waisenhaus genannt, sind 1698 gegründet. — Aus- 
flüge nach der Bergschenke bei Cröllwitz (zu Fufs \''o St., an- 
genehme Promenade)", gegenüber der Giehlchcnstcin. Schlofs- 
ruine mit schöner Aussicht. Das Solbad Wittckind (Droschke) 
ist hübsch gelegen. Vom Betersberg schöne Fernsicht. 

Mer.sel>urg (Sonne: Halber Mond) an der Saale, mit 
eiuer berühmten Domkirche aus dem 13. Jahrb.. in derselben 
Oemälde von Lukas Cranach iind Albrecht Dürer. Bei Stat. 
Corbctlia mündet die Leipziger Zweigbahn. Hinter Stat. 
"Weifseilfels (Schütze; Gold. Hirsch: Gold. Bing) tritt r. 
Schlofs (roseck und die Stadt Freiburg an der Unstrut lier- 
vor. L. der hohe Turm der Ruine Schönburg. Die Land- 
schaft wird gebirgiger, an den Abhängen Weinbau. 

Naumburg und die Fahrt bis Eisenach siehe später. 



B. Reise von Leipzig, Dresden etc. 

]ilan benutzt die Zweigbahn Leipzig-Corbetlm. Station 
an der Thüringer Bahn, nach Naumburg. Kosen u. s. w. oder 
fälirt über Gera nacli Saalfeld, liudolstadt, Schwarzathal. 

Sommerkarten von Leipzig (Thüringer Bahnhof) nach 
Thüringen s. Seite 1 und 2. 

C. Reise von Hamburg. 

Zunächst mit Dampfschift' oder Bahn nach Harburg, dann 
entweder über Lüneburg. Ülzen, Stendal. Magdeburg, Kötheii, 
Halle nach Xaumburg etc.. oder von Harburg über Jjüneburg. 
Ulzen, Lehrte, Hannover, Kreiensen, Göttingen. Leinefelde 
nach Gotha: oder Göttingen, Kassel, Eisenach; oder Göttiugen, 
Belu'a. Eisenach. 



4 KeisL'iilltiie, 

D. Von Sachsen (Yoigtlnnd) und Bayern (Fnuiken). 

Diii'cli (las scliünc Elst(;rtlial. Lohuciul ist der Besuch 
der Hauptstadt des Fürstentums Keul's alt. Linie: 

Greiz (Löwe; Hemthiij.s Hofcl; Tliiir. Hof; j Kranich), 
17 ÜÜO Einw., im Thale der Weilsen Elster, zwischen Plauen 
und Gera. Die Eisenhahnfalirt durch das ziemlich eng-e Thal, 
welche auf der Strecke J'lauen-Wünschendurf durch sieheu 
Tunnels hindurch und üher zahlreiche ]}rücken führt, ist 
we^-en der reizenden Wahl- und Felspartien interessant. 
Auf dem linken Ufer der Elster die Neustadt, gegenüher die 
Altstadt; beide Stadtteile sind durch zwei Brücken verbunden. 
Jenseits der Elster 1. das obere Schlufs (Sitz von Behörden), 
r. das untere Schlofs (Residenz des Fürsten), auf dem dies- 
seitigen Ufer der Anger mit dem Germania-Denkmal von 
Röder, die Karolinenstrafse und die Heinrichstrafse. Vor 
allem verdient der reizende Park einen Besuch. Die Um- 
gegend von Greiz ist für Partien sehr ergiebig: Schlofsberg, 
Idahöhe, Keisberg, Schöne Aussicht, Weifses Kreuz. Ober- 
Grochlitz. 

Von Greiz mit Eisenbahn über Gera, resp. Wcida^ nach 
Jena, resp. Saalfeld. In der Nähe von Weida gewährt die 
Bahn den Anblick einer Hochgebirgsbahn. Im weiten, kühn 
geschwungeneu Bogen an dem felsigen, steilen Abhang des 
Hainberges entlang führend, durchbricht die Bahn unterhalb 
der alten Osterhurg den Sclilofsberg, führt hinter dem Schlofs- 
birgtuunel über das Aumathal und gewinnt mittels des grofs- 
artigen eisernen, in einer Höhe von oO m über dem Osohitz- 
thai schwebenden Viadukts den Bahnhot Weida. Das nette 
Stadtchen und die Osterburg mit ihrem riesigen, altersgrauen 
Wartturm gewähren ein reizendes Bild. 



n. Reisepläne. 



Wer das mit landschaftlichen Beizen und Schönheiten 
so reich ausgestattete Thüringer Land kennen lernen und 
durcli die besuchtesten Gegenden gleichsam eine Ivundreise 
uuternehmeu will, wird am besten die Thüringer Eisenl»alin 
entweder nur bis Grofsheringen benutzen, von hier auf der 
Saall)alin die Reise über Jena, Rudolstadt, Saalfeld forts.'tzen, 
durcli das Schwarzathal nach Schwarzburg und in dessen 
Umgebung wandern, bei Ilmenau oder Elgersburg auf den 



Praktische Winke. 5 

Thüringer Wald emporsteigen nnd erst anf der Rückreise, 
von Eisenacli aus, die Städte (xotha. Erfnit, Weimar und 
ihre Sehenswürdigkeiten und Umg-ebungen aufsuchen, oder 
auch von AVeimar aus auf der Weimar-Geraer Bahn über 
Jena die Weiterreise durch das romantische Saalthal fort- 
setzen. 

Indessen lassen sich für eine genufsreiche Reise auf 
dem Thüringer Wald nicht gut allgemeine Regeln aufstellen 
nnd Xornialtouren angeben. Es liängt die Wahl der einzelnen 
Touren zu sehr vom Geschmack, von der verfügbaren Zeit, 
den 3Iitteln und Kräften ab. Dazu kommt noch, dafs jetzt 
durch die zahlreichen Eisenbahnen, die mitten in den AV^ald 
hinein und durch denselben hindurch führen, die Zusammen- 
stellung der Partien eine aufserordentlich mannigfaltige sein 
kann. Daher sehen wir aucli von der Aufstellung verschie- 
dener Reisepläne ab und ül)erlassen es dem einzelnen, sich 
salbst eine Tour zusammenzustellen, was bei der Einrich- 
tung unseres Führers sehr leicht zu machen ist. Nur möchten 
wir davor warnen, den ganzen Thüringer Wald im Fluge zu 
durcheilen, wie dies wohl vielfach geschieht, da diese Art zu 
reisen den Genufs an der Schönheit und den Reizen dieser 
Gegend sehr beeinträchtigt; andernteils möchten wir den Be- 
such des südlichen Teiles des Waldes angelegentlich empfehlen, 
der bisher ganz mit Unreclit auffallend vernachlässigt worden 
ist. Wer den Tldiringev Wald mit vollem Beilagen geniefsen 
ic'dl, der läßt aich an verschiedenen Punkten auf einige Tage 
nieder xmd macht von da ans kleinere Spaziergänge und 
gröfsere Touren. Um dies zu erleichtern, sind an den be- 
treffenden Stellen die vom Thüringer Wald- Verein bezeich- 
neten Wege in unserem Buche aufgenommen Avorden. 

Bei der Walil der für längeren Aufenthalt geeigneten 
Punkte lenken wir die Aufmerksamkeit besonders auf *Rudol- 
stadt, Sacdfeld, Blankenbiirg , Chrysopras, *Schwarzhurg^ 
Blnmenau, Katzhntte, Nenhaus a. R., ^Ilmenau, *Elgersbnrg^ 
Schmücke, * Oberhof, Georgenthal, Tambach, *Friedrichroda, 
*Tabarz, *Ruhla, *Thal, * Eisenach, Sonneberg u. a. 



in. Praktische Winke für die Reise. 

Eisenbalmen. Über Sommer- und Rundreise-Fahrkarten 
siehe S. 1 u. 2. Zwischen sämtlichen Stationen der genannten 
Bahnen werden für 2. und '■^. Kl. Tageskarten zur Hin- und 
Rückfahrt, auf zwei Tage (auf der Friedrichrodaer ßalm nur 



6 Piaktisclio Winke. 

für den Tai;- der Lösung) gültiü:, zu enuäfsis>:ten Preisen aus- 
j^-egeben, sind nhcv für die iSclinel'züge nicht zu verwenden. 

Die Poslstral'scu sind an den betreifenden Stellen im 
Buche angegeben. Die Post befördert nur Personen, die sich 
für die Fahrt haben einschreiben lassen. Kleines Handgepäck 
kann im ^\^^gen mitgenommen werden, das gröfsere niufs eine 
Stunde vor derAbfalirt, und wenn letztere in der Nacht oder 
morgens früh erfolgt, abends zuvor in das Postbureau eii.- 
geliefert werden; 15 kg Gepäck sind für jeden Heiseudeu frei. 

Kosten. Es läfst sich zwar über den Kostenpunkt im 
allgemeinen keine Norm feststellen, da sich der Reisende 
meistens nach den ihm zu Ciebote stehenden Mitteln zu 
richten hat; docli kann man annehmen, dafs mau, will man 
auf der K.eise angenehm, aber billig leben und unnütze Aus- 
gaben vermeiden, täglich etwa i) Mk. gebrauchen wird: da- 
von entfallen etwa: auf das erste Frühstück 1 31 k., auf das 
]\Iittagessen 2 Mk., Abendessen 1 Mk., Logis durchschnittlich 
2 Mk! üU Pf. 

Auf Ersuchen des Thüringer Wald-Yereins hat eine 
Anzahl von Gasthofsbesitzern die Preise für das erste 
Frühstück, das Mittagessen, den Tischwein und die 
Zimmer durch Anschläge in ihren Häusern bekannt 
gemacht. Wir bezeichnen diese Gasthäuser mit festen, 
bekannt gegebenen Preisen durch ein f. 

Die schönste Zeit zur Keise nach Thüringen bieten die 
Monate Juni und September, die sich in der Regel durch 
beständige Witterung und reine Luft auszeichnen. Im Juli 
lind August hat mau häutig wegen der von der gröfseren 
Hitze angezogenen Dünste auf den Höhen eine beschränkte 
Aussicht. Dazu kommt, dafs im Juli und in der ersten Hälfte 
des August, welclie der verschiedenen Ferien und der gün- 
stigen Badezeit wegen von sehr vieleii Badegästen und Tou- 
risten gewählt werden, die Preise in den Gasthäusern höher 
sind, auch das Unterkommen dann weniger leicht und bequem 
zu ünden, oder doch teurei' zu bezahlen ist. Wer also durch 
Zeit und Umstände nicht behindert ist, der wähle, namentlich 
<ler Fufsgänger, zu seiner Reise nach Thüringen die 31onate 
Juni und September. In einem besonders günstigen Früh- 
jahr kann die Reise schon Mitte Mai unternommen werden. 

Führer werden den Besitzern dieses Wegweisers, wenn 
sie nicht ihr Gepäck tragen lassen wollen, nur in sehr 
seltenen Fällen notwendig sein, da auf eine möglichst klare 
Wegbeschreibung Rücksiciit genommen ist. Der Thüringer 
\Vald-"\\'rcin hat sich das Verdienst erworben, dafs er fast 



Praktische Winke. 7 

Überall (im Herzogtum CTOtlia wurde es nicht .g'estattet) durch 
Anbringuiiy von farbigen Strichen an Bäumen^ Felsen u. s. iv. 
die Wege bezeichnet hat Orieiitierungstafeln, welche angehen, 
wohin die einzelnen Farben führen, sind an den Ausgangs- 
punkten angebracht. Der Rennsteig ist mit einem weii'sen 
B. bezeichnet. — Wo die Annahme eines Führers ratsam 
erscheint, ist an geeigneter Stelle das Nötige gesagt. Privile- 
gierte Führer sind an melireren Hauptstationen des Thüringer 
Waldes zu finden; die nicht privilegierten, oft widerwärtig 
zudringlichen weise man entschieden zurück. Die Taxe für 
die Führer ist festgesetzt. Für das Tragen von I2V2 kg 
Gepäck ist nicht besonders zu bezahlen. Beschwerden über 
die Führer sind in die Beschwerdebücher der Gasthäuser 
oder in die Instruktion, die jeder Führer bei sich tragen soll, 
zu vermerken. Im Herzogtum Gotha haben verpflichtete 
Führer, welche ein Schild mit dem gotliaischen Wappen und 
ein Exemplar des Führer-Regulativs bei sich führen müssen, 
für das Führen mit Inbegriff des Lohnes für das Tragen 
der Reiseeffekten bis zu ISVo kg 1 Mk. für V4 Tag, 2 Mk. 
für 1/.. Tag, 3 Mk, für 1 Tag, 4 Mk. für 1 Tag und Nacht zu 
fordern. — Es ist aber überall und in allen Fällen ratsam, 
bei Annahme des Führers, auch für kleinere Touren, den 
Preis vorlier festzustellen. — Einer Unsitte zufolge pflegt 
mau dem Fremden das, was Führer oder Kutscher verzehrt 
haben, in Rechnung zu stellen; man thut besser, die Leute 
dies selbst bezahlen zu lassen, da für sie bei direkter Zahlung 
die Preise niedi'iger berechnet werden. 

Fuhrwerke sind auch dem rüstigen Fufswanderer an 
einzelnen Punkten, die im Buche genannt sind, zu empfehlen. 
31it den Lolmkutschern ist der Preis gleichfalls vorher fest- 
zustellen, mit Berücksichtigung der Nebenausgaben, Trink- 
gelder etc. Man wird Avohl thun, bei dieser Feststellung des 
Preises und der Tour jede Einmischung der Kellner zurück- 
zuweisen und mit den Kutschern selbst überein zu kommen. 
— Für einen ganzen Tag zahlt man für einen Einspänner 
etwa 9—15 31k., für einen Zweispänner 15—22 Mk. ohne 
Trinkgeld und Nebenausgaben. 

Praktisclie Reisereg-eln. Bevor man die Reise antritt, 
entwerfe man sich einen vollständigen Plan. Die in diesem 
Buche enthaltenen Routen und Karten bieten hierzu eine 
ausreichende Grundlage, auch für Reisende, welche gröfsere 
Orte als Stationen festhalten und von dort Ausflüge unter- 
nehmen wollen. — Dem Fnfsivanderer erschliefsen sich die 
köstlichsten Schätze des Gebirges, und nur ihm wird das be- 
hagliche Gefülil zu teil, welches sich nach wackerem Tages- 



8 Praktische Winke. 

marsch einstellt und ilunli nichts anderes auf der Reise auf- 
ijewo^i^en winl. l^iese EnnunttTuni"- gilt auch für Danieiu 
die im allgemeinen besser zu Fuls sind, als sie sich vorher 
zutrauen. Freilich ist hierin Mals zu halten, und es sollte 
kein Touiist seine Wanderung über 7 Stunden täglich aus- 
dehnen, in den ersten Tagen sogar nicht üljer Stunchm. 
„Die meisten Sünden auf Gebirgsreisen werden verübt in 
Bezug auf die 3Iarschleistungeu. Genaue Normen sind hier 
selbstverständlicli nicht aufzustellen, kommt es doch bei zwei 
Paar gleichstarken Beinmuskeln immer noch darauf an, welche 
Last sie zn tragen haben; aber einen ^Mafsstab möchten wir 
dem Wanderer an die Hand geben, damit er durch Ver- 
gleiche seine Leistungskraft abschätzen und rationell anwenden 
lerne. Einen solchen Mafsstab bietet das Marschreglement 
des deutschen Heeres. Dem Soldaten sind ^ lo m Schrittgröfse 
vorgeschrieben, und in jeder Minute soll er 112 Schritte 
machen, dabei wird 1 km in 12 dünnten, nnd die deutsche 
^leile in 1' '2 Stunde znrücka-elegt. Das ist also ein strammer 
Militärmarsch, eine anstrengende Arbeit, eine wohlabgemessene 
Berufsleistung. Doch der Tourist wird wohl thun. wenn er 
das ^Maximum seiner Marschgeschwindigkeit mindestens 20 
bis 25% unter die militärische Durchschnittsleistung herab- 
setzt. Diese ist auf 26 km normiert, wobei jeder vierte Tag 
als Rasttag ausfällt. Mit gutem Gewissen darf mithin der 
Tourist auf einen Tagesmarsch von 20 km als auf eine an- 
gemessene, befriedigende Leistung zurückschauen. Unerfahren 
in der Ökonomie der Köri)erkräfte, treibt jedoch die Mehrzahl 
der Touristen die Touristik wie eine Hetzjagd, und gewöhn- 
lich brüstet man sich noch mit Märschen, die sonst nur nach 
verlorenen Schlarhteu vorkommen." — Zum Wandern nehme 
man namentlich die frühen Morgenstunden, ehe die Hitze zu 
grofs wird, und ruhe zu ilittag einige Stunden aus. um ge- 
stärkt und mit neuen Kräften in den späteren Xachmittag- 
stunden die Reise fortzusetzen. Des Nachts zu wandern, 
bleibt durchaus unratsam. Es ist eine alte, gute Regel, dafs 
man gleichmäfsig und nicht zu schnell schreite, nicht oft 
ruhe, lieber die Ruhepunkte selten uml von längerer Dauer 
wähle, auch das Trinken von dem ungewohnten, oft sehr 
kalten Bergwasser gänzlich vermeide. Dem Fufswanderer ist 
sehr zu empfehlen, sich in den Gasthäusern die Feldflasche 
mit reinem schwarzen Kaffee füllen zu lassen; auch der 
gröfste Durst winl damit gelöscht, ohne dafs liUnge und 
klagen auch bei starker Erhitzung nachteilig aftiziert werden. 
Beim Bergansteigen gehe man nicht zu schnell. AVenn man 
beim Aufsteigen die kalte Luft oder, die prickelnde Nässe um 
das Gesicht merkt, ziehe man den Überrock (oder das Plaid) 



Praktische Winke. 9 

Über. Abends treffe man niclit zu spät, jedenfalls vor ein- 
tretender Dunkelheit in den Grasthilusern ein, um noch einige 
Stunden zur o-emächlichen Ruhe vor sich zu haben und nicht 
sogleich nach der xA.nkunft erhitzt, abgemattet und mit vollem 
klagen ins Bett steigen zu müssen. Nur in den Thälei'u 
früher Aufbruch I Auf Bergen mufs man schon am Nach- 
mittag ankommen und am andern Blorgen erst spät weg- 
gehen. Gepäck führe man so wenig als möglich bei sich, 
man kann ja überall seine Wäsche Avaschen lassen und in 
Städten etwaigen Mangel ersetzen. — Fufsgänger werden 
wohl thun, vor Antritt der Reise in demjenigen neuen Schuh- 
werk, das sie für ihre Wanderung zu benutzen gedenken, 
mehrmals Fufstouren zu machen, um sich an das Gehen darin 
zu gewöhnen. 

Die Kleidung des Reisenden sei Aveder zu leicht, noch 
zu schwer, sondern bequem und möglichst Avasserdicht Sich 
mit vielen Kleidern zu beladen, ist weder vorteilhaft, noch 
angenehm. 3Ian wird um so freudiger marschieren, je weniger 
die Reisetasche drückt. Viele Gegenstände, die zu Hause 
unentbehrlich erscheinen, kann man für die kurze Reise 
zurücklassen. Man Avandere in .. einem leichten, bequemen 
Sommerrock und nehme einen Überrock oder noch besser 
ein Plaid m_it. Audi trage man mittelstarke, jedenfalls 
tuchene Beinkleider, endlich feste und bequeme Stiefel oder 
Gamasclieu-Schuhe init kräftigen, doppelten Sohlen (leichte 
Stadtstiefel oder Überschuhe sind durchaus unbrauchbar) 
und einen leichten Filzhut. Wer ein Fernrohr bei sich führen 
Avill, Avird allerdings manchen erhöhten Genufs haben. Auch 
leisten ein Schirm, der zugleich die Stelle eines Stockes A^er- 
tritt iTud gegen Sonne oder Regen Schutz bietet, soAvie eine 
Trinktiasche in Leder oder Korbgeflecht mit schAvarzem Kaffee, 
Cognak oder Wein, um die Schulter gehängt, gute Dienste. 

Damen Averden ein bequemes, Avollenes, schAvarzseidenes 
oder starkes, dunkles Kattuukleid, das bequem aufzuschürzeu 
ist, einen der Sonne und schlechter Witterung trotzenden 
Filz- oder Strohliut und feste lederne Stiefel mit doppelten 
Sohlen (am besten den kurzen Herrenstiefeln ähnlich) tragen. 
3Ian kann es auf einer gröfseren Reise Avohl immer so ein- 
richten, dafs ein besonders gefüllter Koffer (Avorin namentlich 
auch ein Paar leichtere Stiefel) einen oder mehrere Tage 
A'or der Ankunft der FufsAvanderer an bestimmten Orten 
eintrifft. Im allgemeinen Aviederholen Avir: je Aveniger Gepäck, 
desto freier und fröhlicher des Reisenden Gemüt; es sollte das 
gefüllte Räuzel nie schAverer als 2 bis höchstens 3 kg wiegen. 



Kl 



Oeoguiisti.sflu's uml Hotanisdics. 



Aus der t'olneiHleu Talielle ist der SonveH-Anfyaiifj und 
Sonnen- U')itergani) in den 3lonateii Juni bis .Se])t. ersiclitUeli: 



Sonn<>ii- 
Aufu-. L'nt( 



Sonnen- 
Aufg. Untoi-ff. 



Juni 



Juli 



, 3. 


47. 


8. 


19. 


4. 


2. 


8. 


10. 


4. 


14. 


7. 


57. 



Sonnen- 
Aufg. Untorg;. 


Septbr. 


Sonneii- 
Aiifg. Unterg. 


1. 1 4. 23. 
l(i. 4. 4(L 
20. \ 5. 3. 


7. 48. 
7. 20. 
7. -. 


1. 5. 12. 
l(j. 5. m. 
2(i. 5. 53. 


6. 47. 
6. 12. 
5. 48. 



IV. Geognostische und botanische Notizen. 

Die vüu Xurdwesten nach Südosten streichende Kette des 
Thüriny-er "W^aldes zerfällt in zwei grofse Hälften: in eine 
südöstliche, Avelche den Charakter eines massiven Gebirges 
mit breitem liückeuplateau trägt und vorwiegend aus Thon- 
schiefer und Grauwacke besteht, und in eine nordwestliche 
Hälfte, die eine schmale Längsgebirgskette bildet und in 
ihrer Hauptmasse aus Glimmerschiefer, Gneis uml den 
Gliedern der Steinkohlen- und permischen Formation zu- 
sammengesetzt ist. Die Grenze zwischen diesen beiden 
Hälften bildet ein gewaltiger, glimmerführender Melaphyr- 
uud Porphyrif-Zug, welcher sich, den ganzen Gebirgskamm 
durchschneidend, von Ilmenau am nördlichen Kande bis in 
die Gegend von «Schleusingen am südlichen Kande hinzieht. 
Wie aber dieser Porphj'ritwall die beiden Gebirgshälften 
von einander scheidet, so vereinigt sie ein Riff der Zech- 
steinformation Avieder, welches sich ans der Umgegend von 
Eisenach über Ilmenau, Saalfeld. Pösneck bis nach Gera 
hinzielit und so einen nördlich liegenden Wall um die beiden 
Hälften bildet. — Der südöstlich von dem Porphyrit- und 
Jlelaphyrwall gelegene Gebirgsteil ist der Fniukeuicahl, der 
nordwestlich von demselben sich ausstreckende der eige.itliche 
Thürimjcr TlrtW. Die beiden Gehänge des letztgenannten 
Gebirges werden von den Gliedern der Triasgruppe umgeben, 
und zwar so, dafs an seinem nördlichen Fufs die vorherr- 
schend aus 3Iuschelkalk und Keuper bestehenden Stufenpla- 
teaus des Tliüringer Terrassenlandes, an seinem südlichen 
Fufs aber die aus dem Euntsandstein gebildeten. Avellen- 
fVirmigeu Hügelplateaus des Werrathales sich ausbreiten. 



Geogiiostisches und Botanisches. J]^ 

Es zeigt daher der Thüringer Wald in seinem Quer- 
dnrclischnitt drei neben einander hinziehende Landeszonen: 
1. eine nördliche Yoi'londszone, die vorherrschend ans den 
Gliedern des Muschelkalkes, Keupers und Lias besteht und 
nur in der unmittelbaren Xähe des Gebirges den Buntsand- 
stein zeigt; 2. die eigentliche Gebirgszone, welche durch die 
Hörsei und Werra von der vorgenannten getrennt wird und 
aus Gneis. Glimmerschiefer, Steinkohlengebilden, Eotliegen- 
dem und Zechstein zusammengesetzt ist; 3. eine südliche Yor- 
landszone, die durch das Thal der Werra, der Suhl und Elna 
geschieden und vorheri'schend aus den Gliedern der Buntsaud- 
steinformation gebildet wird. 

Mineralogisch und geognostisch mericwürdige Örtlichl<eiten am 
Thüringer Walde. 

A. Am Xordabhang des Gebirges sind zu nennen: 

1. Die Umgebung Eisenachs mit sechs geognostischen 
Formationen, imter denen das Rotl legende am mächtigsten 
entwickelt ist. Eine besondere Exkursion verdient die schöne 
Zechsteinformation bei Eppichnellen und der Basaltdurch- 
bruch an der Stotfelskuppe mit seinen in Basaltjaspis um- 
gewandelten Sandsteinsäuleu. 

2. Die Tlmgehing von Thal und Heiligenstein, in welcher 
zunächst an den Ebersbergen Zechstein mit Petrefakten, 
3Ialachit und Kupferlasur, sodann am Regis, Mittelberg und 
]\reisenstein Felsitphorphyr und Porphyrbreccie mit achat- 
haltigen Porphyrkugelu. dann an der Ehernen Kammer 
Kohleuschiefer mit Pflanzenalidrücken. ferner am Ringberg* 
Glimmerschiefer. Gneis, Porphyr und Hornblendegestein, 
endlich bei Kittelsthal Gips mit Dolomitspat und Speckstein- 
knollen vorkommen. 

3. Die Umgehung von Reinhardsbrunn, wo in der Marien- 
grotte der prachtvoll krystallisierte Gijtsspat (Fraueuglas), 
dann im Lauchagrund dicliter 3Ielaphyr, Melaphyrmandel- 
stein, Porphyr mit grofsen Feldspatkrystallen und Hornstein- 
porphyr (_am Thorstein) auftreten. 

4. Die Gegend von Ilmenait. Dort ist am Ehrenberg' 
Syenit und Serjientin mit Epidot und Granaten, im Ilmthal 
schöner Melapliyrmandel stein, bei Kammerberg und Mane- 
bach Steinkohlenformation mit schönen Pflanzenabdrücken, 
in dei" näheren Umgebung von Ilmenau Manganerze (nament- 
lich Pyrolusit, Hausmannit und Braunit ■ und in weiterer 
Entfernung Glimmerporpliyr und am schwarzen Crux bei 
Schmiedefeld Magnet- und Granateisenstein zu linden. 



12 Geognostisclu's und liotanisches. 

B. Am südöstlichen Teil des Thüringer Waldes 
oder am Frankcnwald tritt Iiervor die silurische oder devo- 
nische Crrauwacke-Tlion.schiefert'ormation, zu weicher am Ost- 
rande bei Saalteld noch die erzreiclie Zeclisteinformation mit 
schönen Kupfererzen und am Südrande die .Steiukolilenforma- 
tion, z. B. bei Neuhaus, kommt. Besucheuswert sind die 
Schieferbrüche von Lehesten und Krouach. 

C. Auf dem Rücken des eigentlichen Thüringer 
Waldes kommen vor namentlicli Felsitjxirpliyre (rey:enerierte 
Eeldspatkrystalle und Porpliyi-kugeln am Schneekopf nnd 
Beerberg), Forphyrtuffe (vom Schneekopf an bis (Jberhof). 
dann Kohlensandsteiue uml graue Sciiiefertiione der zum 
Rotliegenden gehörenden Steinkolilenformation bis zum Insel- 
berg hin, an welchem wieder I'orphyr auftritt. 

D. Am Südabhang des Gebirges befinden sich: 

1. In der Umgebung von Zella wwZ iSW/7 prächtige Syenit- 
granite und ilelaphyr. 

2. Zwischen Herges und Brotterode liegt das schöne, ans 
Granit und Gneis bestehende und mit zahlreichen Gangen 
von Schwer- und Flufsspat, Melaphyr, Felsitporphyr. Horn- 
blendegestein und Gabbro und Hypersthenfels (letztere Ge- 
steine hinter Brotterode im Thal zum Grofsen Wagenberg 
und Schützenbergj versehene Trusenthal. 

3. Zwischen Herges mul Bnd Liebenfitein, an der Chaussee, 
finden sich schöne Felsitporphyre und Granite, dann Eisen- 
spat und Brauneisenerz (an der ilommel), iind in der Nähe 
von Liebenstein Zechsteindolomit (mit Fenestellen und Pro- 
ductus) und ein Granitporphyr (am Korällchen). 

4. In der Umgehung von Altenstein tritt wieder die Zech- 
steinformation grofsartig entwickelt auf. namentlich sind es 
die Dolomite dieser Formation, welche das riffreiche und von 
Höhleu durchzogene Felsplateau Altensteins aufbauen (Dolo- 
mit mit zahlreichen Bryozein (Fenestellen) un«! Muscheln 
(Productus und Spirifer). vorzüglich am Hohlenstein. 

5. Geht man von AJtenstein quer über das Gebirge nach 
RuJila. so kommt man an grofskörnigem Granit mit Eisen- 
spatgängen, dann an (4neis und Glimmerschiefer vorbei. 

Botanisch wichtige Örtlichkeiten in Thüringen. 

Auch dem Botaniker bieten Thüringens Berge, Wähler 
und Tliäler mannigfache Ausbeute. Auf ein Verzeichnis der 
Pflanzen kann und soll natürlich hier nicht eingegangen 
werden; es genüge, auf einige für botanische Zwecke er- 
giebige Fundstätten aufmerksam zu maclien. 



Geognostisches und Botanisches. J3 

Besonders reich au verschiedenen Pflanzenarten sind die 
Orte, wo verschiedenartige Felsarten das Bodeubikhmgs- 
mittel abgehen, z. B. Thalgebiets. Avelche von Gneis-. Glimmer- 
schiefer- und Granitbergen umschlossen siud. Nächst diesen 
sind die mit Wald und Gebüsch locker bedeckten Basalt- und 
Kalksteinberge wahre Schatzkammern für Botaniker. Na- 
mentlich folgende Orte .*ind teils durch das Vorkommen sel- 
tener Pflanzen, teils durch den Reichtum verschiedener Pflan- 
zenarten für den Botaniker beachtenswert: 

1. In Eisenachs Umgebung: der Wartburgberg und die 
Eisenacher Burg (Dianthus caesius. Ornithogalum saxatile. 
Gerauium lucidum. Digitalis grandiflora); das Annathal mit 
80 Arten Moosen und Viola biflora; bei Stedtfeld das Stedt- 
felder Hölzchen, bei Thal die Ebers- und Marktberge. 

2. Bei Waltershausen der Schlofsberg und bei Eeinhards- 
hrurm der Ungeheure Grund; der Inselberg mit Ranunculus 
aconitifolius. Trientalis und seltenen Orchideen. 

3. Bei Arnstadt die Berge der Drei Gleichen und des 
Plaueschen Grundes. 

4. Bei Umenaxi namentlich der Ehrenberg; aufserdem die 
Moore des Schneekopfes und des Beerberges. 

5. Bei Smgen der Singerberg. 

6. Bei Blankenburg der Berg der Ruine Greiffenstein. 

7. Bei Eudolstadt namentlich der Mörlagraben und das 
Schaalaer Wäldchen. 

8. Im Schtcarzathal die Umgebung des Schlosses Schwarz- 
burg. 

9. Das Saalthal bei Saalfeld und bei Jena; im letzteren 
besonders der Wald bei Kunitzburg und der Forst. 

Kl. Bei Suhl der Ottilienstein und Domberg in seiner 
Aveiteren Ausdehnung nacli Zella hin. 

11. Der Kalta-assergnind bei Schmalkalden. 

12. Das Trusenthal zwischen Brotterode und Herges 
(Aconitum Lykoctonum und Mimulus, letzteres am Ufer der 
Truse und bei Eisenach). 

13. Die Klinge zwischen Herges und Liebenstein. 

14. Die Dolomitbei'ge bei Liebenstein und Altenstein 
(Orchideen in reicher Auswahl). 

15. Der Weg von Altenstein nach Ruhla und dann das 
Thal der alten Ruhl. 

16. Der Eltegrund zwischen Wilhelmsthal und Eppicli- 
ujllen, namentlich in der Umgebung des letztgenannten Ortes. 

17. Die Umgebung der basaltischen Stoffels -Kuppe 
zwischen Förtha und Marksuhl. i;nd von dieser Kuppe dann 
weiter der We»' nach Neuenliof. 



14 Geographisches und Gescliichlliclies. 



V. Geographisches und G-eschichtliches. 

Ge<»^rapliis(',ho NotiztMi. Der Fläclieuraum des Thü- 
ringer Waldes iiiag 47 (^Uiidratiiieilen bei einer Bevölkernng 
von •JOUCHKI Einwohnern l)etra<>en. Meininyen besitzt davon 
fast die Jiiilfte, niichstdem nehmen teil: Preufsen, Saclisen- 
Ooburg-ljotha, Saclisen-Weinnir. Schwarzburo-Kndolstadt und 
.Sondershansen, Bayern und die reufsisclien Fürstentümer. 
Die altenburgischen Besitzungen in l''hüringen liegen aufser- 
lialb d(;s Bereiches des Waldes. — Die Liinge des Thüringer 
Waldes von Blankenstein au der Saale, dem östlichsten 
Punkte, bis Hörschel (2 St. von Eisenach), dem nordwest- 
lichsten Endpunkte, beträgt 18 Jleilen; seine gröfste Breite 
(durchschnittlich VU Meilen) von Ziegenrück an der Saale 
bis Kronach in Bayern 7 geogr. Meilen. Über den ganzen 
schmalen, liöchstens Vg Meile breiten Kamm führt von der 
Saale bis zur Werra ein teilweise gepflasterter uralter Weg. 
B,ennsteig oder Reniiiceij genannt, Avelcher einst die (irenze 
zwischen Pranken und Thüringen bildete. Im Südosten hängt 
der Thüringer Wald mit dem Fichtelgebirge, südwestlich mit 
dem ßhöngebirge zusammen; in nördlicher Richtung ziehen 
sich seine Ausläufer, welche mit der Finne, Hainleite und 
dem Kyifhäusergebirge endigen, bis zum Südharz hin. 

An der nördlichen und nordwestlichen Seite herrscht der 
Buchenwald vor, welcher liier und da durch Tannen unter- 
In-oclien wird. Die Berggi])fel und Tlialwände sind meist mit 
nmbüschten Felsen geschmückt, und die grünen Thäler be- 
leben klare Bäche mit ihrem munteren Rauschen, während in 
anderen Waldtliälern, besonders bei Suiü und Schmalkalden, 
das regsamste industrielle Leben vorhanden ist. Schmerlen 
und Forellen plätschern in den <4ebirgsflüfschen, seltene 
Käfer und Schmetterlinge durchziehen die frische Bergesluft, 
und gegen 200 verschiedene Arten Vögel hegt der Wald. 

Ackerbau wird minder betrieben, mit Ausnahme der Kar- 
toifel, die das Hauptnahrungsmittel für den ärmeren Teil der 
Wäldler bildet. VichzHcht wird mit grofsem Vorteil ge- 
trieben: auf den zalilreichen kräuterreichen Wald wiesen und 
in den schattigen Thalgründen ertönt fast überall das har- 
monisch abgestimmte, wohlklingende Glockengeläut weidender 
Herden. 

Es giebt neben dem Thüringer Wald wohl kaum ein 
Gebirge in Deutschland, in dem auf einem so kleinen Flächen- 
raum sich so viele Werke, Manufakturen und Fabriken 
mannigfaltigster Art vereinigt linden: Stahlhütten, Eisen- 



Geographisches und Geschichtliches. 25 

liämmer, Schiuelzwerke, Bleclihämraer, Glashütten, Porzellan- 
fabrikeu, Spiegelglasfabriken, Zinn- nnd Dralitliämmer, hölzerne 
Spielwaren-, Papiermache-, Pfeifenkopf-, Mertizinahvaren-, Mu- 
sikinstrmnenten-Fabriken wechseln mit Pech- und Kienrufs- 
Hütten. mit Säge-, Malil-, Öl-, Loh-, Walk-, Papier-, Knochen-, 
Spinn-3Iühlen. Bierbrauereien, ^Vebereien u. a. 

Steinbrüche aller Art liefern Bau- und ]'llü]ilensteine 
(letztere namentlich in Krawinkel), Marmor, Gips, Alabaster. 
Schwerspat; die Salzproduktion in der thüringischen Ebene 
ist nicht unbedeutend. 

(Treschichtliche Notizen. Die ältesten germanischen Be- 
wohner Thüringens waren die Hermunduren, in deren Land 
zur Zeit der Völkerwanderung verschiedene deutsche Stämme 
(Hessen, Angeln, Warner und Schwaben) einwanderten, die 
den gemeinschaftlichen Namen Thüringer führten. Sie stan- 
den in einem Schiitzverhältnis zu den fränkischen Königen, 
bis diese in Verbindung mit den Sachsen durch eine Schlacht 
an der Unstrut ( 500) und durch Ermordung des letzten Königs 
Hermanfried (531) dem Reiche der Thüringer ein Ende 
machten. Von Xorden drangen nun Sachsen, von Westen 
und Süden Franken ein und vermischten sich mit der Be- 
völkerung. Ein hal1)es Jahrhundert später beginnt das Vor- 
dringen der slavischen Stämme über die Saale; Slaveu ver- 
breiten sich über das ganze Land. 

Die Verwaltung des Landes stand unter fränkischen 
Heerführern (dixx); bekannt ist Heden L, der schon vor 
Bonifatius das Christentum angenommen hatte; nach dem 
3Iuster der fränkischen Verwaltung wurde das Land in Gaue 
geteilt, an deren Spitze Gaugrnfcn standen. 

Die Bekehrung Thüringens zum Christentum erfolgte 
durch Winfried, Bonifatius genannt. Mit Unterstützung des 
fränkischen Major domus kam er 724 ü])er Hessen nach 
Thüringen, wo er in Olirdruf und Erfurt Kirchen gründete. 
Als er zum Erzbischof von Mainz ernannt wurde, vereinigte 
er sein Missionsgebiet mit seiner Diöcese. 

Zur Abwehr gegen die Slaven, mehr aber zur Erweite- 
rung des deutscheu Gebietes gegen Osten wurde von den 
fränkischen Königen die sorbische Mark an der mittleren 
Saale angelegt. 

Mit dem Medergange der fränkischen Macht, besonders 
zur Zeit des Aussterbens der Karolinger wurde Thüringen 
der Gegenstand des Streites zwischen den Pranken und 
Sachsen; aus diesem Streit gingen die Sachsen als Sieger 
liervor; seit dem Anfange des 10. Jahrhunderts ist die 
sächsische Familie der Lindolünger im Besitze Thüringens. 



|(; (ii'Ogiaiihisclii's uiiJ Gescliichtliclikis. 

Da die säclisisflicii Kaiser die Kroberungspolitik nach Osten 
wieder aufnahmen, so kam das tliüringisclie (.xehiet teils 
als tluiiiniiisclie Mark, als Mark Meifsen, oder als Pfalz- 
ü'rafschat't Sachsen zn cinii>'er Bedeutung. 

Otto lll. (t 100-2) beieliute Kckardt L, Markgrafen von 
3[eirseu, mit Thüringen. Als sich Eckardt I. gegen den 
Nachfolger Ottos Ili., Heinrich IL, den Heiligen (t IU'24), 
auiiehnte und di.^ thüringischen Cirafen zu verdrängen suchte, 
fiel er bei rühle durch die Dolche von Meuchelmördern, 
welche von seinen Gegnern, den Grafen von Nordheim, 
gedungen waren. Die Markgrafenwürde wurde hierauf ge- 
teilt unter Graf Wilhclni II., welchem Thüringen, luid 
Chinzdin (Eckardts I. Bruder), dem üleifsen zufiel; doch 
schon nnter Wilhelvi II. ward die durch den Tod Eckardts IL 
erledigte Markgrafenschaft Meifsen mit Thüringen wieder 
vereinigt. Unter Heinrich IV. (j lltlO) nahmen die Thüi-in- 
ger mit den Sachsen Partei gegen den Kaiser, der sie in 
ihren Rechten gekränkt hatte; er Avurde 1073 aus seiner 
Residenz Goslar, dann aus der von ihm befestigten Harz- 
burg (wohin er sich von dort zurückgezogen hatte) vertrieben 
und flüchtete von dort über Eschwege nach Worms, avo er 
ein neues Heer sammelte. Mit diesem zog er gegen die 
Thüringer und Sachsen und besiegte sie 1075 bei Homburg, 
in der Nähe von Langensalza. 

Gegen 1036 war in Thüringen Graf Ludwig der Bärtige 
{'\- 105G), ein naher AnverAvandter Konrads IL ("I- 1039), 
aufgetreten und liatte in dem jetzigen Herzogtum Gotha 
durch Kauf einen ausgedehnten Grundbesitz an sich gebracht 
Sein Sohn Avar Ludwig der Salier, d. h. der Franke (der 
Gemahl der schönen Adelheid und Erbauer der Wartburg-, 
des Schlosses Freiburg und des Klosters Eeinhardsbruiui), 
Avelcher seine Besitzungen noch ausdehnte xmd gegen Hein- 
rich IV. focht. Wegen der Ermordung des l'falzgrafen 
Friedrich von Sachsen, des ersten Gemahls der schönen 
Adelheid, die man ihm schuld gab. Avurde er nach der Sage 
auf der Burg Giehichensten bei Halle gefangen gehalten, 
rettete sich jedoch durch einen kühnen Sprung aus seinem 
(iefängnis in die Saale. Daher sein Beiname „der Springer". 
Er starb 1123 in lieinhardsbrnnn als büfsender 3Iönch. 
Sein Sohn Ludwig Avurde vom Kaiser Lothar (f 1137) 11.30 
als LudAvig I. zum Landgrafen von Thüringen erhoben. Ihm 
folgte 1140 sein Sohn Ludwig IL, der Eiserne (-[- 1172), 
Schwager und Anhänger Friedrich Barbarossas gegen Hein- 
rich den LöAven (-{- 1195). 

liUdAvigs SöJme Avaren Ludwig IIL. der Milde (-j- 1190 
auf einem Kreuzzuge in Cypern). und Ilernuuin /., der es 



Geographisches und Geschichtliches. 17 

bald mit Philipp vou Schwaben (1'208). bald mit Otto IV. 
(f 1218), Heinrichs des Löwen Sohn, hielt. Er ist bekannt 
durch den auf der Wartburg abgelialtenen Sängerkrieg. Sein 
Nachfolger war 1217 Ludwig der Heilige, Gemahl der heiligen 
Elisabeth (f 16. November 1231 in Marburg), der Wohl- 
thäterin der Armen iind Leidenden. Als er 1227 auf der 
Fahrt nach dem gelobten Lande in Otranto einer bösartigen 
Krankheit unterlag, bemächtigte sich sein Bruder Heinrich 
Raspe (f 124:7) des Landes, verstiefs die heilige Elisabeth 
und liefs angeblich deren Sohn, Hermann IL, vergiften. — 
Nach Heinrich Raspes Tode wütete ein neunjähriger Krieg 
Avegen der thüringischen Erbfolge zwischen Markgraf Hein- 
rich dem Erlauchten vou Meifsen (Nefte Heinricli Raspes), 
welcher 1243 vom Kaiser Friedrich IL die Belehnuug er- 
halten hatte, und Sophie, der verwitweten Herzogin von 
Brabant und Tochter Ludwigs des Heiligen, die für ihren 
Sohn Heinrich Ausprüclie an das Erbe machte. Der Streit 
wurde zu Gunsten des Markgrafen von 3Ieifsen geschlichtet, 
und Heinrich von Brabant mufste sich mit Hessen begnügen, 
das seit dieser Zeit von Thüringen getrennt ist. 1262 
übergab Heinrich von Meifsen die Landgrafschaft Thüringen 
seinem Sohne Albrecht, mit dem Beinamen der Entartete 
(f 1314). der seine Gemahlin Margaretha, Tocliter Kaiser 
Friedrichs IL, verstiefs, um seine Buhlin, das Hoffräulein 
Kimigunde von Eisenberg (f 1286), die ihm bereits einen Sohn, 
Apitz (f 1300), geboren hatte, zu ehelichen. Beim Ab- 
schiede der Mutter von ihren Söhnen, Heinrich, Friedrich 
und Diezniann^ soll Friedrich (f 1324) von der vor Herzeleid 
vergehenden Mutter so heftig in die Wange gebissen worden 
sein, dafs er lebenslang eine Narbe davontrug. A^on diesem 
Biss erliielt Friedrich den Beinamen: „mit der gebissenen 
Wange". Dem aufser der Ehe erzeugten Sohne Apitz wollte 
Albrecht die thüringischen Länder übergeben, aber seine 
anderen Söhne widersetzten sich diesem Vorhaben, und es 
entstand nun ein heftiger Streit, der zwar durch Rudolf von 
Habsburg geschlichtet ward, aber 4 Jahre später den Verkauf 
der thüringischen Länder durch Alhrecht an König Adolf von 
Nassau zur Folge hatte. Hierdurch wunlen Friedrich und 
Diezniann abermals in ihren Rechten beeinträchtigt, und es 
entspann sich nun ein neuer, langwieriger, von beiden Seiten 
mit grofser Erbitterung geführter Krieg, so dafs das Thüringer 
Land durch diese Kämpfe unendlich viel zu leiden hatte, ver- 
ödete und verarmte. Die Zwistigkeiten fanden ein Ende, als 
die Truppen des den Krieg fortsetzenden Gegners des 1298 
bei GöUheim gefallenen Königs, Albrecht von Österreich 
(t 1308), Sohn des Kaisers Rudolf von Habsburg, 1307 bei 

Griebens Keise-Bibl.: Thüringen. (16. Aufl.) 2 



IS Geographisches und Geschichtliches. 

Lucca im Altenburgischen gänzlich geschlagen wurden. Fried- 
richs Bruder, Dicz)ttann, unterlag in demselben Jahre in Leipzig 
dem J^ulclie eines Mönches, als er die Blesse in der l'auliner- 
Kirche besuchen Avollte. Unter Friedrichs Sohn, Friedrich IL, 
dem Schönen oder Ernsthaften (f 1349), entstand 1342 der 
thüringische Grafenkrieg, den er siegreicli gegen die Grafen 
von Schwarzburg und Örlamünde bestand. Diesem Erfolge 
verdankte er die "\'ergröfserung seines Landes (z. B. mit der 
früher dem letzteren gehörigen Stadt Weimar). — Die land- 
grätliche Linie starb 1440 mit Friedrich III., dem Einfältigen, 
aus, uiul Thüringen ging nun als Erbe an die Enkel Fried- 
rich III.. Friedrich den Sanftmütigen (f 1485) und Wilhelm 
(t 1482), ül)er, deren Vater, Friedrich der Streitbare, die 
sächsische Kurwürde erlangt hatte. Der älteste dieser Söhne 
erhielt die Kurwürde, und Wilhelm, der seine Residenz in 
Weimar nahm. Tlüiringen. Dieser glaubte, bei der Teilung 
zu kurz gekommen zu sein, und begann deshalb gegen seinen 
Bruder Krieg zu füliren, wodurch Thüringen mehr als je dem 
Verderben entgegengeführt ward. 1451 erfolgte die Aussöh- 
nung. Willielms Erben waren die Söhne seines Bruders, Ernst 
und Alb recht, die nämlichen, welche Kunz von Kauffungen in 
Altenburg 1455 aus Rache für angebliche Beeinträchtigungen 
entführt hatte, und die als Stammväter der beiden regie- 
renden sächsischen Linien (der königlichen und der herzog- 
lichen) bekannt sind. Die Söhne des Kurfürsten Ernst, 
Friedrich der Weise (7 1525) und Johann der Beständige 
(f 1532), waren die eifrigsten Förderer der Reformation und 
Luthers Freunde und Beschützer. Unter ihnen (1524) brach 
der Bauernki'ieg aus. Avelcher mit der Gefangennehmung des 
Bauernanführers Thomas Münzer zu Frankenliausen (15. Mai 
1525) und dessen bald darauf erfolgter Hinrichtung endete. 

— Der Nachfolger in der Kurwürde, Johann Friedrich der 
Grofsmntige ^ das Haupt des 1531 in Schmalkalden ge- 
schlossenen Bundes, wurde 1547 in der Schlaclit bei Mühlberg 
gefangen genommen und darauf fünf Jahre in Gemeinschaft 
mit Philipp dem Grofsmütigen von Hessen in Gefangenschaft 
gehalten, bis er durch seinen Vetter Moritz (albert. Linie) 
am 31. Juli 1552 infolge des Vertrages zu Passau wieder 
befreit Avni'de. Nacli der Schlacht mufste er einen Teil 
seiner Lande an Jloritz abtreten, der aucli die sächsische 
Kurwürde erhielt; Weimar. Gotha und Altenbury blieben 
der ernestinischen Linie und gehörten demnach zu Tliüringen. 

— Johann Friedrich, der seine Residenz in Weimar auf- 
schlug, stiftete 1548, also Avälirend seiner Gefangenschaft, 
die Universität Jena, die jedoch erst 1558 eingeweiht wurde. 
Seine beiilen ihn überlebenden Söhne, Johann Fricdnch der 



Geographisches und Geschichtliches. X9 

Mittlere und Johann Wilhelm, regierten gemeinschaftlich, bis 
jener den wegen Ermordung des Bischofs Zobel von Würz- 
burg geächteten fränkischen Ritter Grumbach in Schutz nahm, 
ein Schritt, der seinen Untergaug herbeiführte, weil Kaiser 
Ferdinand Z, hierüber entrüstet, die Reichsaclit gegen um 
vollstrecken liefs. Der feindlichen Übermacht unterliegend, 
geriet er in Crefangenschaft; sein Schlofs Grrimmenstein in 
Gotha, wohin er sich von Weimar geflüchtet hatte, wurde 
geschleift, und 1567 seinem Bruder die alleinige Regierung 
der eruestinischeu Lande übertragen. Nach seinem Tode 
teilten sich seine iind seines Bruders Söhne in die weima- 
rische und gothaische Linie. Beständige Befehdungen wegen 
Erbschaftsstreitigkeiten, Landesteiluugen, Aussterben älterer 
lind Stiftung neuer Linien füllen a'ou jetzt ab die Geschichte 
der sächsisch-thüringischen Staaten. 

In der späteren Geschichte Thüringens haben sich einige 
Nachkommen der ernestinischen Linie einen grofsen histo- 
rischen Xamen erworben, wie Bernhard der Grofse von 
Weimar, der Held des 30jährigen Krieges (f 8. Juli 1639 
in dem von ilmi eroberten Breisach an Gift, als Opfer der 
Intrigue des Kardinals Richelieu), und Herzog Ernst der 
Fromme, sein älterer Bruder (f 1675), später Herzog von 
Gotha und Altenburg, und ebenfalls einer der gröfsteu 
Kriegshelden des 30jährigen Krieges, bis er sich nach der 
Schlacht bei Xördlingen (6. September 1634) vom Kriegs- 
schauplatze zurückzog und den Wissenschaften und Künsten 
huldigte (er gründete u. a. die berühmten Sammlungen in 
Gotha); endlich Karl Angust (f 1828) nebst seiner Mutter 
lind eliemaligen Yormünderin Anna Amalie, geb. Prinzessin 
von Braunschweig-Wolfenbüttel, welche Weimar zum ge- 
feiertsten Hof der Mnsen machten. Allbekannt sind auch 
die Tragödien der Weltgeschichte, welche auf thüringischem 
Boden im Kampfe gegen Napoleon spielten, wie das Treffen 
bei Saalfeld (1806). wo am 10. Oktober Prinz Louis von 
Preußen tiel, und die Doppelschlacht von Jena und Auerstädt 
(14. Oktober;, in welcher Karl Wilhel»i Ferdinand von Braun- 
schweig tödlich verwundet wurde. Die königlich sächsischen 
Anteile Thüringens, ein Teil der ehemaligen Grafschaft 
Henneberg und die ehemalige 3Iainzische Stadt Erfurt, sind 
durch den Wiener Friedensschlufs (1814—15) an Preufsen 
gefallen. 

Ans der neuesten Geschichte Thüringens müssen wir 
die für Hannover so verhängnisvolle Schlacht bei Langensalza 
(27. Juni 1866) erwähnen, deren Folgen hinlänglich bekannt sind. 



2* 



1. Naumburg und Umgegend, 

Entfernungen: Freybiirg 9 km, Pforta 5 km, Kosen 7 km 
Gasthöfe: f* Schwarzes Bofs, i-echt gut. — * Reichskronc, ebenfalls 

sehr zu empfehlen; demsellien ist das Stadttheater angebaut. — 

*Sücli>!ischer Hof. — Strauß, gegenüber dem Bahnhof. — Hirsch. — 

Schuurstr Adler. 

Restaurationen: Cafe-Restaurant Furcht, am Markt. — Ratskeller. — 

//uiKkrtstttiiil. — M'uf/)ier. — Kolilmann. — Bürgeryarten. 

Droschken: Vom Bahnliof in die Stadt (20 Min) 1 Pers. 40 Pf., 
2 Pers. 60 Pf. 

Bahn nach Freyburg-Laucha-Artern. 

Nauinburs? an der Saale, 130 m ü. M., mit 19 200 Eiuw., 
zeichnet sich durch seine überaus freundliche Lao:e aus, 
inmitten des hier -/^ Stunden breiten Saalethaies. Der niclit 
unbedeutende Weinbau ergiebt jährlich über 80 000 Eimer. 
Die Saale iliefst nicht unmittelbar bei der Stadt vorüber. 

Man betrachte vor allem den *Uom, interessant durcli 
den Übergang vom romanischen Stil zur Gotik. Der Bau 
wurde schon am Anfang des 11. Jahrb. begonnen, aber erst 
1249 vollendet; der jetzt noch vorhandene Bau stammt aus 
dem 12. und 13. Jalirli. und ist neuerdings innen und aufsen 
restauriert. Bemerkenswert ist das Vorliandenseiu eines 
Ost- und Westchors, von denen besonders das letztere reicli 
an Zierraten ist. Beide sind durch Lettner vom Mittelschiff 
getrennt. In der Krypta unter dem Ostchor, deren rund- 
bogige Gewölbe von romanischen, aber kannelierten Säulen 
getragen werden, wird einer der vielen Ablafskästen Tetzels 
gezeigt. Der Pförtner ist gewöhnlich im Dom; seine Woh- 
nung ist Domplatz 17. 

Von den drei Türmen ist der neben dem Westchor ein 
Meisterstück der Baukunst; man zeigt an ihm noch die blut- 
befleckte Stelle, an welcher, der Sage nach, der .Lehrling zer- 
schmettert wurde, den sein neidischer 3Ieister vom Gerüst 
herabstürzte. Ein vierter Turm an der südwestlichen Seite 
ist nicht vollendet. Der Kreuzyang des Domes stammt aus 
dem 13. Jalirh. Das alte. Kloster ist jetzt Domgymnasium. 
Neben dem Dom die Überreste der 1532 abgebraunten 
Marienkirdie. 



1. Naumburg und Umgegend. 21 

Die etwas barocke Wenzelskirche hinter dem 3Iarkt be- 
sitzt ein ausgezeichnetes Altarbild von L. Kranach d. Aelt. 

Andere beachtenswerte Gebände sind das Ratliaus auf 
dem Markte, und auf dem Wege nach dem Bürgergarten 
das neue Schwnrg'erichtsgebäude, in dessen Treppeiüiaus 
ein Freskogemälde von Bendcmann : Der Brudermord (Kaiu 
und Abel). 

Hübsche Spaziergänge und Alleen umgeben die Stadt, 
und an der dem Eisenbahnhofe entgegengesetzten Seite leiten 
melirere mit Bäumen bepflanzte Wege nach den reizenden 
Anlagen des *Bürgergarteus, mit Restauration, bei welcher 
eine geradlinige Allee mitten im Gehölz zu einem Rundteil 
führt. Hier öffnet sich eine schöne Aussicht auf die Stadt, 
hinter derselben das schöne Saalethal mit Weinbergen, zur 
Linken das Unstrutthal; rechts im Saalethal zeigen sich 
Schlofs Goseck und die gegenüberliegende Ruine Schönburg. 

Auf einem Anger bei der Stadt (am Wege nach dem 
Bürgergarten) wird Ende Juli das Kirschfest gefeiert, zum 
Andenken an die (rein sagenhafte) Rettung der Stadt von 
dem ihr durch Procop gedrohten Untergange. Der Sage nach 
hätte der Xaumburger Bischof auf dem Konzil zu Konstanz 
(6. Juli 1415) für die Verbrennung des Johann Hufs ge- 
stimmt, aus welchem Grunde sich die Hussiten zu seinem 
Untergange verschworen haben sollen. Es begaben sich der 
Sage nach die Lehrer mit den Kindera, welche mit weifsen 
Sterbehemden bekleidet waren, ins Lager, um das Herz des 
huss. Feldherrn zu erweichen. Hiervon wurde derselbe so 
gerührt, dafs er abzog, nachdem er zuvor die Kleinen mit 
Kirschen traktiert hatte. 

Lohnender Ausflug mit der Unstrutbahn über Klein-.Jemi nach 
(11 .> St. 1 Freyburg (Goldener Riiuj, JaJins Haiift), mit 3300 Einw. Das freund- 
liche Städtchen lehnt sich an die holien Berge, welche hier das Un- 
strutthal einengen. — Am Marlite das Reiterde nkmal des Herzogs 
Christian von Sachsen-Weilsenfels (j IT^Oj. Die halb im romanischen, 
halb im gotischen Stil erbaute Stadtkirche hinter dem Markte hat 
zwei Türme. 

Ziini *Schlosse, das auf einem kalksteinartigen Flötzgebirge 
ruht, wandert man in einer Lindenallee oder auf steilem, gestuften 
Ful'swege. Von Ludwig dem Springer (f 1123) im Jahre 1075 erbaut, 
war es sjiäter nächst der Wartburg der Lieblingssitz der thüring. 
Landgrafen. Die Hauptsehenswürdigkeit ist die an der Südseite 
gelegene * Doppelkapelle, deren oberes Schiff in der Mitte einen sand- 
steinernen Pfeiler hat, woran sich vier Säulen aus schwarzem Mar- 
morschiefer mit reich verzierten Kapitalen befinden. Infolge einer 
Restauration 1853—1856 sind leider, besonders in der Kapelle und im 
Rittersaal, die alten Kunstformen verdrängt. 

Auf dem höchsten Punkte des Schlol'sberges erhebt sich ein 
isoliert stehender runtler. im Innern durch angebrachte Leitern zu- 
gänglich gemachter Turin, ein ganz altes Bauwerk, an der nordwest- 
lichen Ecke der Burg. Der untere Teil des Wartturms bildet eine 
bis zum Schieferdach gehende Maueminde und ist 2ö m hoch. Die 



22 !• Naumburg und Umgegend. 

Dicke der Mauer beträgt 3 m, in ihrer Mitte führen 60 steinerne 
Stufen in die Höhe t\nd werden weiterhin durch hölzerne fortgefülirt. 
Unter dem Dach steigt man auf Leitern noch ca. 12 ni bis zur Durch- 
sicht. Der Turm hat eine Höhe von 46 m. Von ihm hat man die 
ausgedehnteste Fernsicht auf die gesegneten Thäler der Unstrut und 
Saale wie auf Naumburg, Holicii-Mölsrn, Weil'senfels, weiterhin auf 
Liitzen und Leipzig (im fernstiii Hiutergrtinde) • dann auf Halle, die 
hochgelegene Doppelkapelle bei Landshut und den Petersberg (nord- 
westl.). Im Westen erblickt man die Eckartsburg, den Ettersberg 
bei Weimar, Ausliiiifer der Finne, Burkertsrode, die Sachsenburg, 
den Kyffhäuser, und bei klarem Wetter sogar den Brocken, im 
Süden den Fuchsturm bei Jena. 

Unmittelbar am Schlofsberge liegt Turnvater Jahns ehemaliges 
Haus. Die früher kleinen und engen Zimmer sind geschmackvtdle 
Salons geworden, und der früher Jahn'selie Küchengarten hat sieh 
in eine blumengeschmückte Terrasse verwandelt, von Weinbergen 
begrenzt, von den in gleicher Höhe liegenden alten Schlössern, der 
NeuenhHrg ( Freyhiinjer -Sclilofs) und vom Rittergut ZsdKqilitz ülierragt. 
In dem Jahn'schen Hause, das 1800 den Haiiptgewinn der Schiller- 
lotterie bildete, befindet sich jetzt eine Restaiiration. Jahn wohnte 
seit IS'29 in Freyburg, starb daselbst 1852 iind rulit auf dem Frey- 
burger Friedhofe; ein schönes Denkmal ist 1859 auf seinem Grabe 
von der deutschen Turnerschaft errichtet. 

Ein Besuch der Champagnerfabrik iind ihrer Restauration sowie 
ein Gang hinauf ai\f die Scliirair/enberi/e lohnt reichlich. Auch der 
Hainebery (süill. von dem Schlol'sberg) bietet eine hübsche Aussicht in 
das Saale- iind Unstriitthal. 

Von Freybiirg aus kann man das ünstr^^tthal weiter aufwärts 
bis Frankenhausen und bis zum Ki/ffliüitser besuchen, eine Tour, die 
sich besonders für Pfingsten empfiehlt, da während dieser Zeit der 
eigentliche Thüi-inger Wald meistens überfüllt ist. 

Die im Jahre 18iS9 eröffnete Bahn: Naumbiirg-Freyburg-Laucha- 
Burgscheidungen-Nebra-Rorsleben-Ai'tern (Anschluls an die Bahn 
Sangerhaiisen-Erfurt) erleichtert den Ausflug nach dem Kyifhäuser 
sehr. Postverbindimg mit Frankenhaixsen von Artern 2'/4 St., von 
Rolsla 3 St. 

Frankenhausen in Tliüriiigen. 

Gasthöfe und Restaurationen: Zum Mohren, Zum Thüringer Hof, Keps 
und Wiriiirs Gartenlokal. 

Fraiikinhittoien in Thüringen, schwarzburg-rudolst. Stadt mit 
5000 Einw., in geschützter, freundlicher Lage am südlichen Abhänge 
des Kvtfhäusergebirges, besitzt Solquellen verschiedener Stäx-ke. 

Ünterhaltxxngsmusik während der Hauptsaison am Bade täglich, 
zweimal wöchentlich in öfteutliehen Gartenlokalen. 

In der Umgegend reiche Auswahl an bequenx angelegten Spa- 
ziergängen (KaUvtlial) und weiteren (1—2 St. Entfernung) Ausflügen 
(Ratsfeld im Kyfi'häusei'wald, die Ruinen Ki/ffhätiser, Hothenbury, b'achsen- 
Olirg, Arensbur;/, die Burbaroxsalivhh). 

Wer von Frankenhausen aus die recht lohnende Partie nach 
dem Kyifhäxxser machen will, schlägt die vollständig durch Wald 
fülirende Kelbraer Strai'se ein, besucht das Hatsfehl, die Falkenburgtr 
Barbarossahohle und dann den *Kyfiflläuser, wo man übernachten 
mag, um den Sonnenuntergang ixnd -Aufgang sowie eventuell auch 
den Mondaxifgang von der sagenumwobenen Burg a\xs zu beobachten. 
In anerkennenswerter Weise liat in jüngster Zeit die fürstl. schwarz- 
burg-rudolstädtische Regierung in und bei der Burgruine aufräumen 
lassen und schöne, schattige Wege hergestellt. Der Wallgraben an 
der Ostseite der Txxrmfortifikation mit dem Avisfallpförtclien, die 
Nordmauer der Burg, der Burgbrunnen, der nordöstliche Txirm der 



2. Von Naumburg nach Kosen und Grofsheringen. 23 

Oberburg und das Innere der Kapelle sind dadiirch freigelegt wor- 
den, so dafs man jetzt einen Überblick über die ganze, mächtige 
Bxu'ganlage gewinnt. — Der Biirgwirt (Günther Reinecke) läfst es sicli 
angelegen sein, den Aufenthalt möglichst angenehna zu machen. 
Anlagen von Mooshütten, Zelten, ein Logierhaus und eine gröl'sere 
Halle zieren den alten Kaiserberg. (Nachtlager gut, 1 Mk. 50 Pf. 
Auch Speisen und Getränke sind gut und preiswert.) Die Aussicht 
über die Berge iind in das Helmethal mit seinen vielen, malerisch 
gelegenen Ortschaften und fruchtbaren Feldern ist herrlich. Man 
sieht weit in den Harz hinein, der Brockeii ragt deutlich hervor. 
Vom Kyffhäuser gelangt man in etwa Vj St. auf die Rothenburg, 
welche man wegen der grofsen, ziemlich gut erhaltenen Bui-gruine 
besuche. Man hat hier ein neunfaches Echo, auch lohnende Aus- 
sicht über die Goldene Aue. Auf der Rothenburg ist eine Wirtschaft. 



Man kann den Rückweg von Freyburg nach Naumbiirg am 
rechten Ufer derUnstrut nehmen; er geht anfangs im Thale entlang 
imd steigt dann 1. sanft bergan. Beim Dorfe Urofs-Jena (','4 St.) ist 
eine Restauration, der sogenannte Keller, mit einer hübschen Aus- 
sicht auf das Unstrutthal. -74 St. weiter das stattliche Lustsclilols 
des ehemaligen Naumburger Landrats Jacoby von Wangelin auf 
einem der höchsten Punkte der Naiimburger Weinbergskette; hin- 
\Tnter durch Weinbergsanlagen an den Ful's des Berges, an den so- 
genannten GellerUhery, der eine schroffe Felswand bildet; folgende 
Bildwei'ke, in das Gestein gehauen, schmücken dieselbe: Reiterbild 
des Herzogs Christian von Sachsen-WeiJ'senfels; Baccliiiszug; Hoch- 
zeit zu Kana; Noah bittet Gott um ein anderes Getränk und em- 
pfängt die Weini-ebe. 

In der Nähe fliefst die TJnstrut in die Saale. Nun 1. im Saale- 
thal entlang bis zur Luisenhölie (1/2 St.), mit reizender Aussicht auf 
Naumburg. Dir gegenüber, du^rch eine Brücke verbimden, liegt das 
Gasthaus Zur Henne. — Von der Luisenliöhe lohnender Ausflug (2 St. 
hin lind zurück) nach dem Bergschlölschen: 

^Goseck, dem reizendsten Punkte der Naumbvirger Gegend, 
11/2 St. von Naumburg und 1^1, St. von WeiJsenfels entfernt. Auf giit 
erhaltenem Wege berührt man {^j^^t.) Eulau mit sehenswertem Park, 
xmd bald geht der Weg steil liergauf nach (''2 St.) Goseck, welches 
avif einem mit reizenden, stets zugänglichen Parkanlagen geschmück- 
ten Bergvorsprunge liegt. Von der * Gurtenterrasse des dem Grafen 
von Zech gehörigen Schlosses schöne Aussicht auf das Saalethal, in 
welchem sich besonders die Ruine Schönburg (gegenüber) und weiter 
r. Naumbu.rg, 1. Schlol's Weil'senfels sehr gut ausnehmen. Die Ter- 
rasse ist Sonnabends \ind, wenn die Herrschaften nicht anwesend 
sind, wohl auch an anderen Tagen ziigänglich. Auf dem andern 
Saalufer das Dorf Schönburg ('74 St. von Naiimburg) mit Burgruine- 
Restaurant, von den Naumburgern und Weil'senfelsern besucht. Auf 
dem Rückwege von Goseck nach Nauniburg berührt man die be- 
liebten Erhohingsorte Neue "Welt und Felsenkeller an der Saale. 



2. Von Naumburg" nach Kosen (7 km) 
und Grofsheringen (13 km). 

Die Eisenbahnfalirt von Naumburo- nach Station Kosen 
durch das malerische Thal der Saale währt V+ St. 

Sehr lohnend ist ein Spaziergang- dahin über Almrich 
(auch Altenburg genannt); von hier aus besteige man den 



24 -■ Von Naumhurg «ach Kosen und Ürofsheringen. 

Kfiabenberg, von welchem man hübsche Fernsichten nach dem 
Saal- und Unsti'ut-Thal liat. 

Die Chaussee führt in 20 Min. nach Scliulpforta, be- 
rühmte Lehranstalt mit sehr stattlichen Bauten, ehemals ein 
Cistercieuser- Kloster, welches 15-lo in ein Pädagogium um- 
gewandelt wurde. Die Kirche, 1251 — 15(58 erbaut, hat an dtir 
Westseite einen liolien Giebel mit K.eliefs in der Mauerblende 
und am Purtal. Im Innern das alabasterne (irabmal des 
Markgrafen Georg von Meifsen (f 1111), Bruder Friedrichs 
des Streitbaren, und ein treffliches Altarbild von Schadow: 
der auferstandene Christus, neben Avelchem Johannes und 
Markus. — Ernesti, Klojjstock, der hier schon seine J\lessiade 
begann. Fichte, v. Gaudj', Grofsmann, Elias und Adolf 
Schlegel, Dr. Bahrdt, Novalis, Mitscherlich, Thiersch, die 
beiden Ranke, Dr. v. Amnion, Elirenberg etc. emptingen in 
dieser Anstalt ihre Gyninasialbildung. 

In Vi St. erreicht man von Sclmlpforta aus Kosen. 

Kosen. 

Entfernungen : Von Grolsheringeu 6 km, von Sclmlpforta 2 km, 
von Nuiinibm-g 7 km. 

Gasthöfe: *Miitifitr Ritter, nahe dem Gradierwerk, durch Neubau 
vergröl'sert, mit beliebter Restauration. Pension von 4 Mk. an. Mit- 
tags 1 Uhr Table d'höte, 2 Mk., im Abonnement 1 Mk. 7.5 Pf. — Kurz- 
/i«/»' Hotel, beim Bahnhof, auch nait Garten. — Tatme, Touristen em- 
pfohlen. — Fi( ti/sixcher Hof, gegenüber dem Bahnhof. 

Restaurationen: In den Hotels; Mutiqer Ritter, Kurzhals, ita. Kur- 
gartcH (früher Knchengarten), Ijei Vt'ald/iausen, am Bahnhof, bei Hätnmer- 
lini/, VOIktl etc. 

Bäder: Königliche Badeanstalt (Wellenbad), Ritter, Wilhelms- 
bad, Borlachbad, Germaniabad, Badeanstalt am Gradierwerk; alle 
gut und komfort.'vbel eingericlitet. 

Post- und Telegraphenbureau in der Lindenstrafse. 

Rundgang für ' ., Tag : Kösen-Wilhelmsburg (Pähnchen) — Himmel- 
reich — mit der Fahre über die Saale — Saaleck — Rudelsburg — 
über die Katze oder Buchenhalle zurück nach Kosen. 

Spaziergänge von Kosen. In der Ebene: Öffentliche Promenade 
mit Parkanlage \ind Schuanenteich ; Anlage am Ihadii-rtterk: I.ori-leii; 
Kiiri/arteit: Kat-.e (Rest.); Buchenhalle; Saalhäuser (Rest., Wein billig und 
beliebt); Schnipforta: Alinrich (Rest, im Adler, gut); Fischhaus (Rest.). 

A\if der Höhe: Wilheluisbury (Rest.); Schime Aussicht (Rest.); GOtter- 
sitz (Rest.); Himmelreich (Rest.); Geiersberg; Kutzenberg; Rudelsburg (Rest.). 

Köseu ist ein im Saalethal sehr anmutig gelegenes, viel- 
besuchtes Solbad, 115 ni ü. 31.. gegen Norden durch bewaldete 
Höhenzüge geschützt. Die aus dem 550 Fufs tiefen Schacht 
geförderte Sole ('250 (»00 Liter täglich) erweist sich wegen 
ihrer Zusammensetzung für Skrofelleidende sehr wirksam. 
Am 1000 Fufs X-Aw^ew (h-(uVu'rwcrk neue Anlagen für Inlia- 
lationeu von zerstäubter Sole. Als Trinkquellen werden die 



2. Von Kaumburg nach Kosen und Giofslieringen. 25 

salzhaltige Johaniiisquelle und der eisenhaltige Mühlbrunnen 
benutzt. — Kitulerheil statte unter dem Protektorat der 
deutschen Kaiserin. Kosen hat neuerdings elektrische Be- 
leuchtung und ein neues Inhalations-Etablissement erhalten. 

Die beide Saaleufer verbindende, aus dem 11. Jahrb. 
stammende Brücke ist im Herbst 1890 durch Hochwasser zer- 
stört worden. Eine zweite Brücke gehört der Thüringer Bahn. 

Auf dem Kirchliofe in Kosen das Grab der »Stiftsdame 
Ferdinande von Schmettau (f 1875), bekannt aus den Frei- 
heitski'iegen durch die ebenso aufsergewöhnliclie als erfolg- 
reiche Gabe, die sie auf den Altar des Vaterlandes niederlegte. 

Hinter dem Kurhaus erhebt sich eine mit Laubholz be- 
waldete Anhöhe, das Fähnchen, daneben die Restauration 
*Kaiser Wilhchnsburg, mit vortreffliclier Aussicht in das 
Saalethal über Schulpforta und Naumburg bis Weil'senfels 
und nach der Rudelsburg und dem Fuchsturm bei Jena. 

Mau versäume nicht, einen Ausflug nach der 

*Ku(lelsburg (2 St. hin und zurück) zu machen. Man 
geht vom Bahnhofe an der Saale stromaufwärts bis zur 
Wirtschaft 5 Min.), Katze genannt (berühmt durcli die schmack- 
haften Kunitzer Eierkuchen), fährt hier über die Saale und 
wandert dann am andern Ufer über schöne Wiesen und dann 
bergan durch Laiibwaldung in ^4 »^t- nacli der Rudelshurg 
(mit einem leicht zu besteigenden, 50 m hohen Turm), zu der 
man über eine gemauerte Brücke gelangt. Hier dichtete und 
schrieb in das Fremdenbuch der Burg Franz Kugler (-}- 1858) 
im Jahre 1822 sein schönes Lied: „An der Saale hellem 
Strande stehen Burgen stolz und kühn" etc. Von einem 
Comite sind Restaurationsarbeiten an der Burg vorgenommen: 
eine neue Freitreppe, der alte Gradus, darüber Vorhalle und 
Kemuate im Ritterhause. 

1872 fand die Weihe eines Dcnhnals vor der Burg statt, 
einer Denksäule mit Reichsadler zum Andenken an die 
1870—71 im Kriege gegen Frankreich gefallenen deutschen 
Corpsstudenten, und am 25. Mai 1890 die Enthüllung des 
Ka iser 1 1 lUt ehn-Den kmals. 

Im inneren Hofraume der Burg eine *Restauration (gutes 
Bier, sehr gute Küche; Kurbel ist die Benennung für die 
hölzernen Bierkrüge, die von Reisenden gekauft werden). 
Das Fremdenbuch in der Ti'inkhalle bietet interessante Unter- 
haltung. Die Aussicht ist beschränkt, aber sehr lieblich, 
^lan hat tlialaufwärts Saaleck mit dem Dörfchen gleichen 
Namens vor sich, gegenüber Stendorf, und sieht im Thale 
der Ihn. die sich dort in die Saale ergiefst, im Vordergrunde 
die Dörfer Klein- und Grofsherino-en uml im Hintergrunde 



26 3. Von Grofsheringen nach Jena. 

die Saline TJnterneusiüza; auf der andern Seite des Saale- 
tlials Küsen. 

Eine älinliclie Aussicht wie von der Rudelsburg hat man 
von der etwas tiefer s:elegenen Burg Saaleck, von der nur 
noch zwei liohe, nicht zugängliclie Türme vorlianden sind. 
Sehr zu enipfelilen ist eine Wanderung von der Katze 
in ^'2 St. durch den Wald (überall Wegweiser) nach dem 
*Himiiielreicli (einfache Restauration) mit zwar beschränkter, 
aber entzückender Aussicht, ein beliebter Ausflug der Kösener 
Badegäste. Von hier kann man Station Clrofsheringen in 
^!^ St. erreichen. 

Für die Badegäste von Kosen und Suiza ist ein Besuch 
Hev JEckartsburg {hei Eckartsberga, Station der Saale-Unstrut- 
Bahn) zu empfehlen: interessante Ruine mit Restauration 
und weiter Fernsicht. Zwisclien Kosen und Eckartsberga 
liegt Hnssenhausen, Mittelpunkt der Schlacht bei Auerstädt 
am 14. Oktober 1806, mit einem Denkmal für den Herzog 
von Braunschweig auf der Stelle, avo er tödlich verwundet 
wurde. Das Denkmal besteht aus einem i m hohen Obelisken 
mit Inschrift. 1888 erneuert. 

Die nächste Bahnstation von Kosen, 5,8 km, ist Orofs- 
lieringen (s. u.). 



3. Von Grofsheringen nach Jena. 

Entfernungen : Suiza 2 kni, Eckartsberga 8 lim, Cambtirg 8 km. 

Von drrofsheriiigeu, Knotenpunkt der Thür. Eisenbahn, 
geht uordwestl. die Saalc-Vnstrut-Balm ab und führt über 
Eckartsberga (s. 0.), Buttstedt, Kölleda, Sömmerda, Weifsen- 
see nach Str<infsfurt, wo sie in die Erfurt-Xordhänser Bahn 
übergeht. Die sich südl. abzweigende Saalbahn führt durch 
das romantische Saaletlial immer an der Saale hin. Stationen: 
("amburg, Dornburg (Station für Tantaihnnj. welches wegen 
seiner Lage im schönsten Walde besucht und auch als Sommer- 
frische benutzt wird), .Jena. Gös^hwitz. Rothenstein, Kahla, 
Orlamünde, Ulilstädt. Rudolstadt. Schwarza, Saalfeld, wo die 
Bahn in die von Gera nach Eichicht-Probstzella einmündet, 

Cainburg: (Erbprinz von Mciningcn: Zum RafxkcUer : 
Restaurationen: linfskeller; Zxim Eürsfenke/ler), 135 m ü. M., 
hübsch gelegene Stadt, meiningensche Enklave, mit etwa 
2000 Einw. (alte Burg); sehenswert das neue Rathaus, auch 
als Gasthof und Restauration zu empfehlen. 

Dornburg' (Gasthmts zum Eatskeller mit der Sonimer- 
wirtschaft Schiefshaus), weim. Städtchen, auf hohem Felsen 



4. Jena und Umgegend. 27 

gelegen, 15 Miu. vom Bahnhofe, mit 800 Eiuw., nach dem 
Brande von 1717 gefällig wieder aufgebaut. 

Sclilofs Dornfeurg- besteht eigentlich aus drei Schlössern, 
die durch Terrassen verbunden und von schönen Anlagen 
umgeben sind. Goethe bewohnte das eine dieser Schlösser, 
das sogenannte alte Schlofs, der Stadt zunächst gelegen, 
mehrere Sommer in stiller Zurückgezogenheit. Das mittelste, 
das neue Schlöfschen. aizch Italienisches Haus genannt, 1727 
bis 1718 vom Herzog Ernst August im ital. Stil gebaut, 
dient bisweilen der grofsherzogl. Familie als Sommeraufent- 
halt. Die Terrasse vor demselben bietet einen lohnenden 
Blick auf das schöne Saalethal mit seinen freundlich gele- 
genen Dörfern und auf die Kuiiitzburg und den Fuchsturm. 
Aus den bunten Fenstern der Grottenstube liebliche Aussicht 
ins Saalethal (50 Pf. ä Person). Das südliche Schlofs mit 
seinem mittelalterlichen Giebel ist die Wohnung des Garten- 
inspektors. Ein Spaziergang durch die Gartenanlagen, be- 
sonders zur Zeit der Baum- und Rosenblüte, ist sehr zu 
empfehlen. 

Von der Stadt Dornburg und von dem unten am Fufse 
des Schlosses liegenden Naschhausen (Schieferhof) führt eine 
verdeckte Brücke nach Dorndorf (Zum blauen Schild, mit 
Garten, beliebtes Studentenlokal, Fritz Reuters und Müllers 
V. d. Werra Lieblingskneipe). 

In der Xähe Tautenburg, angenehme und billige Sommer- 
frische mit schönem Buchenwald, prächtigen Promenaden und 
Aussichtspunkten. Wer von Dornburg nach Jena den Weg 
zu Fufs machen will (2V2 St.), geht auf dem Bergkamme 
entlang, dann 1. ins Saalethal hinunter nach dem Vi St. ent- 
fernten Gasthaus zur Weimarischen Schiceiz. der Kuuitzbixrg 
schräg gegenüber, in reizender Lage; ^,'4 St. Aveiter im Thale 
liegt Ztcätzen (Blaue Weintraube); ^'4 St. Löbstädt (Drei 
Linden; Neuer Gasthof). Das Seitenthal zur Rechten (also 
am linken Saalufer) ist das Rauthai. Hier fielen im Jahre 
1806 die Franzosen den Preufsen in die Flanke. % St- weiter 
liegt Jena. 



4. Jena und Umgegend. 

Entfernungen : Apolda IG km, Weimar 22 km, Bürgel 14 km, Lobeda 
6 kmi. Roda 11 km, K.ahla 16 km. 

Gasthöfe: f*Zum schwarzen Bärin (Helbig), zunächst dem Saale- 
Bahnhof, mit Allssicht nach dem Saalethal. Sonne, am Markt, mit 
Garten und Restaurant. Dtntsches Haus, am Holzmarkt, mit Garten. 
Diese drei Gasthöfe haben Wagen an den Bahnhöfen. Stern, in der 
Neugasse, mit Gartenwirtschaft. Goldener Loue, gute Biere. Scim-arzer 
Adler, am Holzmarkt, einfach. Thüringer Hof, unmittelbar am 



28 4. Jena und Umgegend, 

Weimar- Geraer Balnüiof. Weimarischer Hof, auch Restauration, 
billig und gut. Restaurant und Hotel am Weimar-G-eraer Bahnhof, 
emptohlfii. liDgiorhaus und Pensionat Saalthal- l'anurutna (Zeine). 

Restaurationen: Härtendes Hotels zw- Sntute, sehr besucht; Weiina- 
ri.icher Hof, mit Gartenwirtschaft, guteBiere; Jhiri/kelhr : Zum I'dradies, 
mit Garten, an der Saale, s. unten; yi'o.se, mit dem bekannten Rosen- 
bier; der Frirstmkelter, in der Jenergasse; Stadthaus, in der Johannis- 
gasse; Stern; Gute Quelle; Wol/sschlucht, in der Schlofsgasse ; ÖtimVite, im. 
Mühlthal. 

FriihstUckslokale: Die *Zeise im Rathaus; Treptow, Weinstube 
(Filiale des Swinemünder Weinliauses), Leutrastrafse, vortreffliche 
Weine; huiijkeller ; E. Meyer, am Markt; Beck, am Markt (ungarische 
Weine). 

Konditoreien : Rein, Germar, Schmitt. 

Fuhrwerl<e in der Posthalterei und bei Ztine, Herinri und Liehold. 
An den Bahnhöfen Omnibus von den Gasthöfen und Droschken. 

Post: Die Expedition ist geöffnet von 7 — 12 und 2—8 Uhr, im 
Winter von 8—12 und 2—8 Uhr. Fahrpost nach Bürgel vormittags 
10 Uhr, abends 10 Uhr. 

Telegraph in der Post am Graben, von 7—12 und 2 — 8 Ulir. 

Vergnügungsorte in der Umgegend: Das Paradies, am linken Saaleufer; 
Sophienhiihc, 15 Min. südl. von der Stadt, dicht über den Teufels- 
löchem am Kernberg, gutes Restaiirant mit hübschen Gartenanlagen, 
schöner Blick. Darüber das Sanatorium Sophieiihijhi, ISSS eröffnet, 
und etwa 10 Min. w^eiter der Aussichtspunkt Sophienhöhe, 15 Min. 
vom Restaurant; der Felsenkeller an der Strafse nach Kahla; Geleits- 
haus und Tanne, am rechten Ufer der Saale, in Kamsdorf: Kunits, dar- 
über die Kunitzburg, beliebter Vergnügungsort der Studenten; das 
Dorf Lichtenhaiii, bekannt durch sein Bier und seine Bierstaaten; das 
Forsthaiis auf dem Jeuaischen Forst, mit Kriegerdenkmal; Zeines 
Saalthal- Panorama, sehr empfehlenswert; das Miihlthdl, an der Strai'se 
nach Weimar, mit der Restauration Ölmühle iind Paraschkenmiihle; 
Schöne Aussicht, ani Philosopheugang, herrliche Aussicht ; Zadtzen, 
nahe dabei Löhstädt, Wöllnitz, wie Dichtenhain bekannt, desgl. Zieyen- 
hain u.nd Fuchsturm, mit Restaiiration; Dorndorf. 

(Der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs und der Ver- 
schönerungsverein haben nach den schönsten Punkten angenehme 
Wege angelegt ; ersterer hat, wie der Tli. W.-V., Wegweiser und 
Orientiei-ungsstriche angebracht, Orientierungstafeln in den Bahn- 
höfen und an mehreren Punkten innerhalb der Stadt.) 

Jena ist in einem freundlichen, romantischen Thale ge- 
legen, und die Saale, an deren Ufern stundenlange Obst- 
baunipflauzungen und hohe, teilweise mit ßeben beiiflanzte 
und mit Burgtrümmern gekrönte Berge liegen, bespült die 
ehrwürdige Musenstadt. Der Umfang der Stadt, die etwa 
13 600 Einw. zählt, ist nur gering, den inneren Teil der- 
selben umgiebt der Graben mit seinen Alleen und stattlichen 
Gebäuden. 

Die Wahrzeichen der Stadt, die sogenannten sieben Wunder 
Jenas, sind: ara (Durchgang unter dem Altar der Stadtkirche); 
Caput (Schnapphans an der Rathausuhr); draco (zum Scherz von 
Studenten im 17. Jahrb. zusammengestelltes .Skelett); mons (der 
Hausberg): pons (Kamsdorfer Brücke); viilpecnla turris (Fuchsturm) ; 
Weigeliana domus (WeigeVsohes Haus in der Johannisgasse). 



4. Jena und Umgegend. 29 

Auf dem grofseu, schönen Marktplatze, dessen besondere 
Zierde das altertümliche Rathaus ist, mit dem sogenannten 
„Schnapphans", einem mit dem Uhrwerk im Zusammenhang- 
stehenden Mechanismus, ward 1858, bei Gelegenheit des 
800jähr. Jubelfestes der Universität, die 2,5 m holie Statue 
des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen aufgestellt. 
Sie ist von Drake modelliert, die rechte Hand hält das Kur- 
schwert, die linke die aufgeschlagene Bibel mit den Worten: 
„Meine Hülfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde 
gemacht hat." Psalm 121, 2. 

Hinter dem Markte, nach Norden zu, erhebt sich die 
Michaelskirche, im 15. Jahrh. erbaut; das Innere ist jetzt 
in der ursprünglichen Art hergestellt. Von dem 94 m hohen 
Turm hat mau eine schöne Aussicht. Im Innern, an der 
rechten Seite des Altars, steht ein berühmtes, in Erz ge- 
gossenes Lutherhildnis^ welches Herzog Johann Wilhelm 
1572 daselbst aufstellen liefs; es war, wie die Umschrift 
besagt, für die Wittenberger Schlofskirche bestimmt, aber 
die Mühlberger Schlacht und andere Kriegsdrangsale ver- 
hinderten die Aufstellung daselbst. 

Neben der Kirche der Burgkeller, der mit der Geschichte 
der Burschenschaft eng verknüpft und noch jetzt das Lokal 
der „Arminia" ist. Von diesem führt die Johamüsstrafse 
nach dem Eichplatze mit der von der Burschenschaft ge- 
pflanzten Friedenseiche und dem 1888 aufgestellten Burschen- 
scliaftsdenkmal in karrarischem Marmor (von Donndorf); 
die Brouzemedaillons am Fufse stellen die Begründer der 
Burschenschaft, Scheidler, Riemann und Hörn, dar. 

Die ^Universitätsbibliothek, am Fürstengraben, 1858 ein- 
geweiht (täglich 10—1 und 2 — 4 Uhr), besitzt mehrere Anti- 
phonarien (Wechsel gesangbücher) mit feinen Miniaturen auf 
Pergament, wertvolle Handschriften, Manuskripte aus der 
Bibliothek Karls des Kühneu von Burgund. eine Handschrift 
der Briefe des Petrus de Vineis, die berühmte Handschrift 
der Minnesänger über den Sängerkrieg auf der Wartburg 
(1207) mit alten Musiknoteu, die Bibel, welche der Kur- 
fürst Johann Friedricli stets bei sich fülirte (sie enthält ein 
eigenhändiges Gemälde von Liikas Kranach dem Alt.) und 
die Buder' sehen Sammlungen. Hier werden auch die Ge- 
schenke aufbewahrt, welche die Universität zu dem 300jähr. 
Jubelfeste 1858 erhalten. Der Bibliothek schräg gegenüber 
am Fürstengraben das Universitätsgebäude. 

Unweit davon sind an der Grabenpromenade die Büsten 
von Oken, welcher von 1807 bis 1828 in Jena lehrte, von 
Friedrich Schulze (beide von Drake), von Jakob Fries (von 



30 4. Jena und Umgegend. 

R. Haertel modelliert) und von Fritz Reuter (von Paul iu 
Dresden modelliert, 1888 entliüllt) aufgestellt. 

Der 1794 gegründete Botanische Garten und der daran 
stofsende sogenannte Prinzessinnengarten enthalten seltene 
Gewächse, schöne Anlagen und bieten reizende Aussichten 
auf die Kunitzburg. den Jenzig und den Fuchsturm. In der 
Nähe des Hauses ein Denkstein mit Versen von Herder, 
Goethe und Schiller.*) Dem Botanischen Garten schräg 
gegenüber, am Fürstengraben, ein Denkmal Döhereiners. — 
Das Schlo/'s, von 1(3(32 bis 1690 llesidenz der Herzöge von 
Sachsen- Jena, enthält wissenschaftliche Sammlungen, von 
denen das Archäolog. Museum Mittwochs 3—5. das Mineralog. 
Donnerstags 11 — 1, und das German. Museum Sonnabends 
11 — 12 Uhr geöifnet sind. Das Botanische Kabinett beiludet 
sich in einem neuen Gebäude neben dem Botanischen Garten. 
Vor dem Xeuthor drei neue akademische Gebäude: das Zoolo- 
gische Institut (Direktor: Prof. Häckel) mit sehr sehenswür- 
digen Sammlungen, das Physikalische Institut und die Sfeni- 
u-arte; im Garten der letzteren das Schillerdenkmal. 

Pädagogen und allen, die sieh für Erziehung iiud Unterricht 
interessieren, ist der Besuch des Thüringer Schulmuseums im oberen 
Stockwerk des Weimarischen Hofes zu emjifelilen. Dasselbe will die 
Kenntnis der das Erziehungsweseu betreffenden Schriften, der Lehr- 
mittel lind Schnlausstattungsgegenstände erleichtem, den Fabri- 
kanten, Verlagsbuchhändlern und anderen Personen die ständige 
Ausstellung ihrer Erzeugnisse ermöglichen. Es soll eine das Ge- 
samtgebiet des Erziehungswesens umfassende Bibliothek enthalten, 
nichtlitterarische Lehrnüttel, Schulgeräte, Veranschaulichungeu von 
Sohulbauten, Schülerarbeiten, Bildnisse hervorragender Pädagogen 
u. dergl. Das Museum ist täglich geöffnet, der Eintritt frei. 

Umg'ebuiig Jenas. Schöne Nachmittagstour: Am Prin- 
zessinnengarten vorbei nach der „Schönen Aussicht" (Restaur.): 
von da am Friedhof vorüber zum Johannisplatz, am neuen 
Gj'uinasium vorbei über den Engelplatz, dann über die Leu- 
trabrücke an Zeiues Saalthal-Panorama vorüber, hinauf zum 
Forsthaus (S. 31); weiter nach dem Felsenkeller xmd durcli 
das Paradies, und von hier aus über die eiserne Fufsgänger- 
brücke oder über die Saalbrücke hinauf zum Fuchsturm (S. 31) 
und zurück nach Jena. Im Paradies vermittelt überdies eine 
Fähre die ^'erbiudung mit dem rechten Saalufer, und der Fähr- 
mann verleiht Gondeln zu Vergnügungsfahrten auf dem Wasser. 



*) Scliillers Wohnung war im Garten der Sternwarte (südwestl.) 
den jetzt seine Büste von Dannecker schmückt. (Er schrieb hier 
1789—99 den Wallenstein.) Bei Gelegenheit des Tniversitäts-Jubi- 
läums (am 15. August 1S38) sind an vielen Hänsern der Stadt Ge- 
denktafeln angebracht, welche an den Aufenthalt berühmter Männer 
erinnern, wie Schiller, Goethe, Arndt, Fichte, Oken, Woltt'. Ueber iler 
Saale, im Gasthanse zur Tanne, wohnte tJoothe und dichtete ilnselbst 
den Erlkönig. 



« 



4. Jena und Umgegend. 31 

Der beliebteste und lohnendste Ausflug von Jena ist der 
auf neuen, bequemen Wegen angelegte Spaziergang über den 
„Tatzend" mit Restauration zurScliweizerhölie (früher Berg- 
schlöfschen) zum ^4 St. entfernten Forsthause (Restaura- 
tion) mit prächtiger Aussicht.*) Auf dem Forst auch der 
am 8. Juni 1874 eingeweihte Friedensturm, ein Denkmal für 
die im Kriege 1870 — 71 gefallenen Krieger. Lohnend ist 
von hier aus noch eine weitere Tour durch den Forst 
nach YoUradisroda (2 St.). Den Rückweg wähle man über 
Lichtenhain (meining. Enklave) am Felsenkeller vorüber nach 
Jena zurück. 

Geht man zum (Lobdaer oder) Löbder-Thor hinaus, so 
gelangt man in eine schöne Allee. Rechts vor dem Thore 
die Kaserne und viele Villen; links das * Paradies, eine viel 
besuchte Promenade mit scheinen Alleen und Aussichten am 
Ufer der Saale. Etwas weiter hinaus, r. au der Chaussee, der 
Felsenkeller mit gutem Bier, schönen Anlagen und hübscher 
Aussicht. 

Östlich von der Stadt erhebt sich der steil aufsteigende 
Hansberg (V2 St.), auf dessen Rücken früher die Burgen 
Greifberg, Kirchberg und Windberg standen. Ehedem als 
Schutzburg gegen die Sorben von dem Markgrafen von 
Meifsen errichtet und später den Herren von Kirchberg ge- 
hörig, wurden sie loOi von den Erfurtern zerstört, dann 
wieder aufgebaut und zum zweiten Male im Bruderkriege 
(1450) zerstört. Der einzige Überrest der Burg Kirchberg 
ist der jetzt wiederhergestellte sogenannte Fuclisturm, von 
welchem man eine Aveite ^Aussicht ins Saalethal bis 'zur 
Leuchtenburg bei Kahla und auf den Thüringer Wald hat. 
Daselbst eine gute Restauration, wo auch der Schlüssel zum 
Turm zu haben ist. Den Hinaufweg wähle man durch das 
hochgelegene, von Studenten viel besuchte Dorf Ziegenhain 
(1. am Fufse des Berges), in dessen Kirclie — sie gehört zu 
den ältesten in Thüringen — ein grofses, altes Freskobild: 
die drei Burgen zur Zeit ihrer Glanzperiode; den Rückweg 
nach der Stadt auf bequemen Wegen an der Nordseite des 
Hausberges über die Restauration Wilhelmshöhe, am andern 
Abhänge des Berges. 

Bei der Saalbrücke Avieder angelangt, überschreite man 
die Chaussee, Avelche an der andern Seite des Hausberges 
in ein ziemlich kahles Thal nach Bnrgel leitet, und gehe 



*) Einen hübschen Überblick über Jenas reizende Landschaft 
und L'mgebung hat man nocli von dem 10 Min. entfernten GuUjenherij 
und vom Landgrofenberg, auf welchem das Schlachtfeld von 1806. 
Ein Denkstein bezeichnet die Stelle, von welcher aus Xapoleon die 
Schlacht leitete. 



;{0 5. Von Jona nach Kudolstadt. 

nun im schattigen Saalfjrunde über Wiesen und durch Obst- 
plantai^en stromab bis zum (74 St.) Dorfe KuiiitK (im Wirts- 
hause berühmte Eierkuchen). Dieser von den Studenten 
tieifsig besuchte Ort zeichnet sich durch seine malerische 
Lage am Ful'se des anselmliclien, bewaldeten Glcisberges aus, 
dessen Gijjfel die spärlichen Trümmer der Kunltzbnrg krönen. 
Tief zu Fül'sen breitet sich das Saalerhal aus: zur Linken 
Jena, gegenüber Löbstedt und Zwätzen; r., am diesseitigen 
Ufer, strömt ans einem Seitentluil, an Beutnitz und üolms- 
dorf vorüber, der üleisbach in die Saale; am jenseitigen Ufer 
die auf steiler Felswand gelegenen Schlösser Dornburgs. 
Der Weg zur Burg (V-j St.) führt durch Waldung, ist steil 
und etwas ermüdend; doch lohnt das Panorama auf der Höhe 
für die Anstrengung. Neuerdings ist ein bequemerer, aber 
auch etwas längerer Weg dahin angelegt. Der auf dem 
Bergkamm liegende umfangreiche Wald zeichnet sich durch 
reiche Flora aus. Von Knnitz führt eine hölzerne Brücke 
über die Saale nach Zwätzen (Bahnstation) und von da in 
•V4 St. nach Jena zurück. 

Wer von Kunitz aus Dornhnrg besuchen will, der wandere 
dem Dorfe Gohnsdorf zu, und von da aus nach dem IV4 St. 
entfernten Dorfe Doi'iidorf (s. S. 27) au der Saale, von wo 
sich die 80 m hohe Felswand, welche die Dornburger Schlösser 
trägt, höchst pittoresk ausnimmt. Nachdem die hölzerne be- 
deckte Brücke ül)erschritten ist, geht man den steilen Fels 
in einer Lindenallee hinauf und gelaugt dann in ^/4 St. uach 
Dornbur^ (s. S. 2G). 

Die tiophienhöhe mit Restaurant siehe S. 28. 

Wer einen weitereu Ai^sflxig von Jena iinternehmen will, dem 
empfehlen wir den Weg nach Waldeck bei Stadt Bürgel. Der Ful's- 
weg (3 St.) führt über Ziegenliain durch die Wölmisse (Wald) immer 
auf dem Bergrücken fort, wo man sehr schöne Aussichten hat; dann 
herab nach der Zenite, einem Vorwerk, über die Chanssee an einem 
Wirtshaus, dem Lämmchen, vorbei durch Beulbur nach Waldeck. Die 
sogenannte alte Burg mit dem prachtvollen Biichenbestand ist ein 
herrliches Plätzchen. Von da nach TlialOürgel. wo man ein g^^tes 
Wirtshaus findet. Die *Ruinen der alten romanischen Kirche in Thal- 
bürgel verdienen alle Beachtung, man gehe nicht an diesem sehens- 
werten Altertum vorüber. Von Bürgel, einem hübsch gelegenen 
Städtchen, bekannt durch seine Töpferwaren, zweimal täglich Post 
nach Jena. 

5. Von Jena nach Rndolstadt (39 km). 

Stationen: Göschwitz, Rothenstein, Kahla, Orlamünde, Zetitsch, 
Uhlstädt, Kirchhasel, Rudolstadt. 

Diejenigen Touristen, welche das liebliche Saalethal von 
Jena bis nach Rudolstadt nicht im raschen Fluge mit der 
Eisenbahn durcheilen wollen, gehen auf dem der Saale ent- 



ö. Von Jena nach Eudolstadt. 3o 

lang- führenden FufsAvege nach Bnrgati (''4 St.), wo eine 
Brücke (dabei ein gutes Wirtshaus) über die Saale nach dem 
gegenüber liegenden Städtchen Loheda (V4 St.) führt, oder 
setzen auf der Fähre im Paradies über die Saale und gehen 
den Fufsweg über den Fürstenbrunnen nach Wöllnitz und 
Lobeda. Das Dorf Wöllnitz, am Fufse eines kahlen und 
steilen Berges, hat durch das hier gebraute Bier einen ge- 
wissen Ruf erlangt. Am F-Hrstcnhrunnen wurde der Kur- 
fürst Johann Friedrich, aus der Gefangenschaft zurückkehrend, 
von den Abgeordneten der Universität Jena empfangen. Die 
starke Quelle, welche aus einem mit einer Inschrift ver- 
sehenen Gewölbe hervorkommt, inkrustiert hineingelegte 
Sachen. 

Von der über Lobeda hochgelegenen Lohäahnrg hat man 
eine schöne Aussicht in das Saalethal und in das Thal der 
Roda, in Avelchem die Stadt Boda mit den sie einengenden 
Bergen den Hintergrund bildet. 

Es folgen im Saalethal die Dörfer Winzerla (bleibt ein 
wenig zur Rechten) und Göschwifz. Kreuzungspunkt der 
Weimar-Geraer und Saalbahn. Dem Bahnhof gegenüber die 
neii errichtete Sächsisch-Thüringische. Portland-Cementfahrik. 
Eine Drahtseilbahn befördert das Material von der ca. 120 m 
entfernten Felswand zur Fabrik. Dann das Dorf Maua und 
( IV4 St.) der Flecken RotJienstein mit einer Eisenbahnstation 
(mehrere billige Wirtshäuser liegen nebeneinander), der schönste 
Punkt zwischen Jena und Kahla, am Fufse einer 94 m hohen 
Felswand, welche ein Pavillon krönt. An der Strafse, welclie 
sich hoch über dem Saalespiegel am Berghange hinzieht, ist 
eine Stelle bezeichnet, wo nach der Volkssage ein schwedi- 
scher Trompeter im dreifsigj ährigen Kriege über den Flufs 
setzte, um den ihn verfolgenden Kroaten zu entfliehen; als 
er sich aber gerettet glaubte, erreichte ihn eine feindliclie 
Kugel. Auf der Höhe des Trompeterfelsens schöner Blick 
ins Thal bis zur Leuchtenburg. 

Man geht Avieder 1. nach der Saale hinab, an Schöps vor- 
über; die Strafse macht einen weiten Umweg. Nach IV4 St. 
(4 St. von Jena) betritt man das liochummauerte, gewerb- 
thätige altenburgische Städtchen Kahla {Löwe, in Avelcheni 
Kaiser Karl V. herbergte; Deutsches Hans, am Markt; Stern. 
— Bier: Ratskeller: Fürstenkeller; Meyers Restaurant, mit 
schöner Aussicht; Bahnhof) mit etwa 8400 Einw. Die Lage 
des Ortes am Fufse der Leuchtenburg ist höchst anmutig. 
Der Besuch der Leuchtenburg ist jedem zu empfehlen. 

Nachdem man die Saalbrücke überschritten, wendet man 
sich 1. und steigt allmählich auf einem neu angelegten be- 
quemen Fufspfade hinauf zur ^Leuchtenburg (f gute Wirt- 

Griebens Reise-Bibl. : Thüringen. (16. Aufl.) 3 



o-t 5' Von Jena nach Rudolstadt. 

S(;haft, luirli zum Uhoruachten zu einpfelileu; Oinnihus am 
Bahnhofe in Kahla uacli der Jjeuchtenburg, ä Person l Mk., 
in 50 Min. berii-aiif; der Fahr\ve<>- bietet sehr schöne Aus- 
sicliten, nälierer Ful'sweg durch Wei^'weiser bezeichnet), deren 
Zinnen und Türme das Saalethal und die umliegende Gegend 
))eherrschen. Hat man die Höhe des Berges, den Kegel, auf 
dem die Burg liegt, erreicht, so schlägt man 1. den zum Gipfel 
führenden Fufsweg ein. Reizend ist die Aussieht von der 
Höhe: nach Norden liegt das Saalethal mit hübschen Dürfern, 
Jena, die Lobdaburg und der Fuchsturm; im Süden Ürla- 
münde, die Weifsenburg, der Kulm bei Saalfeld und die Berg- 
kette des Tliüringer Waldes bis weithin westl. zum Sclinee- 
kopf und Kickelhahn und bis zum Inselberg. Ein 110 m 
tiefer Brunnen versorgt mittels Windmotor die Wirtschafts- 
räume mit Wasser. Die alte Kirche und die frühereu Ge- 
fäugnisräume werden gezeigt. (Die Burg war 1720—1871 
Zucht- und Arbeitshaus, auch Irrenanstalt.) Der Turm ist 
auf 152 Stufen bequem zu besteigen und gewährt eine grofs- 
artige ^Fernsicht. 

Die Reisenden, welche von Kahla aus Hummelshain und die Fröh- 
liche Vii'iedcrkunft besuchen wollen, thun wohl, nicht den weiteren Weg 
von der Bur» zurück bis an die Saalbrücke und von da a\if der 
Chaussee nacli Hummelshain zu gehen, sondern durch das östl. am 
Fufse der Burg gelegene Dorf Seitenroda auf einem durch Striche 
an den Bäumen gezeichneten Wege (1 Stunde). 

Hummelshain (Hirsch), Sommerresidenz des Herzogs von Sachsen- 
Altenhurg, als Sommerfrische beuiitzt, liegt 250 m ü. M. GroJ'se 
Schlolsgärtnerei, Postagentur, Telegraphenstation. — Die Strafse 
nach dem l'/s St. entfernten Jagdschlofs zur fröhlichen Wiederkunft (Gast- 
hof zum Kellir) geht durch den mit zahlreichem Hocli- und Schwarz- 
wild bestandenen Tiergarten, dann 1. am Waldrande hin und weiter 
geradeaus in einem Tliälchen abwärts durch das Dorf Trockenborn. 
'as im gotischen Stil erbaute Jagdschlol's, das seinen Namen dem 
fröhlichen Zusammeiitreften des 1552 aus der Gefangenschaft heim- 
kehrenden Kurfürst enJoliann F'riedrich des Grofsmütigen mit seinen 
Angehörigen verdankt, erhebt sich aus einem Teiche in einem stillen 
Waldthal. Das Innere des Schlosses bir^t manches wertvolle An- 
denken au die Reformation und ihre Bescliützer. 

Die nächste Eisenbahnstation von Kahla ist Orlamünde. 
der nächste Ort an der Chaussee Grafs- Entcrsdorf. Das 
kleine altenburgische Städtchen Orlauiiiiule liegt an der Ein- 
mündung der ürla in die Saale auf einem hohen- Sandstein- 
felsen ; eine herrliclie Aussiclit hat man besonders von dem 
Platz der alten zerstörten Burg, die Kemnate genannt. Die 
Stadt Orlamünde wird vielfach das „thüringische Bethlehem" 
genannt. Verscliiedene Reisende sollen die Aehnliclikeit beider 
Orte bestätigt hal)en. Orlamünde war im ;\Iittelalter bis 117() 
Sitz der mächtigen, von den Grafen von Weimar abstammen- 
den Grafen vow Orlamünde und ist histoi'isch merkwürdig 
durch den Bilderstürmer (Bodenstein aus) Carlstadt, der hier 



6. Rudolstadt. 35 

1524 sein Wesen trieb, so dafs sich der Kurfürst genötigt 
sah, Dr. Luther zur Beschwichtigung der Unruhen herzu- 
senden. Der Friedensstifter ward aber von den fanatischen 
Bürgern sehr übel empfangen und mufste sich, um sein Leben 
zu retten, eiligst entfernen, weshalb., der Kurfürst den Bilder- 
stürmer mit G-ewalt vertrieb. Die Überreste der vom Land- 
grafen Friedrich dem Freudigen zerstörten Burg erinnern an 
den thüriug. Grafenkrieg (1342). Westl. von der Stadt, IV2 St. 
entfernt, die ßiiiue des Schlosses Schauenforst, vom Land- 
grafen Ludwig IV. gegen die Grafen von Orlamünde erbaut. 
in dem altertümlich restaurierten Rathause der Stadt befindet 
sich eine Bierwirtschaft. 

Empfehlenswert ist ein Spaziergang durch den Hain auf 
gut gepflegtem Waldwege von Naschhausen nach Orlamünde ; 
auch bietet die Restauration Zur Erholung angenehmen 
Gartenaufenthalt mit herrlicher Aussicht in das Saale- und 
Orlathal sowie auf die Leuchtenburg. Schattiger Lindenplatz 
beim Schiefshause. Beherbergung im Bathause sowie im Gast- 
hof zum Saalthal und Stern in Naschhausen. 

Die Leuchtenburg (rückwärts) bleibt auf dem Wege nach 
Rudolstadt noch lange sichtbar; man beachte besonders den 
Punkt (^4 St. von Orlamünde, nacli Rudolstadt zu), avo sich 
zur Rechten ein waldiges Seitenthal öffnet. Der Weg führt 
durch die Dörfer Zeutsch, Uhlstädt (Uhlsbachthal und Kien- 
berg sind von hier aus besuchenswert), Etzelbach und Kirch- 
hasel (t Wirtshaus). Jenseits der Saale zeigt sich an male- 
rischer Bergwand bei Weifsen. Etzelbach gegenüber, das 
Sclilöfschen Weifsenhurg. 



6. Rudolstadt. 

Entfernungen: Schwarza 5 km, Saalfeld 12 km, Blankeuburg 9 km. 

Gasthöfe: f*Riidohhad, zugleich Kurhavis (s. S. 36), V4 St. vom Bahn- 
hof, mit grofsem Park; *Ritttr, Schwarzliurgerstr. ; * Lote e (Cwvioni), 
am Markt; r*Ä«rfftes Kurhaus, gegenwärtiger Besitzer Ochs, hübscher 
Garten, Bäder. Diese vier Gasthöfe haben Wagen am Bahnliof. — 
Einfacher: Adler, am Markt; f Deutscher Kaiser, am Markt, mit wai'men 
Bällern; Thürimjer Hof, iinweit des Bahnhofs, gute Küche; fKellner, 
Alte Str., gute Pension; alle empfehlenswert. 

Restaurationen: Aul'ser den genannten Gasthöfen die Bahnhof s- 
Restauratioii (gut, Bayr. Bier); Wohlfarth (Boucher); Schief shuns : Peters 
Bierhalle, mit altdeutschen Bierstuben; Zur guten Quelle; — alle am 
Anger; Dam; Streipert, unweit des Bahnhofs; Beckers Bierhalle, Mangel- 
gasse; Zur Post, Georgstr. ; Berf/schlüfschen, hinter der Stadtkirohe ; 
Felsenkeller. Gartenwirtschaft; Die Pörze und die Teichschenke, an der 
Weimarischen Str.; Beryschlitf sehen, hinter der Stadtkirche. 

Weinstuben: bei Becker, Bellermann, beide am Markt; Erbse, obere 
Marktstr.; Werner, untere Marktstr. ; Siernkopf (auch Bierstube und 
Konditorei), Sommerstr. ; Esef ekler. Alte Stralse. 



3C 6- Rudolstadt. 

Badeanstalten: I>r. Hidäers liadennstalt (^Rudolsbad) bei der Justins- 
hölie, zwischen Riulolstiiilt und Vi)lkstedt, sehr elegant eingerichtet, 
mit j^frolsem l'ark. l);is ^h'ichzeitig als Hotel und Kiirliaus ilienende, 
grul'sartig eingerielitete Bad bietet einen angenehmen Aufenthalt 
auch für Passanten. Die Einrichtung des ganzen Hauses ist eine 
lohnende Sehenswürdigkeit. Zimmer von ü Mk. an, volle Pension 
von 5 Mk. an. Preise überhaupt mäl'sig. Alle Arten Wannenbäder, 
Dampf-, römische und irische Bäder. Das Fürstenbad prachtvoll 
ausgestattet. — Kadtkts Bad in Radtkes Gasthof. ^ Bei Dittnch (Mauer- 
straise) warme Bäder. 

Wagen: Fahrtaxe für Rudolstadt (Hin- und Rückfahrt, aber 
ohne Chaussee- und Trinkgeld) : Keilhau einsp. 5 Mk., zweispännig 
7 Mk., Chrysopras oder Blankenburg 5 bezügl. 7 Mk., Saalfeld 5 be- 
zügl. 7 Mk., Schwarzburg b bezügl. 12 Mk., Ilmenau über Schwarz- 
l)urg und Paulinzella 80 Mk. 

Posten: nach Arnstadt (40 km) über Remda (12 km) und Stadtilm 
(27 km) und nach Kranichfeld {2ö km). — Das Postamt am Westende 
der Stadt, das Teleyraphenbxireau im Postgebäude. 

Bezeichnete Wege: I. Vom Postgebäiide aus (Nordseite der Mauer). 

1. Rudolstadt, Mörlagrauen, Moria — gelb. 

2. Rudolstadt, Preilipp, Kulm — Wegweiser. 

II. Von der Ludwigsburg aus: 

1. Rudolstadt, Osterlohs Höhe — Wegweiser. 

2. Rudolstadt, Eisersthai, Debrahöhe — gelb. 

Rudolstadt, Bahn.statioii, 200 m ü. M., am liuken Ufer 
der Saale, mit lo 000 Eiuw., in einer der reizendsten Cregenden 
Thüringens und einer der schönsten Deutschlands gelegen, 
schon an den milderen Süden gemahnend, ist die freundliche 
Residenz des Fürsten von Schwarzburg -Rudolstadt. Die 
Stadt ist sehr alten Ursprungs: sie wird schon ums Jahr 800 
urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war sie befestigt, von 
der Mauer sind nur noch dürftige Reste erhalten. Seit dem 
Jahre 157."> ist Rudolstadt die dauernde Residenz der Regenten 
der Rudolstädter Linie und Sitz der fürstlichen Regierung 
und der übrigen höchsten Behöi-den. Seit der Eingliederung 
ins deutsche Eisenbalmnetz (1875) hat die Einwohnerzahl sich 
stetig gemehrt, und die Stadt ist gewacliseu. Sie ist Sitz 
eines Landgerichts, eines Amtsgerichts und Garnisonstadt, 
sie hat zwei Schlösser; drei evangelische Kirchen und eine 
katholische Kirche. 

Rudolstadt eignet sich durch die Lieblichkeit der Land- 
schaft ganz liesonders zu längerem Aufenthalt. Schiller, 
welcher 1787 und 1788 hier wohnte, schrieb seinem Freunde 
Körner: „Die Natur ist hier aufserordeutlicli schön, ich bin 
sehr überrascht worden." 

Auf dem östl. Ausläufer des Hainberges, dem Schlofs- 
herg, um dessen Fufs die Stadt sich aus dem AVüstenbach- 
tlial ins Saalthal herüberzielit, erhebt sich, die Front nach 
Süden gerichtet, das Residenzschlofs Heidecksbiirir, nach 
dem Braiule 17;J5 neu gebaut. Melirere Wege und Treppen 



6. Kudolstadt. 37 

führen von der Stadt zu demselben hinauf. Wer das Innere 
zu sehen wünscht, uiiifs sich bei der Schlofswache (am süd- 
östl. Eingang) melden. Die Aussicht vom Turm ist herrlich; 
im wesentlichen denselben Blick liat mau jedoch auch von der 
Süd- und Ostseite des "^Schlofsgartens^ zu dem man vom 
Schlofshof aus oder von der Stadt aus auf dem Treppenwege 
gelangt, der neben der Stadtkirche (Turmseite) beginnt. Im 
Vordergrunde dehnt sich die Stadt aiis, jenseits der Saale, 
gerade gegenüber, liegt Dorf Cumbach mit dem fürstl. Oran- 
geriehaus; 1. davon die „Bildergalerie" mit dem Marienturm, 
dahinter die Preilipper Kuppe mit dem Schutzhäuschen und 
der turmgekrönte Kulm. R. zeigt sich das Thal des Schaal- 
bachs, im Süden begrenzt von Kalkbergen, die in der Liske 
ilire höchste Spitze erreichen, und. wo im Süden die Saale 
hinter der Schillershöhe hervortritt, Volkstedt, dahinter in 
der Ferne die dunkel bewaldeten Höhen des Thüringer Waldes. 
Einen entzückenden Blick hat man auch von der sog. Schutte, 
dicht vor dem westl. Eingang des Schlosses. 

Der Kastellan, im Haupthof bei dem mit drei Figuren 
geschmückten Portal des WestÜügels. zeigt den prachtvollen 
grofsen Festsaal im Rococostil, reich an Marmor und Gold 
und mit Fresken von Deysinger und Dietrich, den kleinen 
Säulensaal- und die Schlofskapelle. In der (jalerie r. vom 
Eingang und in dem Pavillon des Schlofsgartens (dem sog. 
Schallhause) eine Anzahl Gipsabgüsse berühmter Antiken. 

[Vom westl. Portal des Schlosses kann man durch die anstofsen- 
den Anlagen in die Stadt hinabgehen, wobei man einen eisernen 
Laubengang passiert, oder geradeaus westl. am sogenannten Jäger- 
haus (r.) vorüber nach dem Harn (s. S. 3S; aufsteigen.] 

In der Altstadt, am Ostfufse des Schlofsberges, liegt die 
vom Fürsten Ludwig Günther 1735 begonnene Ludwigsburg', 
in deren oberen Räumen ein reiches, beachtenswertes Natu- 
ralienkabinett (vorzügliche 3Iineralien- und Conchyliensamm- 
lung) sich betindet. Freitags 3— 4 Uhr geöffnet; Gustos Prof. 
Dr. Speerschneider. — Nahe der Ludwigsburg liegt die in 
edlem Stil erbaute, 1879 restaurierte Stadtkirche, mit vor- 
züglichen Glasgemälden von Wilhelm in Stuttgart, einem 
wertvollen Altarblatt und dem Grabe der Grätin Katharina, 
■{- 1567, welche durch ihr energisches Auftreten dem Herzog 
Alba gegenüber berühmt geworden ist; eine Erzplatte vor 
dem Altar bezeichnet ihre Grabstätte. — Die Landeshibliothek 
im Regierungsgebäude (Dienst, und Freit, ^^al^ — 1 Uhr ge- 
öffnet, Gustos Arcliivrat Prof. AnemüUer) zählt etwa 64000 
Bände, darunter mehrere typographische Seltenheiten: beson- 
ders reich an französischen ^\''erken. 



38 6- Rudolstadt. 

Der ganzen Südseite der Stadt parallel läuft der „Damm", 
welclier, urtiprünglich zum Schutze gegen den Flufs angelegt, 
mit seiner Allee von prächtigen alten Kastanienhäumen uikI 
Linden einen lierrlichen Spazierweg hietet. An demselben 
liegt südl. der Balniliof und nördl. der Anger, Vergnügungs- 
ort der Einwohner, wo das Theater, das Schiefshaus und 
mehrere Bierlokale liegen, und wo während des Sommers 
wöchentlich mehrmals öffentliche Konzerte statttinden. 

Die Umgebung' you Rudolstadt 

ist überreich an anmutigen Punkten und Partien. Vom 
Schlosse westl. zieht sich ein Bergrücken mit schattigem 
Walde hin, der sogenannte Hain, durch welchen herrliche 
PromenadeuAvege führen. Der Nordabhang des Berges be- 
sonders ist mit prächtiger Buclienwaldung bekleidet, die von 
gut erhaltenen Wegen durchschnitten Avird. Die Bäume stehen 
hier an manchen Stellen so dicht, dafs die Sonne nur spär- 
liches Licht hindurchwirft. Ein Spaziergang durch diese 
Partie, den sog. Schwarzwinkel (Haingraben), an heifsen, 
sonnigen Tagen ist daher sehr erquickend. Wir empfehlen 
ganz besonders eine Tour an der Südseite des Berges, „unter 
dem Hain" entlang. 

Man gehe am Jägerhaus (ca. 150 Schritte nordwestl. vom 
Schlosse), w^o fünf Wege abzweigen, durch die Barrieren und 
rechts, an der Südfront des Hauses entlang, hinauf bis zum 
Anfange des Waldes. Von hier liinter einer zweiten Barriere 
führen drei AVege weiter. Der rechts zur Höhe führende 
läuft auf dem Kamme des Hainberges im Walde fort, an 
einem verwitternden Denkmal und dem Überrest eines alten 
Tempelchens (sog. „Backofen") vorüber, und bietet wenig 
Ausblick. Man schlage den mittleren Weg (der dritte, Fahr- 
weg, läuft neben demselben her) ein und verfolge denselben 
zunächst bis zu der „Alten Eiclie", ca. 100 Schritte hinter 
dem zweiten Drelikreuz, Von hier kann man entweder (A.), 
die Eiche r. lassend, den Fufsweg hinab nacli dem Dorfe 
Moria gehen und vor demselben, beim Flurstein 211, den Be- 
zeichnungen des Thür. Waldvereins folgend, in den Mörla- 
graben einbiegen und zur Stadt zurückkehren. — oder auch 
auf dem Fahrwege, am 3Iörlaer Friedliofe (1.) vorüber, süd- 
ostwärts z\\v Miyrlaer Höhe {\\\\\\v\)A\\k) und von da zur Stadt, 
oder einige Schritte vor dieser Bank einen Feldweg nailj 
Moria zu liinab und über die Scliaalbachbrücke zum Kudols- 
bad gehen. Oder (B.) man verfolge (die Eiche 1.) den Weg- 
weiter, am Tirolerhäusclien (fürstl. Lusthaus im Schweizerstil) 
vorüber, nordwärts bis zu der Bank an dem Kreiuwege — 



6. Rudolstadt. 39 

liier endet auch der über den Kamm führende Weg — nnd 
gehe von da nordöstl. den Fahrweg entlang hinab, am Roten 
Hause (fürstl. Lusthäuschen) vorüber, durch den Schwarz- 
winkel und den parkartigen Bauhigarten nach der Altstadt, 
Man kann auch bei dieser letzteren Tour kurz vor dem Aus- 
gang des Waldes auf den von r. herabkommenden breiten 
Promenadenweg abbiegen und auf demselben durch einen 
schattigen Laubengang nach dem Jägerhaus zurückkehren. — 
IV2-2 St. 

Die Justinshölie, V2 St., liegt in westl. Richtung vom 
Rudolsbad. Der Weg führt am Lusthäuschen Kolk vorüber. 
Von der Höhe herrliche Aussichten in das Saalthal und in 
das Schaalbachthal. Den Rückweg kann man über Höfers 
Keller machen. 

Einen schönen Blick auf das Saalthal, das Schlofs und 
das Thal des „Wüsten Bachs" (Straf se nach Weimar) bietet 
die Höhe der Bebra, V4 St. nordöstl. von der Stadt, ca. 300 m. 
Man geht unmittelbar hinter der Ludwigsburg (Wegweiser 
daselbst) von der Weimarischen Strafse r. (nordwärts) über 
den Bach und folgt dem Fahrwege bis zu den letzten Häusern. 
Dann r. den Fufssteig hinauf zu Osferlohs Höhe (Bierwirt- 
schaft). Von da gehe man auf der Höhe weiter nordwestl. 
und kehre durcli das Eisersthai, an der Porzellanfabrik vor- 
über, zur Stadt zurück. — 1 St. 

Ein lohnendes Ziel für einen Ausflug bietet auch Dorf 
Ciimbach (^4 St.) mit seinen Umgebungen. Vom Saaldamm 
aus erblickt man schon jenseits des Flusses das fürstliclie 
Orangeriehans. Der Weg dahin führt über die hölzerne Saal- 
brücke am unteren Ende des Dammes oder auch über den 
neu gebauten eisernen Steg (Elisabethbrücke) und durch die 
Wiesen. Die Anlagen des fürstl. Gartens sind reich und 
mannigfach und haben ihren Endpunkt bei dem etwas erhöht 
liegenden Pavillon. Eigentümlich schön ist von diesem Pa- 
villon aus die Ansicht des Rudolstädter Schlosses und des 
präclitigen Bergwaldes im Hintergrunde. — Ein anmutiger 
Punkt ist auch die r. vom fürstlichen Garten sich erhebende 
beAvaldete Höhe, scherzhaft „Montblanc" genannt; sie ist vom 
Orangeriehaus in 5 Min. zu erreichen und bietet ein Ruhe- 
plätzchen mit köstlicher Aussicht. — Der FahrAveg, welcher 
aufsen am Orangeriehaus vorüber durcli die Felder westwärts 
führt, leitet nach der Scliillerliöhe an der Saale, dem Dorfe 
Volkstedt gegenüber. Hier soll Schiller, als er sich 1787 in 
Volkstedt aufhielt, liäuhg vei'weilt haben. Ein Verehrer und 
Schüler des Dichters, der Kammerrat Werlich (f 1S33), liefs 
unter einem Felsenvorsprung Schillers Kolossalbüste, nach 
Danneckers Modell in Erz gegossen, aufstellen und den Berg- 



40 6. Rudulstadt. 

hang selbst mit Ituheplätzen und Anla<>en versehen. Eine 
Metallplatte unter der Büste enthält die Schlufsverse von 
Scliillers „Spaziergang", zu dem der Dichter hier den Plan 
"•efal'st haben soll. 

Vom Ful'se der Höhe führt ein hölzerner Steg uacli 
Volkstedt (Crastliaus SehUlershof, gut), Dorf mit bedeutender 
Porzellanfabrik (2 km von Rudolstadt). Der Kirche gegen- 
über an der Chaussee liegt das Haus, in welchem Schüler 
wohnte; es ist durch eine Gedenktafel bezeichnet. In dem 
jetzt freilich veränderten Wohnstübcheu zeigt man noch das 
von dem Dichter benutzte Schreibpult. Hier hat er an der 
„(leschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande" und 
am „Geisterseher" gearbeitet. Der Rückweg zur Stadt ent- 
Aveder auf der Chausse an Richters Fabrik und dem Rudols- 
bad vorüber, oder zurück über den Steg und an der Saale 
entlang. 

Östlich von Cumbach auf dem bewaldeten Galerieberge 
(„Bildergalerie") mit herrlichem Ausblick besonders hinab ins 
Saalthal fSchloi's Weifsenburg, Uhlstedt, Leuchtenburg) er- 
hebt sicli der dreistöckige, im mittelalterlichen Burgstil aus 
weifsem Sandstein neu erbaute Marienturm (IMvatbesitz. 
aber dem Publikum geöftnet, — mit Bierwirtschaft), von 
dessen Plattform man einen anmutigen Ausblick hat. Man 
geht dahin am bequemsten von Cumbach aus auf dem Fahr- 
wege, der durch den „heifsen CJraben", eine i'omantische 
Schlucht, zu dem Turm hinaufführt, V2 St. A''on dem Marien- 
turm abwärts nach Südosten zu erreicht man in 1 St. das 
Dorf Langenschmh' , welches in einem tief eingeschnitteneu 
Waldthal sich hinzieht, und es lohnt sich, das Thal hinab 
nach Nnundorf und Kolkwitz, und dann an der Saale hin 
unterhalb der Weifsenburg nach Uhlstedt zu gehen. Von da 
mit der Saalbahn zurück nach Rudolstadt. 

Wer von Riidolstaclt aus die Preilipper Kuppe (417 m) oder den 
Kulm (4S2 m) oder auch beide Punkte besvichen will — (nach der Prei- 
lipper Kuppe 6, nach dem Kulm S km), — gehe durch das Dorf Vitm- 
Ixich (L an der Mauer des turstl. Orangeriewartens entlang) und folge 
dem Fahrwege in südl. Richtung das Thal aufwärts, zunächst nach 
dem Dorfe OberpreUipp (4 km), dessen Turm bald r. von der Höhe her- 
unterschaut. In Oberpreilipp geht derWe^ sowohl nach der Kuppe 
als nach dem Kiüm von der unteren Kirchhofmauer ab. Will man 
beide Punkte besuchen, so l)eginnt naan am besten mit dem Kulm : 
man gehe an der Kirchhofmauer iL) entlang und steige dann den in 
südöstl. Richtung 1. die Höhe hiuanführenden Fulsweg empor. An 
zweifelhaften Stellen geben die \\'eg\veiser Auskunft, namentlich an 
der letzten Höhe, welche den Kuliuturm trägt. Wer den Turm_ be- 
steigen will, erhält gegen eine kleine Abgabe den Schlüssel in Keils 
Buclüiaudlung (Rudolstadt) oiler in der Restauration in Oberpreilipp. 
Die Aussicht ist reich und eigenartig, wenn auch nicht gerade weite 
Fernen erschliersend: der Fiichsturm bei Jena im Nordosten, die 
Schlösser Brandenstoin und Ranis im Osten, der Henueberg Ün der 



7. Von Eudolstadt nach Saalfeld. 41 

Gegend von Leliesten) im Süden und der Lange Berg und Kickel- 
habn im Westen bezeichnen die äufsersten Punkte derselben. 

Vom Kulm führt ein bezeichneter Weg westwärts auf dem Berg- 
kamme zur *Preilipper Kuppe, die sich, der westliche Ausläufer des 
Kulms, in markierter Form hoch über dem Saalthal und dem Dorfe 
Unterpreilipp erhebt. Der Ausblick von dem Soliutzhäuschen beson- 
ders auf die dem Berge südl. und westl. vorgelagerte Landschaft, 
das Saalthal und die dasselbe begrenzenden Berge, ist entzückend 
schön, herrlich auch der Blick auf die weiter im Hintergrunde sich 
erhebenden Höhen des Thüringer Waldes. 

Will man nur die Preilipper Kuppe besuchen, so folge man von 
der Kirchliofmauer in Oberpreilipp aus dem Falirwege, der r. nach 
dem südl. gelegenen Thal führt, bis an den Fuls der Kuppe, die man 
ja stets vor Augen hat. Der Weg zu der Höhe ist leicht zu finden 
und durch Wegweiser genau bezeichnet. Beim Abstieg empfehlen 
w^ir den Besuch des Dorfes Vnteriiredipp, von dessen Schenke dicht 
am Bergeshange man auch eine lohnende Aussicht hat, namentlich 
über den westlichen Teil des Terrains, auf dem 1806 das unglück- 
liche Treifen bei Saalfeld stattfand. Ganz nahe thalabwärts befindet 
sich eine altheidnische (sorbische) Kultusstätte, der heilirje Hügel. Von 
der Mühle unten an der Saale kann man überfahren und auf einem 
Feldwege nach dem ganz nahe gelegenen Bahnhof und Dorf Schwarza 
gelangen. Über den Weg von Rudolstadt nach Saalfeld über den 
Kulm oder über Unterpreilipp s. die folgende Route. 

Den Besuch der erst kürzlich durcli den Th. W.-V. zugänglich 

femachten Liske, eines herrlichen Aussichtspunktes, kann man mit 
er Weiterreise zu Fuls von Rudolstadt über den „Berg" nach Blan- 
kenburg und Schwarzburg vereinigen. Siehe darüber Route 11. 



7. Von Rudolstadt nach Saalfeld (12 km). 

Den Weg von Rudolstadt nach Saalfeld über Schwarza 
(gleichfalls Bahnstation) legt man auf der Eisenbahn in V3 St. 
zurück. Wer aber der Eisenbahnfahrt eine Fufswanderung 
vorzieht, gehe in Rudolstadt über die Brücke auf der Fahr- 
strafse bis zum Orangeriehaus (10 Min.), dann durch das 
Dorf Cumbach auf der Fahrstrafse bergauf nach Oharpreilipp 
(25 Min.), im Dorfe den steinigen Weg rechts hinab nach 
Unter preilipi) (10 Min.), von hier links in IV4 St. nach Saal- 
feld. Gregenüber zeigt sich das Dorf Schwarza. 

Oder zweitens: Man gehe von Oberpreilipp über den Kulm (s. S. 40). 
Geübtere Bergsteiger überwinden dann wohl den steilen Abstieg 
über Dorfkulm am Südabhange des Berges nach RemschUtz, von wo ab 
über den Saalsteg ein bequemer Weg nach Graba und Saalfeld 
führt. Bequemer ist der Abstieg nach der 1. (östl.) sichtbaren (1km) 
chaussierten Fahrstrafse, welche (1 St.) durch den Wald mit ge- 
legentlichen herrlichen Aussichten auf die südl. vorliegenden Höhen 
des Thüringer Waldes und das Saalthal über die sogenannte „Katze", 
eine Stelle im Walde, wo die Stral'se jäh ins Saalthal einbiegt, nach 
dem Bahnliofe Saalfeld führt. Man kann auch auf kürzerem Wege 
dies Ziel erreichen, wenn man einem Seitenpfade folgt, der von der 
Fahrstrafse ktirz vor der Katze r. abzweigt, wobei man nur auf die 
orientierenden weil'sen Striche zu achten hat, welche die Saalfelder 
Sektion des Tli. W.-V. angebracht hat. 

Drittens: Man biege zwischen Cumbach und Oberpreilipp bei dem 
Sandsteinl)ruch an der linken Thalwand auf den 1. abzweigenden 



42 i^. Saalfeld. 

Fulsstoig ein und folge diesem thalaufwiirts. Derselbe mündet in 
einen Fahrweg, der in einer guten halben Stunde (vi'/,; km) nach dem 
äul'serst malerisch am „Stuben", einer \'(prstufe des Kulmberges, 
geli'gt'iH'u Ort Scli/osskittm fülirt. Von Schlnsskulm kann man vlann 
entwciler <lirekt auf die Fahrstral'so überijclu-n (s. o. unter „zweitens"), 
welche durch den Wald xind über die „Katze" nach Saalfeld fülirt, 
oder auch den Kuhn besteigen ('/, St.) und von da den Abstieg nach 
SaalfeUl nach den obigen Angaben (unter „zweitens") wählen. 

Die gewülinliche Strafse von lliulolstadt nach Saalfeld 
berührt nach V2 St. Volksfcdt (s. S. 40) und nach nochmals 
V., St. den Markttieckeu Sclnvarza {Bremer Hof, daselbst 
Equipagen; fGasfh. Scfnrcdcnschanze, neben dem Bahnhof, auf 
einem Hügel, der sog. Schvedenschanze, die einen lierrliclien 
Blick in die nächste Umgebung darbietet). Im Knopfe des 
Kirchturms bemerkt mau einen eisernen Pfeil, eine Nach- 
bildung desjenigen Pfeils, den in den Befreiungskriegen ein 
Baschkir liinaufgeschossen hatte. — Jenseits der Saale (östl.) 
fesselt die hochaufsteigende Preilipper Kuppe (S. 41). zu deren 
Füfsen zwischen Baumgruppen die ländlichen Behausungen 
von Unter- und Oherprelüpp. Die Schwarza mündet hier in 
die Saale; sie kommt von Westen her. wo in einstündiger 
Entfernung die Burg Greifenstein oberhalb Blankenburg mit 
der grünen Waldsclilucht 1. daneben siclitbar wird. V2 St. 
weiter bei Wöhhdorf kommt man an dem Denkmal des Prinzen 
Louis Ferdinand von Preufsen vorüber; es zeigt einen trauern- 
den Genius mit einem Palmenzweige auf einem Unterbau von 
Granit; daran die einfaclien Worte: Hier fiel liimpfend für 
sein Vaterland Prinz Ludiciy von Preufsen, den 10. Oktober 
1806. Das Denkmal hat die Schwester des Prinzen, die 
Fürstin Luise von ßadziwill, errichten lassen. Der Platz, 
wo der Prinz den ersten Schufs erhielt, ist seitwärts 1. von 
der Strafse durch einen Würfelstein bezeiclmet. — Yon Wöhls- 
dorf nach Saalfeld V2 St. 



8. Saalfeld. 

Entfernungen : Blankenburg 10 km, Wallendorf 21 km, Eichicht 
10 km. 

Gasthöfe: Zum Hirsch, am Markt, gute Wohnungen und vorzüg- 
liche Küche, mit Badezimmer im Hause. Omnibus am Bahnhof. — 
Der Bahnhof hat gute Fremdenzimmer. — .s'</ie*6e, gegenüber dem Bahn- 
hof. — Piea/sischef Hof. — (iasthans /Mpfe, am oberen Thor, Pension. — 
Meinuiger Hof, gute Küche. — Uambrinus. 

Weinstuben : Ebert, am Markt; Kuhlig, in der Saalgasse, nahe dem 
Thor. 

Konditoreien: Hühner, flöhel. beide am Markt; Hänze, Saalgasse. 

Restaurationen: Ohne Garten: Das Loch (Tiller), gegenüber der 
neuen Tost, von (1 l'hr abends an; Hirsch, Senf (Coburger Bier) uxul 
Deiitschiiiann, in der Blankenburger Strafse; tler schone, rauchfreie 



8. Saalfeld. 43 

Ratskeller; Jahn, in der Saalstrafse; Süfsengtif, in der Sclilofsstral'se ; 
Lietmann, unter den Läden am Markt; die * Bahnhof s-Restaiiration mit 
vorzüglicher Küche. Mit Garten: Vereiim/arten (schön gelegen); die 
Friedenshohe (prächtiger Blick über die Saalfelder Aue) und der neue 
Felsenkeller (am Wege nach Blankenburg), beide nur im Sommer; 
Zapf es Restaurant am oberen Thor; Schiefshaus; Müllers Brauerei in 
Graba, mit Veranda-Aussicht. 

Wagen beim Posthalter, im Hirsch, im Preiifs. ffof, bei Süfsengut u. a. 

Bezeichnete IVegre. 

I. Vom Saalthor aus : 

1. Über Remschütz auf den Saalfelder Kulm, IVs St. — rot. 

2. Über die Katze au^f den Saalfelder Kulm, V^U St. — weils. 

3. Über Obernitz zur Teufelsbrücke und auf den Gleitsch, 1 resp. 

IV2 St. — gelb. 

4. Über Köditz auf den Bohlen, 3/4 St. — rot. 

5. Über den Roten Berg und Kaulsdorf nach Eichicht, IV2 St. — blau. 

6. Vom Kulm aus nach Oberpreilipp, V4 St. — gelb. 

7. Vom Kulm aus nach Unterpreilipp, -Vi St. — blau. 

II. Vom oberen Thor aus: 

8. Friedenshöhe, Fuchsstein, Reschwitz, Mühlfelsen, Weischwitz, 

Laasener Kulm nach Eichicht, 'i?|^ St. — weils. 

9. Über Garnsdorf atif die Gartenklippen, IVa St. — weifs. 

10. Über Garnsdorf und den Breitenberg nach Arnsgereuth (unterer 

lind oberer Schwarmweg), V^|^ St. — rot. 

11. Über Garnsdorf, Spitzberg, hintere Schwarniwand zum Haar- 

weidenbusch, I1/4 St. — gelb. 

12. Adriansthal. Gartenliuppen (steil!), nach Eyba, IV2 St. — blau. 

13. Durch das Giserathal nach Eyba, IV^ St. — rot. 

14. Über den Steiger nach Eyba, IV4 St. — blau. 

15. Von Reschwitz über den Schwarzen Berg nach Eyba, 1 St. — gelb. 

16. Von Reschwitz über die Mühle ins Giserathal, 1/2 St. — blaii. 

17. Vom Giserathal nach Knobeisdorf, Holzberg, Mühlberg nach 

Reschwitz, l'/t» St. — gelb. 

in. Vom Siechenthor aus: 

18. Beiilwitz, Eisenberg, Drachenschlucht, Eishöhle nach Unter- 

Wirbach, 2V4 St. — gelb. 

19. Betdwitz, Doktorweg, Eichkopf, nach Unter-Wirbach, IV4 St. — rot. 

20. Über den Sandberg nach Blankenburg, I1/2 St. — weils. 

21. Über tue Schwarzmülile nach Wittniannsgereuth (steil!), IV2 St. 

— Ijlau. 

22. Von der Schwarzmülile aus über die Tannenwand nach Witt- 

mannsgereuth, 1 St. — rot. 

Saalfeld, eheinalig-e Residenz eiQ-ener Herzöge, seit 1745 
zu Coburg, seit 1820 zu Meiningen gehörig, Kreisstadt, auf 
dem hohen linken Ufer der Saale gelegen, 235 m ü. M., hat 
eine reizende Lage und eine an Xaturschönheiten reiche Um- 
gebung; das Klima ist überaus mild und angenehm. 10 000 Einw. 
Die Geschichte der Stadt reicht in die früheste Vorzeit zurück. 
Wahrscheinlich erbaute Karls des Grofsen ältester Sohn ums 
Jahr 806 i>-egen die vordringenden Sorben den Hohen Schwärm., 
auch Sorbenburg genannt, von der nach zweimaliger Zer- 
störung (1198 durch den Landgrafen Hermann von Tliüringen 
und 1290 durcli Rudolf von Habsburg) nur noch zwei holie 



44 6. Saalfeld. 

Türme nebst Mauerwerk übrig sind, ein Schmuck der Stadt 
und Umgebung'. Unter Ludwig dem Deutschen erscheint sie 
als kaiserliche Pfalz. 

Auf dem Marktplatz steht das 1536 — 1537 im spätgoti- 
schen Stil erbaute Rathans mit seinem schönen Treppenhause 
und mannigfaltigen Erkern, Giebeln und Türmcheu. Ihm 
gegenüber (lie Hofapotheke^ nach dem Brande 1880 im Baustil 
des 1'2. Jahrh. wieder aufgebaut. 

Vom Markte nur durch eine Häuserreihe getrennt, steht 
auf dem Kirchhofe die Johanniskirche, nach einem zweiten 
Brande 1432 in ihrer gegenwärtigen Gestalt, im spätgotischen 
Stil, wieder aufgebaut; die Sakristei und der nördl. Turm 
sind aus späterer Zeit. 

Sie hat an ihren Aulsenseiten reiche Skiüpturen (über dem 
Haiiptportal in einem Giebelfelde das Jüngste Gericht), das Portal 
auf der Südseite in einem geteilten Giebelfeld oben die Kreuzigung, 
unten die heil. Familie und die drei Könige; dem südöstl. Portal zur 
Seite an einem Pfeiler St. Georg mit dem Lindwiirm. Das sogenannte 
Heringsmännchen, an einem Pfeiler der Nordwestecke als Konsol- 
träger angebracht, gilt als Wahrzeichen der Stadt; an der südlichen 
Ecke eine steinerne Freikanzel, eine in Deutschland selten vor- 
kommende Abialskanzel, auf welcher auch der berüchtigte Tetzel 
gepredigt haben soll. Im Innern der Kirche sehenswerte Glas- 
malereien, eine vorzügliche Orgel, zwei in Holz gescluiitzte Statuen 
(Moses und Johannes der Täufer) und die Fürstengriift unter dem 
hohen Chor. In der St. Johanniskirche wird das Bild der „heMf/eu 
Kniiimei-nis"' aiifbevvahrt, eine ganz besondere Merkwürdigkeit, die 
sich nur noch in Sj)anien iind Italien in wenigen Exemplaren findet. 
Von der Türmerwohnun^ hat man eine präclitige Aussicht auf die 
Berge des Thüringer Waldes und in das Saale-Tnal. 

Die Münzkirche (Mönchskirche, so genannt, weil sie eine 
Zeitlang zum Betrieb der Münze diente) liegt südwestl, auf 
dem höchsten Punkte der Stadt. Die im 18. Jahrh. im Auf- 
trage des Herzogs Johann Ernst vom Maler Ritter aus Gotha 
hergestellten Deckengemälde sind von guter Arbeit und wohl 
erhalten. Jetzt ist das Gebäude zu einer Mälzerei einge- 
richtet. 

Am Uferabhang der Saale steht die Seite iS erwähnte 
Sorbeiiburg, eine höchst interessante Kuine, unweit davon 
der Kitzcrsteln (Köditzerstein). Unter der Sorbenburg und 
dem Kitzerstein führt am hohen Ufer der Saale ein Spazier- 
weg nach der Saalhrilckc ; sie ruht auf ö J'feilern; die Zeit 
der Erbauung dieser sicherlich sehr alten Brücke ist nicht 
bekannt. Man hat von ihr herrliche Aussichten in das Thal 
und dessen Umgebung. 

Das herzogl. Scliloss, am nordwestl. Ende der Vorstadt 
vor dem Thore, auf der Stelle der zerstörten Benedictiner- 
Abtei, hat im linken Flügel eine Schlofskirche, mit Marmor. 
Stuck und Fresken geschmückt. Von dem Sclilofsturm eine 



9. Umgebung von Saalfeld. 45 

herrliche Rundsicht. An der Ostecke des Schlosses eine in 
feinem Sandstein gearbeitete Krönung Maria; ihr zur Rechten 
Paulus, links Hanno von Köln mit der Stiftskirche in der 
Hand, zu ihren Füfsen der A bt Greorg von Thüna ; am West- 
ende der Grartenmauer zwei grofse (irabsteine. Der gut er- 
haltene Schlofsgartcn ist im französischen Geschmack angelegt. 
Der hinter dem Schlofs nach dem Dorfe Graba herabführende 
Steig heifst die Jakobsleiter. 

Das Dorf und ehemalige Stift Graba., vom Schlosse nur 
durch eine schmale Tlialschlucht getrennt, hat in seiner Kirche 
einen Altar, der ehemals der Münzkirche gehörte und 1776 
vom Herzog Ernst Friedrich der Dorf kirche geschenkt wurde. 

Am Nordostende der Stadt Saalfeld liegt auf einem 
Felsenvorsprung die etwa im 13. Jahrh. erbaute kleine Siechen- 
kapelle. 

9. Die Umgebung" von Saalfeld. 

Saalfelds Umgebung ist in hohem Grade anmutig und 
ladet zu vielfachen Exkursionen ein. Der schönste Ausflug 
ist nach den 1 St. entfernten *Garteukupi)eii, welche das 
Saale-Thal mit dem vorliegenden Kulm und der Leuchtenburg, 
und daran Hummelshain und einen grofsen Teil des südöstl. 
Thüringer Waldes beherrschen, Wcährend im Osten die Schlösser 
Könitz, Ranis und Brandenstein nebst der Altenburg (Berg) 
bei Pössneck, Schlofs Oppurg, Neustadt a/0. den Hintergrund 
bilden. Man wählt am besten den Weg, welcher von Garns- 
dorf aus bequem hinaufführt (weifse Striche). Den Rückweg 
nehme man über Eyha oder Arnsgereufh (564 m ü. M.), — 
bei Ph. Seifert, „der Philipp" genannt, vorzügliches Coburger 
Bier, — und von da durch den schönen * Garnsdorf er Grund. 
Auf diesem Wege öffnet sich melirere Male ein Durchblick 
nach den Bergen im Saale-Thal, und ganz in der Tiefe leuchtet 
das Schlofs zu Saalfeld, später die ganze Stadt, aus Baum- 
gruppen hervorschauend, auf. Bei Garnsdorf., am Ausgange 
des Thaies (V2 St. von der Stadt), zeigt sich wieder das Saale- 
Thal in seiner vollen Schönheit. Bei Garnsdorf liegt Bad 
Sommerstein, etwa 20 Min. von Saalfeld (Omnibus am Bahnhof, 
billiger Aufenthalt). — Zu empfehlen ist der Rückweg von 
Eyba durch das bisher wenig besuchte Giserathal hindurch 
über das Dorf Reschwitz nach Saalfeld. Die ganze Partie 
erfordert 4—5 St. 

Auch der Weg auf den Breiten Berg verdient Berück- 
sichtigung. Der Weg führt von Garnsdorf aus (rotj in 40 Min. 
über den oberen SchAvarmweg zum Haarweidenbusch (schöner 



^(J 9. Umgebung von Saatfeld. 

Hochwald) und vuii da entweder in ^,U St. nach Arnsgereutli 
oder zur Stadt zurück. Die Aussicht ist der von den Garten- 
kuppeu sehr ähnlidi. aber freier. 

Ein anderer sehr empfehlenswerter Ausflug ist auf den 
etwa IV2 St. entfernten *(Tleitsch (4G9 ni), nächst dem Trip- 
stein bei Schwarzburg wohl der schönste Aussichtspunkt weit 
und breit. Man geht auf <ler Chaussee durch das Dorf Ober- 
nitz^ über welchem sich, weithin sichtbar, das vor kurzem ganz 
im alten Stil restaurierte Schlofs Obcrnitz^ im Besitz der 
Familie von Motz, erhebt, eines der ältesten Schlösser im 
Saale-Thal und Stammsitz der Herren von Oberuitz, mit ent- 
zückender Aussicht und schönen üartenaulagen. Der Weg 
zum Aussichtspunkte Gleitsch, welcher zu dem mit dem Schlosse 
zusammenhängenden Rittergut gehört, liegt auf der Anhöhe. 
Auf derselben, dem Dorfe Beschwitz gegenüber, biegt mau 1. 
in den am Berge aufwärts führenden Weg ein, der an dem 
Berge etwa in 20 Min. zur Höhe emporführt (gelb). Der 
Cxleitsch war in der heidnischen Vorzeit ein Kultusplatz der 
Sorben. Der Gositzfelsen ist V4 St. weiter. A'om Gleitsch 
abwärts geht man östl. auf der Höhe hin und dann den 
Strichen nach abAvärts ins Thal nach Obernitz. 

Auf die schön gelegene, aussichtreiche Anhöhe „Alte 
Burg'' führt vom Saalfelder Schiefshause an der Saale ein 
Promenadenweg in V2 Stunde. 

Eine sehr lohnende und Aveuig anstrengende Partie führt 
über die Friedenshöhe (25 Min., Restauration mit schönen An- 
lagen und weitreichendem Umblick) zum Fuchsste'm mit einer 
Schutzhütte (nach 20 Min. bequem aufwärts). Hier lohnt die 
weite, prächtige Umschau. 

Auch der Spaziergang vom neuen Felsenkeller am Siechen- 
bach aufwärts bis zur Schicarzmnhle am Eingang in das 
tannentinstere Wittmannsgereuther Thal ist höchst angenehm, 
besonders an heifsen Tagen. 

Lohnende Partie von Saalfeld am linken Ufer der Saale 
aufwärts (der im Wartburgstil erbaute Sommersitz des Prof. 
Freege aus Leipzig, Steinbrüche, germanischer Begräbnisplatz, 
Neumühle, Teufels^kanzel) nach Reschwifz, dann über den Steg 
nach Obernitz, wo sicli malerische Felsgruppen erheben. — 
Der Weg auf den Roten Berg nach Kaulsdorf und Eichicht 
zählt gleichfalls zu den nennenswerten Exkursionen in der 
Umgegend von Saalfeld. Auf der Höhe des Roten Berges, 
besonders wenn man den sogenannten Giebelstein noch ersteigt, 
hat man ein wunderbar schönes Landschaftsbild vor sich. 
Wo die Strafse sich Avieder dem Thale zuwendet, gehe 111a 11 
r. auf dem Bergrücken vor, der Blick in das Kaulsdorfer 'Ihal 
und nach Eichicht hin wird diesen Seitenweg reichlich be- 



9. Umgebung von Saatfeld. 4:7 

lohneu. Man folgt dann \\'eiter dem am Berge hinlaufenden 
Wege nach Kaulsdorf und von da in 10 Min. nach Eicliicht 
(Bafmhof; Restauration von Hntschenrenter und gegenüber 
dem Bahnhof Restauration Stäfe). Von dem alten Schlosse 
ein hübscher Blick ins Thal. Von Eichicht fährt man in 
20 Min. mit der Bahn nach Saalfeld ziu'ück. Xach der 
Friedenshöhe führt der Weg vom oberen Thore geradeaus an 
dem Köflitzbruuneu vorüber, dann wendet sich 1.. von der 
Strafse abbiegend ein Fahrweg, und von diesem führt ein 
Fufsweg in geringer Steigung zur Höhe empor, welche vom 
Friedensfest 1871 ihren Namen erhalten hat. Ein Denkstein 
ist hier den im letzten Kriege gefallenen Söhnen der Stadt 
errichtet. In den Sommertagen ist hier stets gute Wirtschaft. 
Weitere sehr interessante Ausflüge sind: Knobeisdorf, 
Holzberg, — * Eifienberg . Drachenschlucht^ Eishöhle, Wirbach 
(Thüringer Wald vom Fichtelgebirge bis zum Inselberg sicht- 
bar), — Beulwitz. Doktonreg, Eichkopf, Unterwirbach. 

Einen andern Ausflug kann man mit der Eisenbahn in s/^ St. 
nach Pössneck machen. 

P'össneck (f Hirsch, Breitestral'se; -ffi'^^o-. Schleizer Stralse; einfacher: 
Luwe; Ko/s; — gutes Bier im Rathaux, Gesellschaftslokal im SckieJ's- 
hause [Schleizer Stralse]; bei ßix in Opitz, an der Saalfelder Chaussee; 
Pentel; AkUengarten ; Vereinsgarten, mit prächtiger Aussicht auf die Stadt ; 
Rittergarien; Kaiaerliof; Schillings Restaurant; bei Albert in Wernburg, am 
Wege nach Ranis und Ziegenrück, 230 m ü. M., ehemals schwarz- 
burgische, jetzt meiningische Stadt, an der Kotschau, welche sich 
1/2 St. von hier in die Orla ergiefst. eine der reichsten, lebhaftesten 
und gewerbthätigsten Städte Thüringens, mit teilweise grol'sstädti- 
schem Aussehen. Porzellan-Fabriken (die gröl'ste ist die der Ge- 
brüder Conta, hauptsächlich Xipj)es-Sachen), Flanellfabriken. Das 
Rathaus in Pössneck ist ein sehenswerter gotischer Bau mit reich- 
verziertem Erker und einer alten, berülimten Uhr. 

Die schönste Ansicht der Stadt gewinnt man, wenn man dem 
Gasthof zum Ritter gegenüber den Bach überschreitet und dann 
einige Minuten lang zwischen Gartenhäusern bergan steigt, bis man 
in einer obstreichen Schlucht das Dorf Schlettwein (westl.) sieht. Im 
Osten erblickt man die Stadt mit ihren Türmen, dahinter den mit 
Waldung und Felsen schön geschmückten Berg, die Altenburg: r. 
hemmt der malerische Engpafs bei Oepitz die Fernsicht. Zur Linken 
(ein wenig nordöstl.) liegen viele Dörfer, und im Thalgrunde das 
stattliche Schlol's Oppurg (1 St.) mit seinem umfangreichen Park; 
weiter auf der Höhe XtunJiofen, an seiner hochliegenden Kirche kennt- 
lich, und dahinter, mehr im Grunde, die weimarische Kreisstadt 
Neustadt a. d- Orla. 

Von der Saalfelder Strafse 1. (in südl. Richtung), oder gleich 
von der Altenburg, in nämlicher Richtung, geht der Weg über Wern- 
burg (gutes Bier) und dann westl. in IV4 St. fast beständigen Steigens 
nach Ranis (Deutsches Hans), kleines preul'sisches Städtchen mit 
1600 Einw., auf einer Anhöhe des Kotschauthaies gelegen. Das erste 
Haus, an welchem man vorbeikommt fr.), ist das Schiel'shaus. Man 
durchschreite den dazu gehörigen Garten und wende sich r., wo man 
bald bei einer kleinen Felswand ein anmutiges Plätzchen findet; 
es heilst einem früheren Beamten des Raniser Gerichts zu Ehren, 
der hier häufig lustwandelte, Ronntlialers Ruhe. Die Aussicht von 
dieser Stelle ist entzückend. Gleich 1. das alte, aber stattliche, wohl- 



4g 9. Umgebung von Saalfold. 

erhaltene Schlofs Ranüi, das auf gewaltigen, hochgetürmten Klippen 
erbaut ist, im nörtllichen Vonlergrunde das auf waldigem Berge 
gelegene Schlofs Branilenstein, hinter welchem (ein wenig r.) im 
Hintergrunde die Leuchtenhurg hervorschaut. Freundliche Dörfer 
liegen zerstreut., im breiten Thiile (Crölpa, Rockendorf, Gräfendorf, 
Seisla, Dobian, Olsen), in welcliem bcsonilers das CJchloJ's Könitz den 
Blick fesselt. Im westlichen Hinteigrnnde die Türme von Saalfeld. 
— Der Weg über Schlofs Urandcnstan (ähnl. Aussicht) nach Crolpa 
ist sehr angenehm und währt nur Vg St. 

Von der Eichadunke führt (1., in südl. Richtung) der Weg nach 
dem rudolstädt. Schlosso h'öin'tz. Bald erreicht man das an der 
Schleizer Strafse romantisch gelegene, viel besuchte Dorf Bucha, be- 
sonders wird der Heilige Berg, wo eine Restauration und überraschende 
Anlagen im Buchenwalde (Mooshütten, Tempel und Kapellen, von 
Borke bekleidet) das Ziel der Bewohner der Umgegend sind, die an- 
genehmste Unterhaltung bieten. Im nahen Dorfe Gossnitz iind im 
Dorfe Oro/s-l'aiiisdorf, beide auf preufsischem Territorium liegend, 
verdienen die Bergwerke, welche Silber, Eisen, Kiipfer und Kobalt 
liefern, die Beachtung des Fachmannes. 

Von Könitz aus kann man mit der Bahn nach Unter- Weltcnborn 
fahren und daselbst das grol'sarti^e Eisen- und Bessemer-Stahlwerk 
Maximilians- Hütte besuchen oder direkt nach Saalfeld zurückkehren. 

Will man von Saalfeld nach Coburg Avandern, so geht 
man anf guter Strafse den Gaimsdorfer Grund hinauf. Oben 
auf der Höhe breitet sich ein hohes Bergplateau aus, und das 
Walddorf Arnsyereuth liegt vor uns. ''U ^^- weiter die sogen. 
Hohe Elche mit Kirclie, Wirtshaus und anderen Häusern, 
höchster Punkt in der ganzen Gegend; besonders A-om Kirch- 
turm aus weite Aussicht nach ifanis und Pössneck hin bis 
zum Brocken, Inselberg, Fichtelgebirge u. s. w. 

Das nun folgende, lioch gelegene Reichmnmisdorf hat 
Erzgruben und Schieferbrüche" (früher Goldbergbau). Die 
Strafse zieht weiter auf dem hier waldfreien Gebirgsrücken 
hin nach Schmiedefeld. Hinter diesem Orte senkt sich die 
Strafse, einen grofsen Bogen über Taubenbach und Teich be- 
sclireibend. nach dem Marktflecken Wallendorf mit Porzellan- 
fabrik. Über Lichte erreicht man die beiden an einander 
stofsenden Orte Xenhaus a. R. und Igelshieb, welche Glas- 
Avaren und Porzellan verfertigen. Der Hauptsitz der Glas- 
industrie ist aber das nun folgende grofse Dorf Lanscha^ 
1/.2 St. südl. von Igelshieb. (Zu" empfehlen ist der kürzere 
Weg nach Lauscha", der die Hauptstrafse entweder in Lichte 
verläfst und durch den Finstern Grund direkt nacli Lanscha 
(lV-2 St.), oder von Teich über Fiesau und Ernstthal führt; 
in beiden Orten Glasliütten.) Von Lauscha Bahn über 
Steinach, Blechhammer und Köppelsdorf nach Sonneberg und 
Coburg. Weiter abAvärts im freundlichen Thale der Steinach 
liegt der über '/, St. lange Marktflecken Steinach, dessen 
Bewohner sich häuptsächlich durcli Verfertigung von Holz- 
waren und Griffeln ernähren. Sehenswerte Griffelscliiefer- 



9. Umgebung von Saalfeld. 49 

briiche westl. vom Orte auf dem Fellherg, kleinere südl. bei 
der Wiefelsburg. 

You Steinach führen drei Wege nach Sonneberg-: der 
kürzeste ist der über die ebengenannte Wiefelsburg und durch 
den Röthengrund, der zweite, die frühere Poststrafse, führt 
über den sogenannten Schustershieb in denselben Grund, der 
dritte geht im schönen Steinachthal abwärts, vorüber an den 
zerstreuten, zum Teil an den steilen Berghängen liegenden 
Häusern von Hüttengnmd, durch Hüttensteinach (1. am Ab- 
hang des Spitzberges das schlofsähnliche Wohnhaus des Por- 
zellanfabrik-Besitzers G. Schönau) und 7iö;jpe/srfo?-/'(t Gasthof). 

In Blechhammer (zur Gemeinde Hüttengrund gehörig) 
mündet in unsere Strafse die Straf se von Gräfenthal (f Schivan). 
Dieses 5 km südöstl. von ßeichmannsdorf gelegene, nach dem 
Brande von 1852 neu erbaute Städtchen liegt in einem engen, 
anmutigen Tliale und eignet sich sehr zum Aufenthalt für 
Sommerfrischler. Die näcliste 6 km entfernte Eisenbahnstation 
ist Probstzella (s. S. 58), von wo Post und Gastliofswagen 
nach Gräfenthal gehen. Die Stadt ist von den schönsten 
Fichten- und Buchenwaldungen umgeben, bequeme Wege führen 
auf die ringsum liegenden Bergkegel; auf einem derselben 
thront das Schlofs Wespenstein, welches noch aus der Sorben- 
zeit stammt. Die Strafse erreicht südl. von Gräfenthal, grofse 
Kurven beschreibend, bei der Kalten Küche die Höhe des 
Gebirges (weit kürzerer Aufstieg über Buchbach), folgt bis 
Spechtsbrunn dem Rennsteig, und von Hasenthal ab dem tief 
eingeschnittenen Thal der Ölse, die kurz vor Blechhammer 
mit der hinzukommenden Rögitz die Engnitz bildet. Seit 
1887 führt von Blecliliammer auch eine kunstvoll angelegte, 
interessante Strafse nach dem östl. auf hohem Bergrücken 
gelegenen Judenbach. 

Soiiueberg {* Krugs GastJi.., sehr gut; Löwe; Germania; 
gutes Bier in der altdeutschen Bierstube Zum alten Fritz, 
in der Siederei, im Schiefshaus, Kaiserhalle; für den Besucli 
der Umgegend zu empfehlen die Karte von C. Major), 405 m 
ü. M., mit 11 700 Einw., freundliche mul sehr gewerbsame 
Stadt, der Mittelpunkt der Spielwaren-Industrie des Meininger 
Oberlandes. Sehenswert sind die Musterlager der bedeutenden 
Exporttirmen. Die 1874 gegründete Heilanstalt des Sanitäts- 
rats Dr. Richter ist Sommer und Winter zahlreich besucht. 
Man beachte die schöne, von Heideloff 1845 erbaute, gotische 
Kirche; von der Turmgalerie hat man eine prachtvolle Aus- 
sicht. An der Stelle des 1590 durch Brand zerstörten Sclilosses 
Sunoburg, auf dem Scidnfsherge, ist jetzt ein Vergnügungsort 
mit schöner Aussicht. Zwischen Bahnhof und Marktplatz die 
grofse neue Bürgerschule. 

Orielens Reise-Bibl.: Thüiingeii. (16. Aufl.) 4 



5() 9. Umgebung von f?aalfeld. 

Lolnieiule Wege und schöne Aussichtspunkte bietet die 
UniLcegend der Stadt in Menge. Über den der Aktienbraueroi 
Eichberg gehörigen Fclsenkelh-r (Sonimerwirtschaft) führt ein 
Weg durch den Wald nacli Marienthal, einer elegant einge- 
richteten Wirtschaft mit grofseni. schönen Charten. Ebenfalls 
vom Felsenkeller aus gelangt man auf die Kappel mit slavi- 
schen Wallbauten und zu den an den Abhängen des Eich- 
berges gelegenen reizenden Aussichtspunkten Luisenhöhe 
(4:79 m) und Lobes Hüfte {ASi) m). Von letzterer führt ein 
Weg abwärts zum BingleinHbnmnen und zum Tenfelsyrahen., 
von wo der Schlofsberg: mit seinen schönen Aulagen und die 
höchste Kuppe desselben, die Lindnershöhe (502 m), mit Aus- 
sicht, leicht zu erreichen ist. Eine Viertelstunde nördl. von 
hier betindet sich am Ostabfall des Blöfsenberges der Jäger- 
stein (56-2 m) mit lieblichem Blick durch eine Waldlichtung, 
besonders auf den oberen Teil der Stadt. Von hier in ^'4 Sl;. 
westl. aufwärts zu der nahe dem Rücken des Blöfsenbergs 
gelegenen Kaiser Willielius-Höhe (630 m) mit hübscher 
Sclmtzhtttte und überraschender Aussicht. Bequemer Abstieg 
auf dem im Zickzack angelegten Kaiser Wilhelms-Steig nach 
der „Ziegelhütte" am Nordwestfnfs des Schlofsberges. 

Die umfassendste Aussicht auf Sonneberg gewährt der 
waldfreie südl. Rücken des Stadtberges. Durch den Wald 
auf dem nördlichen Teil desselben führen angenehme Wege 
liinüber zu dem Sehleifenherg, von dessen Südseite prächtiger 
Blick auf die tief unten liegende Stadt. Ganz besonders zu 
empfehlen ist der Besuch des ^'2 St. von Sonueberg bei dem 
Bergdorf Xeufang aufragenden Mensel' sehen Aussix-Jitstuniics. 
Derselbe. (338 m ü. M. gelegen, bietet eine weite, vom Renu- 
steig bis Bamberg und vom Fichtelgebirge bis zur Rhön 
reichende Aussicht^ Schlüssel zum Turm beim Wirt Meu.sel 
in Xeufang. — Au der Kirche und dem Schiefshaus vorbei 
führen Wege auf den Schönberg (621 m), dessen Südabhang, 
an welchem sich das Lutherhaus befindet. Avegen der schönen 
Aussicht auf die vorgelagerte Ebene und die diese um- 
schliefsenden Berge viel besucht wird. Im Walde, ebenfalls 
an der Südseite des Berges, hübsche Anlagen: Grotte und 
Bastei. Von letzterer über die Höhe des Schönbergs nach 
Xeufang. 

Etwas weitere, sehr zu empfehlende Ausflüge: Oeorgaplatz am 
Loosbrand, nördl. der Stadt (von deren Mitte aus etwa 1 St ); Blöße 11- 
berg, hier besonders der von der Kaiser M'illielms-Höhe (s.o.) in 22 AI in. 
zu erreichende Muiienfelsen (G21 m) mit prächtiger Aussicht (1' \ St. ; 
weiter nordwestl. die Khneslate (nördl. Forstdiengereuth, l".j St.»; 
Bertihardaitlnts an der Westseite des Grolseu Mühlbergs (V ^ St.) ; 
Rückweg über Forsehengereuth, wo gutes Bier, und den Isauk. 

2 St. von Sonneberg, bei Meschenbach, liegt die ZinselhOhle, im 
Jahre 1873 zugänglich gemacht. Ihre Länge beträgt IbS m. Wer ilie 



lO. Von Saalfeld nach Lobenstein und Ebersdorf. 51 

durch Kalkformatiou und Tropfsteinbildung interessante Höhle be- 
suchen will, dem empfehlen wir folgende Tour (5 St.): Sonneberg, 
Forschengereiith, Men^ersgereuth, Hohetann, Melchersberg, Meschen- 
hach (gute Wirtschaft, hier der Führer zixr Zinselliöhle), Rauenstein, 
Theuern, diu-ch den Theuerer Grund nach Limiacli (älteste Porzellan- 
fabrik des Thüringer Waldes) und SUtjuinndsburn (guter Gasthof). 
Von da nach Eisfeld, in den Schwarzagrund etc. Diese Tour ist 
reich an landschaftlichen Schönlieiten (siehe Koute 15). 

Von Soimeberg ZAveigbalm über Neustadt a. d. Heide 
(Post, Schwan) und Oeslau nach Coburg, und über Köppels- 
dorf\ Blechhammer und Steinach nach Lauscha, 



10. Von Saalfekl nach Lobenstein und 
Ebersdorf. 

(Die Bahn von Saalfeld bis an die bayrische Grenze hat die Stationen: 
Eichicht, Unterloquitz, Marktgölitz, Probstzella, Lauenstein, Ludwig- 
stadt und führt über Kronach nach Hochstadt an der Lichtenfels- 

Hofer Linie.) 
Post von Eichicht über Leutenberg nach Lobenstein in 4 St. 10 Min. 

Saalfeld-Lobenstein 39 km. 

a) Über Leiiteuberg:. 9 St. Die Chaussee über Leuten- 
berg- (4 St.) geht das prächtige Saalthal entlang, an Köditz 
vorüber, durch Obernitz, Fischersdorf und Tauschwitz nach 
Kaulsdorf] früher bayrische Enklave, jetzt preufsisch. Hier 
sind die ersten Spuren des Weinbaues an der Saale. An ihrem 
Gestade wandern wir nun \ 4 St. lang bis Eichicht. Das Thal 
wird enger und wilder. Wir gehen r. in das enge, waldige 
und romantische Loquitzthal bis Hockerodaer Hammer (*AVirts- 
haus) und verfolgen von da 1. das von der Sormitz durch- 
rauschte, höchst malerische Wiesenthal. 

Überraschend schön ist die Lage des gegen 1300 Ein- 
Avohner zählenden Städtcliens Leiiteuberg (Weifses Lamm^ 
Sclncarzhunjer Hof, Post, Goldener Stern) mit seinem hoch- 
thronenden Schlofs (die Friedensburg), das schon in den ältesten 
Zeiten Besitztum der (irafen von Schwarzburg, von 1358 
bis 1564 der Sitz einer schwarzburgischen Nebenlinie war und 
im 17. Jahiii. von der frommen Liederdichterin G-rätin Ämilia 
Juliane bewohnt wurde. Grofser, anmutiger Marktplatz. 
Papiermühle und Holzschleiferei. Ein sehr rühriger Ver- 
schönerungsverein. Um die Stadt her ünden sich in den 
Thälern und auf den Bergen herrliche Promenadenwege, 
Ruhebänke, Pavillons, reizende Aussichtsjjunkte: Schlofs- 
berg, Wilhelmsruhe, Georgshöhe, Bismarckstein. Nadel- 
und Laubwaldungeu. Postverbindung täglich zweimal nach 
Eicliicht, einmal nach Lobenstein. Neuerdings wird die 

4* 



SlJ 10. Von Saalfuld nacli Lobensteiii und Ebersdorf, 

Stadt als Soinmerfrisclie besucht. Bedeutende Schieferbrüche 
in der Nähe. 

Die schöne Kunststrafse zieht sich einige Stunden weiter 
am Sormitzbach, in der wabligen Tlialschlucht liinauf und dann 
an einem wildschäumenden Waldbach entlang nach einem 
hohen Bergplateau bis Gleinia^ einem rudolstädtischen Dorf, 
liinauf. Gleich dahinter jjassiert man das reufsische Dorf 
Gnhnia, und nun wandert man durch Fichtenwaldungen und 
all Anhöhen vorüber über Ruppersdorf nach EUashrimn, wo 
sich 1. die mit stattlichen Ahornbäunien bepflanzte Ebersdorfer 
Chaussee von der nach Lobenstein abzweigt. 

Ebersdorf {Krone; Gasthaus der evangel. Brüdergemeinde] 
Löwe)^ ein freundlicher Ort, der Fürstenlinie Schleiz gehörig. 
Das stattliche Schlofs ist von umfangreichen Parkanlagen 
umgeben, die einen Besuch verdienen. Noch lohnender sind der 
Ausflug nach dem nur ^/4 St. entfernten Gasthaus *Bellevne, 
mit schöner Aussicht, und die Tour nach den reizenden Wald- 
anlagen am Heinrichstein., dessen Fufs die Saale umspült. 
Ein anderer vielbesuchter Punkt ist das Jagdschlofs Waid- 
mannsheil am jenseitigen Saale-Ufer. 

Eine prächtige, ^'4 St. lange Linden-Allee verbindet Ebers- 
dorf mit Lobensteiii {Hotel Volkmar., neben der Post; Kur- 
haiis-Hotel, am Kurgarten; Bayrischer Hof, Beufsischer Hof), 
mit 4000 Einw. Köstliche Spaziergänge mit schönen Aus- 
sichten bieten der schöne Sehlofsgarten beim neuen Schlofs, 
die Promenade und der grofse Teich, der Kirchberg und der 
Geiersberg. Auf einem 547 m hohen Berge erheben sich die 
Trümmer der von einem 30 m hohen Turm überragten Burg 
Lobenstein. In der Kur- und Badeanstalt sind vier Stahl- 
quellen in Benutzung. 

Ein anderer Weg von Leiiteuberg nach Lobenstein ist 
folgender: Man geht auf der alten Strafse von Leutenberg 
nacli fTrüiiau {Gasthof, Brauerei und Mühle), verläfst wenige 
Minuten dahinter die in ihrem weiteren Laufe nach Lehesten 
führende Strafse und schlägt die 1. abzweigende ein, Avandert 
an der forellenreichen grofsen Sormitz entlang durch ein 
prächtiges, waldreiches Thal aufwärts, an mehreren Mühlen 
vorüber, und gelangt über das mit vielbesuchter Gastwirt- 
schaft verbundene, weithin bekannte Eisenhammerwerk Hein- 
richsrnhe nach dem reufsischen Marktflecken Wiirzbach, 
ca. 1900 Einw. (Gasthöfe Volkmar und Fischer). Eisenstein-, 
Marmor- und Schieferbrüche. Von Leutenburg bis Wurzbach 
10 km. Von Wurzbach i)ilgert oder fährt man auf einer 
9 km langen Strecke durch das hoch und malerisch gelegene 
Heinersdorf nach Lobenstein. 



11. Von Saalfeld oder Eudolstadt nach Schwarzburg. 53 

b) Rückweg' über Probstzella. Über Neundorf und 
Wurzhach bis Lehcsten wird ein rüstiger Fufsgäno'er 2V2 St. 
gebrauchen. Lehesten (Gold. Panzer, Schwan)^ 630 m ü. M., 
meiuingisclies Städtchen mit 2000 Binw., liegt am Ursprung 
der Loquitz und auf hohem Bergplateau. Hier der grofs- 
artigste Schieferbruchbetrieb mittels Dampfmaschinen auf dem 
Kontinent, in hohem Grade sehenswert; die OerteFschen und 
Herzoglichen Schieferbrüche sind die bedeutendsten. 

Eine mildere Lage hat das V2 St. davon entfernte bayri- 
sche Städtchen Ludwigstadt {Löwe) mit schöner Pfarrkirche 
und trefflicher Bierbrauerei. 

Das Loquitzthal wird nun anmutiger und belebter, be- 
sonders beim Dörfchen Lauenstein, wo eine Papiermachefabrik. 
Das Schlofs Lauenstein, auf einem hohen Thonschieferfels 
fufsend, war einst Besitztum der mächtigen Grafen von Orla- 
mtinde und wurde von denselben 1430 an die Grafen von 
Gleichen abgetreten. Jetzt ist es im Besitz eines Privat- 
mannes. 

Der kleine Marktflecken Probstzella (Meininger Hof, 
Löioe, Wilder Mann), 350 m ü. M., liegt am Einflufs der Zopte 
in die Loquitz. V4 St. von Probstzella der Falkenstein mit 
gleichnamiger Wirtschaft im Grunde in schöner J^age, be- 
suchter Ort, gutes bayrisches Bier. 

Von Probstzella geht eine Vicinalstrafse nach dem Städt- 
chen Gräfenthal (s. S. 49), 405 m ü.M., von wo man über 
Reichmannsdorf, die Hohe Eiche, Arnsgereuth und den Garns- 
dorfer Grund nach Saalfeld gelangt; der direkte Weg bringt 
uns über Marktgölitz, Ober-Loquitz, Arnsbach und Hockerode 
— stets abwechselnd durch wildschöne Gebirgslandschaft — 
in das sonnige Thal des Saale-Stromes. 



11. Von Saalfeld, oder Rudolstadt nach 
Scliw^arzburg". 

Saalfelcl — Scliwarzbvirg zu Fiil's 3'/i— 4 St. Bequemer Wegüber 
Arnsgereuth, Elsterschenke, im Sorbitzthal über Döschwitz, Book- 
schmiede, Sitzendorf-Schwarzburg. — Saalfeld — Unterwirbach (!'/+), 
Georgsturni ( Vj), Werrasitz (','2), Waidmannsheil (V4), Chrysopras (1/4) , 

"Von Saalfeld kann man verschiedene Wege nach Schwarz- 
burg durcli das Scliwarza-Thal einschlagen. Wer die Tour 
zu Fufs machen will, kann über Beulwitz und Unterivirbach 
gehen und hat auf diesem Wege, ehe derselbe ins Thal hinab- 
geht, auf der letzten Höhe eine schöne Aussicht auf Bad 
Blankenburg, den Greifenstein und die im Thal gelegenen 
neu erbauten Landhäuser. 



54 11- Von Saalfeld oder Rudolstadt nach Schwarzburg. 

Ein anderer Weg. und zwar der genufsreichste. ist fol- 
i^ender: iFan uehe über Benliritz und nun den i^elben Strichen 
nach iUter di/n Eisenberg zur Drachenschlucht, an der Ei^^- 
iiühle vorüber nach Oherwirbach und hinab ins Werra-Thal 
zum (iasthaus Waidiuannsheil, oder an den Katzensteiuen 
durch zum Chrysopras (o 8t. von Saalfeld aus), und dann 
durch das Schwarza-Tlial nacli Schwarzburg. 

Wer von Saalfeld auf der Eisenbahn wieder nach Schwarza 
zurückzufahren vorzieht, kann von hier aus die Wanderung 
nach Bad Blankenburg und dem Schwarza-Thal beginnen. 
Von Schwarza fülirt die Chaussee westwärts in geringer 
Steigung- Blankenburg zu. r. durch Felder von der rauschenden 
Schwarza getrennt, die an dem langgestreckten Berg hin der 
Saale zuläuft. Kurz vor Blankenburj] führt eine Brücke über 
die Schwarza. und die Strafse teilt sich geradeaus nach 
Blankenburg. 1. nach dem Chrysopras hinführend. 

You Rudolstadt geht man nach Blankenburg zunächst 
auf der Saalfelder Chaussee am Kurhaus (Radtkes Hotel) und 
der Richter'schen Fabrik vorbei zum Chausseehaus (',4 St.). 
Hier teilt sicli der Weg: r. führt die Chaussee am Rudolsbad 
vorüber über Schaala und Eichfeld nach Stadtilm. 1. über 
Volkstedt und Schwarza nach Blankenburg. Wer der Chaussee 
nicht folgen mag. kann den Feldweg ..über den Berg" am 
Dorfe Zeigerheim vorüber nach Blankenburg einschlagen. 
]Man folge der Stadtilmer Chaussee vom Chausseehause r. al) 
ungefähr 50 Schritte und steige dann links den ersten Fahr- 
weg hinan, der an der nahen Ziegelei vorüber bergauf führt. 
Nach 20 ^Minuten hat mau die Höhe gewonnen und sieht 1. 
neben sich den Ort Zeigerheim. Die alte Kirche desselben 
hat einen sehenswerten Flügelaltar aus dem 15. Jahrh. — 
Wer die westl. über Zeigerheim sich erhebende Höhe, die 
Liske (s. S. 41). einen herrlichen Aussichtspunkt mit Ruhesitz, 
besteigen will, folge westl. vom Dorfe den Wegweisern und 
den weifseu Strichen an den Bäumen; anfangs ein unschein- 
barer Fahrweg, dann ein gut gebauter Fufssteig führen zu 
dem Berggipfel. Der Rückweg auf demselben Pfade. Der 
Abstecher" erfordert höchstens 1 St. Zeit. Wer die Liske 
nicht besuchen avUI. folgt. Zeigerheim 1. lieo'en lassend, immer 
in südwestl. Richtung dem alif der Höhe weiter führenden 
Feldwege, dann zeigt sich bald zur Linken das Schwarza- 
Thal (die Strecke zwischen Blankenburg und Schwarza) und 
die Stadt Blankenburi; in der Tiefe, und r. steigt die Höhe 
des Greifensteius empor. Steil geht es bald hinab nach 
Blankenburg. Doch ein r. führender Pfad ist vorzuziehen, 
der zur Ruine Greifensfein (S. 55) führt. 



12. Blankenburg und Umgebung. 55 

Die Fahrstrafse von Rudolstadt nach Blankenburg- führt 
über Volkstedt und Schwarza (S. 42) und kurz vor Blanken- 
burg über die Brücke direkt zu dem Gasthaus zum Chryso- 
pras (s. S. 56). 



12. Blankenburg" und Umgebung". 

Seit Eröffnung der Sekundärhahn Schicarza-Blankenhurg 
tcird die Tour durch das Schioarzathal meistens %ind am 
zweckmüfsigsten von Blankenburg aus begonnen, an dessen 
Bahnhof stets Wagen bereit stellen. Man accordieref Die 
Forderungen der Kutscher sind oft sehr übertrieben. Omnibus 
von Blankenhurg nach dem Gasthaus zum Chrysopras am 
Eingang ins Schtvarzathal, 50 Pf. ä Person. 

Blankenburg: fLöwe: Schellhorn; für einfachere An- 
sprüche: f Weifses Rofs ; Greifen stein ; in der Nähe der Stadt : 
•f Chrysopras; fLoesches Hall; Waidmanns heil ; vergl. S. 56, 
rudolstadt. Städtchen von etwa "2000 Einw., klimatischer Kur- 
ort, liegt in einer Thalweitung am Eingang des schönen 
Schwarza- Thals. Besuchte Bade- Anstalt (Fichtennadelbad, 
Dampf- \ind Wellenbäder), Heilanstalt mit Pension für Nerven- 
kranke, das ganze Jahr geöffnet. Die schützenden Berg- 
wände ringsiim hemmen den Einflufs raulier Winde. Besuchte 
Punkte: das Badehans auf einer Insel der Schwarza und das 
Schiefshaus auf der Lindeninsel. Der Steiger bei Keilhau 
bietet eine prächtige Aussicht, besonders vom Baropsturm 
aus, der 1878 zu Ehren des vormaligen Leiters der Erziehungs- 
Anstalt Keilhau von seineu Zöglingen errichtet worden ist. 
Den Schlüssel zu dem Turm verwahrt die Anstalt Keilhau ; 
auch ist ein solcher beim Apotheker Sattler in Blankenburg 
zu haben. 

Hart am Wege von Blankenburg nach Chrysopras r. die 
Büste Fröbels mit Lorberkranz und den Hauptfaktoren seiner 
Kinderspiele: Kugel, Würfel, Walze. 

Zu den Ruinen der Burg (Treifenstein, die zu den 
ältesten und schönsten Festen des Thüringer Waldes gehört 
und sich hart an der Stadt in nördl. Richtung auf einem 
steilen Jluschelkalkfelseu erhebt, leitet ein steiler Weg, aufser- 
dem noch ein zweiter, zwar längerer, aber bequemer Fufsweg 
durch schönen BuchenAvald 1830 hat der Fürst ein Zimmer 
der Ruine herrichten lassen; auch befindet sich in derselben 
während der Sommermonate eine kleine Wirtschaft. Aus den 
Fenstern übersieht man die Umgebungen von Blankenburg 
bis hinüber nach Saalfeld. In weiter Ferne (östl.) sieht man 
die Altenburg bei Pöfsneck und die Schlösser Ranis und 



56 12. Blankenburg und Umgebung. 

Köuitz. Die Zeit der Erbauung der umfanj^reichen Burg ist 
iiiclit mit Bestiinmtlieit anzugeben. Im 12. Jahrb. Averdeu 
Urafen von Scliwarzburg (Sizzo III.) als Besitzer derselben 
aufgeführt, und im näciistfolgeuden Jahrb. entstand die 
blankenburgische Seitenlinie, aus welcher Günther (f 1349), 
Karls IV. Gegenkaiser, stammte. Seitdem 1573 Graf Al- 
Itreebt VII. seine Residenz auf dem ßudolstädter Schlosse 
nahm, wurde die Burg verlassen, ihr Verfall hatte schon 
früher begonnen. — Der Burgberg und seine nächste Umge- 
bung ist für den Botaniker ein beachtenswerter Fundort von 
verschiedenen seltenen Pflanzen, und in dem nahen Stein- 
graben lünfer der Burgruine tindet der Geognost interessante 
Versteinerungen. 

Lohnend ist von Blankenburg aus eine Exkursion über 
die Lindeninsel nach dem Ottenbühel, einem Zechsteinhügel 
im romantischen Rinnethal jenseits Watzdorf. Das Wirts- 
haus in Watzdorf (gute Forellen) wird viel besucht. 

Von Blankenburg führt in das Schu-nrznthal der nähere 
Weg auf der Chaussee r. (in südl. Richtung), die Schwarza 
1. lassend, am Fröbel-Denkmal r. (s S. 55), an einer Woll- 
spinnerei und einer Papiermühle 1. vorbei zum (^/4 St.) Schioarz- 
burger Hof^ bekannt unter dem Namen Chrysopras (gute 
Küche), am Eingange in das Schwarzathal. Beim Chrysopras 
führt ein hölzerner Steg über die Schwarza. Von diesem 
Stege aus gesehen, giebt der Eingang in das Schwarzathal 
ein prächtiges Bild. Das Gasthaus verdankt seinen Namen 
dem Bergrat Dantz (f 1»13). welcher hier ein Zechenhaus 
errichtete und gern tlie von ihm gefundenen Chrysoprase 
zeigte. Neben diesem Gasthaus steht Löschcs Hall, am 
Wasserfall, und V4 St. weiter führt der AVeg im Schwarza- 
thal zum Gasthaus Waidmannsheil. 

Ein anderer, dem ersteren noch vorzuziehender Weg von 
Blankenburg in das Schwarzathal geht vom Gasthaus zum 
Löwen in südlicher Richtung aus der Stadt, an der Mühle 
vorbei : dann folge man dem erst durch Felder und weiter im 
Holze aufwärts führenden Fufsweg zu dem V2 St. entfernten 
*Griesbachfelsen, dessen Gipfel durch ein Borkenhäuscheu 
kenntlich gemacht ist. Ein überrascliend schöner Blick in 
das Schwarzathal. wo sich der Eberstein erhebt, und hinüber 
zu den Gelilden bei Saalfeld belohnt reichlich die geringen 
Beschwerden des Bergsteigens. Der Hinabweg, ein Stück 
zurück in den zu Lösches Hall gehörigen Garten, ist ziem- 
lich steil. 

Bevor man das Schwarzathal weiter verfolgt, kann man 
eine höchst lohnende Seiteni)artie (Dz-j St.) nach dem Jagd- 
haus Ebersteiii machen. 3Ian gehe über den Steg dem Chry- 



ümiebunlen von Sehwarzburl. 




HKHanuUei-. JOOOSihrttt. 



12. Blankenburg und Umgebung. 57 

sopras gegenüber und verfolge dann den r. nach dem Werra- 
thal (auch Werragrund oder Braunsdörfer Grund genannt) 
führenden Fahrweg bis an den Tiergartenzaun, da, wo der 
Weg in das eigentliche Werrathal umbiegt, und steige hier 
neben der Gustav Freytag-Eiche über den Zaun (am — ver- 
schlossenen — Thorwege) und auf sehr primitiven Steinstufen 
hinab in den Grund. Dann gehe man am Bache aufwärts 
(etwa 3 Min.) bis dahin, wo ein betretener Fufsweg r. die 
Höhe hinaufführt, an einer Felsenkluft vorüber, welche Ka- 
poleonssitz oder auch die Waldscheuke heifst. Man gelangt 
nach etwa 5 Min. in einen Fahrweg, der nach dem Eberstein 
führt (20 Min.). [Man erreicht den Napoleonssitz auch, wenn 
man bei dem Gasthaus Waidmannsheil (10 Min. oberhalb des 
Chrysopras) den Schwarzasteg überschreitet und oben am 
Fahrweg (1.) den AVildzaun übersteigt.] 

Wer den Fahrweg im Werrathal aufwärts weiter ver- 
folgt, gelangt in höchstens 20 Min. (von der Biegung des 
Weges ab) an dem malerischen Werrabach entlang (rot) zu 
dem hochromantischen Werrasitz, wo die beiden Quellbäche 
der Werra. der eine r. in einer gewaltigen Felsenrinne her- 
abkommend, sich vereinigen. Freunden poetischer Waldein- 
samkeit und grofsartiger Waldesschönheit sei dies Plätzchen 
empfohlen. — Am sichersten kehrt man von hier zurück bis 
dahin, wo Avenige Minuten unterhalb des Werrasitzes der 
Tiergartenzaun eine Ecke bildet, und übersteigt hier die 
Mauer. Man gelangt dann in einen breiten Fahrweg, der 
ebenfalls zum Eherstein führt, einem fürstl. Jagdhaus, das 
1844 im mittelalterlichen Burgstil erbaut wurde und bei herr- 
schaftlichen Jagden als Absteigequartier benutzt wird. Dort 
sehen Avir uns umringt von Waldbergen und grotesken 
Felsmassen. Uuten im tiefen Grund die Schwarza. Diese 
höchst lohnende Seitenpartie erfordert ungefähr 2 St. Man 
kann zwar vom Eberstein direkt nach Schwarzburg gelangen; 
doch diesen Weg wähle man nicht, sondern gehe in das 
SchAvarzathal (Übergang bei Waidmannsheil) zurück, damit 
die Hauptpartien desselben nicht verloren gehen. 

Eine andere Seitenpartie von Blankenburg resp. vom 
Chi-ysopras aus ist die nach dem im Jahre 1880 erbauten 
Georgstiirm (dem regierenden Fürsten zu Ehren benannt) auf 
dem Hainberg, südöstl. (II2 St.) von Blankenburg, mit herr- 
licher Aussicht, besonders ins Saalethal. Der Weg dahin 
führt über den Katzenstein, eine Felspartie links oben über 
dem Eingang des Werrathals. Man erreicht diesen Felsen 
auf zwei neu angelegten Zickzackvvegen, von denen der eine 
von der Villa Schwarzeck. der andere von dem oben be- 
schriebenen Fahrweg aus. der ins Werrathal führt, höchstens 



58 13. Das Scliwarzatbal. 

•i Min. vom Ohrysoprassteg entfernt, den Berg hinaufführt. 
Wegweiser und rote Striche leiten dann weiter zum Georgs- 
turm. 

13. Das Schwarzathal. 

Von Blankenbiirg bis Schwarzburg 11 km. 

Bald naclidem man das Clasthaus zum Chrysopras (S. 56) 
und Lösclies Hall passiert liat, wird das Schwarzathal so 
eng, dafs die Strafse neben dem reifsenden Wildbach in den 
Felsen gehauen werden mufste. An einem Felsen begrüfst 
uns die lateinische Aufschrift: Salus mtrantibusf Hinter 
der Restauration Waidmanusheil die Imfoklippc. über 100 m 
hoch, und gegenüber auf der andern Seite der Schwarza die 
von hier aus nicht siclitbare Gustav Freytag-Eiche. Bei 
dieser beginnt der Sangarten, in Avelchem der Eberstein liegt, 
mit einem Bestände von ca. 200 Schweinen, und mündet der 
Braunsdorf er Grund mit lieblichen Kaskaden und malerischen 
Felsbildungen in das Schwarzathal (S. 57). Den Eberstein behält 
man wohl eine Stunde im Auge. Bei einer Krümmung wird 
er dann dem Gesichtskreise entzogen, zeigt sich aber spcäter 
wieder von seiner Rückseite aus. Weiterhin fesseln imposante 
Felsen, die in Zacken und Spitzen endigen. Der gröfsere, 
mit einer Fahne geschmückte Fels, der mit seinen schön 
gruppierten, droliend herabhängenden Felszinken die bewal- 
deten Berggipfel weit überragt, wird der Kirchfelsen (."^95 m) 
genannt. Der untere Felsen heilst der Adafelsen. \o\ vielen 
tausend Jahren soll hier eine Hünenfürstin gewohnt haben. 
Am andern Ufer steigt in sieben mächtigen Felsstufen die 
sogen. Teufelstrcppe nach der Höhe. An mehreren Punkten 
des Thaies bemerkt man Erinnerungstafeln an das 50jährige 
Jubiläumsfest des Fürsten Friedrich Günther (0. Nov. 18(54). 

An einer der lieblichsten Stellen stölst man auf die im 
Schweizerstil erbaute Wohnung des Wildivärters, Schweizer- 
liaus genannt (früher hiefs es Oppelei: man erliält hier Bier, 
Xilch uiul gutes Landbrot). Zur Linken ist ein Steg über 
den Flufs gespannt, von welcliem 1. ein Fiifsweg. au einer 
Waldfütterung vorüber, allmälilicli bergan bis zu einem kleinen, 
aus Baumrinde erbauten Häuschen leitet, dem Dürren Schild. 
mit schöner Aussicht in das tiefe Thal. — Ein direkter, durch 
Wegweiser markierter Weg führt vom Scliweizerhaus auf 
den Tripsteiu. 

.Nocii eine halbe Stunde wandert man vom Wildwärtei"- 
haus im Thal weiter, der Weg steigt sanft an, und im Ci runde 
zur Linken schäumt die Schwarza. Da tritt (nach zweistün- 
diger Wanderung vom Chrysopras aus) zwischen prächtigem 



14. Schwarzburg und der Tripstein. 59 

Laubwald 1. im g-rünen Tlialkessel das Schlofs Schtmrzhurg , 
Thüringens schöner Edelstein, dem überraschten Wanderer 
entgegen. In Vi St. gelangen wir (der r. nach dem Tripstein 
durch einen Wegweiser bezeichnete Weg bleibe unbeachtet, 
weil es näher am Schlofs noch einen besseren giebt) nach 
Schwarzburg. 

Ein anderer Weg nach Schwarzburg führt vom Wirts- 
haus zum Chrj'sopras oben auf der rechten Bergseite entlang. 
Hinter Lösches Hall steil hinauf zu einem Felsen vorsprung, 
Kaspar Friedrich-Felsen genannt (Vj St.). Hübscher, über- 
raschender Blick nach Vojkstedt, Rudolstadt, Saalfeld, an- 
dererseits ins Schwarzatliai und auf den Eberstein. Diese 
Seitenpartie mögen auch die Thalwanderer nicht versäumen. 
Höher hinauf, 10 jilin., lenkt der Weg in einen andern, 
breiteren ein. Hier zeigt der AVegweiser 1. in 10 Min. zum 
Grieshachf eisen, mit Hütte. Auf dem Yorsprung- noch um- 
fassendere Aussicht als vorher und reizender Blick in das 
Thal. Von hier am besten zurück nach Waidmannsheil oder 
Lösches Hall, da derjenige, welcher das Schwarzathal zum 
ersten 3Ial besucht, unl)edingt die Strafse wandern mufs. 
5 3Iin. höher Aussichtspunkt, weiter fällt der Weg in einen 
andern; 1.. 10 3Iin., Hütte mit Aussicht nach zwei Thalarmen 
und gegenüber der Eberstein. Nach 5 Min. W^egweiser, ge- 
radeaus nach Boehlscheiben. 1. nach dem Kirchfelsen hinab, 
beide Wege je 20 Min. Sowohl von BoehUcheihcn wie vom 
Kirchfelsen führen steile Pfade in das Schwarzathal, ersterer 
iinweit des Schiccizerhauscs (Oppelei) mündend. 3Ian thut 
gut, bis zum Kirchfelseu zu wandern und dann in das 
Schwarzathal liinabzusteigen. 

Bei dem Schweizerhaus kann man über die Schwarza 
gehen und drüben auf einem schattigen Waldweg längs der 
Schwarza zum Dorfe Schwarzburg wandern; der Fuisweg 
führt hinauf zum Gasthof und Schlofs (1 St.). 

Die Promenade zum Kirchfelsen läfst sich (allerdings mit 
1 St. Zeitverlust ) mit dem Schwarzathal verbinden ; v/er oben 
Aveiter Avill, mufs durch Boehlscheiben und jenseits weiter, 
meist durch Wald, sich mehr 1, nach dem Rand des Thaies 
zu haltend, über das Mooshäuschen und den Tripstein nach 
Schwarzburg wandern (Führer ratsam). 



14. Schw^arzburg: und der Tripstein. 

Gasthöfe : f*ZHm iveifsen Hirsch. Zimmer von 1 Mk. 50 Pf. an, gnte 
Betten, Mittagstisch 2 Mk. .50 Pf., Restauration. Verpflegvmgspension 
4 Mk. Vom Gasthof und von der Veranda sehr schöner Blick auf 
den wtindervollen Thalkessel, welcher abends von Hochwild belebt 



ßO l'i- Scliwarzburt, und der Tripstein. 

ist. — fTliiiriiifier Hof (C. Noeller), von der neu erbauten Veranda 
prächtige Aussicht, küche gelobt. Zimmer von 1 Mk. 25 Pf. an, Mit- 
tagstiscli 2Mk. — fO'asth. Schit arzhtirger Hof. sehr schön gelegen, wird 
gelobt, auch Pension, für längeren Aufenthalt zu empfehlen. — 
iOastli. Tripsteiii. 

Post nach Blankenburg 1 St., Oberweifsbach IV4 St., Neiürnus 
3 St., Katzhütte 2 St., Oelze-Eisfeld 6 St. 

Telegraphen-Station gegenüber den Gasthöfen. 

Omnibus im Sommer täglich von Schwarzburg nach Gehren, An- 
kunft in Gehren zum Anschlui's an den Ilmenauer Zug. Der Omnibus 
fährt über Königsee. Preis 'i Äfk. 60 Pf Für Hin- und Rückfahrt, 
mehrere Tage gültig, 4 Mk. Ebenso täglich mehrmalige Omnibus- 
verbinduug mit Blankenburg. 

Wagen nach Rudolstadt, nach Paulinzelle und über Paulinzelle 
nach Ilmenau sind gewöhnlich zu haben. Im Hotel Weilser Hirsch 
ist eine Wagentaxe ausgehängt, zu welcher das Fuhrwerk im Hotel- 
Bureau vergeben wird. 

Das Dörfchen Schwarzburg liegt 1. zu deu Füfsen des 
Schlofsberges. am Ufer der das hellleuchtende Schlofs von 
drei Seiten umspülenden Scliwarza, und ist von Berghängen 
umgeben, die wegen der reichen Abwechselung ilirer Bewal- 
dung der schönste Rahmen des herrlichen Xaturbildes sind. 
In den umliegenden Forsten werden gegen 100 Stück Hoch- 
wild gehegt. 

Das *Schlofs Schwarzburg', Stammschlofs der Fürsten 
von Rudolstadt xmd Sondershausen, erhebt sich auf einem 
363 ni hohen, schroffen, in das Thal vorgeschobenen Felsen, 
der mit üppiger Waldung umkleidet ist. Dahinter reilien 
sich in herrlichster Gruppierung die schützenden Berge mit 
ihrem farbenreichen Clewand und ihrem Laub- und Nadelholz 
an. Tief unten fliefst die Schwarza in malerischen Win- 
dungen am Fufs des Felsens vorüber, und saftige Wiesen, in 
den Abendstunden mit äsendem oder ruhendem Wilde belebt, 
unterbrechen das dunkle Grün der Waldung. Sehr schöner 
Blick von der vor dem Schlosse liegenden Terrasse, zu welcher 
jedermann freien Zutritt hat 

Links (östl.) vom Schlofsberg liegen die bescheidenen 
Häiiser des gleichnamigen Dorfes in der Tiefe unten. Ein 
Thor, das von einem sehr alten, aus dem 15. Jahrb. stammen- 
den, mit zwei Ecktürmen versehenen Gebäude, der sogen. 
Buryvoytei. überbaut ist, führt auf den Schlofsplatz, wo sich 
die Hauptgebäude hoch erheben Daran stöfst r. das auf 
einer Anhöhe stellende Zeughaus, in welchem die Rüstkammer 
befindlich (Trinkgeld dein ThorAvart, dem Diener der Rüst- 
kammer und dem Kastellan). Hier eine anselinliche Galerie 
älterer und neuerer Gewehre, darunter viele sehr kunstvolle 
Waffen aus dem Hussiten- und 30 jähr. Kriege: das Schwert 
des Kaisers Güntlier von Schwarzburg (f 1340) mit der In- 



14. Scliwarzburg und der Tripstein. 61 

Schrift: Dominicns me fecit!\ Helm, Brustliarnisch imd 
Schwert Grustav Adolfs (f 1632) etc. Diese Sammlung von 
Rüstungen, Waffen und Heergeräten ist mit Ausnahme der- 
jenigen auf der Wartburg die reichste in Thüringen. 

Unter einem mit jonischen Säulen gezierten Vorbau ge- 
langt man in das Schlofs, dessen Treppen aus inländischem 
(Döschnitzer) Marmor gefertigt sind. Das Schlofs ist in den 
letzten Jahren im Innern völlig renoviert. Sehenswert ist 
die bedeutende Sammlung starker Geweihe von hier ge- 
schossenen Hirschen. Interessant ist die „Henne", ein Trink- 
pokal aus Schwarzagold, welcher jedem Besucher der Schwarz- 
burg kredenzt wurde; einem alten Kitterbrauch zufolge hatte 
der Trinker bis zur Leerung dieses ziemlich inhaltreichen 
Pokals die sogenannte Jungfrau, einen schweren Eichenklotz 
mit spitzzackiger Kette, um den Hals zu tragen. Die freund- 
liche, 1884 restaurierte Schlofskirche, unter der sich das jetzt 
nicht mehr benutzte fürstliche (xrabgewölbe befindet, ist mit 
Döschnitzer Marmor bekleidet. Der Speisesaal enthält lebens- 
grofse Bilder schwarzburg. Grafen und Fürsten, der Kaiser- 
saal, eine Rotunde, vier neue lebensgrofse Porträts von 
deutschen Kaisern, vom Hofmaler Oppenheim gemalt. Ferner 
ein Zimmer mit 246 vom Fürsten Ludwig Günther in Öl 
gemalten Pferden. 

lieber die erste Erbauung des Schlosses Schwarzburg hat man 
keine authentischen Nachrichten; es wird zuerst als Besitztum der 
Grafen von Käfernburg genannt, der Stammväter der Grafen von 
Schwarzburg. Die auf Scliwarzburg residierende Grafenlinie starb 
in der Mitte des 15. Jahrh. aus, und nach einem verheerenden Kriege 
Friedrichs des Sanftmütigen mit seinem Bruder fiel die Burg, welche 
jener vom letzten Grafen Günther XXXII. durch Kauf erhalten 
hatte, infolge eines Vertrages an die Seitenlinie Blankenhurg. 1G95 
brannte ein Teil und 1726 das ganze Schlofs bis auf wenige LTeber- 
reste, darunter der Kaisersaal, nieder; ihr Wiederaufbau in der 
jetzigen Gestalt wurde in einem Zeitraum von 12 Jahren bewerk- 
stelligt. 

Unter den nächsten und schönsten Umgebungen von 
Schwarzburg nimmt der Tripstein die erste Stelle ein. Man 
kann denselben (in 30 Min.) von der Chaussee nach Blauken- 
burg ersteigen, wenn man den etwas steilen Zickzackweg 
einschlägt, der etwa 5 Min. unterhalb Schwarzburgs bei dem 
halbrunden Ruhesitz beginnt, wo an dem Felsen 1. in ver- 
• goldeter Schrift eine Gedenktafel an den Fürsten Günther 
sichtbar ist. — Bequemer ist der Fahrweg (40 Min.), der 
oberhalb des Chausseehauses rechts in den Wald um den 
IJerg. das Tännich (488 m), hinaufführt. Man folge demselben 
bis auf die Höhe und dann weiter — immer r. sich haltend 
— bis zu einem eisernen Wegweiser, von dem aus der Weg 
niclit melir zu verfehlen ist. 



^jO 15. Das olieio Schwarzatlial. 

Den Fnchstisch^ Avohiii ein Hand weiser den Weg' an- 
deutet, lasse man bei beschrankter Zeit unbeachtet. Während 
der Sommerzeit pflegen vor dem Hiiusclien des Tripstein sich 
einige aufdringliclie Knaben aufzulialten, die mau unberück- 
sichtigt lasse. Der *Trii>steiii (4<S9 m, '^U St. nördl. vom 
Schloss) trägt auf seinem Cxipfel ein bescheidenes Rorkeu- 
häuschen. Öffnet man die Thür desselben, so stellt man vor 
einem wunderbar schönen Naturbild. Besonders gegen Abend, 
wenn sclion ein Teil des Thaies in dunkle Schatten gehüllt 
ist, und die Sonne das Schlofs nebst den Bergkuppen dahinter 
beleuchtet, bietet sich ein entzückendes Schauspiel dar. L. 
von Schwarzburg, auf der Höhe, erblickt man Burkersdorf, 
darüber die Burkersdorfer Höhe mit dem Xeilturm (865 m) 
und r. den Kegel der Kursdorfer oder Meuselbacher Kuppe 
mit dem Fröbefturm (788 m). Auf dem S. Gl beschriebenen 
Zickzackweg kann man zu dem halbrunden Ruhesitz an der 
Chaussee nach Blankenburg im Schwarzathal hiuabgelangeu. 
Man kann jedoch auch noch weiter nördl. (20 Min.) das Kien- 
beryshän^chcn, aus Tannenstämmen erbaut, besuchen, Aussicht 
jetzt leider ziemlich verwachsen, und dann auf dem Fahrwege 
zurückkehren. 

Auf diesem Rückwege vom Tripstein kann man beim 
Wildzaun die Fasanerie, mit Hirschhornzimmer und Wirt- 
schaft, besuchen. In der Fasanerie gutes Bier. Man lasse 
sich hier den Punkt zeigen, von dem aus man einen selir 
hübschen Blick auf die Ilmenauer Berge hat, und von hier 
gehe mau durch das Pförtcheu, welches auf eine grofse Wiese 
iiiuausfühi't, auf welcher man gegen Abend regelmäfsig eine 
grofse Menge von äsendem Wild sieht. Doch ist das Betreten 
der Wiese selbst nicht gestattet. 

Andere Ausflüge von SchAvarzburg aus: Das Tännigs- 
hanpt, '-^U ^t.; ein Fufsweg führt von dem zum Tripstein 
gehenden Fahrweg links nach oben ab; auf der Höhe ein zur 
Goldgewinnung angelegter Schacht. 

Der Hcicncn.sitz. ^/o St.; vom Dorf aus durch das Tier- 
gartenthor und dann links nach oben. 

Die Schapsheide, 1 St., eine dem Tripstein gegenüber- 
liegende Höhe. Man geht nach Sitzendorf (s. S. ÜB) und 
dort über die Schwarzabrücke, dann durch Buchenwald weiter ^ 
bis zum Häuschen auf der Schapsheide. Schöner Ausflug. 

15. Das obere Schwarzathal. 

A. Zirkel— Katzhütte— (iJrofsbreitenbacli—Ihiieuau. 

Das Schwarzathal bietet auch weiter hinauf grofsen 
Reiz. Neben den gewöhnlichen Wegen von Schivarzburg nach 



lö. Das obere Scliwarzathal. (j3 

Ilmenau über Paulinzelle oder Königsee ist die Tour durch 
das obere Scliwarzathal entweder über Zirkel — Katzhütte — 
Oelza — Grofsbreitenbach (Bahn) oder über Zirkel — Langeberg — 
Amt Gehren (Bahn) entschieden die schönste und lohnendste. 
Das obere Schwarzathal bietet reiche Abwechselung-eu und 
entwickelt landschaftliche Sceuerien, die den schönsten im 
Thüringer Wald an die Seite zu stellen sind. Die Strafse 
ist sehr gut und schön angelegt und geht immer am Ufer 
der Schwarza entlang. Industrie in Porzellan, Glas, Holz- 
waren, Thermometern sehr bedeutend. 

Von Schicarzburg der Hauptstrafse in südAvestlicher 
Richtung folgend, kommt man an herrlichen alten Bäumen 
vorbei in 8 Min. nach Sitzeudorf {Gasthof zur Linde^ gut), 
der Einmündung der Sorbitz gegenüber, mit Porzellan- und 
Bleiweif sfabrtkeu. Man kann auch auf Fufs wegen durch den 
Wald hierher gelangen; man geht zu diesem Behuf durch die 
Pforte am Burgwärterhäuschen auf Promenadenwegen, die 
durch das dichteste (iehölz bergab führen, in die Tiefe und 
wendet sich dann r. am Ufer der Schwarza entlang (etwas 
beschwerliche Partie!). Nach ^U St. kommt man bei einem 
hölzernen Steg, der Pocherbrücke, wieder auf die Laiidstrafse. 
Von Sitzendorf auf der Chaussee im Thal weiter bis (V4 St.) 
Bleclihamiuer {■\Ganthaus mit Bierbrauerei), welches 1., 
jenseits der Schwarza, an der nach Oberweifsbach — Neuhaus 
— Lauscha führenden Poststrafse liegen bleibt. Von Blech- 
hammer aus schöne Tour in das romantische Lichtethal (s. u). 
Im Schwarza-Thal weiter an der Mankenbachs- und Berg- 
»»rmns-Schneidemühle vorbei nach Obstfelderschmiede xmd 
Glasbach^ in romantischen Thalkesseln gelegen. In Glasbach 
Holzwarenfabrik, Fahi'weg nach Barigau und nach der schöne 
Rundsicht bietenden Barigcmer Höhe (665 m), Steinberg (587 m) 
mit schöner Aussicht. Auf der Hauptstrafse im Thal weiter 
aufwärts, kommt man nach Mellenbach-Bluiiieuau, lU km 
von Schwarzburg (in Blumenau: Zeidlers Gastliof zur fBln- 
menau, Forellen und kleine Fische besonders gut und billig; 
in Mellenbach: Gasthof zur -f Kehre: Gasthof fWeifsenbtirg)^ 
romantisch und geschützt gelegen, sehr geeignet zu längerem 
Aufenthalt. Prächtige Aussichtspunkte in der allernächsten 
Nähe sind Burg^ Roses Ruhe, Kehre mit Schwedenstein und 
Sachseustein, *MeuseIbacher Kuppe mit neu erbautem Aus- 
sichtsturm (Schlüssel zum Turm von Kursdorf, Meilenbach 
und Meuselbach gegen 1 Mk. Pfand mitzunehmen); prächtige 
Rundsicht bis zum Brocken, den Jenaer und Ilmenauer Bergen. 
In Mellenbach sind noch zu bemerken die neue Kirche in 
eigenartiger schöner Ausführung, in der Nähe der Jesuborn, 
von Wallfahrern besucht. 



64 15- Das obere Schwarzathal. 

Von Blmiienau aufwärts in 10 Min. zum Zirkel, Chaussee- 
geM-Einnahnie mit Bierwirtscliaft, in liochrouiantischer Lage 
an der Weggabelung nacli Amt (ichren und nach Katzhütte, — 
Crrofsbreltcnbach. Nach ^[nif Gehren geht der Weg r. liinauf 
durch das Fiukenthai nach Fiiikennnilile, dann oben die »Strafse 
geradeaus (1. führt nach AUersdorf, r. nach Dröbiscliau- 
Königsee) nacli JfcrsxVtrfor/' (txasthaus), von da in IV2 »^t. über 
den Langeberg, auch Bürzel genannt, zur Bahnstation Amt 
Gehren. Der Langeberg ist bequem zu besteigen und bietet 
auf seinem mit einem Häuschen versehenen (ripfel nach N. 
und W. eine Aussicht, die mit der vom Kickelhahn verglichen 
werden kann. Amt Gehren — Ilmenau s. Beute 17. 

Zirkel — Katzhütte — Crrofsbreitenbcach. 

Man verfolgt vom Zirkel aus das Schwarza-Thal weiter, 
passiert (1 St.) das Örtchen Schivarzmnhle (neu erbautes 
Gasthaus „zum oberen Schwarzathal'; billige Wohnung, 
Forellen), dessen Schule und Wohnhäuser reizend am Ab- 
hänge des Steinberges liegen, und wandert von da am besten 
nicht auf der Chaussee, sondern auf dem linken Ufer der 
Schwarza einen Wald- und Wiesenweg nach dem ansehnlichen 
rudolstädtischen Dorfe Katzhütte (fz^m Wurzelberg; znm 
Bosenbamn), an der Vereinigung der Katze mit der Schwarza, 
1280 Einw. Der vormals fürstliche Eisenhammer, jetzt Eisen- 
giefserei, ist seit 1866 in Privatbesitz übergegangen Die 
gegen 500 Arbeiter beschäftigende Porzellanfabrik fertigt 
Puppen und Xipiiessachen. Lohnend ist von Katzhütte aus 
der Besuch des Wurzelberges mit seinen 500jährigen Tannen 
(IV4 St.); die Königstanne hat 6\/.> m Umfang und -13 m Höhe. 
Von da aus kann man . dann über den Kisslerstein , einen 
reizenden Punkt, auch Ölze erreichen (•^/4 St.). Nach V4 St. 
erreicht man die auf Bergabhängen gruppierten Häuser des 
ansehnlichen und gewerbthätigen,.. sich fast eine Stunde in 
die Länge erstreckenden Dorfes Ölze (Goldener Hirsch, gut), 
mit Farbenfabrik, nahe bei der maleris^ch gelegenen Pfarr- 
kirche. A^in hier bis Grofsbreitenbach IV'o St. auf schöner 
Chaussee in engem, malerischen Grund bergaufwärts. — 
Grofsbreitenbach ( Wilder Mann, Schie/'shaus) , lebhaftes 
Städtchen an dem in die Schwarza münclendeu Breitenbach 
und in einem weiten, d'M m hohen Hochthal, ist Endstation 
der Grofsl)reitenbach-Ilmenauer Sekundärbahn. Grofse, in den 
Bäumen des ehemals fürstlichen Schlosses angelegte Porzellan- 
fabrik. 

Auf der Chaussee von Grofsbreitenbach nach Amt Gehren 
berührt man nach Verlauf von V/2 St. das wohlgebaute Dorf 
Möhrenbach (mit grofsem, leidlichen Gasthof). Von hier bis 



15. Das obere Schwarzathal. 65 

Amt Gehren durchwandert man einen lieblichen Wieseni^'rnnd ; 
doch ist die Eisenhahnfahrt vorzuziehen: die Bahn führt an 
der Höhe des Langenberg-s hin und gewährt schöne Aussicht. 
Yon Grofsbreitenbach ist der Weg nach dem Langenberg mit 
Farben bezeichnet, ebenso zwei Wege nach Katzhütte und Ölze. 

B. Durcli (las Liclite-Thal. 

Bei BJechhammer (s. S. 63) tritt man aus dem Schwarza- 
Thal in das Liclite-Thal, das, meistens eng und finster, eine 
Fülle erhabener Bergromantik enthält. Bald berührt man das 
rudolstädt. Dorf Unter- Weil shach^ wo r. die Poststrafse nach 
(1 St.) Mittel- Weifshach und dem angrenzenden, fast ■V4 St. 
langen, in einem Hochthal sich hinziehenden schönen Flecken 
Ober-Weifsbacli (Geburtsort Fröbels) mit 2000 Einw. führt 
(Goldener Anker, Erbprinz). Auf dem Kirchherg der Ehren- 
turm für Friedrich Fröbel, den Begründer der Kindergärten, 
mit herrlicher Aussicht; über dem Eingange das Medaillon- 
bildnis Fröbels vom Bildhauer Grofser in Kudolstadt. 

Von Unter- Weifshach im Lichte-Thal aufwärts wandernd, 
gelangt man zuerst nach (V4 St.) dem Dörfchen Qnelitz, von 
steilen, felsigen, düstern Thonschieferbergen eingeschlossen, 
dann in ^/^ St. zum Dörfclien Leihis mit der Schnepfenmühle; 
weiter nach (V4 St.) G-iesnn, einer Schneidemühle, und (' 4 St.) 
zum Drahthammer. Von hier ab nimmt das Thal einen 
äufserst lieblichen Charaktei- an; es folgen: (V4 St) Dorf 
Gcicrsthal mit Glashüttenwerk und Porzellanmalereien, ( '/4 St.) 
der Lamprechtshammer (Mahlmülile), und bald (V2 St-) ist ^^^ 
meiningische Pfarrdorf Wallendorf (gutes Gasthaus), mit 
Porzellanfabrik, Blechwaren- und Pappkasten-Fabrikation, er- 
reicht. Hier ist einer der schönsten Punkte des Thaies ! Man 
trifft hier auf die Hildburghausen-Saalfelder Strafse, wo in 
östlicher Richtung in V4 ''^t. das Örtchen Boch und Teich zu 
erreichen ist. In westlicher Richtung kommt man nach Unter- 
imd Ober-Lichtr, welche mit Wallendorf fast zusammenhängen 
(Porzellanfal)riken, Zeichen- und ]\Iodellierschule für Porzellan- 
malereien). Weiter folgen Schmaletibuchn im Thal und oben 
die zusammenliängenden. nur durch den Rennsteig geschiedenen, 
im Thüringer Wald höchstgelegeuen Dörfer Neuhaus a. R. 
und lyelshieb (812 m), welche von geschickten Glasbläsern be- 
wohnt werden. 

Lohnender ist es, von Ober-Lichte das Lichte-Thal auf- 
wärts bis Lauscha zu gehen (1 St.), wo die gröfste Glas- 
industrie auf dem Thüringer Wald in Hohlglas, gesponnenem 
Glas, Glasperlen u. s. w. besichtigt werden kann. Gegen 
oOOO Einw. Von Lauscha fährt man mit der Bahn nach 
Siiiineberg oder geht mit Führer nach Linibach, der Wasser- 

Griebens Reise-Bibl.: Thüringen. (16. Aufl.) 5 



66 16- Von Schwarzburg nach Paulinzelle. 

scheide von Weser, Elbe und Rhein; von da oline Führer 
die überaus h)linende Partie nacli Scheibe (Porzellanfabrik, 
sehenswerte Nachbildunofen klassischer Statuen, (ieniälde auf 
Porzellan) durch das bald liebliche, bald pittoreske obere 
Schwarza-Thal, über Goldisthal und Ülze nach Katzhütte 
(4V'2 St.); von da hinter dem (lasthof zum Rosenbaura direkt 
nach Gfoßbreltenbnch (IV2 St.); von da per Bahn oder zu 
Fufs über den Langenherg nacli Greliren (2^/3 St.). Nacht- 
quartier ist in Lauscha, Katzhütte und Grofsbreitenbach zu 
haben. 

Von Limbach aus kann mau auch in 3 St. bequem nach 
Eisfeld, Station der Werrabahn. oder durch den Theuern- 
grund, Meschenbach (Tropfsteinhölile vom Zinselloch [s S. 50]) 
nach Sonneherg, Station der Coburg-Souneberger Bahn, ge- 
langen. 

16. Von Schwarzburg nach Paulinzelle. 

Zu Fufs 3 St. — Wagen nach Paulinzelle und über Paulinzelle 
nach Ilmenau, Omnibus iiber Königsee nach Gehren s. S. 60. 

Bis auf den Tripstein ist der Weg durch Wegweiser 
bezeichnet; dann geht man wieder zurück zum Wildzauu und 
durch das Gitter r. nach Bechstädt (Vo St. vom Tripstein). 
Hier schlage man den Fahrweg r. und beim ersten Wegweiser 
abermals den Pfad zur Rechten ein; beim zweiten gehe man 
geradeaus, in '-^U St. hinunter nach Ober-Rottenbach (Dorf- 
wirtshaus), Dorf an der Blankenburg-Königsee-Ilmenauer 
Strafse, und bei der Mühle über den Bach; dann biege mau 
r. auf der neuen Chaussee nach Milbitz ins Rottenbach-Thal 
ein; Vj St. weiter erreicht man Paulinzelle. 

Ein anderer, jetzt mehrfach von Fremden benutzter Weg 
führt von der Fasanerie (S. 62) in uordwestl. Richtung nach 
(1 St. von Schwarzburg) Allendorf, südwestl. von Bechstädt. 
Auf der Strafse fortwandernd, gelangt man in Va St. nach 
Unter-Köditz, wo man die Blankenburg-Königseer Chaussee 
übersclu'eitet (Königsec bleibt 1. in ■^/^stüadiger Entfernung 
liegen). Bald zeigt sich r. der am Berghang aufwärts gehende, 
steinige Pfad, auf welchem man in '/.2 St. das Dorf Horba 
erreicht. Die Kirche des Ortes 1. lassend, betritt man in 
nördl. Richtung einen breiten Rasenweg, bis ein Wegweiser 
am Saum des "Waldes den etwas bescliwerlichen, aber aus- 
sichtreichen Pfad nach Paulinzelle andeutet. 

*Pjiiiliuzelle (empfelilens wertes f Gasthaus von Menger; 
vortreffliche Küche und gutes Nachtquartier), kleines rudolst. 
Dörfchen von wenigen Häusern, im lieblicJien Thal des Rotton- 
bachs, welclies auf beiden Seiten eng von dunkel bewaldeten 



17. Von Schwarzbnrg nach Ilmenau etc. 67 

Bergen umschlossen ist; Post- und Telegraphen-Station. Gleich 
hinter dein Gasthaus an dem alten Klostergebäude vorüber 
gelangt man zu den grorsartigen *Ruineii der Klosterkirche 
(88 m lang, 22 m bi'eit). 3Ian trete von der Westseite ein. 
Zwischen den Türmen, welche ehedem noch durch eine von 
Säulen gestützte Vorhalle mit einander verbunden waren, 
führt ein prächtiges, reichgegliedertes Rundbogenportal mit 
freistehenden Säulen an der abgeschrägten Thürlaibung in 
das Mittelschiff der Kirche. Das Portal, woran das fast ver- 
witterte Gemälde, die Madonna und die Schutzpatrone der 
Kirche, den Täufer und den Evangelisten Johannes darstellend. 
kaum noch erkennbar ist. war früher mit zwei viereckigen 
Türmen geschmückt, von denen nur noch der südliche erhalten 
ist, der die alte, noch jetzt zum Läuten benutzte Glocke trägt. 
Der Einblick vom Portal in das Innere der aus drei hohen 
Schiften bestehenden Kirche ist überraschend. Letztere sind 
durch je 6 Pfeiler mit würfelförmigen Kapitalen geschieden, 
die trotz ihrer Einfachheit von mäclitiger Wirkung sind. Sie 
stützen zu beiden Seiten die 19 m hohe, mit s Fenstern ver- 
sehene Mauer. An beiden Wänden der Kirche sind noch 
spärliche Überreste alter Freskogemälde vorhanden. Die 
bogenförmige Vierung vor dem hohen Chore, zu welchem drei 
Eingänge führen. Avurde durch vier mächtige Pfeiler begrenzt, 
von denen nur zwei erhalten sind. Im Innern der Kirche 
sieht man mehrere alte Grabsteine mit gröfstenteils unles- 
baren Inschriften. Die Schönheit der Ruine wird durch die 
auf den Mauern wachsenden Bäume und Sträucher erhöht. 
Wer in Paulinzelle übernachtet, unterlasse es nicht, die 
Ruinen in der Abendbeleuchtung aufzusuchen, wo sie. beson- 
ders Avenn der 31ond sie beleuchtet und begiänzt. einen 
AATinderbar schönen Anbück gewähren. Ausgrabungen, in 
jüngster Zeit unternommen, haben verschiedene Fundamente 
des alten Kirchenbaues zu Tage gefördert. 

Kloster Paiiliiizelle wurde 1106 von Paiiline (t 1107, iinter den 
Heiligen als Paulina reclusa aiifgeführt ). Tochter Morielios (Truchsess 
Heinrich IV.) und Gemahlin des Ritters Udalricli. gegründet. Das 
Kloster gelangte im Laufe der Zeit zu groJ'sem Ansehen und Eeich- 
tum; 19 Dörfer geliörten dazvx. Der Bauernkrieg und die bald darauf 
folgende Säkularisation des Klosters durch Graf Heinrich XXX IV. 
von Schwarzburg 1 1.534) machten der Herrliclikeit ein Ende. Hierzu 
kam noch 1614 ein Blitzstrahl, der das Dach der Kirche zertrümmerte. 



17. A^oii Schwarzbnrg' nach Ihnenaii über 
Paulinzelle nnd Königsee. 

Von SchAvarzburg führen aufser dem oben beschriebenen 
durch das obere Schwarza-Thal noch zAvei Wege nach Ilmenau: 



(Ifi, 17. Von Schwarzburg nach Ilmenau etc. 

1. iil)er Paiifinzelle. Der AVeg' von Schwavzburg luicli 
l'anlinzelle ist Koute 10 beschrieben. Hier biejjt j^leicli bei 
(Ifiii (histliof 1. von der Cliaussee der Fiiiswef:' nach Anjjstcdt 
und Gräfinan ab (ein Wegwei.ser an einem Baum). Dieser 
Pfad zielit sich im Schatten des Wakles beri^auf. Nach ^/4 St. 
tritt nuxn ins Freie, und es öffnet sich eine weite Aussicht 
auf die im Amte G-ehren gelegenen Berge. Nacli l'/a St. 
veidäfst man den Wahl und sielit dann den Kirchturm von 
Angstedt vor sich. Nun wandere man r. zwisclien den Fehlern 
hinunter und dann nach AiKjstcdt (Grüner Baum) hinein 
("., St.); von da über die Hm nach dem gleicli dabei gelegenen 
(«riiiinau {Roter Hir.schJ. Hier trifft man auf die Strafse 
von Stadt- Jim nach Amt (lehren, welche mau überschreitet, 
um an der entgegengesetzten Seite des Dorfes den steinernen 
Wegweiser zu erreichen, der 1. über die Wiesen und dann 
den Berg hinan den Weg nach Wiimhach (Va St.) andeutet. 
Jenseit dieses Dorfes zieht sich der Pfad ^U St. lang schnur- 
gerade durch das Gehölz, dann biegt er r. in eine andere 
Waldung ein und mündet in die Chaussee, welche 1. (westl.) 
nach ('.2 St.) Ihiioiau führt; man gehe aber bei der Ziegelei 
hindurch auf dem Wiesenweg. Das nun hervortretende, tiefer 
im Thal liegende einzelne Gebäude ist der beliebte Ver- 
gnügungsort Nnihaits. und der südwestl. sich erhebende Berg 
der 863 m hohe Kickelhahn. 

Aurserdem führen noch folgende Fufswege von Paiilinzelle nach 
Ilmenau : 

a) Fitfsweg über den Galgenberg nach Königsee (1 St.) und 
Günthersfeld; von da mit der Gehren -Ilmenauer Eisenbahn bis 
üinenavi; 

b) Fulsweg nach Jesuborn und Günthersfeld (rot gezeichnet), 
etwas näher (2 St.); am meisten zu empfehlen; 

c) über O'össclhorn nach Siiu/en (Gasthof zum Singerberg), wo der 
Sagenreiche Sinyerberg eine vortreffliehe Rundsicht g:ewahrt; über 
Lornfeld, Cottendörf und Trassdorf (Löwe; nach dem Wülinyerbern, auf 
sehr schön gepflegtem Wege nach dem Lusthaus, zurück nach Trass- 
dorf lind über Eiyelsee und BiuUeloh durch das Eichicht nach Ilmenau, 
3-4 St. 

2. Über Ki'mifjsec. Die gewöhnliche Fahrstrafse führt am 
Chausseehaus vorbei nach ÄUendorf (S. 6G), von wo man bei 
dem Dürfe Unterköditz (Gasthof zum Kaiser Günther) auf 
die Blankenburg-Ilnienauer Chaussee gelangt. Der Fufs- 
wanderer, welcher Konigsee berühren Avill, kann denselben 
Weg verfolgen, oder kürzer von Allendorf den Vicinalweg 
über Aschau und Lichte nach (1 St.) Königsee einschlagen. 

Konigsee (*Löu-e. billig, gute Karpfen. Forellen; Enijcl), 
schwarzb.-rudolst. Stadt mit -jriUO Einw. Im Jahre l(Jo5 
brannte fast die ganze Stadt nieder; dieses Brandunglück 
wiederholte sich in diesem Jahrhundert 5 mal. zuletzt 1831. 



18. Ilmenau. {J9 

Die Chaussee führt an einem Felsenkeller vorhei nach 
Dörnfeld, Penneivltz und Jesuborn (gutes Bier). (Fufs- 

gänger schneiden ein Stück Weg ab, wenn sie mit Umgehung 
von Amt Geliren [bleibt 1.] direkt nach Station Lantjewiesen 
gehen.) jMan kommt nun a*i die Porzellanfabrik (iränthers- 
feld. Nach 5 Min. erreicht man Station Amt trehren (Grüner 
Baum; Hirsch; Stadthaus) an der Wohlrose, seit 1855 zur 
Stadt erhoben, 2000 Einw. Man beachte das stattliche Rat- 
haus von 1719. die 18S0 — .34 im ßundbogenstil erbaute Kirche 
und das fürstliche Scilla fs mit kleiner, aber schöner Kirche. 
Es besteht aus vier Flügeln, worin ein Saal mit merkwürdigen 
Hirschgeweihen. 

Der letzte Ort vor Ilmenau ist das schwarzburgische 
Städtchen Langewiesen, Geburtsort des Dichters W. Heinse. 
Die Bahn fährt in 10—12 Min. von hier nach Ilmenau. 



18. Ilmenau. 

Entfernungen : Stützerbacli 10 km, Sclimiedefeld 17 km, Suhl 29 km, 
Elgersburg ö km, Flaue 13 km, Arnstadt 21 km, Königsee 17 km, 
Stadt-Ilm 17 km, Schmücke 13 km, Adlersberg oder Stutenhaus 
31 km. Paulinzelle 17 km, G-ehren 9 km. 

Gasthöfe: j- Tanne, mit Garten, empfehlenswert, mäfsige Preise; 
•j- Loire, an der Lindenstrafse, mit Goethezimmer, wo Goethe seinen 
letzten Geburtstag am 28. August 1831 gefeiert hat; Kurhaus, gute 
Küche; ■\ Somie. Femer t.S'c/(»a», gut und billig; Tküringer Eof, geloht ; 
f Deutscher Kaiser, am Bahnhof, billig; -f Adler. 

Bier sehr gut in der Tanne, Fetsenkeller, Sonne, Schwan, Ktirhaits, 
Thürinrjir Hof, Glocke. 

IHttmurs Konditorei ist viel besucht, ebenso Dr. Prellers Bade- 
anstalt mit Restauration und schönem Garten. 

Leihbibliothek und Buchhandlung von Paul Schuhe, Poststrafse 225. 

Eisenbahn nach Elgersburg, Arnstadt, Dietendorf, Gehreu, Grol's- 
breitenbach. 

Post nach Schleusingen in 4'/2 St. für 3 Mk. 20 Pf 

Telegraphen-Station. 

Kutscher haben bestimmte Tarife; Vereinbarung billiger. 

Die Kaltwasserheilanstalt (Dir. Sanitätsrat Dr. Preller) liegt an der 
Waldstral'se nach Gabelbach; Pension daselbst. Das Wellenbad liegt 
10 Min. von der Stadt thalaiifwärts an der lim. Man geht am Pelseu- 
keller vorüber. Neben dem Wellenbade befinden sich 2 Douche- imd 
4 Sitzbäder, alle mit sehr kaltem Stollen- und Ilmwasser gespeist. 
Zwischen Felsenkeller vind Wellenbad befindet sich die Korhsche Bade- 
Anslalt mit gutem Logierhaus imd schattigem Garten. Dr. Hassenstcins 
Sanatorium für Nervenleideude, in der Lindenstrafse. 

Bezeichnete Wege: 1. blau: Gabelbach (Fahrweg), Kickelhahn, 



- .. orange: 

Karolinenbuche, Vogolherd, Schorte, Markthal, Dreiherrenstein 
Gabel, Emstthal, Unterneubrvxnn im Schleuse-Thal, 22 km; 4. weifs: 



70 18- Ilmenau. 

Prinzessinnenplätze, Schorte, Finsteres Loch, Auerhahn, 10 km; 5. gelb : 
Hangeberg, Trautvetters Verdienst, 4 km; 6. rot: Flaue, Turm auf 
der Halskappe, Veronikaberg, Martinroda, 10 km. 

lliiieiiau, Bero:stadt im Grofsherzogtuiii Sachsen, au der 
Ihn. 495 111 ü. M., zeigt eine Mischung städtischen Komforts 
mit friscliem tliüringischen Waldleben und ist ein empfehlens- 
werter, besuchter klimatischer Kurort. Die Stadt steigt am 
Fulse der Sturmheide sauft empor und ist von mannigfaltigen 
Naturreizen umgeben. Auf zwei Seiten lehnt sie sich an den 
Fufs bewaldeter Berge; südwestl. ragt das majestätische 
Haupt des Kickelhahu empor, und in östl. Kichtung breiten 
sich die Wiesen aus. zwischen denen die Um im engen Bett 
dahinrauscht. 

Goethe und Herder, auch Karl August und Knebel be- 
suchten Ilmenau sehr oft. In (üeser Gegend sind viele der 
schönsten Gedichte entstanden. Die landschaftliche Staffage 
in ..Wilhelm Meisters Lehrjahre" ist das Abbild von Ilmenaus 
Umgebung. Eine Gedenktafel an dem Klettschen Hause 
(Posthalterei) erinnert an die Sängerin Corona Schröter, 
welche ihre letzten Jahre hier zubrachte und am 23. August 
1802 hier starb. Ihr Grabstein ist auf dem Friedhof. An 
einem Hause, schräg gegenüber dem neuen Postgebäude, be- 
tindet sich die Inschrift: „Hier wohnte und starb der Alte, 
der Dichter Friedrich Hofmann. Im Jahre 1888." 

Die Stadt war in früheren Zeiten Besitztum der Grafen 
von Käfernburg, die hier, am Abhang der Sturmheide, eine 
Burg besessen haben sollen; diese soll schon 1290 zerstört 
worden sein, weil die Burgiuannen das Räuberhandwerk be- 
trieben. 1843 verkauften jene Ilmenau an die Grafen von 
Henneberg; nach deren Aussterben (1583) tiel die Stadt an 
das sächsische Haus. 

Umgebuugeii Ilmenaus. 
Den *Kickelhahu (Weg hin und zurück 3—4 St.) be- 
steigt man, indem mau an der Bade-Anstalt vorbei und von 
der Fraueuwalderstrafse r. abgeht. Man kommt so an Watz- 
dorfs Aussicht vorüber zur Antonienhöhe und Aveiter über 
die Hohe Schlaufe auf den Kickelhahn; dieses ist der nächste, 
aber ziemlich steile Weg. — Ein zweiter, bequemerer Weg, 
mit K gezeichnet, führt 1. unterhalb von Watzdorfs Aussicht 
auf den Kickelhahn. — Der dritte, beliebteste Weg ist ein 
Fahrweg; er geht etwa 74 St. von Ilmenau (beim Chaussee- 
stein 0.46) r. von der AValdstrafse ab über den Scheff'elplafz 
mit dem von Weise modellierten Relief bild dos Dicliters Jos. 
Vict. von Scheffel; r. von der Veranda in 5 Min. die liübsche 
Aussicht: Sfheff'elblkk. — Ein Schweizerhäusclien , der kleine 



18. Ilmenau. 71 

Gabelbach (700 m hoch), 1 St. von der Stadt entfernt und 
aiis Baumgruppeu hervorschimmernd, ladet zur Käst und 
leiblichen Erquickung ein, ein Lieblingsplatz Scheffels; Ge- 
scheuke desselben im Hause zu sehen. Die Inschrift des 
freundlichen Wirtshauses lautet: 

Freudig trete herein und froh entferne dich wieder, 
Wanderer! ziehst du vorbei, segne die Pfade dir Gott! 

Man erkundige sich hier, ob der Turm auf dem Kickelhahn 
geöffnet ist. Unterhalb des kleinen Gabelbach ist der Karl- 
Alexander-Platz mit prächtigem Blick auf Ilmenau, Stadt- 
Ilm, Ciräfinau. Singen und den Singerberg. Der Weg dahin 
geht in der Bucheuallee ab. 

Westl. davon, in der Nähe der Chaussee, liegt der 
Aussichtspunkt Prinzessinschirm, und etwa 100 Schritte r. 
vom kleinen Gabelbach, mitten in grüner Bergwiese, der 
gro/'se Gabelbach, ein unbewohntes grofsherzogliches Jagd- 
schlöfschen. 

20 Min. Aveiter wird der Gipfel des Kickelhahn (863 m 
hoch) erreicht, den seit 1854 ein 24 m hoher, massiver Tunn 
von 107 Stufen krönt. Oben kein Wirtshaus, die Schliefserin 
vom Gabelbach ist sehr gut orientiert und hat ein gutes 
Fernrohr (10 Pf. pro Person). 

Man hat vom Turm des Kickelhahn nach allen Rich- 
tungen eine herrliche und weite A^^ssicht, besonders nach 
Norden und IS^ordwesten. wo die Finne und Hainleite, der 
Kyffhäuser und dahinter das Harzgebirge mit dem Brocken 
den fernen, duftigeu Hintergrund bilden. Näher, in der 
blühenden Ebene, schweift der Blick über viele Ortschaften, 
darunter Ohrdruf. das Schlofs in Gotha, die Drei Gleichen 
und r. davon die Türme und die Citadelle von Erfurt, mehr 
im Vordergrund erhebt sich die Ruine Ehreuburg bei Plane, 
davor Neusifs; aus der Tiefe strahlt uns Ilmenau entgegen. 
In östlicher Riclitung treten der Singerberg (r. von Stadt- 
Ilni) und mehr iiordöstl. das Schlofs Kranichfeld hervor; 
Aveiterhin, am Saiim des Horizonts, zeigen sich der Etters- 
berg bei Weimar und der Fuchsturm bei Jena, und in süd- 
östlicher Richtung der Greifenstein bei Blankenburg. Nach 
Süden und Westen hin breitet sich der gröfste Teil des 
Thüringer Waldes mit seinen zahlreichen, wohlgeformten 
Bergkuppen aus; es werden die Cursdorfer Kuppe im 
Schwarzathal (noch etwas südöstlich), der Finsterberg (zwischen 
Ilmenau und Suhl) und der noch nähere, lioch in den Himmel 
ragende Schneekopf mit seinem Turm und dem nachbarlichen 
Beerberg sichtbar. In nordwestlicher Richtung über Ohrdruf 
hinweg, 1. von Gotha, schaut der Inselberg herüber. 



'Such Westen liiu stiuul uut(;r Waldesscliattcu ein kleines, 
turniälinüehes Pirschliaus, das (»oetliehiiiiscliPii, so benannt, 
weil hier der j^-rolse Dichter nianclie scliüue Stunde verlebte. 
Im Auyust 1870 ist es abi,'ebraunt. Das schmucklose Innere 
liatte einen kostbaren Scliatz in dem Gedicht „Wanderers 
Xachtlied", welches Goethe, welimütiiif ergriffen a'ou der Aus- 
sicht auf die endlosen bewaldeten Beri^häupter des Gebirges, 
am 7. September 1783 an die Bretterwand eines Fensters 
der Stube schrieb: 

„Über allen Gipfeln 

Ist Ruh'; 
In allen Wipfeln 

Spürest du 
Kaum einen Hauch. 
Die Vögel soliweiijeu iui AVaMe. 
Warte nur! Bälde 
Ruhest du auch.'' 

Am Tage vor seinem 82. Geburtstag, den Goethe in 
Ilmenau und Elgersburg verlebte, besuchte er mit dem Berg- 
rat 3Iahr den Kickelhahn und kam auch in das kleine Pirsch- 
häusclien. Wehmütig, während eine Thräne ihm über die 
Wange rollte, wiederholte er liier die Worte: „Warte nur! 
Bälde ruliest du auch." 

Im Jahre 1874: ist das Häuschen, dem alten möglichst 
iihnlich, wieder aufgebaut worden. 

Den Hückweg nach Iluuuiau wiilile man in nordwestlicher 
Richtung, den blauen Striclien nacli. durch die Waldung ^zum 
(V'4 St.) Hcrmannstein, einem mächtigen. ;U m hohen. 157 m 
im Umfange haltenden Porph.vrfelsen, welclier auf seinem 
Gipfel und an seinem Fufse von dichtem Strauchwerk um- 
geben ist. Nach '^ ., St. erblickt man vom Hirschspnmg aus 
Maiiebacli (jZum Hirsch) und Kamiuerberg {Gasthaus) in 
schönem, grünen Thal, mit dem JuVien- und Enimnstein, zwei 
imposanten Felsen, von deren Gipfel sich präclitige Aussicliten 
erschliefsen. Kammerberg und Manebacli, gleich weit (•''/4 St.) 
von Ilmenau und Elgersburg, im anmutigen Manebaclier 
Grunde liöchst idyllisch gelegen, eignen sich zum Sommer- 
aufenthalt für Personen, welche sich in reiner, stärkender 
Bergluft erholen wollen. Douche-, Brause- und Wellenbäder. 
Auf bequemer Strafse, an Steinkohlenbergwerken und dem 
Wellenbade vorbei, am rechten Ilmufer an Wiesen und runden, 
dicht mit Laubholz bewachsenen Berghiiugen vorüber, gelangt 
man nach ^4 St, wieder am Felsenkeller an. — Lohnender 
ist es, nicht nach Kammerberg und Manebach hinunter zu 
gehen, sondern den nach Ilmenau bezeichneten, sehr schönou 
\Veg weiter zu benutzen, welcher ebenfalls zum Felseukeller 
führt. 



18. Ilmeuau. 73 

Eine andere lohnende Exkursion (Vj Tag) von Ilmenan 
aus ist die folg-ende: Man besteige den Liiidenberg', wohin 
1. von der alten Sclileusinger Strafse ein Parkweg, durch 
einen Wegweiser kenntlich, liinauf leitet. Unten im Tlial. 
von grünen Gehegen umfriedet, rulit die Stadt, vor ims er- 
hebt sich der mächtige, dunkel bewaldete Kickelliahn, und 
I. tauchen die gewaltigen Häupter des Erbskopfes und des 
grofsen Helmsberges (798 m) aus dem Schortethal empor. 
Der Promeuadenweg endet bald auf einem Wiesenplateau, 
wo er mit einem Waldweg zusammentrifft. Bei der Wege- 
teilung geht man hinunter in das von einem Parkweg durch- 
schnittene Schortethal, am linken Ufer der Schorte. Der 
Parkweg endet auf der Höhe beim Gasthaus zmn Auerhahn, 
an der Schleusinger Chaussee. Man gehe, unten im Thal an- 
gelaugt, r. bis au den Eufs des grofsen Helmsberges, wo sich 
der Bach, aus einer düstern Schlucht herabrauscheud, über 
einen Felsen ziemlich hoch lierabstürzt. Felsen umgeben die 
Kaskade, und dichtes Tanneuduukel überschattet die enge 
Schlucht, die den Xameu: das Finstere Loch trägt. Xach 
dem Ausgange zu erweitert sich das Thal zu einem hoch- 
romantischen Wiesengrund. der auf beiden Seiten von hohen, 
steilen, mit Nadelholz bekleideten Bergen eingeschlossen ist. 
Xach einstündiger Wanderung ist die pittoreske Schortetvand 
erreicht. Bei der Wegeteilung gehe man 1. bis zum Löfflers- 
Hammer, am Ausgang des Thaies, dann 1. zum '^Grenz- 
hammer (AVirtshaus zum Fridoün), Haltestelle der Gehren- 
Ilmenauer Bahn. Vom Finstern Loch kann man auch thal- 
aufwärts gehen und den grofsen Helnisberg besteigen, welcher 
eine prächtige Aussiclit nach Nordwest und auf die gegen- 
überlifegendeu Höhen des Hundsrück und des Köhlerberges 
bietet. Nach 1 St. gelangt man dann im Markthal aufwärts 
au den Kleinen und Grofsen Dreiherrnstein, Grenzen des 
weimarischen, preufsischen, schwarzl)urg-sondersliausenschen 
und meiningenscheu Gebiets. Von hier aus kann man ent- 
weder die lohnende Partie in die Gabel und weiter abwärts 
nach Untenienbrimn (fGute Quelle), interessant durch schöne 
Lage inmitten prachtvoller AVälder und durch seiue Glas- 
liütten (Bahn nach Eisfeld), und Ernstthal (gutes Wirtshaus. 
Forellen) maclien, oder mau wendet sicli westlich nach der 
''2 St. entfernten Franzenshütte und im schönen Gläserthal 
liinab nach Stützerbacli (■V4 St.) 

Besonders zu empfehlen ist noch ein Ausflug nacli den 
Prinzessinnenplätzen (weifs), ins Schortetlial bis zur Schneide- 
mühle und von da zurück auf dem unteren Weg nach dem 
(irenzliaramer (2 St.) und nach dem Hangeberg mit Schutz- 
liaus (gelb), vom Felsenkeller aus üljer Bavenes Erinncrxing. 



74 19- Von Ilnienau nach Sclileusingen. 

Trautvetters Verdienfit iiacli dem Schicalbenstein ; von liier 
zurück über die Berthaqndle (.} St.). 

Selir empfehlenswert ist auch der Besuch des *Karl- 
Aiij?ust-Turines auf der Halskapjje, welche von Ilmenau und 
Eliifersburg- in IV.^ St.. von Plane, den roten Strichen nach, 
in 1 St. zu erreichen ist. Der 19 m hohe Turm gewährt einen 
herrliclien Blick auf das Wipfrathal, Wald, Wiesen und 
Felder und zahlreiche Ortschaften. Man erblickt, von Osten 
beginnend und nach Westen und Norden weiter gehend, den 
Singerberg, Langenberg, Masserberg, Kienberg, Mittelberg, 
Lindenberg, Kickelhahn. Inselberg, Hörselberg, die Gleich- 
berge; dazwischen das Gerathal und die Ortschaften Gehl- 
berg, Ariesberg, Gera, Angelrode, am Horizont Schlofs und 
Bahnliof Gotha u v. a. 

Den Besuch von (1 St.) Elg^ersburg- (S. 77) verbindet 
man am besten mit dem des Sdmaehopf (Schmücke). 



19. Von Ilmenau nach Schleusingen (ß'/o St.). 

Entweder durch den herrlichen Manebacher Grund oder 
direkt nach Gabelbach, den roten Strichen folgend, in IV4 St. 
nach Stüfzerbach. in einem tiefen, romantischen W^aldthale 
und am Bache Lengwitz, welcher mit Taubach und Freibach 
später die Hm bildet. Die Leugwitz teilt den Ort in zwei 
ziemlich gleiche Hälften, von denen die eine preufsisch. die 
andere weimarisch. 

Von hier aus gelangen wir über Schmiedefeld oder über 
Frauenwald nach Schleusingen. Schmiedefehl (1-.9 km von 
Schleusingen. Gasthöfe: fThüringerWald; König von Preufsen) 
ist ein grofses, über 2500 Seelen fassendes, unter dem 758 ra 
hohen Eisenberg und an den Quellen der Nahe liegendes 
Gebirgsdorf. Lohnend ist ein Ausflug mit Führer nach dem 
* Finsterberg (9()4 m, Wegweiser Cl— 015) mit grofsartigem 
Pundpauoiama von einer IIV2 m hohen Aussichtskanzel, oder 
nach dem Stutenhans und Adlersberg (rot), ähnlich dem vom 
Schneekopf 

Schlagen wir die Tour über Frauenwald ein. so kommen 
wir V2 St. oberhalb Stützerbach am Gasthof zum Ancrhahn 
(s. S. 73) vorbei, von dem man in V4 St. nach dem Gabelbach 
und von da in V'4 St. nach dem Kickelhahn pilgern kann. — 
Frnnennrthl (0 St. von Ilmenau), ein Gebirgsdorf, liegt 76() m 
ü. 31. und lehnt sich an den Hundskopf. Der Ort entstand 
zu Anfang des 18. Jahrh. aus einem Frauenkluster. daher 
der Name. Von Frauenwald geht es ins Thal der Nahe über 
Schleusingen und Hinternah, wo der Weg mit der eigeut- 



19. Von Ilmenau nach Schiensingen. 75 

liehen Ilmenau-Schleusinger Strafse (über Schmiedefeld) zu- 
sammeutriftt. 

Die Hauptstadt des preufsischeii Anteils der Grafschaft 
Henneberg, Sclileuslngeu {* Grüner Baum, komfortabel ein- 
gerichtet; Rofs, beide am Markt; Sonne), 390 m ü. M., mit 
3500 Eimv., war bis 1583 Residenz der gräflich Henneberg- 
schen Linien, deren Gruft mit stattlichen ßitterbildern aus 
dem 15. und 16. Jahrh. sich in der Kapelle neben der Kirche 
befindet. In der Nähe der Kirche ein Kriegerdenkmal. Die 
Bertholdshurg, der Kirche gegenüber, an der Strafse nach 
Hildburghausen, altes gotisches Schlofs der Grafen von Henne- 
berg, ist jetzt Sitz mehrerer Behörden. Auf dem Markt das 
altertümliche Rathaus. Auf dem Marktbrunuen die Statue 
der letzten Gräfin von Henneberg. In nächster Nähe des 
Marktes das schöne Gebäude des Gymnasiums. Die freund- 
liche Stadt ist in neuerer Zeit ein klimatischer Kurort ge- 
worden, mit Bädern, Schwimmbassin und Molkenkur. Die 
anmutige Lage, die Reinlichkeit der Straf sen machen Schleu- 
singen zu einem angenehmen Aufenthalt, der als Sommer- 
frische auch wegen seiner Billigkeit Beachtung verdient. 
(Pension mit AVolmung im Hotel zur Sonne pro Pers. 3 Mk. 
50 Pf.) Eisenbahn nach Themar an der Werrabahn. 

Die nähere Umgebung von Schleusingen ist so zahlreich 
mit Wegweisern versehen, dafs jedes Verirren ausgeschlossen 
ist. Insbesondere die Waldpfade in der Umgebung des 
Stutenhauses und der Weg nach Rothenstein und Erlau. 

Kleinere Spaziergänge : Kohlberg, Haardt, State, Wasser- 
graben, die Strafsen nach Hinternah, Erlau, Hildburghausen 
u. s. w. Nach Fischbach V-i '*^t., nach Erlau 1— IVo St., zum 
Donnerberg V^j^ St., zum Stutenhaus 2^/4 St. 

Bezeichnete VTege : 

(Die Wege von Schleusingen ans sind, anstatt mit Farbestrichen, 
mit Buchstaben für je eine Linie bezeichnet.) 

A. 1 — 42. Schleusingen; Kohlbergstrasse, Sulil. 14.5 km. 
a. 1 - 25. Schattiger Fufsweg neben dem A-Wege. 

B. Seitenlinie hierzu, abzweigend bei A. 35, über die Steinsburg 

nach Siilil. Gesamte Entfernung 15 km. 

C. 1 — 25. Schmiedefeld, Finsterberg, Mordflecken. 5,6 km. 

D. 1 — 13. Schmiedefeld, Mordflecken direkt, Scbnaücke. 

E. 1 — 38. Schleusingen, Klingnershäuschen, Schneidersbude, Chaussee- 

kreuzung, Cnausse bei E. 38, von da 

F. zum_ Wilhelmsbrunnen (F. 14) und weiter bis F. 19 zur Linie E, 

G. 1—15, dann E. 16—2). Schneidersbude, Klingnershävischen. 
H 1 — 41. Thomasmühle, Allzvinah 5.2 km. 

J. 1 — 52. Schleusingen, Silbacher Kuppe, Fohlenweide, Hohe Btiche, 

Hengstwiese, Schmiedefeld. 13.9 km. 
K. 1—26. Schleusingen, Bischofrod, 8.5 km. Abzweigend hiervon bei 

K. 23: 
L. 1—11. nach dem Fischbacher Thal. 
N. 1—19. Bischofrod, Sclmeeberg. 3.3 km. 



76 -0- Von Iliuenau nach dem Scbneekopf (.Schmücke). 

O. 1—20. Wolfsgarten, A\issichtspunkt am Schneeberg 4.2 km. (Von 
Linie A. bei A. 24 abzweigend.) 

Ausflüge von Sclileusinoeu nach dem Miffelbcrg (1 St.), 
dem Finsterberg (i St.), durcli das romantische Vesserthnl, 
nach der Scltmücke (s. nnteii), namentlich al)er nach dem 
*Adlersberg' (3 St.), wohin von Schleusingen. Suhl und der 
Schmücke Fahrwege hihren, mit dem sogen. Stuteniiaus (frülier 
grofse Stutorei) mit gutem Gasthof. Die Aussiclit von der 
Höhe ist sehr lohnend; Aussichtsturm. Der Adlersberg ver- 
dient von den Touristen mehr besucht zu werden, als ge- 
Avöhnlich geschielit; man kann von Ilmenau, der Schmücke. 
Schleusingen. Suhl aus den Besuch desselben leicht in eine 
Tour aufnehmen. Em])fehlenswert sind von hier aus Ex- 
kursionen in die nahen Thäler, die reich an Naturschönheiten 
sind, wie die umliegenden Berge und Höhen die herrlichsten 
Aussicliten bieten, in den SeJdeuseijnoid, Biberijrund. XnJie- 
grnnd. Vessergnoid. ErJaugrund. Vom Adlersberg nach Suld 
zwei Wege: Touristenweg (markiert) 2 St. sehr lohnend durch 
schönen Wald, mit hübscheu Aussichten auf die Waldthäler. 
oder Chaussee von Stuteuhaus aus 2^/2 St. Einen Ausflug 
auf die Hohe Leiste ^/o St.. mit reizender Aussicht, sollte man 
nicht versäumen. 



20. Von Ilmenau nach dem Schneekopf 
(Schmücke). 

Drei Haviptwege nach dem Scbneekopf (Schmücke). Über Elgersburg 
4 St. Eisenbahn nach Elgersburg. Führer etwa 1 Mk. 50 Pf. 

Erster IVeg: über Elgersburg'. Man verläfst Ilmenau 
an der Arnstädter Chaussee, kommt an der Porzellanfabrik 
vorbei, wendet sich aber bald 1. auf einem bergan gehenden 
Fufsweg nach dem Dörfchen Roda. Hier auf der Cliaussee 
in westlicher Riclitung. Auf der Höhe Avird man für die 
J\lühe des Bergsteigens durch eine der lieblichsten Aussichten 
auf Elgersburg und das Gera-Thal bei Ariesberg inordwestl.) 
belohnt. — Dieser Weg ist der Eisenbalmfahrt vorzuziehen. 

Elg^ersburg^ und Umg^ebung^en. 

Gasthöfe: *Kiiri,.nts-IItiUl (Wassorh.ilanstalr der Herren San.-Rat 
Dr. Barwinski und Dir. Fr. Mohr mit Schh)!» und Villa. Zeitgemäl's 
eingerichtet und ärztlich wie ökonomisch vorzüglich geleitet. — 
*Hotel H-rzof/ Krnst, in schönster Lage am Walde und am Eingang 
ins Körnbachthal. Komfortable Einrichtungen zum (rebranch von 
Bädern, Wasserkuren, Massage etc. — t Victoria-Hotel, ge»enüV)er dem 
Bahnhof, mäl'sigo l^reise, empfohlen. — fZiir Limle, einlach xmd billig. 
^ Zu empfehlen das Buch: Elgersburg mit seiner nächsten und 
weiteren Umgebung. Von Dr. Barwinski. 



20. Von Ilmenau nach dem Sclineekopf (Schmücke). 77 

Das nette gothaische Bad und Dorf Elgersburg, 520 m 
ii. M., von Wald und Bei'gen eiuo-eschlossen, 1 St. von Ilmenau 
entfernt, wird Avegen der schönen Umg-egeud von Touristen 
viel besucht; klimatischer Kurort, lÖOO Einw. Elgersburg 
ist Station der Bahn Xeudietendorf-Plaue-Grol'sbreitenbacii. 
Die Hauptzierde des Ortes bildet das Schlofs, welches jetzt, 
zur "Wasserheilanstalt gehörig. Wohnungen für Kurgäste ent- 
hält; es liegt auf einer mit schönen Anlagen verzierten An- 
höhe. Das Schloi's ist eines der ältesten Bergschlösser Thü- 
ringens; ein Mauerstein trägt die Jahi'eszahl 1088. Die dazu 
gehörigen Gutsgebäude sind in eine Porzellanfabrik (Arnoldi 
in Gotha) umgewandelt. 

Elgersburg hat sehr günstige klimatische Verhältnisse; 
es ist geschützt gegen rauhe Winde und frei von lästigem 
Thalzug: der Temperaturwechsel am Abend ist deshalb weniger 
fühlbar als an anderen Gebii'gsorten, so dafs selbst Leidende 
in der wärmeren Jahreszeit bis spät am Abend im Freien 
bleiben können. Die Luft ist äufserst rein, frisch, belebend 
und staubfrei. Das deutlichste Bild der Elgersburg um- 
gebenden Berge gewinnt man von der nahe beim Orte liegen- 
den Schlotheihishölie, mit einem kleinen Tempel. 

Die Wasserheilanstalt mit verschiedeneu Logierhäusei'n 
in sehr schöner Lage, am Ausgange des Dorfes auf dem "Wege 
nach der Schmücke und Oberhof, steht unter der Leitung des 
bewährten Arztes San.-liat Dr. Baru-insld. — Am Eingang 
zum Körnbachthal ist 1887 eine neue Wasserheil- und Kur- 
anstalt von Dr. 0. Preiss errichtet, hauptsächlich für Nervöse 
und Erholungsbedürftige bestimmt. 

Die Gesamtlänge sämtlicher Promenadenwege bei Elgersburg 
beträgt gegen drei Meilen. Aus den näheren Umgebungen erwähnen 
■wir das Moorthal, das sich zwischen dem Heidelberg uud dem Hügel 
Alte Lage ausdehnt. Von der Schoppewiese zeigt ein Wegweiser 
zum Schwalbenstein, 68G m hoch, ein Lieblingsplatz Croethes ; m dem 
früher hier befindlichen Jagdliause schrieb er 1779 an der Iphigenia; 
1S79 wiu-de eine Gedenktafel hier errichtet. Auf dem breiten \Vege 
nach Westen, der auf die Schmücke führt, fortschreitend, gelangt 
man zur Pftu/aenhölie und zur HolsUttruhe mit weiter, i^räehtiger L'm- 
schau bis zum Harz. — Das Steigerthal trennt den Heidelberg vom 
Rumpelsberg; es erhält landschaftlichen Reiz durch den Kohlbach. 
Am Eingang des Waldes eine nette Fontäne. Den voni Steigerweg 
r. im Zickzack aufsteigenden Beckerweg verfolgend, gelangt man 
zur Sophienciuelle und zum Kühnsweg. Von der Bomwiese, auf 
welcher die Marienquelle entspringt, schöne Gebirgsaussicht. — Den 
Glanzpunkt der Umgebung bildet das Körnbachthal ; man gelangt dahin 
auf der Salzmannstrafse, von der man bei den letzten Häusern r. 
aVjgeht und in das Wiesenthal hinabsteigt. Auf dem Wege, r. von 
der Massemühle, an einer PorjDhyrwand der Name ^Guethe'^. In der 
Xähe des Goethefelsens der Xame „fnfe Reuter'^. Weiter aufwärts r. 
Fels an Fels, während 1. der Körnbach, kleine Wasserfälle bildend, 
herabstürzt. Vom Auguststein, dessen kleines Plateau mit Ruheplätzen 
versehen ist, schöne Aussicht. Steigt man hinter dem Auguststein 



78 20. Von Ilmenau nach dorn Schneekopf' (Schmllcke). 

höher hinauf, so kommt man zur Clarashöhe, die als schönster Atis- 
siclitsi)uukt in der N;ih(! von Elgersbiirg gilt. — Unterlialb Gera, 
hei ilcm Diirt'c Auujflroda, erhebt sich die interessante Kcl.spartie 
der Wtißenstan mit seinen Felskammern, vom Volk „Kununerlöcher" 
genannt. — Bei Martinroda, 1 St. nordöstl. von Elgersburg, liegt der 
oft besuchte Verunikaberg , merkwürdig durch seine mannigfaltige, 
seltene Flora. 

Zu den weiteren Umgebungen gehören: die Schmücke, der Schneekopf, 
der Beerben!, die (jefutimUr. Wagenpartien: Suhl, Zelta, OberhoJ. Da 
Umenau mit Kigersimrg durch die Bahn verbunden ist, so können 
die Ilmenauer Partien leicht nachmittags von Elgersburg aus unter- 
nommen werden. 



Von Elg^ersburg nach der Schmücke. 

Der nächste Weg von Elgersburg nach der Schmücke 
(2^/2 St., Führer angenehm) führt über die Marienqaelle und 
Möndishof, letzteres ein einfaches Wirtshaus. Vom Mönchs- 
hof aus führen Fufswege rechts vom Fahrweg, welche eine 
Strecke abschneiden, aber nur bei trockenem Wetter zu em- 
pfehlen sind. 

Angenehm ist der Weg über Ariesberg und Crehlberg. 
Man geht nach dem Bahnhof, diesen r. lassend, nach dem 
Wald zu und gelangt auf dem Fufsweg (Wegweiser nach 
dem Wellenbad) in V2 St. nach Ariesberg. Das stattliche 
Dorf zur Rechten ist Ge^-n. Bei Ariesberg betritt man 1. das 
anmutige Wiesenthal der Clera, hinter Ariesberg Wegeteilung, 
1. ins Jüchnitz-Thal und nach Möuchshof, r. nach Gehlberg 
und Sehmücke, und schlägt nach ^2 St. den zur Rechten durch 
einen schönen Buchenwald bergan gehenden Weg ein. Sind 
wir aus demselben herausgetreten, so liegt das Dörfchen 
Crehlberg (66-S m, f Gasthof), ein echtes Walddorf, vor uns 
an der Berglehne. Hier eine bedeutende Glashütte, welche 
schon seit 1410 im Betrieb ist. Wer die Holilglasfabrikation 
nicht kennt, versäume nicht, die Hütte zu besuchen. Gegen 
eine geringe Entschädigung kann man das Vergnügen haben, 
sich selbst ein Fläsclicheu zu blasen; in der Regel mufs aber 
der Informierende mit seiner Lnngenkraft nachhelfen. Man 
wandere nun an der Kirche vorbei in die Höhe, wo ein freier 
Blick nach der Erfurter Gegend, bis zu einem Wegweiser, 
der den angenehmen Weg zur Schmücke ('^'^ St.) angiebt. 
Dieser Weg ist empfehlenswerter als die beiden nach- 
stehenden. 

Noch schöner ist der Weg von Ariesberg aus diirch das 
Thal der Wilden Gera (Gehlberger Mülile, Restauration; eine 
Haltestelle Gehlbcrg ist in Aussicht genommen), welches durch 
die grofsartigen Bauten der Erfurt- Suhl -Ritschenliauseuer 
Bahn an Interesse gewonnen hat, nach Gehlberg. 



21. Die Sclimücke. 79 

Von Ilmenau nach der Schmücke. 
Zweiter ^Veg. Zii Ende des Städtchens Ilmenau, wo 
man über die Brücke anf die Strafse zum Kickelhalm geht, 
wendet mau sich r. durch den höchst anmutig'en Manebacher 
Grund bis zum Wirtshaus von Kammerberg (-74 St. s. S. 72), 
hier über die Brücke nacli Manebach und auf der gepflasterten 
Strafse hinan, an der Kirche vorüber. Nach 5 Min. verläfst 
man den bisherigen Weg und verfolgt drüben im Walde den 
schmalen Fufspfad bis zum Mönchshof (Restauration) an der 
Elgersburg-Oberhofer Chaussee, welcher man folge. Sie zieht 
sich anfangs abwärts, bald an einem Wegweiser vorbei und 
ganz allmählich ansteigend (1^/4 St.) zur Schmücke. Im ganzen 
von Manebach 11 km, 2V4 St. bequem; Führer unnötig. 



Dritter Weg'. Will man auf dem Wege von Ilmenau 
nach der Schmücke den Schwalbenstein-Felsen (s. S. 77) be- 
suchen, so gehe man am Hause des Felsenkellers vorüber, 
besuche dort den Goethe-Platz über dem Pindarbrunnen und 
steige 15 Min. aufwärts bis zu einem Horizontalweg, der 
nach einem kleinen Schalenhäuschen führt. Dicht hinter dem- 
selben folgt man einem Fufsweg bergauf (später Diehmsweg 
genannt) durch Wegweiser geleitet bis zum Schwalbenstein 
^4 St. Vom Schwaibensteiu führt der Weg etwas bergauf, 
dann auf der Höhe im Walde weg (20 Min.) bis zu einer 
offenen Stelle, auf welcher man Manebach unten im Thal 
liegen sieht; hier zeigt ein Wegweiser den Weg nach dem 
Mönchshof an der Elgersburg-Oberhofer Chaussee (s. oben). 



Vierter Wej?. Durch den Meiersgrund, 4 St., nicht 
ohne Führer. An Kammerberg vorbei, immer im Thal der 
Hm, bis zur Bestauration im Meiersgrund, IV.2 St. Hier 
über die Hm, den kleinen Rodel hinauf und hinunter ins 
* Freibachthal, welches oft so eingeengt ist, dafs kaum Bach 
und Steg Raum haben, dann am Blauen Siein, einer pitto- 
resken Felsgruppe am Fufse des 9i7 m hohen, zur Linken 
bleibenden Finsterberg, hinauf zum sogen. Mordfleck, einer 
Bergwiese, wo die Lauter entspringt; V2 St. weiter auf dem 
Rennsteig zur Schmücke. 



21. Die Schmücke (911 m) 

hat mit ilirer Umgebung viel Ähnliches mit einer Alpenwirt- 
schaft (Scliweizeralm). Stattliclier *Gasthof (die Preise auf 



80 21. Die Schmücke. 

dieser von den Bezng;sorten so entfernten Höhe sind niclit 
hoch, und der (iastliof wird überluinpt reclit gelohtj. Im Hoch- 
sommer ist es ratsam, miiiiflichst früh ohcn einzutreffen, da 
das Crastlians abends liäntii;- ül)erfüllt ist, und man dann auf 
dem Boden ein wenig- beliagliclies Quartier angewiesen er- 
hält. IJie abgeschiedene Lage des Ortes in der Umfriedigung 
dunkler Fichtenwälder und dufteiuler Bergwiesen, auf denen 
das Vieh der Bewohner der umliegenden Orte weidet, hat 
einen eigentümlichen Beiz. — Der Gipfel des Schneekopf 
(der Eintritt in den Turm ist nur gegen eine Karte gestattet, 
welche für 15 Pf. im Domäuen-Ciasthof zu Oberliof, im Balm- 
hofs-Restaurant Oberhof, auf dem Mönchshof, in der Gehl- 
berger Mühle oder auf der Schmücke zu lösen ist) wird von 
der Schmücke in '/j St. erreicht, wenn man an der nördlichen 
Seite der Schmücke den Kasenweg aufwärts geht und den 
in westlicher Richtung aufsteigenden chaussierten Weg ein- 
schlägt. Nach 1 4 St. zeigt ein Wegweiser r. den durch Ge- 
hölz leitenden Pfad bis zum (eine zweite Viertelstunde) Gipfel 
des *Sclmeeko|>f (978 m). Man richte sich wenn möglich so 
ein, dafs man frühzeitig nachmittags auf der Schmücke ein- 
treffe, um im Sommer die Zeit von 6 — 7, im Herbst von 
5 — 6 Uhr auf dem Schneekopf zubringen zu können, Aveil in 
dieser Zeit die Aussicht am klarsten ist. Nach dem Schau- 
spiel des Sonnenuntergangs übernachte man auf der Schmücke 
uiul stehe bei günstigem Wetter frülizeitig auf. um den 
Sonnenaufgang beobachten zu können. (S. Sonnenauf- und 
Untergang Tab. S. 10.) 

Vom Turm des Schneekopf sieht man in die Schluchten 
an der Nordseite, in welchen die Wilde Gera und ihre Neben- 
bäche ans Tageslicht treten; im östlichen Vorgrunde der 
Sachsenstein und der etwas entferntere Kickelhahn. Beginnt 
man im Norden, wo bei ganz klarem Himmel der Harz mit 
dem Breckeu den Saum des Horizonts bildet, so tritt be- 
sonders das Schlofs Friedenstein zu Gotha lünter dem Kien- 
berg bei Ohrdruf hervor. Darüber hinaus steigt der ^leifsner 
in Hessen auf. R. von Gotha zeigen sich aufser einer grofsen 
Zahl von Dörfern die Sternwarte auf dem Seeberg, die Drei 
Gleichen, die Altenburg bei Arnstadt, Ichtershausen, und 
darüber hinweg die Citadellen und der Dom zu Erfurt: noch 
näher, im Mittelgrund, die Ehrenburg bei Flaue, darüber 
hinaus Arnstadt und mehr r. in der Tiefe die Türme von 
Stadt-Ilm, neben diesen r. das kahle Haupt des Singerberges. 
Ganz östlich ist das hellleachtende Schlofs Rudolstadt. Von 
hier ausg-ehend, findet man nach Nordosten hin Orhunünde, 
die Leuclitenburg, den Fuchsturm bei Jena, die Eckartsbnrg 
lind in der Richtung nach Erfurt den Ettersberg bei Weimar; 



CENTRAL- GRUPPt des THURINGIR WALDES 

'nsels Berg. Friedrlchroda. Ilmenau, SuK 

Red-v. \V. Liebenovv, 




irlR — I^eiisiin 
«f<^ STf - SaAseJi Hmnar 
Cot/ia 

SS— Sc/i/aarzblirtf 9on^asAiA 
§«lß - Jiudolstadt 



\« U Mbni Coldtdmud 



ljdi.\iun LcglHild Kraati &ulii 



22. Von der Schmücke nach Oberhof etc. 81 

dazwischen im Hintergruncle. schon nach dem Harz zu. däm- 
mern die Sachsenbiirg, der Kyft'hänser und der Possenturni 
bei Sondershausen hervor: ein wenig- südöstlich von Rudol- 
stadt tindet man die Schlösser Ranis, Brandenstein und 
Könitz. Granz nahe, in südlicher Richtung- (uach dem Sachsen- 
stein zu) erhebt sicli der Finsterberg- oberhalb des Dorfes 
Schmiedefeld. und nun das Chaos der schwer zu zählenden 
Berggipfel. Auf dem Clebirge selbst liegen Franzenshütte, 
Neustadt. Kahlert. Masserberg (r. von der Kursdorfer Kuppe). 
Im Westen ragen die Felsen des Gebrannten Steins, des 
Hohen Steins und Grofsen Hermannsberg-es über dunkle Wal- 
dung empor: dann folgen: der Donnershaugk. Speerhügel. 
Rupberg und der Inselberg; endlich in südlicher Richtung 
erkennt ein gutes Auge die Feste Coburg, das Fichtelgebirge. 
die Gleichl)erge l)ei Römhild und den Kreuzberg auf der 
Hohen Rhön: nälier, melir westl., blickt der Dolmar herüber, 
hinter welchem der Ochsenkoiif. Bayer, ßlefs und die Greba 
den Rahmen der Landschaft bilden. 

50 Min. vom Schneeko]_if entfernt tritt uns das Bild des Beerberg, 
9S4 m, entgegen. Er ist leicht zu erreichen, wenn naan die Strafse, 
welche von Elgersburg zum Schneekopt' führt, nach Ohrdruf zu eine 
kurze Strecke verfolgt, bis ein Fahrweg r. hinab ins Gerathal ein- 
lenkt. Hier steigt man 1. 10 Min. bergauf und gelangt zu Plänkners 
Aussicht (s. S. 8-2). 

Andere Ausflüge von der Schmücke aus sind; die Hölle iind der 
Schneetiegel, wo die Wilde Gera entspringt. Im Thal der Wilden Gera 
zu beiden Seiten mächtige Felsen, dann gelangt man zu den grofs- 
artigen Bahnbanten des Brundleite-Tumitls, der bOlO m lang den Beer- 
berg durchschneidet. Von der Gehlberger Mühle aus kann man 
leicht das Dörfchen Gehlberg (s. S. 7S) mit der Glashütte besuchen. 
Die Thäler der Wilden wie der Zahmen Gera bieten prächtige 
Buchen- und Tannenwaldungen. 



22. A^oii der Schmücke nach Oberhof und 

über Ohrdruf nach Georgenthal und Tambach. 

Suhl. Zella. 

Entfernungen von Oberhof; Zella 9 km, Suhl 1.5 km. Ohrdruf 17 km ; 
Bahnhof Ohrrhof V4 St. 

Direkt uach Oberhof 2' ■ Std., über Sulil und Zella 10—14 Stdn., 
von Oberhof nach Georgenthal b"o St. 

Der Weg von der Schmücke nach Schmiedefeld (8 km) 
und dem Stuteiihaus (10 km) geht in südlicher Richtung auf 
dem Rennsteig über den 3Iordtieck gerade fort bis zur Wege- 
teilung mit AVegAveiser: 1. nach Schmiedefeld erst auf dem 
Rennsteig weiter, dann r. die D-Linie (s. S. 75); r. nach dem 
Stutenhaus auf der Strafse bis auf die Sulil-Schmiedefelder 
Chaussee, auf dieser r. bis zur Wegscheide. Metersteiu 5.9, 
und nun den roten Strichen nach. 

Griebens Reise-ßibl.: Thüringen. (IC. Aufl.) Q 



82 22. Von der SclimUcke nach Oberhof etc. 

Nach Oberliof j^-elit luau in westliclier Riclituiig auf dem 
Rennsteiu' fort, welclier hier chaussiert ist. Die Chaussee 
führt nordöstlieli vom Beerberg au einer au.ssielitreichen 
Terrasse vorüher, Fufsgiinger mögen aber bei trockenem 
Wetter, bahl nachdem ein Wegweiser, welcher r. hinab zur 
Mühle zeigt, passiert ist. auf dem alten Kennsteigweg (Weg- 
weiser hinter dem Wildzaun I) riäiikners Aussicht, Ü7;{ m, 
besuclien, wo 1. in der Tiefe Suhl heraufschimmert und r. 
der Dolmar bei Meiningen sich erhebt. Hinter letzterem 
verschwinden die Gleichberge bei Römhild, die Creba und 
das Rhöngebirge allmählich in nebliger Ferne, ein zwar be- 
schränktes, aber reizendes Landschaftsbild. das ein jeder mit 
dem innigsten Wohlgefallen betrachten wird. Von hier führt 
r. ein Fui'sweg ab, welcher unmittelbar vor der Terrasse auf 
die neue Strafse mündet. Nach ungefälir K) Min. zeigt ein 
Wegweiser 1. wach. Zella; dieser Weg führt direkt zum Bahn- 
hof Oherhof. Die Strafse trifft nach 1\2 St. mit der Suhl- 
Zella-Ohrdruf-Gothaer Chaussee (der höchstgelegenen in Thü- 
ringen) zusammen. Hier betindet sich ein Denkstein mit In- 
schrift. 15 Min. weiter r. tritt der Wald zurück, und auf 
hoher, grüner Bergwiese, der man einige Kartoffel- und Saat- 
felder abgetrotzt hat, liegen die bescheidenen Holzhütten des 
höchstgelegenen Dorfes in Thüringen: 

Oberhof, 820 m ü. M., Station der Bahn Neudieteudorf- 
Suhl-Ritschenhausen; doch liegt der Bahnhof ^,4 St. von dem 
Orte entfernt. Post nach Zella und Ohrdi-uf. Dei' Bahn- 
hof liegt nur 038 m ü. 31. {Knrhaus am Waldesrand, neu 
erbaut, am \Valde schön gelegen, empfohlen; Domänen-Gast- 
hans ; oberhalb desselben der Gasthof zum Thüringer Wald, 
billiger; Hollands Fensum: Trösters Restauration, gutes Bier, 
freundliche Bedienung, auch Table d'höte). Überhof, im stillen 
Waldfrieden gelegen und von reiner Bergluft umgeben, ist 
in neuerer Zeit zu einem beliebten Sommeraufenthalt ge- 
Avorden. Die Sommerwohnungen sind aber nicht sehr zahl- 
reich und meist frühzeitig vergriffen. Im Innern des Jagd- 
schlosses ist das Hirschzimmer mit Hirsch- und Gemsgeweihen 
beachtenswert. Vom Altan schöne Aussicht. An einem Wald- 
saum, 5 Min. vom Gasthof entfernt — der Weg führt an der 
Kirche vorüber — der Lnisensitz mit Aussicht auf das Insel- 
berghaus, den Schneekopf und den Kickelhahn. Oberhof ist 
reich an herrliclien Spazierwegen, z. B. Bärenstein mit Aus- 
sicht auf den Bahnhof in der Tiefe; der Gebrannte Stein mit 
unvergleichlich grofsartiger Aussicht; der Ani-yebrannte Stein, 
auf dem Wege nach Gräfenroda; die Most bei Oberschönau 
u. s. w. Die Wege zu diesen Aussiclitspunkten sind infolge 
fast gänzlichen Mangels an Wegweisern schlecht zu linden. 



ll-. Von der »chmtk-ke nach Überbot' etc. y3 

Auch an Ruheplätzen, fester Taxe für Fuhrwerk u. s. w. ist 
noch grofser ^ilaugel. 

Der Weg' von Oberhof iiacli Olirdruf ist für Fufsgänger 
sehr lohnend. Die Strasse senkt sich in vielfachen Win- 
dungen in das enge, üppige Waklthal des Einierbaches hinab. 
Mau kommt an einem im Schweizer Stil erbauten, malerisch 
gelegenen Chausseehaus vorbei; ^'4 St. weiter unten mündet 
der Bach in den Silbergraben. Auf diesem Wege wird man 
einen rechtsab ins Holz gehenden Pfad bemerken, welcher 
^('4 St. näher in den Tlialgrund führt; diesen wähle man aber 
nicht, weil gerade die Chaussee von der Höhe bis zur Thal- 
sohle von vielen prächtigen Scenerien umgeben ist. V2 ^^^ 
weiter, in dem nun ebenen Grunde, starrt r. ein bewaldeter 
Fels empor, von dessen Spitze das Wasser einer Quelle her- 
abträufelt, welches ihn gleichsam in zwei Hälften teilt: es 
ist der Triefende Stein. — Später erweitert sich der Grund; 
Kernwasser und Silbergraben vereinigen sich (zwei Ohren). 
Man betritt nun das schöne, breite Ohrathal mit dem auf 
einem Bergvorsprung thronenden Wachtturm der Burgruine 
SchicarzH-(dd. 3Ian möge sie besteigen, weil sie ein geeigneter 
Standpunkt zur Übersicht des Thaies ist, dessen anmutige 
Bergformen, mit grotesken Häiiptern wechselnd, sehr an- 
ziehend sind. Thalabwärts (in nördlicher Riclitung) sieht man 
das Dorf Süitzhaiis und gerade unterhalb der Burg das Dorf 
Schivarzivahl. 

In Stutzhaiis versäume man nicht, nach der 20 Min. ent- 
fernten Gotluier Vereinshütte zu gehen (unterhalb der Ober- 
försterei 1. durch das Wildzauuthor), nach welcher ein vom 
Th. W. V. Ohrdruf angelegter bequemer Fufsweg führt. 
Prachtvolle Aussicht in den Ohragrund mit Stutzhaus und 
Schwarzwald, erinnert sehr an den Blick vom Tripstein in 
das Schwarzatlial, wenn auch nicht ganz so grofsartig; V4 St. 
weiter (bei der Oberförsterei über die Ohral) kommt man zu 
dem am Fufse des hohen, steil aufsteigenden Kienherges ge- 
legenen Bade Lidsentlial (m\t gutem f Gasthaus); beliebter 
Sommeraufenthalt. Lohnend die Besteigung des Kienberges 
(1 St.), am besten von der Waldmühle hinan, mit prächtigem 
flundblick auf Sclineekopf, Inselberg, Hörselberg, Stadt Ohr- 
druf. Gothaer Schlofs, Gleichen und die ßeinsberge bei Arn- 
stadt. Am Fufse des Kienbergs entlang in 1 St. auf schattigen 
Waldwegen zu der neu eröffneten, schön und geschützt ge- 
legenen Sommerfrische FriedrieJisanfmig (Jägerhaus). Von 
Luisenthal auf vom Th. W. V. l)ezeiclmeten Wegen in 1 St. 
nach der reizend gelegenen Scher er shiltte^ in 2 St. nach dem 
in tiefer Waldeinsamkeit gelegenen Steigerlumse und vielen 
anderen schönen Punkten. 

6* 



84 -'"-• ^'un der Schmucke nach Oherhof etc. 

Touristen, welche von Luisenthal nach Georjjenthal wollen. 
enipHelilt e.s sich, den direkten We^- über das (iebir<»'e zu 
nehmen. Entweder unterhalb der Stutzlüiuser Obert'ürsterei 
durch das Wildzaunthor lUe Faiirstralse entlaug durch den 
Löwenbachgruud zum Steigerliause (1' i St.) und von da auf 
rot bezeichnetem Wege nach Greorgenthal (l'/.> St); oder mau 
foljoft den bei der Oberfürsterei beginnenden blauen Farb- 
strichen, ü!)erschreitet nach ^ 4 St. den Löweubachgrund und 
steigt allmählich die gegenüberliegende Bergleline hinan. Auf 
der Hi)he mündet der blaue Weg in den weifsen Weg ein, 
der dann über den Ziegelberg. Brandkopf, Toteukopf, Schwab- 
häuser Kopf nach Georgeutlial führt (8' 2 St.). Dieselbe Tour 
mit Abstecher nach dem Steigerhaus V2 St. weiter. (Wege- 
kärtcheu für das Gebiet zwischen Luisenthal und Georgeuthal 
mit Angabe der farbig bezeichneten Wege ist in Luisenthal 
für 25 Pf. zu haben.) 

Wer über einen Wagen verfügt und von Luisenthal resp. 
Stutzhaus nach Georgenthal will, benutze gleichfalls die gute, 
sanft ansteigende Fahrstrafse durch den Löwenbachgrund 
zum Steigerhaus (^U St.) und von da durch den herrliehen 
Rothebachgrund auf vorzüglicher Chaussee nach Georgenthal 
in 1 St. Weniger zu empfehlen der für die Pferde allerdings 
bequemere, aber ganz schatten- und reizlose Weg über Gräfen- 
hain (beim Ohrdrufer Chausseehaus links!) und Xauendorf 
(IV2 St.). 

Hinter Stutzhaus und Luisenthal verlälst die Oberhofer 
Straf se das Gebirge und führt an Kupferhämmern und Mühlen 
vorbei durch eine praclitvoUe alte Lindenallee die lange, breite 
Vorstadt Wahlstra/'sc entlang nach Ohrdruf (Goldener Anker, 
mit Garten; Gfunhrhiits, billig und gut, Touristen bestens 
empfohlen, beide am Markt; Weifses liofs; Deutscher Kaiser; 
Gerlachs Kaffeeyarten . neben der Post; Felsenkeller, mit 
prächtigem Blick auf die Gebirgskette und die Ebene; Altes 
Schiefshaus, an der Oberhofer Strafse. V4 St. südlich der vStadt. 
Eisenl)ahn nach Georgenthal und Gotha; Post nach Oberhof 
und Zella St. Blasii): ;i75 m ü. M., 4 St. nördl. von Oberhof, 
6Ü()0 Ein, die zweite Stadt im Herzogtum Gotha. 

Ohrdruf ist eine der ältesten Städte Thüringens, sie ver- 
dankt ihren Ursprung dem lieiligen Bouifatius. der hier (7-24) 
eine christliche Kirche gegründet hat, der Sage nach aus 
Dankbarkeit für die Errettung vom Hungertofle. — Nach 
manuisffachem Herrenwechsel wurde Ohrdruf 1342 den Grafen 
Von Gleichen verliehen, welche 1560 ilire Residenz dahin ver- 
legten und das Schlofs i)auten. Nach deren Aussterben wurde 
dasselbe 1G31 Lehnbesitz des Grafen, jetzigen Fürsten von 
Hohenlohe. Nach mehrfachen fuichtbaren Bränden (1H61, 



22. Von der Schuiücke nach Oberhof etc. 85 

1724, 1753 und 1<"^08) sind die alten Gebäude verschwunden, 
das Schlofs, vom Staate angekauft, ist zum Teil dem herzog- 
lichen Landratsamt überwiesen worden, und die Stadt hat ein 
modernes, freundliches Aussehen gewonnen. 

■40 Min. von der Stadt, am Südrande des Gebirges in 
herrliihem Thalkessel gelegen, die von den Ohrdrufern viel- 
besuchte Scher er shütte. Der Thüringerwald-Zweigverein Ohr- 
druf hat das ganze Gebiet zwischen Georgenthal, Steigerhaus 
und Luisenthal mit Wegweisern und Farbstrichen bezeichnet, 
so dafs sich jeder Tourist leicht ohne Führer zurechtfinden 
kann, zumal wenn ihm das vom Th. W. V. herausgegebene 
Wegekärtcheu zur Seite steht. (Zu haben in Ohrdruf, Luisen- 
thai, Georgenthal zum Preise von 25 Pf.) 

Georgeutlial (Sdiknks Gasthof [A. Deussing]. gut. — 
Deutsches Haus. — f Schützenhof. Ktirhaus, am Haramerteich 
lieblich gelegen. — Thüringer Wald, billig und gut) Station 
der Bahn Gotha-Ohrdruf, 388 m ü. M.. ist ein immer mehr 
besuchter klimatischer Kurort. Zwischen dem Bahnhof und 
dem Orte (\,4 St.) die Aue mit vielen Villen und schattigen 
Gärten, die an Familien vermietet werden. Badeanstalt am 
Hammerteich mit Wellenbad. Georgenthal ist auf drei Seiten 
von holiem Fichtenwald umgeben und macht mit seineu beiden 
Teichen einen angenehmen Eindruck. Y)(iv ZiegcJberg. an welchem 
der Verschöneruugs-Verein eine grofse Anzahl von Promenaden- 
wegen mit WegAveisern und Ruhebänken angebracht hat, 
bietet herrliche Aussichtspunkte. Die Lage des Ortes macht 
denselben geeignet zu zahlreichen Ausflügen nach den be- 
suchtesten und schönsten Punkten des Thüringer Waldes. 
Interessant die ßuiuen des ehemaligen Klosters. — Hübsch 
gelegen ist SchUJftels Mühle (einfache Restauration und Sommer- 
frische), gegenüber Rothebachs Mühle. Hübsche Spaziergänge 
nach Tambach und Dietharzer Grund (1 St.), nach dem Vier- 
pfennighaus (IV4 St.). Nach dem Steigerhaus (IV2 '"^t-)- Nach 
dem Steigerhaus, Luiseuthal. Gräfenhainer Schiefshaus, 
Scherershütte führen vom Tli. AV. V. Ohrdruf farbig be- 
zeichnete Wege. 

Ton der Schmücke nach Oberhof über Suhl und /ella 

ist eine sehr lohnende Tour; sie sollte daher, wenn es die 
Zeit gestattet, dem direkten Weg nach Oberhof vorgezogen 
werden. Geht man auf dem Rennsteig ungefähr 10 3Iin. nach 
Schmiedefeld zu, so zeigt ein Wegweiser den Weg nach 
Gohllauter (1 St., rot). Dieses grofse preufsische Dorf mit 
1700 Einw.. über ^.'4 St. lang, am rauschenden Bach sich hin- 
ziehend, liegt in sehr tiefer Bergschlucht und ist zum Teil 
von hohen Bergen umgeben. 3Ian achte auf das eigenartige 



8ß 22. Von der Schmücke nach Oberhof etc. 

Spriicli-Lliom der Einwohner. Höchst interessant ist der Wog 
l)is Suhl (IVt St.). 

Ein anderer Weg- nach Suhl fhlau) g-elit 10 Min. hinter 
der Schniücke von der Oliorliofer Chaussee üher Heidershach 
in südlicher Richtung' hinab und mündet dann heim Fröhlichen 
il/"»>MUasthans) in (lie Suhl-Zella-Öhrdrufer Chaussee. Hinauf 
üher den Aschenthalshügel his zur Hülie, ilie Ausspanne (945 nO 
genannt, die ein herrliches Panorama bis auf die Rhön und 
den Spessart bietet. 

Suhl (* Deutsches Hans; f Krone, am Markt, hillig und 
g-ut; Restaurationen: Bahnhof. Haak, * 2'' reff'. Alte Burg am 
Domherg-, Centralhalle, Felsenkeller, nach Schleusingen zu), 
mit berühmten Crewehrfahriken. die gröfste und gewerb- 
thätigste Stadt des Thüringer Waldes. Suhl liegt 410 m ü. M., 
im preufs. Anteile der ehemal. Grafschaft Henneberg, ist 
schon in den Urkunden des 10. Jahrli. genannt, blühte im 
14. und 16. Jahrh. durch den Bergbau empor, der jetzt fast 
ganz daniederliegt. Craf Wilhelm VII. von Hennei)erg erhob 
1527 den Ort zur Stadt, die im Jalire 175:> fast ganz nieder- 
brannte. 

Bezeichnete -Weg-e. 

I. Centrali/ruppe (lex Thüriiif/er W'i!chs: rot: Goldlauter— Goldlauterer 
Berg — Fichteukopf— Schmücke ; weifs: 1. Ziegeuberg — Unter-Geiersberg 
— Sandwurf — oberer Beerberg — Dietzelonnizstem; 2. Goldlauter— 
Kirchberg, südl. — HotFniingswand — Murdtlock — Finsterberg ; blau: 
Heidersbach — Sandwurf — Goldlauter Streitraiii — Triefender Stein — 
Eosenkopf— Fichtenkopf— Schmücke; qelb: Fröhl. Mann— Steinsfelder- 
wand — Aschenthalshügel — Hiindsrück — Ausspanne auf der Suhler 
Ijeube — Dietzelorenzstem; grün: Aiisspanne auf der Siüiler Letibe — 
Wilder Kopf— Pürschhaus am Sommerbachskopf 

II. DöiUierfier Zun und Adlersheri/e: rot: Rimbach— DöUberg, nördl. 
Seite— DöUberger Ruhstatt— Schwarze Kanzel — Wegscheide — Schüss- 
lershöhe — Adlersberg— Stutenhaus; weifs: I. Steinige Bahn— Brand— 
Spitzberg; 2. Brand— Seh ützenkahre— Triefender Brunnen— oberer u. 
nördlicher Beerberg — Schwarze Kanzel — Grolser Erleshügel — Rim- 
bachsbrunnen — Ringberg— Himmelreich: 3. Hoher Stieg nach der 
Finstern Erle (1—3 Abzweigungen von blau); blau: Rimbach (oder 
Schleusinger Str. 4S„,) — Döliberg, südl. Seite— Brand— (Schleusinger 
Str. 50,i) —Dürrer Hirschbach — Schiefsplatz— Finstere Erle — Roter 
Stein— (Aussicht am Gottesfeld)— Adlersberg; gelb: DöUbergskuppe — 
Heidnisches Grab— DöUberger Ruhstatt (AJazweigung von rot); qrün: 
Sat tlersgarten —Himmelreich — Steinhorst — Pfannthalswand — Weg- 
scheide (Forts. rot\ 

III. Doniberi/i^qruppe: rot: Tote Männer — Fuchsstein— Saupfütze— 
Schwarzer Kopf- Steinrücke— Sohäfersberg -Holmbach— Asolienkopf 

Aschenhof— Goldene Aue— Sechslesthal— Dietzhausen; weils: 1. Otti- 
lienstein — Sch(')iiein.annsfels— Kerbwiese— l^eufang — Sanerberg — Tote 
Maauer-Zellai-r Schieishaus; 2. Fuchsstein— Mehlis; blau: Kerbwiese 
—Glasberg— Oliercr Bock Tote Männer; gelb: Kerbwiese— Glaswiese 
— Unterer Bock — Gabelwand — Tote Männer; 3. Mäbendorfer Porzellan- 
fabrik — Mühlborg — Schiel'splatz — Hundslücke — Aschenhof; grün : 
Pürschweg- BergUkdier—Küttebahn— Kerl) wiese. 

W. Doiinrrshern und SchHeehtrgii- Hdhenzuy: rot: Bahndurchlals am 
Seluiii'r —Wendeis Steinbruch— Avissicht an der Haardt- B, 1-25, 



22. Von der Scbmücke nach Oberhof etc. 87 

Bahnhof — Wendeis Steinbruch — Storchswieschen — Steinsburg — 
Schöner Platz; A, 35 — 41: Schöner Platz — Langegrund — Neundorf; 
weifs: 1. Wendeis Steinbruch — Haardt — Heifse Gasse — Dreisbach— 
Ruine Langebahn— Trompetereiche — Langer Grund — Schmeheim— 
Wiedberg— Dietzhausen; 2. Suhler Neundorf— Aussicht am Butzord 
— Steinsburg; 3. Rimbach — Beiersgründchen— Haselthal— Langguths- 
rod— Mittelrain— Spitzberg; 4. Mittelrain (oberhalb der grofsen Brücke) 
—Löffelthal — Siihler Xeimdorf; blau: Suhler Neundorf— Storchswies- 
chen — Ober-Dreisbach — Schneeberg — Silberbrunnen — Stadelrod — 
Ruine Langebahn; gelb: Suhler Neundorf— Hügel— Steingebössel— 
Saarbusch — Altendanibach; grün: Schleusinger Str. 46,b über den 
Friedberg nach der Schleusinger Strafse 51, g. 

Man versäume nicht, fien dicht bei der Nordseite der 
Stadt hoch aufsteig-enden *Doml)er^ zu erklimmen, avo an 
der der Stadt zugekehrten Seite ein hoher, kolossaler Por- 
phyrfels, der Otütienstein (90 m über dem Marktplatz), eni- 
porragt. Auf seiner Plattform steht ein Häuschen (Sonntags 
und während der Sommermonate bei gutem Wetter täglich 
Restauration), von wo man eine prachtvolle Aussicht auf die 
Stadt, das freundliche Lauterthal bis zu dem in südwestlicher 
Richtung Vj St. entfernten Flecken Heinrichs (Kirche mit 
aufgedeckten alten Wandmalereien), wie auf die umliegenden, 
von den majestätischen Gruppen des Hochgebirges (Spitzberg 
bei Zella, Somraerbachskopf. Beerberg, Schneekopf und Finster- 
berg) beherrschten Berge geniefst. — In neuester Zeit fängt 
Suhl an, als Kur- und Badeort in Aufnahme zu kommen. 
Die Badeanstalten befinden sich unmittelbar an der Stadt 
(Chlorcalcium- Solquellen, Wegweiser). Lebensweise billig. 

Vom (Jttilienstein aus kann man auch auf einem schönen 
Waldweg in IVj St. direkt nach Zella gehen. Doch ist eine 
Eisenbahnfahrt von Suhl bis Zella zu empfehlen; die Bahn 
überschreitet das Lauterbach-Thal, zieht sich an der steilen 
Bergwand des stattlichen Domberges hin und gewährt die 
herrlichsten Ausblicke auf die Stadt und die umliegende, von 
den Berggruppen des Gebirgsrückens umrahmte Landschaft. 
Nachdem sie eine Neben -Wasserscheide mit einem 225 m 
langen Tunnel überschritten hat. erreicht sie den Bahnhof 
ZeÜa-MehUs. 

Der Weg von Suhl nach (2V2 St.) Schleusingen führt über 
die Ausspanne durch den Döllgrnnd über Hirschbach, Erlau 
und Raasen. 

Schleusiii^eii s. S. 75. 

Die Strafse nach (1-^/4 St.) Hihlhnrghansen zieht sich 
■'"4 St. lang bergan. Von Hildburghausen Eisenbalm nach 
Coburg in 1 Stunde. 

Die Strafse nach Zella (1 St.) geht an der Struth vor- 
über und wendet sich dann nordwestl.; aucli sie giebt uns ein 
anschauliches Bild der industriellen Thätigkeit Suhls. 



gg 22. Von der Schmücke nach Oberhof etc. 

T)en "Weg von Suhl auf den Doliiiar s. Route 42. 

Zella St. Blasii (Hotel h'oth [Scliützenliof], nahe am 
Bahnliiif. ifut; ^^\'ifscs lioß, am 31arkt. l)illiy; JIoM Rcl/.siny ; 
Sf<i(Jf liotlta), freiuuUiches gotli. Städtclien mit olUO Einw., 
495 m ü. 31. Postverhindung über Mehlis und Benshausen 
nacli Schmalkalden. Unmittelbar hinter Zella der mit Park- 
anlagen versehene Lerclioiherfj, dem gegenüber ein eiserner 
Aussichtstempel mit sehr schöner Rundsicht, vom Rahnhof 
oder Schützenhof in wenigen dünnten zu erreichen. 

Vom Schützenhof gelangt man 1. durch den Wald (weifse 
Striche) nach dem Donibery mit dem Ottilienstein (s. S. b>7) 
r. immer auf gutem, durch LaubAvald fülirenden Promenaden- 
weg zum Meliliser Benjijfirfen, einer mit Ruheplätzen ver- 
sehenen Anlage des 3iehliser Verschünerungsvereins Von 
hier aus sieht man die freundlichen Orte Zella und jilehlis 
in dem vom Liibenbach (Lichtenau; durchüossenen Thalkessel 
in frisclien Wieseugrüuden zu seineu Fülsen liegen. — 10 Min. 
von Zella: 

Melilis, goth. Uurf mit 8200 Einw.. welche sehr ausge- 
dehnte Kleineisen- und Stahlwaren- sowie Schiefswaffenfabri- 
kation (Hausindustrie) treiben (Cxasthöfe: Stadt Wien, gut; 
Schützenhof. gut; Bellevne . gute Karpfen und Forellen; 
Thünnyer Hof). Die das Dorf umgeljenden, schön bewal- 
deten Bergketten bieten köstliche Aussichtspunkte; Wegweiser 
und Farbenstriclie zeigen dahin. Vom Ber<;yarten herab oder 
durch den Ort selbst kommt man in das liebliche Benshäuser 
Tlial (Lichtenau), von da auf den mit Aussichtshütte ver- 
sehenen Beissinyer Stein (schöne Fernsicht nach der Rhön), 
lind von hier auf rot gezeichneten Waldwegen auf der Ge- 
birgskette entlang nach dem Riipberg (866 m) mit dem nahe- 
gelegenen Hermannsberg und dem Gebrannten Stein, eine 
der lohnendsten Partien dieser Gegend Auf einem dii'ekt 
von ^lehlis aufwärt.s führenden Weg ist der Rupberg in 
^'4 St. zu erreichen. 

Von Zella steigt die Strafse nach Oberhof beständig 
bergan und gestattet, bevor man aiif der Höhe anlangt, einen 
Blick in die höchst anmutigen, von dichtbewaldeten, steilen 
Berghängen eingerahmten Wiesengriinde zur Rechten. Auf 
einem Promenadenweg geht man in V'2 St. von der Stadt auf 
den 890 m hohen Spitzigen Berg, einen köstliclien Aussichts- 
punkt. Man sieht sich rinys umgeben von Hölien luid schaut 
hinab in die Tiefe des Waldfriedens. Zella. Mehlis und Sulil 
leiichten aus den Thälern freundlich herauf; südwestl. öttnet 
sich das reizende Tlial der Lichtenau bis Benshausen; da- 
hinter erhebt der Dolmar sein Haupt, und Hölienzüge im 
Fränkischen schliefsen den Kreis. Noch imposanter erscheint 



23. Von Oberhof nach Tarabach und Georgenthal. 89 

der nordwestliche und östliche Vordergrund: der Bupherg 
(866 m), der Hohe Stein (871m), 1. daneben der Hermanns- 
berg (870 m), der Gebrannte Stern (675 m), der Schützenberg 
(901 m). der Sattelbachskopf (936 m), der Beerberg (983 m), 
der den Schneekopf verdeckt, die Spitze des Sachsensteins 
(911 m) und der Finsterberg (947 m). . 

Nach IV2 St. ist man auf der Höhe von Oberhof ange- 
langt und erreicht, an einer Gedenktafel vorbei, bald die S. 82 
erwähnte Denksäuk. An dieser Stelle durchschneidet die 
Strafse den Rennsteig, der vom Beerberg herabkommt. 

Ein kürzerer Weg geht gleich hinter Zella r. ab und 
führt durch den Wiesengrund an der Bahn entlang nach 
Station Oberhof, von wo man in V2 f^t. den Denkstein (s. 0.) 
erreicht. 



23. Von Oberliof nach Taiiibacli und 
Georgenthal. 

Sehr lohnende Fufstour, über 5 St., ohne eine menschliche Wohnung; 
man schütze sich also vor Hunger und Durst. 

Von Oberhof (S. 82) verfolge man die neue Chaussee 
nach dem romantischen Schmaiwassergrund; bald gelangt 
man durch das Thor eines Wildzaunes in den Wald, der 
rechts öfters schöne Aussichtspunkte darbietet. An der 
ersten Straf senteilung (am Adler; Wegweiser nach Ober- 
schönau) geht der Weg links durch den Kanzlergnmä (siehe 
Route 42) nach Schmalkalden, man verfolge den Weg rechts 
(Wegweiser nach Dietharz und Taml)ach), bei der nächsten 
Wegeteilung aber gehe man 1. (der Weg r. führt zu einem 
Pürschhause). Wo die Strafse anfängt, stärker abwärts zu 
gehen, führt ein Fufspfad bei einem Stein mit der No. 3 r. 
ab (bedeutend kürzer) direkt zum Falkenstein; wer die in 
einem grofseu Bogen abwärts führende Strafse weiter ver- 
folgt, geht unten da, wo mau zum Schmalwasser kommt, 
über eine Brücke (Wegweiser), dann eine kurze Strecke an 
dem Wasser aufwärts an einem Teich vorüber, der linker 
Hand bleibt, nach dem 94 m hohen Falkenstein, einem un- 
geheuren, vorhängenden, vielfach zerklüfteteten und gespal- 
teneu Felsblock. l)er Sage nacli soll oben eine Burg ge- 
standen haben, von einem Raubritter bewohnt, der die (xe- 
fangenen, die sich nicht loskaufen konnten, vom Falkenstein 
hinunterstürzte. Das Blut spritzte über die Steine, und von 
diesem Blut sollen nocJi heut die Nelken an den einzelnen 
Felsvors])rüngen rot gefärbt sein. Vom Falkenstein gelit 
man denselben Weg wieder zurück und dann weiter durch 



90 -•*• Von Oberliof nach Taiiibacb und (Jeorgenthal. 

den Schmal» asser- oder I)ietharz«^r Grund. Die wilde 
Praclit dieses Felsenthals wird bald durch die dichtere Be- 
waldung gemildert, und nach V4 St. erscheint schon grüner 
Wiesenteppicli im Grund. Wo es sich erweitert, steigt ein 
anderer Fels, der Waldenfds oder Altenfels, in der Dietharzer 
Bauernspraclie der „Ahle Fisch" genannt, mächtig iu die 
Höhe. Ein gewundener Pfad leitet nach dem schmalen 
Gipfel, Avo man noch die Spuren einer Burg tindet, deren 
Insassen die frülier im Tlial sich hinziehende Heerstrafse von 
Thüringen nach Franken unsicher macliten. Kleine Bäche 
brechen aus engen, finsteren Felsschluchten in das Thal. 
Bald fesselt die zur Beeilten stehende Saalweidentcand mit 
ihren Felspartien den Blick, und nach 1 St. kommt man an 
der steilen, ol)en bewaldeten Märtenswand vorbei. Der an- 
grenzende, durch seinen Umfang auffallende Berg ist die 
Hohe Schlaufe: ihm gegenüber (links) zeigt sich der Stein- 
bühl, dessen Fortsetzung der mit Felseuzacken übersäete 
Kin-hberg ist. Inmitten dieser Höhen, etwa ^'.2 St. vom 
Falkenstein tlialabwärts. .. erhebt sich rechts an der Sti'afse, 
wo dieselbe über eine Überbrückung des Wasserlaufs fühi't, 
ein isoliert stehender Felsen, der Napoleonsstcin, der, von der 
Mitte der Brücke aus gesehen, in seinen zerklüfteten Formen 
das Gesicht Xapoleons III. zeigt. Weiter abwärts, am Hange 
der Märtenswand. ebenfalls r. von der Strafse. in unmittel- 
barer Nähe von Dietharz. erhebt sich 15 m über der Thal- 
sohle eine Grotte, das sog. Hüllnch._zu Avelcher ein bequemer 
Weg hinaufgeht. Sie bietet eine Übersicht über die Wald- 
berge und grotesken Felsen des sich nun noch mehr er- 
Aveiternden Thaies. Unweit davon ein kleiner Felseukeller. 
Am Ausgang des Thaies liegt das Dorf Dietharz (Bestan- 
rntion zum Xapoleonstehn : Gasthof zum Felsenthal)^ -152 m. 
Das Schmalewasser mündet hier in die Apfelstedt. An Diet- 
harz schliefst sich (bei der Wegteilung 1.) Tambach an. An 
der südwestl. Ecke der höchst malerischen Thalweitung, wo 
sich die Spitter, das Mittel- und Schmalewasser mit der 
Apfelstedt vereinigen, liegt auf grüner Bergwiese der rings- 
um von waldigen Bergen eingeschlossene und zum Teil an 
den Höhen liinaufgebaute Marktflecken 

Tambacli i^'^Falkenstem [Krebs], am Ausgang des Dorfes, 
am Weg nach Oberhof, gelobt; ^ Bär. am Markt; *TMmm. 
gegenüber der Kirche; Gastliof zum Grünen Wald [Lips]; 
^Felsenthal-Bestauratlmi : Schiefshaus, am Eingang in den 
Spittergrund), nach dem furchtbaren Brand im Jalire 1S4'2, 
der den Ort fast gänzlich zerstörte, freundlicli wieder auf- 
gebaut und in neuester Zeit als Sommerfrische in Aufnahme 
gekommen. Der Vorstand des Verschönerungsvereins giebt 



24. Von Georgenthal und Tambach nach Friedrichroda etc. 91 

Über Wohnungen nähere Auskunft. Das KoUner'sche Bad 
in Dietharz ist auch für alle Arten medizinischer Bäder ein- 
gerichtet. 

Es lassen sich von Tambach aus zwei hübsche Ausflüge 
machen, nämlich in den Spittergrimd und auf den Bielstein. 
Um in jenen zu gelangen, gehe mau vom Bären quer über 
den Markt au dem Lamm vorüber, dann r. bis zu dem Schiefs- 
haus und von da aus auf dem schönen, chaussierten Weg in 
westl. Richtung in den Clrund hinein. Am Eingang in das 
Spitterthal erhebt sich r. der Spitterstein^ eine über 80 m 
hohe, senkrechte Felswand mit einem Aussichtshäuschen. 
Weiter im Thal (in welchem man sich bei der Spaltung des- 
selben zur Linken liält), 1 St. entfernt, sieht man den 19 m 
hoch in mehreren Absätzen herabstürzenden SpltterfdU, der 
aber im holien Sommer häuüg fast ganz austrocknet. Der 
Bielstein, ein malerischer Felsen südl. von Tambach, auf 
dessen (xipfel ein Altan mit Bänken angebracbt ist, liegt zur 
Linken der Strafse nach Schmalkalden. Der Blick ins Thal 
wie auf Tambach und Dietharz ist herrlich. 

Ln Drte selbst mündet in die Tambach die Spitter, und 
diese ergiefst sich bald darauf in die Apfelstedt. Gelit man 
^U St. lang an der Tambach hinauf, so gelangt man zur 
Knochenmühle, in deren Nähe (am Thalgehänge 1.) der 
Lntlierbrunnen hervorquillt. Er verdankt seinen Namen 
der Volkssage, dafs Luther, als er auf seiner Heimreise 
vom Konvent in Schmalkalden (1537) in Tambach erkrankte, 
durch den Cxenufs dieses Wassers von seinem Übel befreit 
wurde. 

Von Tambach ufich GeorgcntJial 1 Stunde; Georgenthal 
s. S. 85. 



24. Von Georgeiithal und Tambach nach 
Friedrichroda, ReinhardsTjrunn und Walters- 
hausen. 

Vou Georgentlial, l)eim I\Iühlteich, führt 1. von der 
Katterfelder Strafse ein Fufsweg in -^ »^t. nach Altenherga; 
das Dorf Katterfeld Ideibt zur Rechten. Aufser dem Fufs- 
weg führt eine Strafse von (ieorgenthal nach Katterfeld und 
Alteuberga. Altenberga ist wahrscheinlich das älteste Dorf 
in dieser Gegend; hier hat sclion 1'2\ Bonifatius auf dem 
südwestl. gelegenen Joliannisberg die erste christliche Kirche 
in Thüringen erbaut, in der Ludwig der Springer die Taufe 
em})tiag. Auf der Stelle, wo der heilige Bonifatius zuerst 
da:^ Ivreuz gepredigt, ist ein Denlcmal errichtet, das in dortiger 



92 25. Friedrichroda. 

Gepfeiul unter dem Namen Kandeliiber bekannt ist; es be- 
steht aus einer mit drei Kniielsküpfen ji^escbmückten Säule. 
Die Aussicht ist leider zum Teil verwachsen. Die auf einer 
Anhöhe zwisclien Katterfeld und Altenbcrga liegende Imnia- 
midkircln' nimmt sich von hier gut aus. 

Die Chaussee berührt nach V^ St das Dörfchen Engels- 
Ixich (Gasth. zur guten Quelle) in einem anmutigen Thal- 
kessel am gleichnamigen Bach, der sich einige Iiundert Schritte 
weiter in die Leine ergiefst. An der Kirchhofsmauer ist ein 
altes, bemerkenswertes Relief. In ^/o St. erreicht man Fried- 
richroda. 

Von Taiiibacli nach Friedrichroda führt a) ein Fahr- 
weg über (jreorgenthal, Katterfeld, Alteuberga, Engelsbach; 
b) über das Neuhaus, Finsterbergen, Engelsbach; aufserdem 
kann man einen direkten \Veg wählen, welcher nur 2 St. 
Zeit beansprucht. Er wird von Fufsreiseuden der Kürze und 
eigentümlichen Heize wegen viel benutzt. Man geht am 
Tambacher Schieishaus, dasselbe 1. lassend, den Berg hinauf, 
die Straf se gerade fort, danu, wo die Wege sich trennen, den 
AVeg r. aufwärts und von da im dichtesten Wald in nord- 
westl. Richtung bis zum (-74 St.^, Yierpfemiiyhaus (auch Xcn- 
haus genannt), der Wohnung eines Försters und eines Wald- 
wärts. Letzterer betreibt zugleich Schankwirtschaft. Vom 
Vierpfennighans führt geradeaus ein Fulspfad thalabwärts 
(die Strafse geht r. hin), schneidet im Thal eine Seitenstrafse 
und führt gerade bergauf, dann wieder in das Thal und ge- 
rade bergauf nach dem obersten Hause von Finsterbenjcit, 
(das von der Leine durchflossene gothaisclie Dorf Finsterbergen 
und das auf der Höhe gelegene, von Friedrichroda aus viel 
besuchte Hotel Fels-eusfein bleiben r. liegen), hier über die 
Strafse gerade hinüber, auf den AVald zu und in diesem auf- 
wärts bis zum Tewpcl am Gottlob mit herrlichem Blick auf 
Friedrichroda. und von da steil hinab nach: 



25. Friedrichroda. 

Entfernungen von Friedrichroda: Georgenthal 9 km, Walters- 
hauseu 7 kiu, Gr.-Tabarz 4 km, Kl.-Schmalkalden 12 km. 

Gasthöfe: In iler hohen Sai.son ist es ratsam, sich vorher ein 
Zimmer zu bestellen. *Herzo(j Knist, am Herzogsweg, angenehmer 
Aufenthalt. — *0'otlies Hotel zur Schauenhuif/, sehr gut und nicht teuer. 
— *Zum Walilliaiix, schöne Lage, sehr beliebt. — fileiliner Huf. — Herl.sts 
Hotel zum Schueiierliaun, beliebte Pension. — KurlKiu.i (früher Felsi'n- 
keller). — \Uellenie, empfohlen. - fHotd I'ötsch. — Hotel Wai/tner. — 
Hotel j-Laiige, Mitte der Hiuiptstrarse, mit grolser Gartenwirtschaft. — 
Hotel parni ■\Gertli, liesihiiftsreisentie und Touristen. — fFiirsttuhoj. gut 
und billig. Table d'höte gelobt. — j-^'teiii. Touristen zu empfehlen. — 
^Lum' Hotel und Pension, ruhige Lage, beliebt. — Villa O'rolhe. — Hotel 



25. Friedrichroda. 93 

■^Daniel. — Aurserdem sind viele elegante und gilt eingerichtete Pri- 
vathäuser ziu- Aufnahnae der Fremden vorhanden. Preis sehr ver- 
schieden, je nach Lage, Gröl'se und Einrichtung der Wohnungen. 
Wohmtnfßitachireisuiif/s-Bureaii im Bazar Hoerchner, Bazar Wiegl und 
dvirch das Badecomite. 

Delikatessen: Maas, Reinhardsbrunner StraJ'se, gegenüber der 
Kirche; Leituer, Hauptstralse. 

Konditoreien : Liebold, Hellmann. 

Eisenbahn über Waltershausen nach Fröttstedt zum Anschlufs 
an die Tliiiringer Bahn. 

Post und Teiegraphenbureau in der Hauptstralse; Fahrpost nach 
Schmalkalden täglich. 

Post-Omnibus nach dem Inselberg tägl. 9 Uhr vorm. über den 
Heuherg. Rückfahrt .S Uhr 30 naclim. durch . den Lauchagrund über 
Tabarz. Preis: einfaches Billet 1 Mk. 50 Pf., Retourbillet 2 Mk. .50 Pf. 

Badeanstalten: 1. Die Badeanstalt zuna Herzog von Cobiirg-Gotha, 
von Gustav Bessler. 2. Die neue Badeanstalt von Augiist Schreiber. 
In beiden Anstalten können Bäder aller Art genommen werden. 
3. Das Wellenbad in der Schneidhofsmühle. 

In der Xähe des Kurhauses befindet sich das neu errichtete 
Sanatnriuin für Nervenleidende und Sommerfrischler von Dr. Kolke. 

Mietswagen und Führer nach bestimmten Taxen. 

Zu empfehlen die nach Oertel'schem System bearbeitete Ter- 
rainkarte von Friedrichroda. 

Friedrichroda, 440 m ü. M., gothaisches Städtchen mit 
über oUOO Eiuw , seit 1597 mit Stadtrechten begabt und im 
80jähr. Kriege fast ganz zerstört, ist im Sommer wegen der 
reinen Bergluft und der Nähe der schönsten Partien des 
Thüringer Walde,s ein sehr beliebter Sommeraufeuthaltsort. 
Auf frischem Wieseuplan zieht es sich, an beiden Seiten von 
bewachsenen Höhen umschlossen, im Halbrund des vom Schilf- 
wasser durchflossenen Thaies hin. Viele elegante Villen zu 
vennieten. An dem Hause „Grotenburg" eine Gedenktafel 
au den ersten Kurgast: Friedrich Andreas Perthes aus Gotha, 
1837. Nahe dem Kurhaus der Ferthesweg mit dem Perthes- 
denkmal. 

Der Herzog'sweg', der von der Tabarzer Strafse unter 
der Pfarrwiese am Abhang des Wolfsstiegs und der Schauen- 
burg hin bis zur obersten Grundmühle führt, gehört zu den 
schönsten Sijaziergängen bei Friedrichroda. 

Der 697 m hohe Ahtsherg, der felsgeki'önte Burgberg 
mit der JRuine Schauenbnrg (635 m), der steile Kegel des 
Gottlob, der vulkanischen Ursprungs sein soll, endlich der 
hinter dem Gottlob aufsteigende, waldumkränzte und schön 
geformte Regenberg (730 m) schauen in das Thal hinab. Von 
Biirkhardts Buhe auf dem Reichardtsberg hat man einen 
schönen Überblick über die Stadt. 

Den felsgekrönten Burgberg (1 St. in südl. Richtung) 
besteige man wegen seiner interessanten kegelförmigen Ge- 



94 -5. Friedrichroda. 

stalt und der Aussiclit in die Wälder, die sicli hier recht 
malerisch darstellen. Man ündet nocli die spärlichen, von 
mächtigen Bnolien umgebenen Trünmier der von Ludwig- dem 
Bärtigen, Vater Lxidwigs des Saliers (Springers), um 1U4U 
gegründeten Sdiauenhnrii. Später wieder befestigt, wurde 
sie in dem Djährigen Kriege wegen der thüringischen Erbfolge 
(s. S. 17) l'2ü4 vom 3Iarkgrafen Heinrich dem Erlauchten von 
]\Ieifseu gänzlich zerstört. 

Lohnender Ausflug von Friedrichroda nach dem Heubergs- 
hanse mit einer vielbesuchten Restauration; man verfolgt die 
schöne Stralse nach Schmalkalden durcli den romantischen 
Schilfwassergrund, gewöjiulich Eriedrichröder (irund genannt. 
Vom Heubergshause kann man auch nach der einen Seite hin 
zu der Tanzbuche und nach der andern zum Spiefsberg, 
einem der schönsten Pimkte des nordwestl. Gebirgszuges, 
gehen. Zu empfehlen ist aber nach dem Spieisberg von 
Friedrichroda aus (IV2 >S't.) der schöne Fulsweg über den 
Gottlob, auf dem man nicht irreu kann, da überall Wegweiser 
vorhanden sind, und zurück über das Heubergshaus der Fufs- 
weg durch das Ki'üih' Thal. Das Sjneßberyshmis (698 ra ü. M), 
eine Forstanfseherwohnung mit Restauration, liegt am Rande 
einer Bergwiese; die Aussicht ist jetzt verwachsen und nur 
von den oberen Räumen des Hauses noch frei. 

Dicht hinter dem Heubergshaus zweigt an der Strafse 
nach dem Inselberg und Brotterode ein Fui'sweg in den Wald 
ab; derselbe führt in 20 Jlin. nach der Tanzbuche. Ein be- 
liebter Weg zum (lehen und Fahren führt auch durch den 
Ungeheuren Grund über die Tanzbuche nach dem Inselberg; 
zurück geht mau dann durch den Thotstein ^ den Laucha- 
grimd liinab nach dem Tabarzer Schiefshaus und von da nach 
Reinhardsbrunn und Friedrichroda. 

Der Weg (1 St.) zur Tauzbuelie, einem herzoglichen 
Jagdhaus im Schweizer Stil, 7o-4 m ü. M., führt auf die 
Brotteröder Strafse, welche an der Tanzbuche vorübergeht. 
Auf licliter Bergwiese stand hier in einem Kranz von Tannen 
und Fichten frülier eine mächtige Buche, in deren Ästen ein 
Tanzplatz angebracht war; daher der Name: Tanzbiiche. Der 
Felskamm des sich gegenüber erhebenden Kickelhahnsprungs 
und der Anblick des gerade vorliegenden Inselberges sind 
sehr imposant. Im Saale des Jagdhauses betindet sich eine 
Sammlung merkwürdiger Hirschgeweihe. Ein Fufsweg geht 
auch von hier ins Thal hinab; derselbe trittt in ^'4 St. mit 
dem Weg von Reinhardsbrunn nach dem Kickelhahnsprting 
u. s. w. zusammen. 



26. Reinhardsbrunn. 95 



26. Reinliardsbrunn. 

j-Gasfliof Reinharihhrnnn; Sonntag und Mittwoch Konzerte der 
Militär- tind Badekapelle, hübsche schattige Anlagen beim Schlols, 
angenehmer und sehr beliebter Rastpunkt, unweit davon die Klonter- 
niähle, gutes Logis. 

Reinhardsbrunu ist V4 St. von Friedrichroda entfernt. 
Die Chaussee geht dnrch schattigen Wald am Kurhaus und 
an dem Bahnhot' vorbei au den Eingang zum Park uud Schlols. 
Man nähert sich demjenigen Teil des Thüringer Waldes (von 
Reinhardsbrunu bis zur Wartburg), welcher eine unendliche 
Fülle und Mannigfaltigkeit schöner Partien enthält. Der 
Anblick der Keinhardsbrunner Landschaft ist sehr schön. Die 
Klarlieit der Teiche, der stattliche Bau des Schlosses mit 
seinen weinumrankteu Mauern uud die schön belaubten, vom 
Abtsberg überragten Waldberge verleihen dem Bilde grofsen 
Reiz. 

Das Schlofs Reinliardsbrunn wurde unter Herzog Ernst I. 
an Stelle der von Ludwig dem Springer 1085 gegründeten 
und im Bauernkriege 1525 zerstörten Benedictiner-Abtei, die 
zugleich die Begräbnisstätte der meisten thüriugischeu Land- 
grafen war, 1827—35 unter Leitung des Prof. Heideloff und 
des Baurats Eberhard aufgebaut. iJer geeignetste Platz zur 
Betrachtung des schönen Bauwerkes ist die Ruhebank am 
Schwanenteich. Bildwerke sind besonders an dem in einen 
Spitzbogen auslaufenden Portal und am Balkon angebracht. 
Der kleine Hofraum an der Südseite ist ein Blumengarten. 
Dem Hof gegenüber erhebt sich auf einer Terrasse ein 
Gärtchen mit einem Bassin, auf welchem die Statue eines 
altdeutschen Jägers steht, und rechts, in der Ecke des Gartens, 
erblickt man eine uralte Linde. Beim Portal r. ist die alter- 
tümliche Kirchgalerie, deren Räume jetzt zu wirtschaftlichen 
Zwecken vez'wendet werden. Der alte, mit hübschem Portal 
geschmückte Schlofsturm trennt das Gebäude vom ehemal. 
Amtshaus, welches jetzt nicht mehr einen besonderen Teil 
des Schlosses bildet; es enthält einen Saal mit reicher Samm- 
lung merkwürdiger Hirschgeweihe (schon von Ernst dem 
Frommen angelegt) nebst einigen fürstlichen Gastzimmern. 
An Stelle der alten Kirdie , die vor ihrer Zerstörung im 
Bauernkrieg 24 Altäre. 8 Orgeln und 12 Glocken hatte, ist 
eine neue im romanischen Stil erbaut und 1874 eingeweiht 
worden. Im Innern die restaurierten Grabdenkmäler der 
thüringischen Landgrafen; einige dieser Steinbilder, z. B. das 
von Friedrich dem Gebissenen und seiner Gemahlin Elisabeth, 
mögen echt sein, die anderen gehören einer späteren Zeit an. 



96 27. W&ltershausen. 

Das Innere des Schlosses (jederzeit zu besichtigen; man 
nehme den Eingaui? durch das Hofthor au der Friedrich- 
rüdaer Strafse [Südseite] und melde sich beim Kastellan. 
Trinki^eld nach Belieben) enthält aulser der schon genannten 
Sammlung von Hirschgevveiiien einen gam mit Eichenholz 
getäfelten, reich mit Schnitzwerk und Vergoldung gezierten 
Speisesaal und mehrere mit trefflichen JJekorationen ver- 
sehene Zimmer. 

Thalabwärts von Reinhardsbrunn zieren drei Teiche das 
reizende \\'aldthal Gleich beim Gasthaus geht 1. ein Ful's- 
weg von der Gothaer Chaussee am ersten jeuer Teiche vorl)ei 
bis an den Fufs eines Hügels (des Geizenberges), '20 Min., auf 
Avelchem die 1784 von dem Philantropen Chr. Gottli. Salzmann 
(f 1811) gegründete, berühmte Erziehungsanstalt Schiiepfen- 
thal liegt Sie besteht aus mehreren stattlichen Hauptge- 
bäuden und umfafst aufser den erforderlichen Wohnzimmern 
und Sälen einen Musik- und Tanzsaal, eine ansehnliche 
Bibliothek und ein Xaturalienkabinett (die Gebäude werden 
gern gezeigt). Zur Rechten der Anstalt, am Fufse des Her- 
mannsh'in, mit Gartenwirtschaft, liegt das gothaische Dorf 
R'ödlclwn^ V4 St. nordwestl. Jbcnhain. 

Zum Städtchen Waltershausen (^i St.) führt ein in uord- 
Avestl. Richtung erst allmählich emporsteigender, dann auf 
dem bewaldeten Bergkamm entlang gehender, aussichtreicher 
Promenaden weg; der Fahrweg führt über Ibenhaiu. 



27. Waltershausen. 

Entfernungen: Fröttstedt 4 km, Gr.-Tabarz 7 km, Inselberg 14 km. 
Gasthöfe: Eisenhuhn-Hotel, am Bahnhof; Tliütinger Hof\ am Markt. 

Waltershauseil, Station der Fröttstedt-Friedrichrodaer 
Eisenbahn, ist der Gröfse nach die dritte Stadt im Herzog- 
tum Gotha (4498 Einw.) und eine der freundlichsten thüringi- 
schen Waldstädte. Bekannt ist Waltershausen wegen seiner 
Wurstfabrikation, seiner Spielwarenfabriken und seiner Felsen- 
heller (Ürtmanu, Schlund u. s. w.), welche sIcIk durch ihre 
schöne Lage auszeichnen und von hübschen Anlagen umgeben 
sind. Sie sind selir l)esucht, besonders an Sonntags-Nach- 
mittagen. Diclit am Bahnhof sind schöne Promenaden und 
daneben die Kestnerschen Garteuanlagen, von denen man 
einen reizenden Blick auf die Stadt und das Sclilofs erhält. 

Auf dem Wege von Waltershausen nach dem Schlols 
Tenneberg (s. S.97, 15 ]llin.) das neu erh-AWic Hotel FhUipvshöhe, 
mit guter Pension. Von der Terrasse des Hotels herrliche 
Aussicht. 



28. Von Waltershausen etc. nach dem Inselberg. 97 

Das auf mäfsio'ei', aber schön bewaldeter Höhe über der 
Stadt thronende Schlofs Teimeber^ (404 m) besucht man 
auf dem Wege nach Reinhardsbrunn. Das Schlofs Avird in 
der thüringischen Cieschichte öfter erwähnt, besonders zur 
Zeit des Krieges Albrechts des Unartigen mit seinen Söhnen, 
Friedrich dem Gebissenen und Diezmann, wo Ajäz (f 130Ö), 
der Stiefbruder des letzteren, der Cregend vielen Schaden zu- 
fügte, und später Friedrich der Gebissene (loO(i), als er vom 
Statthalter Kaiser Albrechts I. auf der Wartburg belagert 
wurde, seine neugeborene Tochter (Elisabeth) mitten durcli 
die Feinde führte, um sie in Reinhardsbrunn taufen zu lassen. 
Auf diesem Ritt rief Friedrich, als das Kind nach Nahrung 
schrie, und die Amme ihm die Brust nicht reichen konnte, die 
Worte: „Halt, Amme, tränke das Kind! Ijjs darf nicht Durst 
leiden, und sollt' es das Thüringer Land kosten 1" und sogleich 
schlofs er mit den ihn begleitenden Rittern einen Kreis um 
die Amme, trotzdem ihm die Feinde auf dem Fufse folgten. — 
Herzog Ernst der Fromme (-[- 1075) maclite das Schlofs zu 
.seiner Residenz; jetzt ist es Sitz eines herzogl. Landratsamts, 
Amtsgerichts und Rentamts. 

Zu den Füfsen des Sclilosses lehnt sich die freundliche 
Stadt an die waldigen, zur Linken vom Inselberg überragten 
Höhen; in der Ferne steigt der Sagenreiche Hörselberg auf; 
noch mehr westl. in weiterer Ferne erheben sich der Meissner 
und der Heldrastein bei Treffurt, und in weitester nördl. 
Richtung iim säumen die Hainleite mit dem Possenturm und 
der Harz mit dem Brocken den Horizont; im Mittelgrund 
strahlt das Schlofs Friedenstein. 



28. Von AValtersliaiiseii, Reinhardsbriiiin, 
Friedriclu'ocla nach dem. Inselberg". 

Von Fnedrichroda geht täglich morgens ein Omiiilms über den 
Heuherg nach dem ItiseWery, 1 Mk. 50 Pf, nachmittags über Tinizhuchi, 
Lmtchci-Grimd, Gro/s-Tabarz ziu^üct nach Friedriclirodti, 1 Mk. oC Pf. Im 
folgenden beschreiben wir die Wege für Fufsgänger genanei-. 

Nach dem Inselberg' führen folgende Wege: 1) über 
Schnepfenthal, Waltershausen, Tabarz dui'ch den Laucha- 
grund; 2) über die 3iarienglashölde, Tabarzer Schiefshaus in 
den Lauchagrund; :]) durch den Ungeheuren Grund über die 
Tanzbuclie; -4) über Friedrichroda, vom Herzogsweg über den 
Abtsberg (Wegweiser! I und die Tanzbuche (direktester Weg 
2-';4 St.j; 5) über Friedrichroda und Heuberg; 6) durch das 
Kühle Thal nach Heubergshaus. 

Erster Weg. Von der dem Bahnhof in Waltershausen 
entgegengesetzten Seite der Stadt leitet ein chaussieiter 

Griebens Keise-Bibl.: Thüringen. (IG. Aufl.) 7 



Qg 28. Vün Waltcrsliausen utc. nach di'm Inselbeig. 

Weg nach den V'^ St. weiter Uey-euden Dürfeni Klein- und 
Grofs-Tabarz und Kaharz. Vor erstgenaiuiteni lie»-t das 
Jaijdltans (treftliclies Bier), wo man unter schattigen Bäumen 
der lluhe pÜeyen und sicli am liundgemähle , dessen Haiipt- 
zierde der herrliche Lauchagruud mit dem Inselberg- im 
Hintergrund bildet, ergötzen kann. Nachdem man das statt- 
liche Dorf (lirors-Tabarz (*^V•Aü•/»//c^»,s, mit Garten, gute 
Küche, als Pension zu längerem Aufenthalt empfohlen; f^. 
Gläücrs Kurhans, schön gelegen am Eingang des Lauclia- 
gruiuls, mäfsige Preise, gelobt; Gastliof ziivi, Felsentluil. mitten 
im Dorf, gut; Gasthof zian Thorstehi, billig und gut) durch- 
schritten, betritt man wieder das Gebirge. Weit angenehmer 
ist aber der Pufsweg, der hinter dem letzten Hause von 
Waltershausen I. von der Chaussee abbiegt und da, wo er 
wieder al)wärts gelTt, einen herrlichen Blick auf die Dörfer 
und den Lauchagrund gewährt. Er kommt in das Dorf, wo 
der direkt von Keinhardsbrunn nach Tabarz führende Weg 
einmündet, kurz vor dem Gasthof zum Thorstein. 

Der breite, liebliche ^Laucliaarrund öffnet sich beim 
Grofs-Taharzer Schiefshaus, dem oben genannten Gasthof. 
Es bleiben nun der Datenbeig zur rechten und der Zimmer- 
berg zi;r linken Hand. An diesen schliefst sich der Ucbelberg 
(s. S. 100) und w^eiter der Aschenbery an. Der Lauchagrund, 
durch eine Anzahl Villen geschmückt, imischliefst das Bad 
Laucha für Luftkur mit Logierhaus und Pension und liat 
eine von herrlichen Baumgruppen umgebene Porzellanmasse- 
Mühle. Nicht weit von der ]\Iassemühle betindet sich ein 
Felsen, der das Backofenloch heifst. Man kann auf Stufen 
zu demselben emporsteigen und hat von hier aus den ersten 
schönen Anblick des Thorsteins. Das Thal wird nun enger 
und wilder: die Bergwände zu beiden Seiten, nun schon ab- 
w^echselnd mit Laub- und Nadelholz bew^achsen, fallen steiler 
ah; imposante Porphyrfelsen erheben sich mit dicht stehenden 
Fichteugruppen, und in den Ritzen wuchert Gestrüpp oder 
der prächtige rote Fingerhut. Zur Linken steigen der mit 
einem Kreuz bezeichnete Asclienbergstein und der Bärenbruch- 
stein empor, (iSo m hoch; zur Hechten, im Kranze hochge- 
türmter Felssäulen, der Ritterstein, wo die hölzerne Statue 
eines Jägers angebracht ist. Nach etwa V2 St. vom Schiefs- 
haus aus teilt sich die Strafse; man gehe 1., r. geht's ins 
Felsenthal. Nach Avenigen Schritten führt ein Ful'sweg 1. 
nach Aschenbergstein und Bärenbruchstein; diesen beachten 
Avir nicht, sondern gehen r. bergan, in SchlangenAvindungen, 
zum *Tliorstein, einem stattlichen Porphyrfelsen, so benannt, 
Aveil sich in seiner Mitte eine von der Natur gebildete, ziemlicli 
weite und tiefe Thoröft'nung befindet. Mau gelit hindurch 



28. Von Waltershauseu etc. nacli dem Inselberg. 99 

lind dauu auf mehreren Stufen auf das seinen Gipfel bildende 
Plateaii, wo man einen Überblick des herrlichen Felsenthaies 
hat, durch dessen Waldesnacht und .Steinlabyrinthe (1. der 
Ritterfelsen, gegenüber der Aschenbergstein und Bäreubrucli- 
stein) die wilde Laucha rauscht. 

Durch dichten Wald führt der Weg in 5 Minuten an der 
Grenzwiese entlaug, wo ein Stein die (vormals hessische) 
preufsische und gothaische Grenze andeutet. Hier erblickt 
man r. den steilen Bergkegel des Inselberges; nach 10 Min. 
Wegeteüung (zAvei vorher nach r. abgehende, schmalere und 
weniger betretene Wege beachte man nicht), r. ziemlich eben, 
dann abwärts, über einen kleinen Bach, dann wieder auf- 
wärts, nach ferneren 10 Min. niclit 1. ab, sondern geradeaus 
bergan; nach 7 Min. ül)er die 1. von Brotterode kommende 
Chaussee fort in den Wald, weitere 10 Min. freie Stelle und 
Bank, hier r. am Inselbergstein steil hinan, 10 Min. Avieder 
die Chaussee, entweder über dieselbe weg geradeaus den 
Fufsweg weiter zum Gothaischen, oder eine kurze Strecke 
auf derselben fort, dann 1. ab zum Prenfsischen Wirtshaus 
auf dem Insel berg. Im ganzen V/i St. vom Thorstein. 



Zweiter Weg. Der Weg von Reinhardsbrunn auf 
den Inselberg geht am untern Teich im Park zur Rechten 
des Abtsberges*) vorüber und dann in einem waldumfriedeten 
Wieseugrund, in welcliem mau ein Häuschen bemerkt (^'4 St.). 
Hier Eingang zur *Marienliölile (Marienglas) im Blich ij/, 
einem stillen Hain am Ful's des Sclioru, dem nördl. Abfall 
des hohen Abtsberges. Die Höhle wird im Hochsommer 
Sonntags durch kleine Flämmchen erleuchtet, an den Wochen- 
tagen durch bengalisches Licht (50 Pf. ä Person). Nachdem 
man sich gehörig abgekühlt, geht man in den 160 m langen 
Stollen, den sog. Herzog-Ernst-StoUen. welcher mit einer 
Grotte endigt. Das Licht bricht sich in Millionen Strahlen 
an den abenteuerlich geformten, durchsichtigen Säulen und 
Wänden. (Hier sind meistens Führer auf den Inselberg 
[1 Mk. 50 Pf.] zu linden.) — Auf waldigem Fufsweg wandert 
man in ^ii St. bis zum Tabarzcr Schiefsliaus^ von wo ab man 
den Weg bis zum Inselberg verfolgt, wie er oben (erster 
Weg) angegeben ist. 



*) Der Abtsberg bietet auf der Höhe, an der Mitte des Berges, 
■wo an schattiger Stelle ein geebneter Ranm mit Rnhebänken an- 
gebracht ist, eine reizende Aussicht auf Reinhardsbrunn sowie auf 
die Ebene bis über Gotha hinaiis. 



100 -^. Der Iiisclberg. 

Der dritte Wejj' fülirt von der Rciuliardslinuin-Tiiharzer 
Strafse 1. ab, wo ein liellei' Gebiro-,sl)ac;li, das I^adewasser, 
unter dichter Ficlitenwaldunfj- lierabÜiu-Ist. Das präclitij>:e. 
enge Thal, durcli dessen waldige Pforten man tritt, heilst 
der *U-ngclu'Hrc (h-mid^ nielit mit Recht so genannt, da er 
vielmehr sehr anmutig ist. An seiner rechten Seite (also 
von Reinhardsbrunn 1. ) gipfeln sich der Scliorn, der Fiditen- 
haclier Stein, der TrUfcudc Stein (mit kleiner Kaskade) und 
der Si))iiitet>il)er(i mit dem Siinmetshcrgstein empor. Hier giebt 
ein Wegweiser (dessen einer Arm den Pfad nach dem Simmets- 
bergstein und der V2 St. davon entfernten Tanzbuche [s. S. 94] 
zeigt) r. den Weg zum stattlichen Felsenkamme des Kickel- 
hahnspntnjjes an. Weiter oben leitet eine enge Steintrepjie 
auf das Plateau des Felsens, und man sieht nun in den von 
steilen Waldbergen eingeengten Ungeheuren (irrund hinab. 
Von hier gehe man bis zum Wegweiser zurück und verfolge 
die Strafse zur Tanzbuche und zum Inselberg, den man auf 
der Wiese vor der Tanzbuche klar und deutlich vor sich 
liegen sieht. 

Nach 1/4 St. weiteren Steigens vom Kickellialinspriing ab er- 
reiclit man., (l'/o St. von Beinhardsbrunn) auf guten Pfaden den 
Gipfel des Übelberges. Die Aussiclit, welche frülier zu den schöiisten 
des Gebirges gehörte, ist fast vollständig verwachsen. Vom Übel- 
berg zum Aschenbcrgstein nehme man wenn möglieh einen Führer 
mit, weil die Wegweiser nicht immer an den geeigneten Stellen axii- 
gestellt sind. Man geht auf breitem Wege bergab, hält sich rechts 
und erreicht in 20 Min. den Aschenberf/sirin, eine droliende Klippe, wo 
man an schattiger Stelle beim Kreiiz eine Ruhebank findet. Hier 
wieder ein Bild herrlicher Gebirgsnatiir. Man schallt hinab in die 
waldige Tiefe und sieht sieh rings von Felskolossen umstarrt, deren 
bedeutendster, der BürenbriichxUin, zur linken Seite aus der Tiefe des 
Thaies aufsteigt. Gegenüber bemerkt man den 7'/'0»s/(/)i imd dahinter 
den Inselberg; doch ist die Spitze tles letzteren hier diirch den Insel- 
bei'gstein verdeckt. — Nun abwärts, 15 Min., zu einem Wegweiser, 
der zum Thorstein 1. zeigt. Der Thorstein und der Weg von hier zum 
Inselberg S. 98. 



29. Der Inselbeig-. 

Zwei g\Tte Gasthöife auf dem Inselberg gewähren den Eeisendeu 
freundliche rnterkiinft: f (rotliuisc)iei- ijnstlmf (F. Naumann); Zimmer 
mit Bedieming 1 Mk. .50 Pf. — 3 Mk., Mittagessen 2 Mk., 2 Mk. 50 Pf. 
und 3 Mk., nach der Karte zu jeder Tageszeit, Sommer und Winter 

feöffnet; fFreu/siaclier Gasthof (Louis Lauglotz), mäl'sige Preise; von 
oiiristcn viel besucht, Tiroler Rotwein ä 1 Mk. 50 Pf, gute Fische. 

Obgleich der *Inselbcrg der Höhe nach der siebente 
Berg im Thüringer Walde (910,5 ni) ist, ragt er doch wegen 
seiner schönen F(n-m, seines Umfanges und seiner die Um- 
gegend weit beherrschenden Lage weit hervor und kann als 
der beliel)teste Aussichtspunkt Thüringens gelten. Mau 



29. Der Iiiselberg. 101 

schätzt die Zahl der jährlichen Passanten auf über 50 000. 
Der Inselberg- hiefs früher Enzenberg (d. h. Riesenberg) oder 
anch Emsenberg, weil die Ems (Emsenbach) an ihm entspringt. 
Ein auf dem Gipfel beündlicher, dem Besitzer des Preufsischen 
Gasthofs gehöriger Turm sowie ein höherer, trigonometrischer 
Turm, welcher durch den Besitzer des Gothaischen Gasthofs 
den Fremden zugänglich gemacht ist, ermöglichen die volle 
Kundsiclit. Neben diesem ein Denkmal. Avelches dem ausge- 
zeichneten Pädagogen „K. V. Stoy seine Jenaer Schulge- 
meinde auf der Reise ISSö" errichtet hat. Der Inselberg ist 
jetzt die höchstgelegene Wohnung im Thüringer Wald (die 
Schmücke ist nur 911 m hoch). 

Ein herrliclier, jetzt viel besuchter Aussichtspunkt ist 
der Eeitsfein (Franzeis Ruh), vom Preufsischen Gasthof 
hinunter 10, herauf 15 Min. 

Um das Schauspiel des Sonnenunterganges in voller Ruhe 
gemefsen zu können, richte man sich so ein, dafs man in den 
Nachmittagsstunden eintreffe, wo in der Regel der Horizont 
am reinsten ist. Weit seltener ist ein klarer Sonnenaufgang, 
weil die Morgennebel oft so stark sind, dafs sie der Kraft 
der Sonnenstrahlen bis 8 oder 9 Uhr widerstehen. Wie hierbei 
die Nebel als dicke Wolken allmählich niederfallen und dann 
wieder emporsteigen, und wie dadurch bald diese, bald jene 
Gruppe ans Licht tritt und auf Augenblicke wieder ver- 
seil windet, bis endlich die Aussicht ganz frei wird, und die 
Landschaft wie ein bunter Teppicli ersclieint, ist ein in hohem 
Grade sehenswerter Anblick. 

Steigt die Sonne höher, so zieht sie die Dünste an sich, 
welche die Fernsicht hindern. Bei einem Gewitter blitzt und 
donnert es häuhg unter uns, während über uns die Sonne in 
vollem Glänze scheint. 

Wendet man sich nach Osten, so zeigen sich unmittelbar 
im Vordergrund der reizende Lauchagruud mit seinen Fels- 
partien und die grünen Schluchten beim Grofsen Wagenberg, 
zwischen denen das Jagdhaus Tanzbuche auf grüner Matte 
gebettet ist. Weiter iiördl. liat mau schön belaubte Berge 
vor sich, den Übelberg, Zimmerberg und Datenberg, und am 
Ausgang des Tlials die reizende Dörfergruppe bei Tabarz; 
darüber Langenliain. und r. davon schaut Schlofs Tenneberg 
aus der Tiefe des Waldfriedens hervor. Im östl. Mittelgrund, 
in der Richtung zwischen dem Grofsen Wagenberg und dem 
Ubelberg. sieht man den Kienberg und an dessen Fufs die 
Türme der Stadt Ohrdruf ; näher den Kandelaber und daneben 
Katterfeld in der Tiefe. Der spitze Berg am fernsten Saum 
des Horizonts ist der Fuchsturm bei Jena. Von Osten nach 
Norden sicli wendend, treten im Hintergrund der Steiger bei 



1()2 •''.I. Vuiii Insflberg nach Liobenstein und Alttnstein. 

Erfurt. (I«r Ettersberg bei Weimar, vor Avelchem die Türme 
von Erfurt aufsteigen, weiter die Eckardtsburg-, endlicli, in 
immer nördlicherer lliclitung, der ferne Kyifhäuserturm, der 
Possenturm l)ei Soiidershansen und daliinter (nfirdl.) der Harz 
mit dem Brocken dem Blick entgegen. Im ^littelgrund leuchtet 
aus der Tiefe Sclilofs Friedensteiu herauf. Von Süden nacli 
Osten breitet .sich das Gebirge mit seinen zahlreichen Berg- 
kuppen aus, ein überraschender Anl)lick. Es schliefst mit 
dem grofsen Hermannsberg, Donnershaugk, Schueekopf und 
Kickelhahn. Nach Westen zu erheben sich der Tröhberg, 
3Ieifsenstein und Wachstein bei Ruhia; mehr nordwestlich 
schaut man auf das von steilen, dunkelbelaubten Bergen lun- 
friedete Dorf Wintersteiu hinab; weiterhin (in der Richtung 
des fernen Harzes) erhebt sich der Hörselberg mit seinem 
langen Rücken, und mehr westl. die Wartburg mit den reichen 
Schattierungen der Wälder. Dahinter legt sich der IMeifsner 
quer vor, und selbst die Wilhelmsliöhe bei Kassel ist im 
fernsten Nordwesten sichtbar. In südwestl. Richtung bilden 
der Bleis, die Stopfeiskuppe. Cieba und (xleichberge bei Röm- 
hild den schönsten Hintergrund, und in noch -weiterer Ferne 
zieht sich in scharfen, lichten Umrissen die Hohe Rhön hin. 
In gröfserer Nähe macht sich der Dolmar bemerkl)ar, und im 
Vordergrund breitet sich Brotterode im waldigen Thal- 
kessel aus. 

30. Vom Inselberg: nach Liebenstein nnd 
Altenstein. 

Wegebezeichnung : rot: Venetianerstein 1 km, Brotterode 5, Mommel- 
stein 9 (von ila nach Kleinschmalkalden 3 km, blau), Wasserfall 13, 
Liebenstein 19 lim. 

Erster loliuendster Wesr über Brotterode (rot). Der 
jetzt in gutem Zustand l)etindliche Fufsweg geht unmittelbar 
am Preufsischen (Gasthof hinal) und führt, wenn man aus dem 
Gehölz heraustritt, gerade auf die Kirche von Brotterode zu. 
Dieser Weg ist der kürzeste nach Brotterode. 

(1 St.) Brotterode am Inselberg-Cirraben {Tnselberger Hof, 
gut; Thiiriuj/er Hof: Adler, zugleich Brauerei und Bade- 
anstalt; Pension bei Frau Kürxcliner. gelobt, Post nach 
Liebenstein. Friedrichroda und Schmalkaldeu), 575 m über dem 
3Ieeresspiegel. ehemals kurliessischer. jetzt preufsischer Markt- 
flecken von 290() Einw., ist ein empfeldenswerter Aufenthalts- 
ort für an den Respirationsorganen Leidende. Vom Mommel- 
stein (^/o St.) schöne Aussicht. 

Naciidem man den Flecken der Länge nach dui'chscliritten 
hat. öffnet sich zwischen waldigen Hügeln ein anmutiges 



30. Vom Inselberg nach Liebenstein und Altenstein. 103 

Wiesenthal. Demselben zusteuernd, kommt man in V4 St. 
au einer Schleifmühle und dann an einer Stahhvarenfabrik 
vorbei. Die Strafse geht bergunter in da.s Tlial; zur Rechten 
mündet der Beerbach und Vi St weiter der Lautenbach ein. 
Dieser Bach und das am Ausgang des Thaies gelegene 
Dörfchen Trusen gaben demselben den Namen Lauteubach- 
Thal oder Truseu-Thal. Bis zur Einmündung des Lauten- 
bachs trägt es einen rein idyllischen Charakter. Die Wiesen, 
an welchen der plätschernde Bach munter vorbeihüpft, sind 
mit kostlichem Grün bekleidet, und der Waldesrand, der sich 
bis zur Chaussee hinabzieht, besteht aus den kräftigsten 
Buchen. Bald ändert sicli die Scenerie; die Wiesen ver- 
schwinden, das Thal wird eng und Avild; Felsen, regellos auf- 
einander geschichtete Blöcke und Geschiebe gewinnen die 
Oberhand. Xach Vj-, St. von Brotterode aus erweitert sich 
der Grund, und in der Tiefe zeigt sich das stattliche Dorf 
Herges, ihm gQS^Qmxh^v Au-Wallenbnrg, überragt von dem 
oU m hohen Turm iler hochgelegenen Ruine Wallenburg. 
Eine kleine Viertelstunde vor dem Dorfe Herges überrascht 
r. ein grofser ^Wasserfall, der in geteilten Armen von einem 
mächtigen Porphyrfelsen, angeblich 5U m hoch, schneeweifs 
herabstürzt, ein imposanter Anblick. Der Wasserfall ist kein 
natürlicher, sondern eine künstliche Anlage. Das Wasser 
wird in einem langen Graben aus dem Trusenbach bis zu 
dieser Stelle geleitet. Im f Gasthof zicm TrHsenthaler Wasser- 
fall (Ittershageu) giebt es Forellen und treffliches Bier; auch 
SoHlmeraufenthalt mit Pension. Dem Gasthaus gegenüber 
führt ein schöner Promenadenweg oberlialb des Wasserfalls 
entlang nach einer Stelle, an der früher eine Köhlerhütte 
stand; jetzt sind hier zwei Tische, zwischen welchen der Fufs- 
weg nach Liebenstein seinen Anfang nimmt; man hat hier 
eine schöne Aussicht nach dem Rhöngebirge und dem Werra- 
Thal. Diese lohnende Partie nimmt '/o St. in Anspruch; von 
hier auf neu angelegtem Wege gleicli weiter über Hohe 
Klinge, am Eselssprung vorbei, in V^ St. nach Liebenstein. 

Im Dorf Herges- Yogtei (Gasth. zum Trusen-Thal) zweigt 
sich die Chaussee nach Liebenstein (IVo St.. Post mittags) 
von der nach Sclimalkalden r. ab und leitet hinauf nach dem 
unmittelbar am Wege gelegenen Eisenbergwerk Mommel. wo 
jährlich 100 000 Ctr. Eisenstein zu Tage gefördert werden; 
das Bergwerk ist leicht zu befahren und wird gern gezeigt. 
Hinter dem Dörfchen Beirode führt auf der Höhe, wo sich 
die Strafse nach 1. wendet, ein Fahrweg r. zur Ruine Lieben- 
stein ab. 

Bei Beirode durchschneidet der AVeg das sich von Norden 
nach Süden mehrere Stunden laus: erstreckende Thal des 



lOi •^*J' Vom Iiiselbery; nach Liebenstein und Altcnstein. 

Farrenhaches^ wegen tlei- heÜDii, sich im Grunde hinziehenden 
Wiesen, der praditiy-yii Bdklridiiny seiner J]erg-e mit Kuchen 
und anderem Laubholz und Felspartien vnrzui,fsweise das 
Thüringer Thal genannt, häutig das Ziel der Liebensteiner 
Badegäste. Der hervorragendste der Felsen heilst der Esels- 
sprumj. 



Zweiter Weg' (Führer bei einiger Aufmerksamkeit ent- 
belirlich) geht auf dem durch Grenzsteine bezeiclmeten Renn- 
steig (weifses R. nur in den gothaischen Forsten wurde die 
Anbringung des li niclit gestattet) fort (I. kommt man nacli 
Brotterode), uacli ^4 8t. r. der Vcnetiaiicrsfein mit schönem 
Blick in das Inselbergsloch, nach weiterer ^ 4 St. 180 Schritte 
1. vom Wege der Bccrheriistein mit lohnender Aussicht auf 
Brotterode, und nach ö Min. den Fahrweg 1. hinab (Weg- 
weiser!). Unten wähle man den betretenen Weg r., der nach 
^/4 St. auf eine Wiese führt; dann beim Stein No. 13 gerade- 
aus bis zum ('/4 St.) Bergplateau, wo der Dreiher renstein 
die Grenzen von Meiuingen, Gotlia und Preufsen bezeichnet. 
Nun entweder geradeaus, den gelben Strichen nach, durch 
das lliüriiiger Thal^ oder r. bergab auf dem Kiesweg 
nach Kuhla zu. bis zwischen Tanneugebüsch in südwestl. 
Richtung (BI) der Rennsteig 1. abzweigt, welcher nach einiger 
Zeit in eine neu angelegte Strafse übergeht. Wo die Alten- 
stein-Ruhlaer Chaussee ('/i St.) sichtbar wird, steigt r., der 
Gerberstein empor (S. 110") und läuft 1. ein schmaler, unschein- 
barer Fufspfad (braun) ab in den Wald und an einer AViese 
entlang in 10 Min. zum Luther-Denkmal bei dem Liither- 
hrunnen und der Lvtherbiiche, von der nur noch ein Ast 
übrig ist; nach der Yolkssage rastete hier Luther, als er, 
am 4. 31ai 1521 vom NYormser Reichstag zurückkehrend, nach 
AVittenberg reisen wollte uuil durch die Fürsorge des Kur- 
fürsten Friedrich des Weisen heimlich auf die Wartburg ge- 
führt wurde, um ihn den Nachstellungen seiner Feinde zu 
entziehen. Der Herzog Bernhard II. von 3Ieiningen liefs am 
•1. 3Iai 1857 eine 10 m hohe Samlsteinsäulc mit Inschriften 
auf dem freien Platz vor der Buche aufstellen. 

Die neue Strafse geht in ^/^ St. nach Altensteiu hinab 
und dann 1. V2 '^t. weiter nach Liebensteiu. 

Da man auf diesem letzten Weg das Trusenthal nicht 
berührt, den Gerberstein aber wie auch das Lutherdenkuuxl 
auf dem Wege von Liebenstein uach Ruhla besuchen kann, 
so ist der erste Weg vorzuziehen. 



13. Bad Liebenstein und Sclilofs Altensteiu. 105 



31. Bad liiebensteiii und Schlofs Altenstein. 

Gasthöfe: f Hotel Müller, altbewährtes Haus, täglich 1 '/.j— 3 Mk., 
wöchentlich 7 — '24 Mk., tägliche Pension mit Zimmer und Bedienung 
4.50—6 Mk. — Martinyx Wasserlieilanntalt mit Logierhai^s (Besitzer Dr. 
Hesse), Z. wöchentlich 5—20 Mk., Table d'höte 1,20—2 Mk! — Belkvue, 
nebst Logierhavis und grol'sem Garten, und Kurliauii mit dem Lunrjeii 
B"U (zusammengehörig I. Drei grofse Speisesäle, über hundert Zim- 
mer. Z. täglich 1—5 Ä., F. 70 Pf. bis 1 Mk., Diner l,.50-2 Mk. Abend- 
essen nach der Karte. Pensionspreise 4,50 — Mk. — fMeüihif/er Hof, 
empfehlenswert, Logis von 1 Mk. 25 Pf an, Mittagstisoh 1 Mk. 50 Pf. 
— Villa Hohatia (Frl. Meiicke), gute Damenpension, empfohlen. — Villa 
Rothe. — Oonitermnnmt Hotel und Pension. Z. wöchentlich G— 21 Mk., 
M. 1 Mk. bis 1 Mk. 50 Pf, F. 60 Pf — Schneiders Gasthaus, von Tou- 
risten viel besucht. — '/4 St. von Liebenstein entfernt: Wangemuntis 
Bury, gegenüber dem Altensteiner Felsen, nait Pension. 

Restaurationen: BierkeUer, hinter dem Erdfall; Guter Humor, Milch- 
■wirtschaft; Rest. Reiclishölie, am Marienthaler Wäldchen. 

Bahn von Liebenstein nach Immelborn, Station der Werrabahn. 

Fuhrwerk in allen Gasthöfen u.nd Privatfuhrwerke. 

Telegraphenstation täglich von 7 — 12 Uhr und von 2 — 8 Uhr. 

Theater während der Saison. 

Konzert der Badekapelle morgens 7 — 9, nachm. S'/a— ö'/2 Uhr. 

Liebeusteiu ist sowohl Mineralbad wie auch Kulticusserheilanstalt, 
Terrain- und Motkenkurort. Fichtennadel-, Sol- und Eisensolbäder. 
Neues Badehaus und Wasserheilanstalt, allen Anforderungen der 
Neuzeit entsprechend. 

Taxe für Fuhrwerke, von der Behörde festgesetzt, hängt überall aus. 

Bezeichnete VTegre: 

1. Liebensteiu, Lxitherbuche, Rennsteig (Weg nach Rulila) — braun. 

2. Liebenstein, Thüringer Thal, Dreiherrenstein (Weg zum Inselberg) 

— gelb. 

3. Liebenstein, Lautenbach, Triisenthal — rot. 

4. Liebenstein, Eselssprung, Klinge — blau. 

Bad Liebeusteiu ist ein freuudliclies meiiiiug-isches Dorf 
mit 1"20Ü Eiuw., Tliürins^ens ältester Badeort. L)ie trefflich 
gehaltenen Anlagen und Promenaden befinden sich in un- 
mittelbarer Nähe der Logierhäuser und erstrecken sich in die 
nahe liegenden Wälder. Die Wasserheilanstalt von Martinj' 
ist in den Besitz des Sanitätsrat Dr. Hesse übergegangen. 
Neues, sehr elegantes Badehaus mit durchweg heizbaren 
Räumen. 

An einem sanften Abhang erhebt sich das Kurhaus, an 
dessen Vorderfront ein schöner, von Kastanien und Linden 
beschatteter Platz mit Terrasse, wo des Morgens und Nach- 
mittags Konzert ist. Vor dem Kurhaus steht ein Brunnen 
mit der Statue der Hygiea von Bronze, mit zwei wasser- 
speienden Greifen (vorzügliches Trinkwasser) An der andern 
Seite des Brunnens ist der sogenannte Lange Bau. Hinter 
dem Kurhaus am Bergabhang der Italie^iische Garten mit 



lOJ 31. Bad Liebensteiii und Schlofs Altenstein. 

hübschen Anlagen, daneben die Villa Feodora des Herzogs 
von ]\[einingen, mit seliünen Fnssken von Richter in München. 
Einige neue, stattliche Hänser sind neben der Trinkhalle, an 
der ProiiKinad«^ entstanden, nnd hinter diesen führt ein 
breiter Weg an der Villa Georg vorüber zu der am Saum 
des WabUis auf grüner IJergwiese gelegenen einfachen Kirche. 
An der andern Seite der mit Bäumen bepflanzten Chaussee 
behndeu sich das Palais der weimarischen Prinzen (Neben- 
linie vom grofsherzoglichen Hause), mit Säulenportal und 
Glaskuppel, und das Scha-aspiclhans, in dessen Nähe die alte 
HanpUinelle unter einer TempelluiUe hervorquillt; daneben 
zwei neue Trinkquellen. 

Unweit des Kurhauses geht der Weg durch schönen 
Buchenwald hinauf zur Burg Liebeiisteiu, deren Zinnen 
hoch in die Lüfte ragen. Am Weg ist der verstorbenen G-e- 
niahlin des Herzogs Bernhard von Weimar eine kleine gotische 
Spitzsäule, errichtet mit deren Brustbild und der Inschrift: 
„Was vergangen, kehrt nicht Avieder, aber ging es leuchtend 
nieder, leuchtet's lange noch zurück." — Die sich an der 
Nordseite des Bades erhebende Burg bietet nacli allen Seiten 
jirächtige, wechselvolle Aussichten. In nördl. Richtung legt 
sich der Thüringer AVald quer vor und birgt in seinem tiefen 
Schofse den von den dichtesten und herrlichsten Buchen- 
wäldern umstandenen Waldüecken Steinbach. Mehr 1. sieht 
man die Felsen im Altensteiner Park emporragen; daneben 
(1.) Glücksbrunn und Schweina; das breite Werrathal, Barch- 
feld mit seinem Schlofs, das Städtchen Salzungen jenseits 
der Werra und mehr südl. Herren- und Frauen-Breitungen 
nehmen sich besonders vorteilhaft aus. In der Richtung nach 
Wasungen tritt der Dolmar mächtig hervor. In westl. Rich- 
tung dämmert das Rhöngebirge in blauen Konturen herauf. 

Die Burg gehörte den Herren von Stein, die sie von den 
thüringischen Landgrafen, später von den Herzögen und Kur- 
fürsten von Sachsen zu Lehen erhalten hatten. Sie wurde im 
Jahre 150G zerstört, als man die Reichsexekution über Asmus 
von Stein verhängte, der sich als Anhänger des Herzogs 
Johann Friedrich des Mittleren bei den Grumbach'schen Hän- 
deln beteiligt hatte. 

V4 St. nördl. von der Burg sind auf dem Kamm eines 
"waldigen Hügels einzelne Felsstücke Avie Coulissen anein- 
ander gereiht. Dieser Platz heifst das Felseii-Tlieiiter; der 
Volksmuud bezeichnet ihn mit dem Namen: „Hohle Scheuer". 
In der Nähe des Felsen-Theaters steht eine sehr schöne 
Buche, „Benonibuche" ; sie hat einen ganz glatten Stamm 
bis zu l'2Vo m und einen Umfang von über .! m mit einer 
schönen Krone; ein neuer Promenadenweg füiirt zu der Buclie. 



31. Bad Liebenstein und Schlofs Altenstein. 107 

Vom Plateau des Felsen-Tlieaters betritt man den sicli 
an der Berglehne herumziehenden Weg-, zu dem zwei Stein- 
treppen hinabführen. Man geht auf ihm 1. aus dem Walde 
und gelaugt über einen, freien Platz wieder ins Gehölz des 
Burgberges, wo man bald r. einen Feldweg bemerken wird. 
Dieser führt über die Wiesen in ^'o St auf die Chaussee 
zwischen Liebensteiu und Altenstein. Die Felskolosse des 
Alteusteins und die Chaussee behält mau stets im Auge. 
Man kommt an Wagnas Restanration und Gasthof, gewöhn- 
lich Wangemannshurg genannt, vorbei und sieht die in einem 
Kranze stattlicher Bäume gelegenen palastähnlichen (J-ebäude 
von Glückshrunn mit der Kammgarnspinnerei des Herrn 
von WeiTs vor sich. Unmittelbar daran schliefst sich 
Schweiua (Traube, sehr billig und gut; Krone), ein indnstrie- 
reicher Marktflecken. Auf dem Kirchhof die Grabstätte 
Fröbels, nebst Denkmal. An der Stelle, wo die Chaussee 
schroff zum Altenstein emporsteigt, bemerkt man 1. einen 
von schattigen Bäumen umgebenen, mit Bänken versehenen 
Platz, wo der drohende Felsen des Hohlensteins aufsteigt. 
Au seinem Fufs gewahrt man den Eingang zur 100 m langen 
Glücksbrunner, Liehensteiner oder Alteiisteiner Höhle, die 
man erst betrete, wenn man sich völlig abgekühlt liat. Der 
Führer zu derselben (er weilt gewöhnlich am Eingang, sonst 
ist er im nahen Gasthaus von Wagner zu erfragen) erliält 
75 Pf. von jeder Person. Sonntags von 11 bis 1 Uhr wird 
die Höhle erleuchtet (Entree 1 Mk. 50 Pf.), und ein Musik- 
corps spielt wälirend dieser Zeit in ihren Käumen. Die kühne 
Wölbung der Haiiptgrotte und der Umstand, dafs man in 
ihr mit einem Kahn auf einem kleinen See fährt, sowie das 
Rieseln einer in der Höhle hervorbrechenden Quelle machen 
einen wunderbaren Eindruck, und es wird auch die bei der 
Annäherung an die Haupthöhle plötzlich hervortretende 
Aveifse, mit Blumen umgebene Büste des Herzogs Georg ihre 
Wirkung nicht verfehlen. Die bei der Entdeckung der Höhle 
(1799) vorgefundenen Knoclien vom Höhlenbär (ursus spelaeus) 
sind im Bleininger Museum. 

Auf der mit hohen Bäumen bepflanzten Chaussee geht 
man in 20 Min. zu dem sehr geschmackvoll umgebauten 
Sclilol's Alteusteiu, der mit Schlingpflanzen und Rosen- 
büschen umkränzten Sommerresidenz des vorigen Herzogs 
von Meiningeu; unterlialb der Schlofsterrasse eiuo scliöne 
Fontänenanlage. Slan überschreitet das vor dem Schlofs ge- 
legene, mit schönen Blumen und ausländischem Strauchwerk 
bepflanzte Plateau. Einige hundert Schritte weiter vor dem 
Schlofshof ein gutes Gasthaus. 



JQg 31. Ua(i Lii'bensteiii und Sclilofs Altenstein, 

]\Iiin kann aber auch einiii:e Scliritte hinter »lern Einganja: 
zur Höhle r. einen Fulsweg emporsteigen und dann r. durch 
eine kleine Mulde zu einer Grotte und von dieser zu dem 
Chinesischen Häusclien gehen, von dem aus man I. zum 
Blumenkorb gelangt. So kommt man durch den Park zum 
iSchlofs. 

Der *Alteiisteiner Park (die Sehenswürdigkeiten des 
Parkes erfordern etwa 3 St. Zeit) ist einer der schönsten 
Naturparke Deutschlands. 

Wer die Aulagen nicht ganz durchwamlern will, mag 
Avenigstens auf den Chinesischen Temi)el und einige Schritte 
höher r. zur Bastei (Felsenvorsprung mit Gitter und weilser 
Bank) hinansteigen: gegenüber der Wangemannsburg den 
Promenadenweg in die Höhe, oben r. (20 Minuten) Halb- 
rundsicht von Glücksbrunn bis Liebenstein und Burg, im 
Hintergrunde Berganiphitheater. Unterhalb des Chinesischen 
Tempeis ist die (verschlossene) Aeolsharfe. 

Man geht zuerst nach dem Schlofs, um von der an- 
grenzenden Blumenterrasse das entzückende *Panorama zu 
betrachten. An der Rückseite des Schlosses trifft mau noch 
die unbedeutenden Rudera der auf felsigem Torso fufsenden 
und von Gestrüpp und Epheu umschlungenen früheren Burg, 
auch Xeuenhnrg genannt, weil sie, durch den Bauernkrieg 
hart mitgenommen und verwüstet, 1550 neu erbaut worden 
ist. Sie war, nachdem sie oft die Herreu gewechselt, Eigen- 
tum des Kurfürsten Friedrich des Weisen, dei' sie 1492 als 
Leheu au die Hunde von Wenkheim abtrat; nach dem Er- 
löschen dieser Familie fiel sie an den Herzog von Meiningen. 
Im Jahre 17oo ging sie in Flammen auf. 

Gleich dahinter trifft man die im Geschmack des Mittel- 
alters erbaute Rittcrkapelle, wo altertümliche Geräte, VVaffen 
und Rüstungen gezeigt werden. Die Fenster enthalten Glas- 
malereien (Einzug in die Arche Noahs, Sauls Salbung, Jesus 
und die Samariterin. der Apostel Philippus etc.). Man wan- 
dert nun hinauf zur Tev felsbrücke, einer schwankenden Holz- 
brücke, welche, über eine enge Schlucht gespannt, zwei zer- 
klüftete Felsen mit einander "verbindet. Hier bietet sich eine 
Rundsicht, wie man sie ähnlich schon von der Terrasse ge- 
habt hat. AVeiterhingeht es durch Wald in eine enge Wald- 
schlucht, in deren Hintergruiul sich ein pittoresker llVf.wcr- 
fall über die Felswaiul liinabstürzt und einen Teich bildet. 
Die üppigste Wald Vegetation umkleidet diesen idyllischen 
Punkt. Nun wendet man sich r. in den ronninfischeu Ecken- 
zeller Gnmd, wo auf blumenreicher ]\latte ein im Schweizer- 
stil erbautes Häuschen den Blick fesselt. Von hier steigt 



31. Bad Liebenstein und Sclilofs Alteiistein. 1Q9 

mau hinauf zum Fohlenhänschen, eiuem einfachen Gebäude 
in orientalisch-arabischem Geschmack, inwendig- mit Bildnissen 
arabischer Rosse, wie sie bis zum Jahi*e 1S4S hier gezüchtet 
worden, und mit vergoldeten Sprüchen aus dem Koran in 
arabischer Sprache geschmückt. Yor demselben breitet sicli 
die ehemalige Fohleuweide aus; man hat hier die ausgedehn- 
teste Fernsicht und aufserdem einen hübschen Einblick in das 
Thüringer Thal wie auf Steinbach und Liebenstein. 

Dem Schlofs gegenüber ostwärts erhebt sich der Bonifa- 
tinsfds. eine steile, von Bäumen umgebene Felswand, die auf 
einem an ihrer Stirn angebrachten Kreuz die AVorte enthält: 
„Gott, Vaterland, Freiheit, Friede, 1814 — 15 und 1870—71." 
Daran lehnt sich die Bonifat'mskapelle, wo der Sage nach 
der Apostel das Kreuz gepredigt hat. Von hier geht man 
um den Wildpark herum, teils auf anmutigen Parkwegen 
unter dem Schatten der Bäume, teils zwischen Felsen hin- 
durch zu einer die Baumgipfel überragenden Felspj'ramide. 
auf deren Gipfel ein steinerner, frische Blumen enthaltender 
Blumenkorb, ein Denkmal, das der Herzogin Cbarlotte Amaiie 
(f 1801) von Sachsen-Meiningeu geweiht ward, deren Mar- 
morbüste sich am Fufse der Felswand über einer Steinbank 
beündet. Weiter durch Wald und Busch zum '^HoJiIenstein, 
der höchsten aller die Gegend weit und breit beherrschenden 
Felspyramideu. Der Holdensfein erhebt sich hoch über dem 
Plateau, und es fällt an der einen Seite gleich neben ihm 
der Berg steil und senkrecht als schroffe Felswand ab. In 
einer Felsspalte ist eine Äeolsharfe (hinter verschlossener 
Thür) angebracht. Auf der Höhe, zu der in den Fels ge- 
hauene Stufen führen, ist ein chinesisches Häuschen erbaut, 
von wo die Aussicht noch ausgedehnter ist und auch Lieben- 
stein hervortritt. Wenige Schritte weiter beginnt eine Re- 
gion von Felsen, die sich in grotesken Formen überbieten: 
sie heifsen Morgentkor und umschliefsen wie in einem Ralimen 
ein wundervolles Bild: Liebenstein mit seiner auf waldigem 
Kegel fui'senden Ruine; dahinter der Dolmar und die Geba.- 
Auf der Höhe östl. ein Felsenvorsprung mit eisernem Gitter 
und weifser Bank, wo der beste Standpunkt. 

Hübsche, lohnende Spaziergänge von Liebenstein aus: 
die ScJiöne Aussicht am Aschenberg, dem Kurhaus gegen- 
über; die Mooshütte am Aschenberg (V2 '*^t.); die Heide, ein 
Wäldchen mit hübschen Promenaden, wo auch das Erbbe- 
gräbnis der Barchfelder Linie der Freiherren v. Stein. 

Sehr zu empfehlen ist auch ein Besuch des Marienthaler 
Wäldchens, wo man von „Fröbels Ruhe" eine prächtige Aus- 
sicht über das Werrathal und nach dem Rhöngebirge hat. 



wo 3:.*. Von Altenstein nach Kubla, Wilbelmsthal, Wartburg, Eisenacb. 

Weitere Spaziergänge: Das Thüringer Thal (s. S. 104). — 
Die Klinge ('V^ St.), 595 m, Aussichtspunkt. — Durch das 
Luisentlial zum Jiigcrstein (IV4 St.). — Zur Jägersruhc. 

Ausfluge von Liebenstein: Wilhelmsthal, Eisenach, Wartburg. — 
Rulila, Karl- Alexandei'-Tiirm, Heiligenstein, Thal. — Inselberg, 
Felsenthal, Tauzbuche, Reinliardsbrunn, Marienliöhle, Winterstein, 
Meil'senstein. — Schmalkalden. — Meiningen, Landsberg. 



32. Von Alteiisteiu nach Riihla, AMUielmstlial, 
Wartburg, Eisenach. 

Den unten beschriebenen Weg über Huhla, den Wachstein, Wil- 
helmsthal, Hochwaldgrotte, Hohe tjonne, Annathal, Drachenschlucht 
nml Wartburj, nach Eisenach kann man zu Fal's (ungerechnet den 
Ausflug von Kuhla nach Thal) bequem in einem Tage zurücklegen. 

Mau gehe in Altensteiu durcli das Tlior der an den 
Gasthof grenzenden Stallgebäude bis dahin, wo die Chaussee 
in Felsen gehauen ist (V2 St.). Hier führt r. der FufsAveg 
durch den Kaluibachsgrund bis zur Lutherhuche (s. S. 104) 
hinauf. 

Wer diese besucht, kann den sich im Wiesengmnd am Saum 
des Waldes hinziehenden Ful'sweg weiter gehen, bis er in 1/3 St. einen 
breiten, durch den Wald gelegten Weg und zugleich clie Felsen 
des Gerberateins erblickt, welche einem zertrümmerten Riesenschloi's 
gleichen. Dunkel bewaldete Berge steigen im Halbkreise auf. Der 
Besuch des Gerbersteins ist aber nicht melir lohnend, weil die Aus- 
sicht gröfstenteils verwachsen ist. 

Man geht auf der Chaussee weiter, überschreitet auf der 
Höhe den Rennsteig [die Chaussee r. führt an dem Hausfeld 
vorbei durch das wundervolle, hochromantische Emsethal, 
welches von Friedricliroda. Tabarz, Liebenstein und Thal aus 
viel besucht Avird. nach Winterstein (Gasthof zum Adler, 
Forellen, auch Nachtquartier); von hieraus über den 3/e//s('Ji- 
stein (^li St.) mit prachtvoller Aussicht]. Vom Rennsteig 
gelangt man durch (lie sog. Alte Ruhl, eine Wiese mit grofsen 
Sasaltblöcken, in V2 St. nach Ruhla. Man benutze den vom 
Spritzenhause 1. am Berge hinführenden Promenadenweg; 
mau vermeidet dadurch das schlechte Pliaster. 



Kuhla. 

Gasthöfe: Zur Traube {Henuiy), mit liübschen Gartenanlagen, gut 
eingerichtet, Omnibus am Bahnliof. — iBeUevue, in schöner Lage, be- 
liebte Pension. — Zur /risilun Quelle (SMOffel). — f Schwan, bei der Post, 
gut und billig mit Restaurant Schwanen-Alm. — Jioxe, einfach. — 
Das Kurhaus ist auf hübschem, schattigen Platze beim Badehaxis ge- 
legen ; Restauration. — f Deutsches Haus. 

Meerschaum- und Bernsteinwaren bei Moritz Schlofsmann, neben 
der Trai^be, \intl anderwärts. 



32. Von Altenstein nach Ruhla, Wilhelmsthal, Wartburg, Eisenach. JU 

Wagen sind nach Altenstein, Liebenstein, Willielmsthal und 
Eisenacli über die Hohe Sonne, nach Beinhardsbriinn und dem Insel- 
berg zu haben; die Preise richten sich gewöhnlich nach Bedarf und 
Nachfrage und sind bisweilen ziemlich hoch. 

Eisenbahn über Thal nach Wvitha, zum Anschlufs an die Thü- 
ringer Bahn. 

Riüila (gewölnilich die Buhl genaunt) ist mit Recht eiu 
Liebliugsaufentlialt der Fremden, denn es ist einer der an- 
mutigsten Orte Thüringens und der gröfste Marktflecken des 
Thüringer Waldes, mit 5000 Einw. Ruhla, mit Wutha durch 
eine Eisenbahn über Thal verbunden, wird durch den Erb- 
strom in zwei Teile geteilt, wovon der westl. am linken Ufer 
zu Weimar, der östl., am rechten Ufer gelegene und gröfsere 
Teil, zu Gotha gehört. Der Ort, rings lunschlossen von an- 
sehnlichen Bergen (östl. vom Breitenberg, westl. vom Bermer 
und Ringberg, ü42 m), welche mit dichtestem Buchenwalde 
bedeckt sind, zieht sich in einer Länge von ^U "^t. teils im 
Grunde, teils an den Höhen empor. Sein unterstes Ende 
liegt 345 m, sein oberstes hingegen 440 ni über der Meeres- 
fläche. In den Buchenwäldern leiten anmutige Promenaden- 
wege zu verschiedenen hübschen Aussichten auf den freund- 
lichen Ort. Die Industrie der Einwohner besteht in der Fa- 
brikation von Tabakspfeifen, Meerschaumköpfen und Cigarren- 
spitzen; dazu kommen Porzellanmalerei und allerlei Sclmitz-, 
Drechsler-, Bernstein-, Metall- und Alabasterarbeiten. 

Das Bad mit dem Kursaal liegt auf der Aveimarischen 
Seite; auf dem Kurplatz, beim Aufstieg nach Bellevue, ein 
Kriegerdenkmal. Die an beiden Seiten daranstofsenden, an 
den Abhängen des Berges sich hinziehenden *Gärten der 
Herren Gr einer und Ziegler sind den Fremden mit dankens- 
werter Liberalität geöffnet. 

An die Sage von Ludwig dem Eisernen und dem Schmied 
in der Ruhl erinnert das Haus des Herrn Dreiss, ungefähr 
in der Mitte des Ortes, die sogen. „Landgrafensclimiede" mit 
Reliefbildern, welche Scenen aus der Sage darstellen. 

Ani unteren Ende des Ortes führt über eine steinerne 
Brücke, an der Restauration zum Karl-Alexander-Turm vor- 
bei, ein Fufsweg den Berg steil lünan in 15 Minuten zu dem 
im Herbst 1878 von dem Besitzer des Eisenwerks „Tanger- 
hütte" errichteten eisernen *Emmy-Teynpel, an der Stelle des 
früheren Jubeltempels. Hier hat man einen gerade wegen 
seiner Beschränkung um so reizenderen Blick auf das in enger 
Thalschlucht zwischen grünen Matten sich lang hinziehende 
Ruhla. Links sieht man den Meifsenstein und die Scharfen- 
burg. Yon hier kann man weiter aufwärts steigen, bei der 
ersten Wegeteilung den Weg 1., bei der zweiten den r., immer 
den zur Höhe führenden Weg einschlagend, in V2 ^t. zum 



W'2 32. Von Altenstein nach Rulila, AVilliclnisthal, Wartburg, Eisenacb, 

Karl-Alexander-Turiu (s. S. 118) auf dem Rlui^fber» •»■elanoen ; 
(loch ist dieser ^Veg• 'steil xiiid anstrengend, darum nicht gerade 
zu empfehlen. 

Im reizenden Thal des Erljstromes gelangt man in ^/.> St. 
nach Wcifscnbnrn, einem früheren Kloster; jetzt steht hier 
ein vielbesuchter Gasthof, zum HcUifjcnstein genannt, um- 
geben von schattigen, freundliche Aussichten darbietenden 
Plätzen. 

>Ian geht nun in das Dorf Thal hinein, um beim Gast- 
hof die steile Treppe hinaufzusteigen, welche an den Abhang 
des Sclilofsberges leitet, wo die iluine der Scliarfenburg mit 
ilirem hohen, epheuumkränzten Turm thront (20 31iu.). Sie 
stammt aus dem 11. Jahrb., wechselte oft ihre Herren und 
wurde 14:47 a'ou Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen im 
Kriege gegen seinen Bruder Wilhelm zerstört. Seit 18.'}7 ist 
sie Staatseigentum des Herzogtums Gotha. Obgleich die 
Aussicht von der Höhe des Turmes keine weite ist, so machen 
doch die schönen Formen der Berge, der frische Buchenwald, 
der sie bekleidet, die üppigen Wiesen im Grunde und die 
friedliche Lage des in der Tiefe ruhenden Dorfes einen er- 
hebenden Eindruck. Auch das Seebach-Thal, das Dorf Farn- 
rode (nördl.) und die ßerggruppen bis zum Hörselberg be- 
herrscht der Blick. 

Thal {* Kurhaus, sehr gelobt; * Tannhäuser, guter Tisch; 
Scharfhihurg , einfacher^ in freier, anmutiger Lage, 310 m 
ü. 31., inmitten eines mit herrlichen Fichten und Buchen be- 
deckten Waldgürtels ixnd aufserordentlich milden Klimas, ist 
in den letzten Jahren als klimatischer Kurort und Sommer- 
frische sehr in Aufnalime gekommen. Es hat eine sehens- 
werte, ])rächtige fünf hundertjährige Linde und das Luisen- 
bad, in der Mitte des Ortes, mit 70 Zimmern, Restauration. 
Park, Badeanstalt; das Luisenbad ist neu erbaut und gut 
eingerichtet. Arzt im Hause, alle Arten medizinischer Bäder. 
Thal bildet eine Auhaltestelle der Kuhlaer Bahn, im Garten 
des neben der Station liegenden Gasthofs zum Tannhäuser 
prachtvoller Blick auf die Thal einschliefsenden Berge. Die 
schönste Ansicht der Ortschaft hat man vom Wolfshcrg aus. 

Auf dem Rückwege nach Ruhla (IV., St.) lasse man beim 
Heiligenstein die Brücke über den Erbstrom r. und gehe auf 
anmutigem, schattigen Pfade nach dem (römichensfcin, von 
da weiter nach dem schön gelegenen Punkte EtmlicHriihe, 
von dem aus man in der Tiefe Ruhla vor sich sieht. Dann 
liinunter durch den Garten des Gasthauses zum Schwan, in 
der .Mitte des Ortes. 

Andere des Besuchs werte Punkte in der Umgebung von 
Ruhla sind auf der nördl. Seite: Karl-Akxarider-Flatz, Sophien- 



32. Von Altenstein nach Euhla, Wilhelmsthal, Wartburg, Eisenaeh. 113 

ruhe, Wachstein ^ Thüringer Braut., Ottou-ald^ Hohe Kiesel 
mit einer iiberrasclieuden Aussicht auf das ganze Rhöu- 

febirge, Alexatiderhöhe, AuerJiahn, Glöckner: auf der andern 
eite: Königs -Waklhans. Storchs Aussicht, Meifsenstein. Allen 
denjenigen aber, die einige Zeit in der Ruhl verweilen, 
möchten wir einen Besuch des aussichtreichen Hörselherges 
ganz besonders empfehlen. (Siehe über denselben Seite 122.) 
Unter den wundervollen Umg'ebung'eu Ruhlas sind be- 
sonders der Ringberg' und der Waclistein hervorzuheben. 
Man geht vom Kurplatz aus den Fufsweg aufwärts, direkt 
auf die Villa Ursumontana des Hofrats Dr. Alex. Ziegler zu. 
auf deren G-artenmauer ein von Prof. Kugel gefertigtes Modell 
der Wartburg zu sehen ist. Vor dieser teilt sich der Weg: 
r. führt er nach Bellevue. 1. nach dem Sarkophag am Bären- 
berg (Bermer). einem Felsstück in Form eines Sarges, vor 
welchem A. Ziegler drei geborenen Ruhlaern, dem Klavier- 
fabrikanten Stumpf, dem Dichter geistlicher Lieder Hart- 
mann Schenk, 7 1081, und dem Volksdichter Ludwig Storch, 
i" 1881, Denkmäler hat setzen lassen; jetzt schmückt den 
Platz auch das von Prof. Kugler ausgeführte Brustbild des 
1887 gestorbenen Hofrats Ziegler selbst. Von hier geht 
man r. eben fort, hat zunächst bei einer Bank einen schönen 
Blick auf Ruhla. dann wieder bei Klemms Hütte auf das 
untere Ende von Ruhla, den Bahnhof und die Vorberge des 
Thüringer Waldes, und überschreitet nach einiger Zeit im 
Lappengrunde ein Bächlein, jenseit dessen ein Wegweiser r. 
nach dem Emmy-Tempel zeigt. Wir gehen den blau ge- 
zeichneten "Weg weiter bergauf bis zu der Wegerichtungs- 
tafel an der Totemanushalde, wo es r. (weifs 2,5 km) zu dem 
1867 vom Hofrat Ziegler errichteten, 1(3 m hohen Aussiclits- 
turm. *Karl-Alexan(ler-Tariu, auf dem 642 m hohen Bbig- 
berg geht. Man hat hier einen herrlichen Blick auf Ruhla 
und vollständige Rundsicht auf den Inselberg, die Rhön mit 
der Milseburg und dem Kreuzberg. Wartburg, Harz, Hörsel- 
berg. Gotha, Di-ei Gleichen u. s. w. 

Von hier gehen wir denselben Weg zurück bis auf den 
Sattel des Berges, auf diesem geradeaus bis zu dem blaii ge- 
zeichneten Wege, welcher direkt auf den Rennsteig (weifses R) 
und auf diesem zum Hirschstein und zur Hohen Sonne (S. 115) 
führt, schlagen denselben aber nicht ein, sondern wenden uns 
r. auf dem Promenadenweg (gelb) zum * Waclistein (549 m). 
Vom Ringberg zum AVaclistein 20 Min. Der Wachstein ist 
ein Glanzpunkt des Thüringer Waldes. Sein felsiger Gipfel, 
hoch emporragend, ist nur von einer Seite zugänglich. Am 
schönsten nimmt sich vom Wachstein der nördliche Vorgrund 
aus: in der Tiefe das Dörfchen Moosbach zwischen schützenden 

Griebens Reise-Bibl.: Thüringen. (16. Aufl.) y 



114 •5-- Von Altenstein nucli Riilila, Willu'liiistlml, Waitbiiig, Eisonacli. 

Bergen; weiter r. erliel)t sicJi der llingberg. In südwestl. 
Kiclitinin- die letzten g-e\viiltij;en Basaltkeyel der Holicn llliiln: 
Baier, Dietrichsbery- und Oeclisen. In nordwestl. Riehtiuig- 
rai^X'U der Heldrastein bei Treffnrt und die Wilhelinshülie lud 
Kassel hervor; melir im ]\IittelL;rnn(h' zeigt sicli die Wait- 
burg, unikriinzt vom frischesten Waldesgrün. In grüfserer 
Nälie fesseln uns der Drachenstein uml der Hirschstein sowie 
die hellen Wiesengründe am Fufse der Berge. In der nörd- 
lichen Ferne dehnt sich das flache Land mit zahlreiclien Orten 
weitliin aus; doch treten der Hörselberg, die Scharfenbnrg, 
der Friedenstein und die Gleichen ganz besonders hervor, ja 
selbst der Harz, der wie eine Nebelwolke erscheint, und der 
Ettersberg bei Weimar reilien sich dem Rundgemälde an. 

Man wandert nun, um WUhelwsthal zii erreichen, vom 
Aussichtspunkt geradeaus auf dem Kamm entlang über den 
Schönberi/ bis auf den Rennsteig (gelb), überschreitet diesen 
beim Zollstock (Telegraphenstauge No. 54) und folgt den 
roten Strichen abwärts nach 

Willielmsthal (Ancrhahn, gut eingerichtet, zu stiller 
Sommerfrische zu empfehlen), Sommer-Residenz des Cirofs- 
herzogs von Sachsen-Weimar, hiefs früher Winterhausen uiid 
wurde zu Anfang des vorigen Jahrhunderts vom Herzog- 
Johann Willielm von Eisenach gegründet, erhielt aber erst 
vom Herzog Karl August seinen jetzigen Namen und die 
gegenwärtige Gestalt. Am meisten entzückt der grofse, 
prächtige, von Schwänen belebte See. Das Schlofs und den 
See umgiebt ein Naturpark mit kolossalen Tannen, Eichen 
und Linden. Ein Bach, welcher sich als Kaskade in den See 
stürzt, und ein Brunnen mit zAvei Delphinen und einer Nymphe, 
von mehr als hundertjährigen Fichten umgeben, gereichen 
ihm zur besonderen Zierde. Jenseit des Sees ist an steiler 
Bergwand, am Gipfel des Korthänser Berges, eine Bank an- 
gebracht, die man schon von unten ans erblickt. Nach diesem 
Platze, Schicalhennest genannt, gelie man auf dem Wege 
(grün), der sich 1. von der Eisenacher Cluiussee hinaufzieht, 
wenn man die Schönheit dieses Thaies überblicken will. \\'er 
von hier aus sogleich zur Hohen Sonne weiter gehen •will, 
folgt den grünen Strichen quer über die Chaussee weg bis 
zur Hochwaldsgrotte (s. unten). 

Ein hübscher und empfehlenswerter Spaziergang ist der 
von Willielmsthal nach Attcheiihnch, einem bescheidenen Jagd- 
hause, in einem idyllischen Wiesengruude gelegen, wo man 
vorzüglichen Kaffee bekommt. Von Attchenbach oder "\\'il- 
helmsthal läfst sich auch der über Eckardshausen gelegene 
Mel»iesberg, ein schöner Aussichtspunkt, in V2 ^t- erreichen. 



32. Von Ältensteiu nach Ruhla, Willielmstlial, Wartburg, Eisenach. 215 

Nach der Hohen Sonne (s. uuten) führt die Strafse in 
"Wiudniigeu steil bergan in -Vi St. (abwärts V2 St.). Wo der 
Weg mehr zu steigen beginnt, ist an der Felswand zur 
Linken, auf einer schwarzen Marinortafel, folgende Inschrift 
angebracht: „Des wohlthätigen Herrschers Wort gab den 
Wanderern hier sichere Stral'se auf wüsten Gebirgen." Der 
Fufsgäuger wähle einen andern, interessanteren Weg, der 
noch näher ist. Man gehe beim (xasthause r. über die Wiese 
in den Wald. Bei der ersten Wegeteilung wende man sich 
1. (weifs) und gehe dann den breiteren, mehr betretenen 
Fufsweg fort bis zu einer 12,5 m hohen und 19 m breiten 
Grotte, der *Hochwal(lsgrotte. Die prächtigen Buchen 
ringsum heben deren Schönheit ungemein. 

Man geht nun entweder geradeaus die Stufen hinauf in 
10 Min. direkt nach der Hohen Sonne, oder steigt r. 08 Stufen 
an Felswänden in die Höhe und wandert durch herrlichen 
Buchenwald nach dem noch 20 Min. entfernten Hirschstein 
(363 m), auf dessen Gipfel eine Eiche Schutz vor den Sonnen- 
strahlen bietet. Auf diesem Wege nach dem Hirschstein 
gelangt man an einen sehr schönen Aussichtspunkt, der, 
ähnlich dem auf dem Karthäusei-berg, Wilhelmsthal mit seinem 
herrlichen See mitten im schönen Wald- und Wiesengrunde 
zeigt. Ziemlich denselben Blick auf Wilheimsthal hat man 
auch aiif dem Hirschstein. Sieht man nach Norden, so hat 
man. durch einen Walddurohhau blickend, die Zinnen der 
Wartburg vor Augen (jetzt ziemlich verAvachsen). Auch das 
Bergamphitheater zAvischen Buhla und Altenstein, der Wach- 
stein (südöstl.), weiterhin der Hörselberg, tragen die dem 
Thüringer Wald eigentümliche Gebirgsromantik zur Schau. 

Den Weg Aveiter verfolgend, gelangt man sehr bald zur 
Hohen Sonue (441 m), *t Gasthaus mit Restauration; das 
1747 von Herzog Ernst August erbaute Jagdschlofs ist so 
benannt von der früher auf der Spitze seines Turmes beflndlich 
gewesenen Sonne. Im Garten hat man zwischen Bäumen 
eine reizende *Durch sieht auf die Wartburg. Die Hohe 
Sonne ist ein beliebtes Ziel der Bewohner der 5,74 km ent- 
fernten Stadt Eisenach. 

Bei der Hohen Sonne führt die Chaussee von Wilhelms- 
thal oder der angenehmere, mit üir parallel laufende Pro- 
menadenweg (gelb) durch das Marienthal nach Eiseuach hinab. 
Um aber in das *Annatlial zu gelangen, gehe man beim Hause 
gleich 1. am Gesellschaftsgarten entlang nach dem nahen 
Waldpfad hin, wo ein Wegweiser den etwas schmalen, duicli 
junge Buchenwaldung hinaljführenden Promenadenweg (hellrot) 
in das Annathal andeutet, und halte sich auf diesem Pfade 
r., bis man an eine Felsentreppe gelangt, die man hinabsteigt ; 

8* 



llß 32. Von Altenstein nach Kulik, Wilhohnstlial, Wartburg, Eisenacb. 

den schmalen Weg aber, der kurz vorher 1. abgeht, schla^'e 
man nicht ein. Zwischen schroffen, felsigen, teils mit Buchen, 
teils mit Nadelholz bewachsenen Bergen, die sich ganz eng 
zusammendrängen, wandert man unter beständigem Wechsel 
der Scenerie. Der Hauptreiz des Thaies besteht darin, dal's 
die aus den Bergspalten hervorquellenden, dem Bäi;hlein im 
Grunde zutiiefsenden Quellen der üppigsten Waldvegetation 
Gedeihen geben. Ziemlich am Ende des Thaies, dessen Kühle 
an heii'sen Sommertagen ungemein erquickend ist, treten die 
Felsen so nahe zusannneu, dafs eine Avohlbeleibte Person 
Mühe hat, sich hindurch zu winden. Dieser Pafs heilst die 
*Dracheusclilucht; sie bildet eine ganz eigenartige Natur- 
schönheit. Der kleine Bach im Grund nmrste überbrückt 
werden, denn nur so konnte ein Weg durch die enge, roman- 
tische Felsschlucht gewonnen werden. An einigen Stellen 
hängen die Felsen so über, dafs kein Sonnenstrahl hinein- 
dringen kann. Nach starkem ßegen ist die Schlucht nicht 
gut zu passieren. Einen sehr angenehmen Eindruck gewährt 
hinter der düsteren Schlucht das frische Waldesgrüu. Ein 
kolossales A an einer Felswand beim Eingang in die Dracheu- 
schlucht erinnert an die Anwesenheit der Königin Anna von 
Holland, Schwester der verstorbeneu Grofsfürstin und Grofs- 
herzogin von Weimar. Weiter geht man entweder 1. die 
Treppen hinauf, den hellroten Strichen folgend, zur Wartburg, 
oder geradeaus durch das Marientlial nach Eisenach. 

Das Marieuthal, das 1805 seinen Namen von der Grofs- 
herzogin Maria Paulo wna von Weimar erhalten, zeigt sich 
zunächst als ein tiefer, von steilen Wänden umschlossener 
Bergkessel, Avird aber weiterhin ein breites, waldiges Wiesen- 
thal. Seine Zierde sind die malerisch geformten Felsen iind 
die im Grund zerstreuten herrlichen Baumgruppen. Am 
Ausgang des Marienthals liegt Eisenach, und zur Linken 
thront auf majestätischer, waldgeschmückter Bergkuppe die 
Wartburg. 

Um zu der Landgraf enschhicht zu gelangen, hält man 
sich beim Ausgang aus dem Aunathal r. und geht über einen 
schmalen Damm am Ufer eines Teiches (1.) zu der höher ge- 
legenen Chaussee (r.) hinauf. Hier erblickt man r. und 1., 
vor sich und hinter sich, hochragende, imposante Felswände. 
Aiif der Chaussee wandert man nun einige Scliritte fort, bis 
ein Wegweiser r. nach der Laii(lg:rafeii$elilucht zeigt. Sie 
trägt ilire Benennung von Friedrich dem Gebissenen, der sich 
hier wälirend seines Krieges gegen seinen Vater Albrecht den 
Unartigen verborgen hielt, um die Nacht zur Erstürmung 
der Wartburg abzuwarten. Im Marienthal, ehe man in die 
Landgrafenschlucht eintritt, sieht man an einer Felswand 



33. Eiseiiach und Umgebungen. 117 

eine Gedeuk-Tafel , dem Oberforstrat König in Eisenach ge- 
widmet, dem man die schönen Wege iind Spaziergänge, die 
Eröffnung manches Aussichtspunktes, besonders auch die Aus- 
stattung des Marienthals mit Baumgruppen und den herrlichen 
Forstbestand im ganzen Eisenacher Bezirk verdankt, nach 
seinem Tode von seinen Freunden und Verehrern am König- 
stein angebracht. 

Von dem Punkte, wo in der Landgrafenschlucht die 
Felsen enden, geht man zum Marienthal zurück und gerade 
über die Chaussee hinüber den Felsensteig, „den Sängerweg", 
zur Wartburg empor. Obgleich bequemere Wege zu ihr hin- 
auf leiten, so wähle man doch keinen andern, weil man ge- 
rade auf dem Felsensteig die entzückendsten Aussichten ge- 
winnt. Am schönsten entfalten sie sich vor der Sängerbank 
und der Waidmannsruhe, beide zur Rast einladend. Dieser 
zur Linken zeigt sich eine wilde Felsenkluft, die verfluchte 
Jungfern schluclii genannt, in welche die Sage eine schöne, 
von ihrer Mutter verfluchte Jungfrau versetzt. Von der 
Waidmannsruhe geht der Weg nach der Wartburg abwärts, 
wo die Stufen beginnen aber wieder aiifwärts durch einen 
Felsendurchhau, in welcliem man die Wartburg vor sich sieht. 
Hier versäume man nicht, die Stufen r. hinauf (gelb) um die 
Eisenacher Burg, von der nur wenige Spuren übrig sind, 
herum zu gehen; drei Bänke bieten herrliche Blicke: a) auf 
die AVartburg, b) in das Marienthal, c) auf einen Teil der 
Stadt, den Hörselberg und die Wartburg. Gegenüber, an der 
andern Seite des Thaies, sieht man das riesige M an einer 
Felswand, ein Andenken an den ersten Besuch der Grofs- 
herzogin Maria Panlowna. Der Umweg beträgt kaum 
10 Minuten. 

Geht man vom Königstein aus im Thal weiter nach der 
Stadt zu, so folgt 1. das Logierhaus Sophienau mit schönem 
Garten-Restaurant, r. die Phantasie, weiter die Elisabethen- 
ruhe, daneben Gasthaus und Pension Krug. Gegenüber der 
Elisabethenriüie liegt das Logierhaus Zum Liliengrund, am 
Ausgang des Liliengrundes. In allen diesen Restaurationen 
können die Fremden Wohnung und vollständige Pension 
haben. 

Gleich beim Eintritt in die Stadt ist zur rechten Hand 
ein stets offener Zugang zum grofsherzogi. Karthausgarten. 



33. Eisenach iiiicl Uiiigebungen. 

Gasthöfe: *R(niteiikrunz, am Marktplatz, neben dem groJsherzog- 
lichen Schlofs, mit schöner Aussicht auf die Wartbvirg; *Röhri(iH 
Gro/shtrz'jy von Sacliscii, dem Bahnhof gegenüber, komfortaijel, guter 



Jlg i!3. Eisenacli und Umgebunger. 

Tisch, recht zu empfohlen; Hidher Mond, in unmittelbarer Nähe des 
Marktiilutzes, Post- uiul Tch'sraiilicnamtes. — *./tuubs Hotel Zum Erb- 
jirin^ui, Mitte der Stadt, hcsuiht und gut; *Thüntiijer Hof, am Karls- 
platz, enipt'olden; Iteiäsrhis Haus. Zkiii Mohren, Kronprinz, in der Bahn- 
hofstrafsi', fjjiit, billig; Sdiiian: lieichskungler; Felsenkelltr mit hübscher 
Torrasse, gORenüber dem Bahnhof; *Löue, am Endo der Stadt, am 
Wege nach dem Marienthal, sehr gut, besonders für längeren Auf- 
enthalt zu empfehlen, Pension 4' 2— ö'/a Mk. | (tastliaits auf der Wartburg; 
*Eli>:iihetheiiruUt, sehr zu enipfelilen, im Marienthal; Junker .Jörg, nahe 
der Wartburg. 

Bierlokale und Restaurationen: * BahnUofa-lhutauraiion, Mittagstisch 
um l'jUlir für 1 Mk. öO l'f (iui Tagesschnellzug Restaurationswagen 
Eisenacli— Berlin); *Zitiiiiiermann, am Karlsplatz, mit (larlen, Forellen 
und Logis, am Wege vom Bahnhof ins Marienthal; Tivoli, in der 
Schmelzergasse, mit Garten, Konzerte; f*Wolfsclilucht, Quer- und 
Karlstr.-Ecke, AVintergarten, auch Hotel garni, empfohlen; Neuer 
Fihfnkeller, gegenüber dem Bahnhof, mit schöner Terrasse; Schlofsbrau- 
hiius, an der Esplanade; \Veifs, in der Georgenstralse, neben dem 
Halben Mond; iu dem Gartinloknl *Zuni goldenen Lünen. Aufserluilb d^r 
Stadt: Marienbad, Eliaabethenruhe, Wurtburgbof, Liliengrund, j Phantasie, alle 
ini Marienthal gelegen; ./unker .Jörg, am Fufswege nach der Wart- 
burg, mit prachtvoller Aussicht, gut. 

Weinstuben: "^ Pflug, Goldschmiedenstraise, gute, billige Weine, 
gemütliche Weinstube; Dache, in der Untergasse; i>chmitz, Karlstr. 31. 

Konditoreien: Schmitz' Hof-Konditorei, in der Karlstr.; Wulther, in 
der Marieiistr. 

Wartburg-Andenken: Saeltzer, Frauenberg (Keramik); Remde, Photo- 
graphien). 

Theater: 1S7S von Herrn von Eichel der Stadt zum Geschenk 
gemacht. Vorstellungen nur im Winter. 

Hotelwagen \md Droschken vom Bahnhof in die Stadt, bei Tage 
ä Person 50 Pf, des Nachts 1 Mk. 

Mietswagen sind in der Posthalterei und fast in jedem Gasthof 
vorhanden. Lohnkutscher halten am Bahnhof, auf dem Markt, am 
Eingang des Marienthals u. s. w., sie haben feste Taxe. 

Fremdenführer, verpflichtete, für den ganzen Tag 4 Mk., für den 
halben "2 Mk., für die erste Stunde 50, für jede folgende 40 Pf. — Die 
verpflichteten Führer und Dienstmänner der Exprejs-Vonipagnie. kennt- 
lich an blauer Blouse mit roten Aufschlägen, Mütze mit Messing- 
schild und Nummer, sind angewiesen, das festgestellte Reglement 
den Reisenden vorzulegen. Für Verhiste oder Beschädigungen von 
übergebenen Reiseetfekten wird Garantie geleistet. Es ist ratsam, 
sich nur dieser Führer zu bedienen. 

Reitesel sind nach der Wartbnrg, dem Annathal, der Hohen 
Sonne. Wilhelmsthal, dem Hirschstein, Drachenstein etc. vor dem 
Predigerthor am Wege nach der Wartbuig zu haben; die Preise 
sind durch Tarif festgestellt. 

Badeanstalten: Schniidt, Markt 19, Wannen- xind Dampfbäder; 
Vt'alther, am Wege nach dem Marionthal; Schwimm- und Badeanstalt 
(Karl- Alexander-Bad), östl. vom Bahnhof 

Tagespartien in die Umgebungen von Eisenach: dafür zu empfehlen 
das Orieiitiorungskärrclu'n, vcim Thüringer Waldverein herausge- 
geben, 20 Pf. Hauptrichtiingstafeln, welche die Farbe der an 
Bäumen, Steinen, Häusern u. s. w. angebrachten Striche zur Kenn- 
zeichnung des einzuschlagenden Weges angeben, befintlen sich: 

/. am Predigerplatz: «) für Wartburg direkt, 3 km, rotbraun; 
h) Röse'sclies Hölzchen, Metilstein, Wartburg, 4 km, blau. 



33. Eisenach und Umgebungen. 119 

//. in der Marienstrafse, gegenüber dem Karthaus, für: «) Hell- 
thal, Elisabethenbrunnen, Wartburg, 3km, grün: b) Eisenacher Burg, 
Theebuehe, Marienthal, 3.5 km, gelb; c) Sophienrulie, Johannisthai, 
2 km, rotbraun; d) Johannisthai, Wasserfall, Weinstralse, Drachen- 
stein, Roses Pfad, Königstein, Marienthal, 9 km, blau. 

///. auf der Wartburg für: «) Sclilolsberg, Eisenaeh, 3 lim, rot- 
braun; h) Elisabethenbrunnen, Eisenach, 3 km, grün; c) Annathal, 
Drachenschlucht, Hohe Sonne, 7 km, hellrot; d) Eliashöhle, Waid- 
niannsrulie, Eisenach. 5 km, weils. 

IV. im Marienthal, am Eingang der Landgrafenschlucht, für: 
a) Annathal, Drachenschlucht, Hohe Sonne, 4 km, roter Pfeil; b) Pro- 
menadenweg, Hohe Sonne, 4 km, gelb ; c) Elfengrotte, Sängerstein, 
4 km, grün; rf) Landgrafenschlucht, Drachenstein, Hohe Sonne, 5,5 km, 
rotbraun; e) Paulineuhöhe, Breiteugescheid, 4 km, weils. 

V. auf der Hohen Sonne, für: u) Drachenstein, Landgrafen- 
sehlucht, Marienthal, Eisenach, 7,5 km, rotbraun; b) Hirsciistein, 
Hochwaldsgrotte, Wilhelmsthal, 3,5 km, weils; c) Promenadenweg, 
Eisenach, 5,5 km, gelb; d) Annathal, Drachenschlucht, und am Aiis- 
gang 1. Wartburg, 7 km. geradeaus Eisenach, 5,5 km, hellrot ; e) Hirsch- 
stein, Wachstein, Eingberg, Eulila , blau; /) Hochwaldsgrotte, 
Schwalbennest, Willielmsthal, grün. 

Eiseuacli, 220 ni ü. M., hat sich in jüngster Zeit sehr 
erweitert und vero-röfsert; es hat gegenwärtig- üher 
21 UOO Eiuw. Die Geschichte der Stadt führt die Sage his 
in Attilas Zeit zurück Ihre Entstehung an ihrem jetzigen 
Phxtze hängt mit der Erbauung der Warthurg wolü zusam- 
men, und ihre Geschichte ist mit der Burggeschichte eng ver- 
wachsen. Die Chroniken berichten, dafs Ludwig der Springer 
1070—78 den Bau der Stadt begonnen hahe, d. h. er liefs die 
Stadtmauer aufführen. Adelheid, die Tochter des ersten Land- 
grafen von Thüringen. Ludwig III , gründete — das Jahr 
ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben — am Nikolaithor ein 
Nonnenkloster, Benediktiner-Ordens, und war selbst dessen 
erste Aebtissin. Die Nikolaikirche mit ihrem erst jetzt fertig 
gebauten präclitigen Turm, dem einzigen alten Kirchturm 
der Stadt, und einige andere bauliche Überreste haben sich 
von dieser Klosterstiftung noch bis in die Gegenwart erhalten. 
Der dritte Landgraf, Ludwig der Milde, der Sohn des eisernen 
Landgrafen, erbaute die Marktkirche und weihte sie seinem 
Schutzheiligen, dem Ritter St Georg. Sein Nachfolger, Land- 
graf Hermann I., begünstigte der Stadt Handel und Wandel; 
er gab üir Wochen- und Jahrmärkte, setzte der einzelnen 
Gewerke und Zünfte Gerechtsame und Ordnungen fest, wies 
den Zünften nach damaliger Sitte ihre bestimmten Straf sen, 
auch den Juden ihren Distrikt an, daher noch heute in Eise- 
nach die Goldschmieden-, Messerschmieden-, Schmelzer- und 
Fleischgasse genannt und gekannt sind. Yor dem Georgen- 
thor, wo jetzt der Gasthof zum Stern gelegen ist und die 
Strafsen nach Frankfurt und Kassel sich scheiden, haute er 
ein adeliges Jungfrauenkloster, der heil. Katharina zu Ehren. 
Von diesem Kloster ist nichts mehr vorhanden, die vormalige 



120 33. Eisi'iiach und Umgebungen. 

Stätte uiclit iiu'lir zu erkennen. Dua Franziskanerkloster ist 
v.'iilirsc'heinlieh unter der lley'ieruny Ludwig'IV., des Geniahls 
der heil. Elisabeth, ins Leben y-etreten. Von seinen lläuiuen 
ist nur das jetziy-e Sclilofsbrauhaus nocli übris:. Das Domini- 
kaner- oder Predigerkloster, in dessen alten Mauern das Gyni- 
nasiuni illustre sich betindet, Avurde von Heinrich Raspe, dem 
letzten thüriny. Landgrafen aus dem Stamme Ludwig des 
Bärtigen, erbaut; die Predigerkirche ist in ihren alten Mauern 
noch wohl erhalten und zu Bibliotheksräumen aiisgehaut, 
auch im (lymnasium sind noch einige Überreste vom alten 
Kloster vorhanden. Eine lebensgi'oise Luthertigur aus ge- 
branntem Thon in einer Mauernische erinnert daran, dafs das 
Gymnasium Luther, welcher 1498 — 1501 die Schule bei der 
Kirche St. Georg besuchte, zu seinen Schülern rechnet, da es 
aus jener Schule hervorgegangen ist. Verschwunden ist das 
reich dotierte Stift Unserer lieben Frauen am Frauenberge. 
Nur ein Stück Mauer, das in die Stadtmauer hineingebaiit 
ist, hat sich als das einzige Überbleibsel von diesem Stift er- 
halten. Überhaupt hat Eisenach in seinen jetzigen Gebäuden 
keine Spur seines mittelalterlichen Daseins aufzuweisen; die 
wiederholten grofsen Brände haben seine ehemalige Physio- 
gnomie gänzlich beseitigt und vertilgt. Im Kriege Friedrichs 
des Gebissenen mit All)recht dem Unartigen und durch die 
Streitigkeiten zwischen jenem i;nd Adolf von Nassau litt die 
Stadt unsäglicli, und eine neue Aera erblühte ihr erst, als sie 
159() die Residenz eigener, von der Nachkommenschaft des 
unglücklichen Kurfürsten Johann Friedrich abstammender 
Herzöge wurde. Diese Linie erlosch 1711 mit Wilhelm Hein- 
rich, worauf Ernst August von Weimar zur Regierung des 
Eisenach'scheu Landes gelangte. Von den Unglücksfällen, 
welche die Stadt betroffen, wollen wir neben den erwähnten 
Bränden noch die furchtbare Katastrophe am 1. September 
1810 (abends 9 Uhr) erwähnen, wo mehrere durch die Georgen- 
strafse fahrende französische Pulverwagen explodierten. Viele 
Häuser wurden beschädigt, 1-4 gingen in Flammen auf, und 
50 Menschen verloren dabei ihr Leben. 

Vom Bahnhof gelangt man durch das alte Nikolaithor, 
über dessen Portal man das Steinbild Ludwig des Bärtigen 
erblickt, auf den Karlsplatz mit der *Nikolaikirche. Diese 
ist ein köstliches Baudenkmal romanischen Stils aus dem 
11. Jahrb., 1886 nach den Plänen des Professor Stier in 
Hannover restauriert. Sie ist eine dreischiftige Basilika mit 
hölzernen Decken, die Schifte durcli sehr weit gespannte 
Arkadenreihen. Avelche abAvechselnd von Pfeilern und Säulen 
getragen werden, getrennt. Der Kirchner, Lehrer Strube, 
Bahnhofstrafse 14, hat die Schlüssel. 



miCiiUllQ YO» ei$ENA€He 




^«Uj T JUbvt fitiUKiiBUl. BeTbn 



Maasst<ib - 1 : 30.000. 



W^ 6»»*»i^nrt r^». AtmmaJai »y« «ÖU »tur 



33. Eisenach und Umgel)ungen. V2l 

Von hier durch die Unterstrafse bis zum Gasthof zum 
Mohren, an diesem r. die Querstrafse hinab zum neuen 
Theater, dem Lehrerinnen-Seminar und der Karolinen- (liöheren 
Töchter-) Schule, drei Clebäuden, welche der Rittergutsbesitzer 
Julius von Eichel-Streiber gebaut und der Stadt geschenkt 
hat. Neben dem Lehrerinnen-Seminar nördlich Eingang zur 
Clenula., dem ersten CTesellschaftslokal der Stadt, südl. das 
Geiverbehaus. Hinter dem Theater in nordwestl. Richtung 
jenseits des Mühlgrabens die Synagoge. Wir gehen denselben 
Weg zurück, werfen im Ackerhof einen Blick auf die kathol. 
Elisabethkirche und gehen über die Unterstrafse quer hinweg, 
die Querstrafse weiter bis zur Karlsstrafse, welche r. ziim 
Markt führt. Ehe wir zu diesem gelangen, 1. das durch eine 
Tafel mit einer Inschrift gekennzeichnete Geburtshaus des 
besonders durch seine Odysseelandschaften berühmten Malers 
Fr. Preller. 

Auf dem Markt die Georgen- oder MarJdkirche ; sie ent- 
hält dem Altar gegenüber den Grabstein des zuletzt hier 
lebenden und hier gestorbenen früheren Bischofs von Naum- 
burg, Nie. t). Amsdorf, und neben dem westl. Eingang das 
Kenotaphium des Barfüfsermönches Johannes Hüten, der mit 
prophetischem Geist auf Luther hinwies und dafür 149(.) im 
Kerker starb. Vor dem westl. Eingang das * Standbild 
Job. Seb. Bacbs, von Donndorf. Das Reliefbild stellt die 
heilige Cäcilia als Erfnderin der Orgel dar. Der Kirche 
gegenüber das Schlofs (die inneren Räume werden vom 
Kastellan gezeigt), welches seit 1849 einige Jahre von der 
Herzogin von Orleans (f 1856) mit ihren Söhnen bewohnt 
wurde. Auf dem Marktplatz ein monumentaler Brunnen 
(St. Georg im Kampf mit dem Drachen). Hinter der Kirche 
das Denkmal für die 1870—71 gefallenen Krieger. Westl. 
die Post mit einer sehenswerten Schalterlialle, deren Decke 
mit Emblemen der Post und mit den Wappen der zum Ober- 
postdirektionsbezirk Erfurt gehörigen Städte geziert ist. — 
Am Lutherplatz, hinter dem Residenzhaus, wird das alter- 
tümliche Eckhaus den Fremden gewöhnlich als das Haus der 
Frau Cotta mit einer Lutherstube und einem Kämmerchen 
gezeigt; doch ganz mit Unrecht; über das Haus der Frau 
Cotta ist kein sicherer Nachweis mehr zu führen. An dem 
Hause am Frauenplan, welches jetzt dem Tünchermeister 
Tappert gehört (No. 21), sieht man eine Marmortafel mit der 
Inschrift: „Johann Sebastian Bach wurde am 21. Mai 1685 
in diesem Hause geboren. Gestiftet 1868. "" 

Der unmittelbar hinter Gröblers Restauration gelegene 
EichePsche Grarten (Pflugens Berg) ist nur Donnerstag nach- 
mittags von 2 Ulir an dem Publikum geöffnet; den Besuch 



l'J'J oS. Eiseiiadi und Umgebungen. 

desselben sollte iiiemuml versäumen, der an diesem Tage sich 
in Eiseiiiicii iiut'liält. 

Durch die Ivarthiiuserstrafse an dem alten Felsenkeller 
vorbei, gelaui^t man an einem kleinen Bach und an dem 
Garten und Gebäude der Erliolungsq;esellschaft hin in den 
stets geüflneten ü;'rofsherzog-l. Kartlumagarten. Hier befand 
sich ehedem ein Karthäuserkloster. Von diesem mit seltenen 
Prianzen und Bäumen bestandenen Garten, der eine reizende 
Aussicht nach der Wartburg- und ilirer nächsten Umgebung 
bietet (F. ßeuters VillaJ, begebe man sich 1., südl.. in das 
unmittelbar daran gelegene Joliannisthnl, wo sich ehedem das 
Johanniskloster in einem Seitenthal am Fufs einer hohen, 
pittoresken Felswand, des Breitengescheids, befand. Von dem 
Breitengescheid, auf dessen Höhe verschiedene Wege führen, 
hat man einen herrlichen Blick nach der Stadt, der Wartburg 
lind ins 31arientlial. Vom Breitengescheid und vom Johannis- 
thal kann man aucli auf anmutigen Waldwegen auf die Wein- 
strafse gelangen, die auf dem Kamm des Gebirges nach der 
Hohen Sonne führt und verschiedene schöne Aussichtspunkte 
(Ziminerbcrg, Grofser und Kleiner Drachenstein) hat. 

Kehrt man auf demselben AVeg zurück, oder veidäfst 
man den Karthausgarten durch den westl. Ausgang, so kommt 
man auf die Strafse, welclie durch das Marienthal (s. S. HG) 
nach der Landgrafenschlucht und dem Annathal mit der 
Drachenschlucht, und weiter nach der Hohen Sonne und 
Wilhelmsthal fühi-t. Über den Fahrwesr nach der Wartburg 
s. S. 128. 

Zu den besuchtesten Punkten in der Umgebung Eisenachs 
gehört seit einigen Jahren der *Hörselbers;, der eine voll- 
.stäudige liundsicht bietet, die derjenigen vom Inselberge 
gleich, ja von vielen höher gestellt wird. Nach S. zu liegt 
das Gebirge in seiner ganzen Grofsartigkeit vor dem Be- 
schauer; bei einigermafsen hellem Wetter sind Haus und 
Turm auf dem Inselberge deiitlich sichtbar; zu Füfsen das 
tiefe Hörselthai; im W. die AVartburg, im O. Gotha und die 
drei Gleichen, im N. der" Brocken. Ein vom Thür. Wald- 
verein erbautes Haus gewährt Schutz und Erquickung. Xach 
alter Sage hiefs der Bei'g Hör-Seelen-Berg, weil man die in 
demselben gequälten Seelen klagen hörte; der Name des am 
Fufse des Berges liegenden Dorfes Sätelstedt Avird von Satans- 
stätte abgeleitet. Unter einer schroften Felskante das enge 
Hörseiloch, das als Eingang zu der Höhle, in welcher Frau 
Venus den Tannhäuser umstrickt hielt (Wagners Oper) und als 
Ausgangspunkt des wilden Heeres gedacht wird, ein Felsblock 
als Sitz des getreuen Eckardt. — Man fährt mit der Eisenl)ahn 
bis zu der (iS'Jl erölfneten) Haltestelle Schönau, dann links 



34. Die Wartburir. JQo 

— imnier <Ieu blauen Strichen folo-end — über die Wiesen in 
den Zapfcngrimd (gute SommerAvirtschaft , beliebter Apfel- 
wein) und durch denselben sehr angenehm und bequem in 
1\2 St. hinauf. Auch kann man die Partie leicht zu Wagen 
machen. Im Sommer 1890 wurde auf dem Hörselberg ein 
Schutzhaus errichtet. 

Auf dem neuen Friedliof Eisenachs, nördl. von der Stadt, 
in der südöstl. Ecke das Grabdenkmal Fritz Reuters, ferner 
dasjenige des als Liviusforscher bekannten Philologen W. 
Weifsenbom und das des englischen G-rammatikers F. Koch. 

Der Glanzpunkt in der Umgebung Eisenachs ist die 
weltberühmte ^\^i,rtburg. 



34. Die Wartburg-, 

die schönste unter Thüringens Burgen, winkt uns in ver- 
jüngter Pracht auf hohem Fels (420 m) entgegen. Geschichte 
und Sage weben einen nie verwelkenden, duftenden Jvranz 
um sie. 

Der Fahrweg dahin geht durch die Marienstrafse, im 
Anfang des Marienthals, der Badeanstalt gegenüber r. auf- 
steigend, — zur Rechten jenseits eines Teiches Rciiters Villa, 
weiterhin am Hainstein De)üiards Anstalt für Stotternde, 
darüber auf dem Hainsteiu die weithin sichtbaren stattlichen 
Gebäude von Dr. Köllners Wasserheilanstalt, 1. am Hause 
Ko. 4 ein schöner Blick ins Johannisthal, — indem mau die 
Burg immer vor Augen hat, durch das Hellthal. Hier bei 
der Friedenseiche prächtiger Blick abwärts auf einen herr- 
lichen Naturpark. Dann an dem Elisabetlienbrunnen vorbei, 
in Windungen liinauf bis zur Haltestelle. Die letzte Strecke 
dürfen die Wagen nicht hinauffahren. 

Der Fufswanderer geht vom Markt aus durch die Georgeu- 
strafse bis zum Explosionsbrunnen, wendet sich hier 1. und 
geht über den Predigerplatz, am Gymnasium vorüber, durch 
das Predigerthor. 

Dem Eingang zum alten Friedhof gegenüber führt 

a) ein Fahrweg, der sogenannte Schiefsgraben (weiTs), 
von der ersten Höhe ab ein Fufsweg zwischen Hecken zur 
Restauration zum Junker .Törg^ mit herrlicher Aussicht, 
dann an Dr. Köllners Kuranstalt und Pension Hamstern 
vorbei und weiter zwischen Hecken aiif den Fahrweg zur 
Wartburg. 

b) Geradeaus führt der breite Weg den Schlofsberg hinauf 
direkt nach der ^Vartburg. Dieser Weg (rotbraun) ist der 



124: ^-t- 1^'^^' Wiutbuif;. 

Steilste und wird in der Reg'el auf Eseln zurückgelegt, welche 
dem Friedhof gegenüber zum Vermieten aufgestellt sind. 

c) Der belieltteste und am meisten zu empfehlende Fufs- 
weg (blau) biegt an der Ecke des Friedhofs r. ab und geht 
dann 1. den spitzen Predigerl)erg hinauf durcli das Uösc'sclie 
Hölzchen. Bei der ersten Wegeteilung folge man niclit den 
blauen Strichen r., sondern gehe geradeaus an einer Bank 
mit schönem Blick auf die Stadt vorbei bis zu einem chinesi- 
schen Tempelchen mit herrlicher Aussicht in das Stedtfelder 
Thal und auf den Kielforst. Von hier an folge man wieder 
den blauen Strichen; der Besucli des Metihteins^ der Höhe 
von Roses Hölzchen, mit Mauerresten einer alten Burg der 
Herren von F^rankenstein , ist nicIit empfehlenswert, da die 
Aussicht ganz verwachsen ist. Wenn man aus dem Walde 
heraustritt, sieht man die Burg vor sich. 

Das AVirtshaus der Wartburg' liegt aufserhalb der Burg 
vor dem Eingang r., ein liübsches Haus, im Jahre 18G1 im 
Burgstil erbaut, mit Aussichten von den Zinnen aus nach 
allen Himmelsrichtungen. In der Halle eine Menge alt- 
deutscher Sprüclie an den Wänden. Wer oben übernachten 
will, dem ist zu empfehlen, sich im voraus Wohnung zu be- 
stellen. Im Sommer befindet sich eine Post- und Telegraphen- 
Station oben. 

Die umfassendsten Neubauten und die glänzende Umge- 
staltung der Wartburg, dieses historischen Heiligtiims, bei 
der die Schonung des Altehrwürdigen als Prinzip festgehalten 
ward, verdankt man dem jetzt regierenden Grofsherzog von 
AVeimar, Karl Alexander. - Für die Besichtigung der Burg 
zahlt eine einzelne Person (nach Taxe) 1 Mk., zwei Personen 
l Mk 50 Pf., eine Gesellschaft ä Person 50 Pf., Soldaten, 
Handwerker und Dienstboten 15 Pf. Während der Reisezeit 
werden in der Regel nur Gesellschaften geführt; die Karten 
dazu sind im Hofe der Restauration zu lösen; der Beginn 
einer Führung wird durch das Läuten einer Glocke angezeigt. 
Unberechtigter Weise erwarten die Führer noch ein Trinkgeld. 

(Tescliichte der Wartburg. Ludwig der Salier, genannt 
der Springer, erbaute die Burg nach der A'olkssage aus fol- 
gendem Anlafs: Er war einst von der Schauenburg bei 
Friedrichroda mit seinen Dienstmannen zur Jagd aufge- 
brochen und gelangte an den Berg, auf dem jetzt die Zinnen 
der Wartburg hocli emporragen. Hingerissen von der Schön- 
heit desselben, rief er die Worte aus: „AVarf Berg, du sollst 
mir eine Burg werden!" und bald Avnrde Hand aus AVerk 
gelegt. Sie war fortan die Residenz der Landgrafen von 
Thüringen bis l-WO, wo die landgrättiche Linie mit Friedrich 111. 



34. Die Wartburg. 125 

(dem Einfältigen) ausstarb: alle jene im gescliichtl. Überblick 
(S. 15 ff.) aufo'eführten Thatsachen knüpfen sich an die Wart- 
burg, deren GescMchtssagen auch durch die Fresken (S. 126) 
von neuem in das Gedächtnis zurückgen;fen werden. 

Den berühmten Säng-erkrieg (1207) unter Landgraf 
Hermann I. verherrlicht ein älteres mittelhochdeutsches Ge- 
dicht aus dem 13. Jahrb., und die auf diesem Gedicht be- 
ruhende Chronikensage, welche Richard Wagner zu seinem 
Tannhäuser benutzte, erhält die Erinnerung an dieses denk- 
würdige Ereignis in der Geschichte der Wartburg unter dem 
Volke wach, wie aucli das Wandgemälde von M. v. Scliwind 
im Sängersaal des Landgrafenhauses. Wenige Jahre nach 
diesem Ereignis (1211) warb der Landgraf für seinen 11jährigen 
Sohn, Ludwig den Heiligen (f 1227). um Elisabeth, die vier- 
jährige Tochter des Königs Andreas IL von Ungarn, die 
nachmals so berühmt gewordene Elisabeth, die Heilige. Xach 
dem Aussterben der thüringischen Landgrafen leuchtete im 
stillen Kämmerlein das hellstrahlende Licht Luthers. Hier 
begann er, als er am -1. Mai 1521 durch Kurfürst Friedrich 
des Weisen Fürsorge nach der AVartburg in Sicherheit ge- 
bracht war, die Bibel in die deutsche Muttersprache zu über- 
setzen, vollendete aucli die Übersetzung des ganzen Neuen 
Testaments in dieser Einsiedelei und schrieb von hier aus 
eine ziemliche Anzahl Briefe und andere Schriften zum Trost 
und zur Erbauung an seine Freunde und seine Gemeinde in 
Wittenberg. Unter dem Namen eines Junker Jürg gesicliert 
und geborgen vor den Nachstellungen seiner Feinde und der 
über ilm ausgesprochenen Acht, wohnte er hier zehn Monate, 
vom 4. Mai 1521 bis zum 3. März 1522. 

Gang' durch die Wartburg. Die Wartburg ist jetzt 
im Ausbau ziemlich vollendet, und in seiner ursprünglichen 
Reinheit prangt wieder das von Ludwig dem Springer be- 
gonnene Laudgrafenhaus, der Schauplatz des berühmten 
Sängerkrieges wie des folgenschweren Wartburgfestes (18. Ok- 
tober 1817). Dieser Teil ist zugleich der schönste, an zier- 
lichen Ornamenten reichste Profanbau Deutschlands aus der 
Zeit der romanischen Periode. Ein schmaler Gang enthält 
an der den Arkaden gegenüber liegenden langen Wand die 
von Schwind trefflich gemalten sieben Werke der Barm- 
herzigkeit der heiligen Elisabeth (1. Avie sie die Hun- 
grigen speist, 2. die Durstigen tränkt, 3. die Müden I)eher- 
bergt, 4. die Nackten kleidet, 5. die Gefangenen tröstet, 6. die 
Kranken pflegt, und 7. die Toten begräbt) in Medaillonform 
auf blauem Grunde, und dazwischen (abwechselnd) jedesmal 
eine Scene aus dem Leben der heiligen Elisabeth^ 
viereckig, auf braunem Grunde. 



126 •"• 1''" Wartburg. 

Auf dem 1. Bilde schon wir, wie Elisabeth von einer stnttliclion 
Gesandt schuft als vicrjiilirigo I3rant des künftigen Landgrafen Lud- 
wigs IV., des Heiligen, aus Ungarn geholt worden ist und auf die 
Wartburg gebracht wird, um dort mit ihrem Bräutigam, der damals 
11 Jahre alt war, zusammen erzogen zu werden. — Das 2. Hild stellt 
das Rosenwunder dar. Nach ihrer Vermählung mit Ludwig war 
Elisabetli über alle Mafsen barmherzig gegen die Ai-men. Ihr Ge- 
mahl mochte ihr Vorstellungen gemacht haben, ihre allzugrol'se Frei- 
gebigkeit etwas zu beschränken. Nun geschah es eines Tages, dafs 
der Landgraf in der Stadt Eisennch war. Unterdessen ging Elisa- 
l;)etli mit einer ilirer vertrautesten Dienerinnen von der Wartburg 
herab; beide trugen in Köi-ben unter ihren weiten Mänteln Brot, 
Fleisch und Eier und wollten arme Leute damit erfreuen. Da trat 
ihnen plötzlich der Lanilgraf in den We^ und fragte: „Was trugt 
Ihr? La Ist sehen!" Dabei schlug er semer Gemalilin den Mantel 
zurück und sah den ganzen Korb voll duftender Rosen. Elisabeth 
war aber so erschrocken, dal's sie kein Wort zu sagen wul'ste. Der 
Landgraf sah über ihrem Haupte, gleich einem Schmucke, ein 
wunderbares Kruzifix. An dem Wege, wo dieses Wunder geschehen 
war, stand ein Baum, in den ein Kreuz eingehauen war. Diesen 
Baum hat man später iimgehauen und ein steinernes Bild an seine 
Stelle gesetzt. — Der Landgraf Ludwig trat im Jahre r227 eine Pilger- 
fahrt nach dem heiligen Lande an. Seine Mutter, seine Brüder und 
die heilige Elisabeth begleiteten ihn auf seinem Weggange bis zur 
Stadt ScTimalkalden. Den Abschied von seiner Elisabeth stellt das 
S. Bild dar. — Der Lantlgraf erreichte aber nicht das heilige Land. 
Er erkrankte u.nterwegs zu Otranto iind starb. Der Schwager Elisa- 
beths, Landgraf Heinrich Raspe, in dessen Hände die Regierung ge- 
legt war, verwies die trauernde Witwe mit ihren kleinen Kindern 
unbarmherzig und wider Recht von der Wartburg (4. Bild). — Als 
später Liidwigs Gebeine von seinen treuen Begleitern nach Thüringen 
zurückgebracht und in Reinhardsbrunn beigesetzt wiirden, redete 
der Ritter W^alter von Vargila, der einst das Kind Elisabeth aus 
Ungarn geholt hatte, dem Landgrafen Heinrich so ins Gewissen, dafs 
dieser beschämt seiner Schwägerin die Wartbiirg w-ieder öffnete. 
Elisabeth kehrte mit iliren beiden Kindern und ihrer Schwieger- 
mutter auf die Wartburg zvirück, fand aber keine Freude an dem 
geräuschvollen Leben einer Hofburg. Sie ging nach Marburg, lebte 
ilort gottergeben und starb in tiefster Armut 1231. Ihr Begräbnis 
stellt das ö. /?<W dar. — Später w-nrde sie heilig gesin-ochen; ihre 
Gebeine setzte man bei in der üir zu Ehren erbai\ten Elisabethkirche 
zu Marburg. Dieser Beisetzung wohnte Kaiser FrietLrieh IL bei 
(Ö. Bild). 

Zu Ende dieses Cxano-es gelang-t mau in die kleine Bunj- 
kapelle, jetzt reich dekoriert und für den tlottesdienst ein- 
gerichtet. Von hier wendet man sich zum Landgrjifenzimmer, 
dessen innere Ausschmückung lebhaft an das ^littelalter er- 
innert. Auch hier hat sich Schwind durch acht Wand- 
gemälde verewigt. Diese nehmen das obere Dritteil der 
Wände ein. 

Das /. Bild stellt den Moment dar, wo Ludwig der Springer, 
nach der Volkssage bei tler Verfolgxmg eines Wildes auf den Wart- 
berg geführt, erfreut über des Berges schöne Lage, ausruft: .Wart', 
Berg, (lu sollst mir eine Burg werden!" und den Bau der Wartburg 
beschlieCst. — Das 2. Bild zeigt den eisernen Land";rafen. wie er in 
der Waldschmiede zu Ruhla hart geschmiedet wird. — Dem 3. Bilde 
liegt folgende Sage zu Grunde: Kaiser Frieilrich der Rotbart war 
einmal bei seinem Schwager, Jjudwig dem Eisernen, auf" der Neuen- 



34. Die Wartburg. 127 

hvücg an der ünstrut. Es gefiel ilim nicht, dafs das Sclilol's von keiner 
Mauer nmgebeu war. ..Herr," antwortete ihm der Landgraf, .,es 
sollen nicht zwei Nächte vergehen, so soll eine so gute Maner da- 
stehen, dafs man in Thüringen ihresgleichen nicht hat." Am andern 
Tage stellte er alle seine Grafen und Mannen, wohl gewappnet und 
geschmückt, um die Burg herum und ihre Knechte davor mit ihren 
Schilden. Der Kaiser bekannte, dafs er keine köstlichere und festere 
Mauer gesehen habe. — Auf dem 4. Bilde sehen wir Landgraf Ludwig 
den HeUigen, wie er durch seinen festen Blick tind sein Wort den 
axis seinem G-itter entsprungenen Löwen auf der Wartburg bändigte 
und beherrschte. — Derselbe Landgraf hatte einmal einem armen 
Krämer einen Geleitbrief gegeben, dafs er durch des Landgrafen 
Gebiet frei Handel und Wandel treiben konnte. Der Krämer kam 
durch Franken. Da lauerten einige vornehme Leiite auf ihn, nahnien 
den Esel samt seinem Kram weg, trieben ihn auf ihr Schlofs bei 
Würzburg und achteten nicht den Geleitbrief des Lantlgrafen. Der- 
Krämer ging zu seinem Herrn auf die Wartburg und klagte ihm 
den von den fränkischen Edelleuten begangenen Raub. Lachend er- 
widerte dieser: ..Hab' guten Miit und bleibe hier, bis wir wieder 
einen Kram hergerichtet haben." Und alsbald zog er mit grofser 
Gewalt nach Franken und verheerte das Land bis Würzburg. Da 
liefs ihn der Bischof fragen, warum er dem Lande so grofsen Scfiaden 
thue. .,Ich suche meinen Esel," liels ihm der Landgraf sagen. Da 
kam der Bischof selber mid fragte um den Esel. Von Stund' an 
ward der Esel zurückgebracht, iind der Landgraf zog wieder heim 
nach Thüringen (.5. Bild). — Der Landgraf Albrecht, mit dem Namen 
der Unartige, hatte eine heimliche Liebe gefafst zu dem schönen 
Hoffräulein Kunigunde von Eisenberg. Seine Liebe und Leidenschaft 
zu ihr zeigt das 6'. Bild. — Auf dem letzten (7. Bilde) sehen wir Fried- 
richs des Gebissenen Taufritt nach dem Schlosse Tenneberg bei 
Waltershausen. 

Der Sängersaal enthält das Scliwiud'sche Freskobild, 
der Sängerkrieg, den Moment darstellend, wo der Wett- 
gesang eben beendet ist, und die Richter ihr Urteil gefallt 
haben. Dem Landgrafen Hermann nähert sich Wolfram von 
Eschenbach, während Heinrich von Ofterdingeu vor der Laud- 
gräfin kniet, die ihn mit den Falten ilires Mantels schützend 
umhüllt. Den Strick in der Hand haltend, tritt der Henker 
heran. Auf der andern Seite deutet Biterolf auf den von 
der Landgrälin zum Schiedsrichter auserkorenen, auf einer 
Wolke herabkommenden Meister Klingsor. — Die ganze Aus- 
stattung des Zimmers durch Malerei, insbesondere aber die 
Sängerlaube mit Sprüchen aus den, Werken der Dichter, 
macht einen wohlthuenden, angenehmen Eindruck. 

Durch einen neuen Treppenbau gelangt man in den 
Festsaal, 40 m lang und in das Dach hineinragend. Die 
(jriel)elwände sind zwischen den Fenstern mit den Fresko- 
1)ildern der thüringischen Landgi'afen geschmückt. Die Or- 
namentierung hatte Maler Welter aus Köln übernommen. 
Das Fenster an der südliclien Giebelwand verschliefst einen 
Soller, von welchem man einen herrlichen Blick auf Wald 
und Gebirge hat. — Der mit dem Landgrafenliause zu- 
sammenhängende Xeubau (das Priuzenhaus) enthält in den 



1'2,S Sö. Von Eisi'iiach iiacli Kiilila. Waclistein. 

unteren lläunien die lliistkaininor mit 70 Rüstungen und 
einer seliön geordneten Samnilung alter Waffen und Sieges- 
trophäen. Die Echtheit der Stücke ist zum Teil allerdings 
selir fraglich. Unter den geschichtlicli merkwürdigen sind 
zu nennen die prachtvolle Rüstung des Königs Heinrich II. 
von Frankreich, die Rüstungen des Kurfürsten Friedrich 
des Weisen und die ilüstung des Papstes Julius des Streitbaren. 

In der V^orburg heündet sich die Lutlierzelle, darin 
Luthers Porträt, von L. Cranach, das Porträt seiner Eltern, 
ein eigenhändiger Brief Luthers, eine Bettstelle, ein Tisch 
aus dem Lutlierhause zu ]\Iöhra, eine Truhe mit den ersten 
Bibelausgaben, ein alter Schrank mit den Akten der evangeli- 
schen Kirchenkonferenz. Der berühmte Tintenfleck an der 
Wand ist in der Neuzeit übertüncht. — Dem Lutlierstübchen 
gegenüber beiludet sich in einem Zimmer das in Nürnberg 
angekaufte und auf die Wartburg gebrachte Stü beben des 
Ratsherrn Willibald Pirkheimer, der ein eifriger Beförderer 
der Refornuxtion war. — Ein schmaler Gang, mit Waffen, 
Wappen und Sprüchen dekoriert, führt zu den Reformations- 
zimmern, die mit Erinnerungen aus der Reformationszeit, 
sowie der daranstofsende Saal mit Bildern aus Luthers Leben 
von Pauwels und Thumann ausgestattet sind. 

Auf dem hinteren Hofraum der Burg erhebt sich der mit 
Zinnen geknhite Wartturm, den man wegen der herrlichen 
Aussicht besteigen mag. Man überblickt einen der gesegnetsten 
Teile Thüringens. Besonders reizend ist der Blick auf die 
sich am nördlichen Fufse des Berges Aveithin, bis ins Marien- 
thal, erstreckende Stadt. Von Norden nach Südosten zieht 
sich das liebliche Marienthal hin. Mehr nordöstl. erhebt sich 
der schroffe Gipfel des kantigen Horselherges (s. S. 122). In 
weiter Ferne leuchten Schlofs Friedenstein, der Seeberg bei 
Gotha und die Wachsenburg herüber. In südöstlicher Richtung 
umgeben Waldberge den hochragenden Inselberg. In nörd- 
licher Richtung der Heldrastein. Hier ist auch (etwas mehr r.) 
zuweilen der Brocken sichtbar. L. vom Heldrastein der ge- 
waltige Meifsner. In südwestlicher Richtung gipfeln sich 
die Ijlauen Basaltspitzen der hohen Rhön auf. 

35. Von Eiseiiach nach Ruhla (15 km). 
Waclistein. 

Der lohnendste Weg ist der unten beschriebene über Wilhelms- 
thal und den Wachstein, der nächste mit der Bahn über Wutha. 
Wegebeschreibung s. Route 83. 

Vom Gasthof zum Rautenkranz in Eisenach wende man 
sich 1. über den ]\larkt, wandere bei der Kirche 1. durch die 



Üj. Von Eisenach nacli Kuhla. WacLstein. 120 

Goldschmiedenstrafse , beim Deutschen Hause r. durch die 
Fraueiithor- und Marienstrafse zur Stadt liinaus und dann 
längs der Chaussee in dem sehr freundlichen Marienthal weiter. 
Sobald man die Stadt und die ersten Villen und Gärten 
hinter sich gelassen hat, kann man den schönen Promenaden- 
weg neben dem kleinen See, aus dem eine Fontäne ihren 
Wasserstrahl emporsendet, parallel mit der Chaussee ein- 
schlagen. V2 »^t. von Eisenach teilt sicli der Weg: 1. nach 
der Landgrafenschlucht. i\Ian kann den Weg durch die ganze 
Landgrafenschlucht hindurch gehen; am Ende derselben steigt 
der Weg r. zur Weinstrafse empor, auf der man dann zur 
Hohen Sonne gelangt. Da, wo der Fufsweg aus der Land- 
grafenschlucht in die Weinstrafse mündet, fülirt geradeaus 
ein Fufsweg auf die gegenüber liegende Anliöhe, den Großen 
Drnchenstein. Man unterlasse nicht, diese Höhe wegen der 
überraschenden Aussiclit, die man von hier aus hat, zu be- 
steigen. Wenig entfernt von diesem Aussichtspunkt liegt, 
der Hohen Sonne näher, 1. vom Wege, der Kleine Drnchen- 
stein, gegenüber einer Waldblöfse, auf dem man ein Avuiiderbar 
schönes Landschaftsl)ild vor sich hat, die Wartburg und ihre 
nächste Umgebung (MaricnMlek)^ und 100 Schritte weiter 
einen herrlichen Blick nach der andern Seite auf das Dorf 
Mosbach, Wachstein und Inselberg {Elisabethenhöhe). Man 
geht auf dem schmalen Wege fort und kommt wieder auf 
die Weinstrafse, die in 2U Min. auf die Hohe Sonne führt. 
Man kann aber auch, statt durch die Landgrafenschlucht, 
durch das Annathal mit der Drachensclilucht nach der Hohen 
Sonne gehen. Dann wendet man sich vor der Landgrafen- 
schlucht r. hinab auf die Chaussee, von welcher da, wo sie 
anfängt, zu steigen, ein Fufsweg r. durch eine Barriere an 
einem Teich zu dem Eingang in das Annathal führt, nun 
ansteigend in 'Vi St. zur Hohen Sonne (S. 115). Jenseits der 
Hohen Sonne zeigt an einem Baum ein Wegweiser den lireiten 
Promenadenweg nacli dem Hirschstein (S. 115) (V4 St.), oben 
r. weiter und liinab zur Hochwaldsgrotte und nach Wilhehns- 
thal (20 Min.) (S. 114). Nun die Chaussee nocli 5 Minuten 
Aveiter und bald liinter einem kleinen Teich 1. in den Wald, 
an der Telegraphenleitung fort bis auf den Rennsteig, und 
auf diesem weiter bis zu der Stelle, wo r. ein, 1. zwei Wege 
abgehen. Wir schlagen den ersten Weg 1. ein und folgen (la, 
wo derselbe anfängt, zu steigen, dem Fufsweg über den 
Schönberg auf den *Wachstein ( S. 113). Gerade vor uns die 
Wartburg, r. im Thal Blosbach. Hinter dem Wachstein geht 
es den Fufsweg 1. hinab; an einer freien Stelle, entweder 1. 
den Weg nach dem Alexanderturm oder geradeaus hinab, 
unten über die Wiese und drüben im Buchenwald stets auf 

Griebens Reise- Bibl.: Thüringen. (16. Aufl.) Q 



l;i() :iü. Gotha. 

tleiu scliüuen Pi'omoiiadenwe«;: bis BcUevttc in lliilila. (Von 
Bellt'vno bis aus Ende des Urtes 25 Min., von dort bis 
Altenstein 1-' 4 St.) 

Kuhlsi s. Seite 110. 



30. Gotha. 

Gasthöfe: Deutscher Hof (Ptist), Erfurterstrafse, gute Küche, be- 
liebtes Restaurant; ■\\yunxchers Hotel, Eckhaus Neumarkt, mit Garten, 
Badezimmer und praclitvoUem Speisesaal ; *Sta<lt Cohur<i, mit Garten, 
gegenüber dem Orauiccricfxarten ; * l'roplu t, am Neumarkt, gut; Jlu/tl 
Mulir; Hotel Luiu/e, am IJahnluif. — Für bescheidene Ansi^rüche: Sachsi- 
sclitr Hof : M'iilftrs Hutcl f/nnii, Grolse Siebleberstrafse; Hosenuu, Haupt- 
markt: licrtiuli. Hanptmarkt. 

Weinstuben : ^'Kuhini, Schwabhäuserstralse (Rheinw.) ; *Ga>iis, Haupt- 
markt (aucli Delikatessenj, beliebte Frühstüokstube ; Hafermann, 
Neumarkt. 

Restaurationen und Bierlokale: * Parkpuvülon, im Park; Cafe National. 
am Karoliuenplatz; Hammer, Gr. Siebleberstralse; Bahnhofs-Restaura- 
tion mit Garten; Drei üintzen. am Neumarkt; Zum llodensteiu, Eise- 
nacherstr. ; A'o.ve, Schwabhäuserstr. ; /^eitfac/ier /fo/, Erfurterstr.; Tieoli, 
Sundhäuser Allee; Fran^ais, Arnolaiplatz; Beck, Dorotheenstr. ; Kihr, 
Lesenstr. ; Walkmühle. 

Droschken : Die Fahrt 50 Pf., das Stück Gepäck 20 Vi'., zweispännig, 
ohne Bücksicht avif die Persouenzahl, pro St. 2 Mk. 

Fuhrwerk nach dem Thüringer Wald u. s. w. pro Tag 15—18 Mk., 
vorher genaxi zu accordiereu, im Gasthaus zum Mohren und bei tlen 
Geschirrhaltern: Helbit/, Schwabhäuserstr.; Hopf, Burgfreiheit. 

Post mul Telegraph, dem Theater gegenüber, neuer Prachtbaii. 

Eisenbahnen: Gotha-Leinefelde : täglich 4 Züge; Gotha-Ohrdruf: 
5 Züge; Gotha -Fröttstedt-Friedrichroda: 7 Züge; Gotha - Erfurt : 
11 Züge; Gotha-Eiseuach : 10 Züge; Gotha-Herbsleben: 4 Züge; Gotha- 
Grolsbehringen: 4 Züge. 

Theater: Hoftheater: von Januar bis Ende April, Sommer- Theater 
(Steinmühlen- AJlee) von Mai ab. 

Auf der Fahrt von Eisenach nach Gotha zeigt sich unweit 
der Baliustatiou Wutha {Bamherger Hof; Eisenbahn nacli 
Ruhhx in ^u St.) zur Liukeu der sao-enreiche Hörselheiy 
(siehe S. 122). Zwischen Wutha und ^Früttstedt die ISyi 
neu eröffnete Haltestelle Schönau, bester Zugani^- zum Hörsel- 
berg, aitch zum Besuch des Inselbergs zu benutzen. AVeiter- 
hin öffnet sich die Landschaft, einen Blick auf den Insel berg 
und Schlofs Tenneberg gestattend. Bei der Station Fröftsfcdt 
zweigt sich r. die Bahn nach Waltersliausen und Friedrich- 
roda ab. In dem nun tulgenden Einschnitt fährt man unter 
dem Leinekaual weg; dann beherrscht der Friedenstein die 
Landschaft, und l)ald befindet man sich im Bahnhof zu (lotha. 

(xotliii, die Hau})t- und liesidenzstadt des Herzogtums 
Gotha, eine der schönsten und reichsten Städte Thürino-ens, 
HOO m über dem Meer, mit ."^OOGO Eiuw., macht durch die 
reizenden Parkanlagen, welche die innere Stadt rings um- 



36. Gotha. 131 

geben und von den Vorstädten trennen, einen stets heiteren 
und ang-enehnieu Eindruck. Die Stadt hat reg-elniärsige 
Strafsen und anseluiliche Plätze; obgleich sie aus alter Zeit 
stammt, so macht sie doch, namentlich nach ihrer Neu- 
pflasterung, einen durchaus modernen Eindruck. Die bei 
dieser Gelegenheit erneuerte Terrasse oberhalb des Haupt- 
marktes, mit vier Wasserläufeu und reizendem Ziergärtchen, 
ist eine weitere Zierde der Stadt geworden. 

Gothas Name (Gothaha) kommt schon 770 in einer von 
Karl dem Grofsen dem Kloster Hersfeld ausgestellten Ur- 
kunde vor. 938 soll es Meinroth, Abt zu Hersfeld, zur Stadt 
erhoben haben. Im 12. Jahrh. kam es an die Landgrafen 
von Thüringen, 1247 an die Markgrafen von Meifsen. Durch 
Albrecht den Unartigen wurde es an den deutschen König 
Adolf von Nassau verkauft, doch kam es nachher an Meifsen 
zurück. Bei der Teilung im Jahre 1-485 iiel es an den Kur- 
fürsten Ernst. Im Jahre 1524 wurde die Reformation einge- 
führt. Nach Johann Friedricli des Grofsmütigen Tode kam 
es an dessen Sohn Johann Friedrich den Mittleren, der in 
die Grumbach'schen Händel verwickelt war und mit der 
Reichsacht belegt wurde. Die Folge davon war die Be- 
lagerung und Einnahme von Gotha sowie die Zerstörung 
seiner Feste Grimmenstein, welche die Landgrafen erbaut 
hatten. Später erhielten zwar Johann Friedrich des Mittleren 
beide Söhne Gotha und Umgegend wieder zurück; da sie aber- 
ohne Erben starben, Iiel ihr Land an Herzog Ernst den 
Frommen, der in Gotha seine Residenz nahm und 1640 bis 
1643 auf dem Platze, wo sich früher die Zinnen des Grimmen- 
steins erhoben, den Friedenstein aufbaute. 

Gotha ist der Sitz bedeutender Versicherungsgesellschaften 
und der berühmten geograph. Anstalt von Perthes. Es lebten 
und wirkten daselbst die Schauspieler Eckhof und Iffland, die 
Astronomen Zach, Lindenau. Encke und Hansen, die Kom- 
ponisten Spohr und Andreas Roml)erg, der Humanist Friedr. 
Jacobs. Gustav Freytag besitzt eine Villa im nahen Dorfe 
Siebleben. 

Betreten wir vom Bahnhof aus die zur Stadt führende 
Strafse, so sehen wir 1. die Feuerversicherungsbank für 
Deutschland, dahinter den dazu gehörigen neuen und schönen 
Bau für die Generalagentur, r. die Deutsche Grimdkredltbank, 
weiterhin an der westl. Seite die schönen Gebäude der Lebens- 
versicheriimjsbank und des herzogl. Marstalls. Diesem gegen- 
über liegt das nach dem Brande 1838 hergestellte Pedals. 
zeitAveise, namentlich im Winter. Wohnsitz des regierenden 
Herzogs, in welchem sehenswerte neuere Gemälde (Trink- 
geld 1 3Ik. 50 Pf.j. Wir kommen nun zu dem Lustschlols 

9* 



132 36. Gotha. 

Friedrichstlidl, eiu^t Soinincraufeutlialt der letzten Herzugiuiieu 
von Crotha. Dem Friedriclistlial i^e<>-enüber ist der Einj.fani4- 
zum Or(myerie(j(irten mit zalilreii-hen ()ran2:eubituiiien, bunten 
Blumenpartien und einer iilätschcrnden Fontäne. Von liier 
gelani^t man über den Ivarolineuplatz zum Pkkhofsplatz, an 
dem sich 1. das (lebäude der Gnthaer Prlvuthank (von Bolin- 
stedt). r. das neu im byzantinischen Stil erbaute Gebäude 
der Freimcnorrlncfc „Ernst zum Kompafs", das Postyebäude, 
diesem gegenüber das Tlicafer (von Eberhard), und weiterhin 
zur Rechten das Denkuial zur Erinnerung au die lb70/71 
Gebliebenen (von Bohnstedt) erheben. Auf dem daran- 
stofsenden Platze ist dem Gründer der Feuer- und Lebens- 
versicherungsbanken. Kaufmann Arnoldi (f. 1841), ein ein- 
faches Denkmal errichtet. Ein anderes ist dem Maler Euiil 
Jacobs in der Sundhäuser Vorstadt gewidmet. Sehr sehens- 
wert ist eine grol'se „Kreuzigung" dieses Malers in der turm- 
losen Auijustmerkirche. Auch die katholische Bonifatiuskirche 
enthält einige Gemälde von ihm. (Übrigens sind alle Kirchen 
der Stadt als Gebäude unbedeutend, die stattlichste ist noch 
die Margarethenkirche am Neumarkt mit der Gruft Ernst 
des Frommen; von der Galerie des Turmes prachtvolle Aus- 
sicht). Das Haus, in welchem Lukas Cranach wohnte, jetzt 
die höhere Töchterschule, steht an der südöstl. Ecke des 
Hauptmarktes und ist diirch Crauachs Monogramm (ein ge- 
.llügelter Drache) neben dem Portal kenntlich. 

Das Scblofs Friedeusteiii imponiert durch seine Gröfse 
und herrliche Lage auf einer sich bis zum Markt hinziehenden 
Anliöhe (340 m). Eine breite Terrasse, welche, wie die Ab- 
hänge des Schlofsberges, mit schönen Blumen und Bäumen 
besetzt ist, nmgiebt das Schlofs und gewährt insbesondere 
nach Westen auf die Bergkette des Thüringer Waldes eine 
anziehende Aussicht. Interessante Sehenswürdigkeiten im 
Innern des Schlosses siml: 1. Weimarsche Galerie. Dekoration 
und Einrichtung dieser Zimmer sind in Empereur-Geschraack 
und nach den Angaben Göthes ausgeführt. 2. Mittelbau mit 
Räumen zur Aufnahme fremder höchster Herrschaften; Thron- 
saal; interessante antike kunstvolle Stnckatur und Möbelein- 
richtungen, o. Dritte Galerie, in modernem Geschmack ein- 
gerichtet. 4. Altes Hoftheater und Zeughaus mit vielen 
altertümlichen Kriegswerkzeugen (Geschütze u. s. w.). 

Zur Wohnung des Kastellans gelangt man durch das 
nördlii-he Eingangsthor, rechts 2. Thür in der Kolonnade. 
50 Pf. ä Person, für Gesellschaften Eniiäfsignng. 

In der 2. und :}. Etage des östl. Turmes befindet sich die 
herzogl. Bibliothek, an Wochentagen von 10 bis 1 Uhr geöffnet. 



36. Gotha. 133 

Die Bibliothek zählt über 200 000 Bände, darnnter viele Drucke 
aus dem 15. Jahrhundert (Inkunabeln), z. B. die Zweitälteste Ausgabe 
der Psalmen von Tust und Schöffer, 1459 gedruckt, während von der 
ersten Aiisgabe vona Jahre 1457 als Probe ein Blatt vorhanden ist; 
Editiones principes vieler Klassiker: 6000 Handschriften, zur Hälfte 
orientaliscne : seltene Autographen von Luther. Die ältesten Hand- 
schriften sind ein latein. Evangeliar, etwa aus dem 8. Jahrhiindert, 
ein lateinischer Miscellenband aus dem 9. Jahrhundert, ein grieoh. 
Psalter aus dem 10. Jahrhundert. Das prachtvolle Hauptkiinstwerk 
ist aber der Echternacher Evangeliencodex, zwischen 985 tind 991 
verfertigt und von Otto III. und seiner Mutter Theophania dem 
Kloster Echternach geschenkt. Endlich verdienen Erwähnung ein 
kostbares Brevier von Karl V. und ein deutsches Neues Testament 
aus dem 15. Jahrhundert mit Bildern aus zwei verschiedenen Perioden. 
Die neueren derselben sind ausnelimend schöne Miniaturen aus 
Cranach'scher Schule und im Jahre 1532 vollendet. 

Tritt man auf den südl. Schlofsplatz hinaus, so erblickt 
man das *Neue Museum, einen grofsartigen Renaissance-Bau, 
welcher die früher im Schlofs liefiudliclien * Kunstsammlungen^ 
fast sämtlich von Herzog Ernst dem Frommen begründet 
und zu den vorzüglichsten Deutschlands gehörend, aufge- 
nommen hat. Sie bestehen aus folgenden Abteilungen: 

1. Die Gemälde- und Kujjferstich-Sammlung , recht be- 
achtenswert. Sie enthält 760 Gemälde, nach Schulen ge- 
ordnet, hauptsächlich von älteren deutschen und niederländi- 
schen Meistern, so von Cranach und Holbein, von Rubens, 
Rembrandt, van Dyck, Franz Mieris, David Teniers, Gerhard 
Dow u. a. Von letzterem ist eine alte Spinnerin, ein nur 
S Zoll hohes Gemälde, das vom Herzog August mit 18 000 Thlni. 
bezahlt wurde. Die sogenannte spanische Wand, ein Bett- 
schirm mit 148 eingesetzten Holztafeln, welche evangelische 
Darstellungen enthalten, wird von den geachtetsten Forschern 
einem Künstler der oberdeutschen Schule des 16. Jahrb. zu- 
geschrieben, für 8Ü00 Thlr. gekauft. Von den wenigen 
modernen Gemälden ist A. Leus „Watzmann" auszuzeichnen. 
Die Kupfersticli-Sammlung enthält 48 000 Nummern , unter 
den Handzeichnungen eine Grablegung von Rafael. In der 
Rotunde vor den Sälen die Erzstatue des regierenden Herzogs, 
modelliert von Behrens (geh. Gothaner) in Dresden, gegossen 
von Lenz in Nürnberg. 

2. Das Kunstkabinett. Dasselbe ist nicht allein reich- 
lialtig rücksichtlich der Anzahl seiner Gegenstände (5000 
Nummern), sondern auch bezüglich des inneren Wertes, mag 
man nun die Kostbarkeit des Materials oder die künstlerische 
Form dabei im Auge haben. Es zerfällt in zwei Haupt- 
Altteilnngen , eine Äntikensammlung (egypt., griech., röm., 
deutsch) und eine gemischte Kunstsammlung. Aus der letz- 
teren heben wir hervor: Brustbild Ludwig XIV., aus einem 
Amethyst geschnitten, für 65 JO Thaler gekauft; grofser Onyx 



IJl 'M. Gotha. 

mit Ceres und Jupiter, «aus der rümisclieii Kaiserzeit, zu 
1(UK)0 Tlilr. taxiert; orieut. (jiranat mit dem Brustbild des 
Köuii^'s Schaijur I. von l'ersien; antike Statuette einer Frau 
aus Plasma di smeraldo; Statuette des Konfuzius aus einem 
Saiiliir, für 200Ü Tlilr. gekauft; zwei praclitvolle Mosaiktafeln 
mit Darstellung der Mühle bei Tivoli und der Pyramide des 
Oajus Cestius, von Giacomo ßafaelli; Adam und Eva, Sta- 
tuetten aus braunem Holz, von All)recht Dürer; Brevier in 
kostbarem, dem Benvenuto Cellini zugeschriebenen Einband; 
Sammlung- von Gl Miniaturbildern fürstlicher Personen in 
Eorm eines Albums aus dem IG. Jalirhundert; Taufbecken 
von Kupfer mit Emaillemalerei, von Pierre Kexmon 15GÜ; ein 
äufserst sinnreich und instruktiv eingerichtetes Planetarium, 
von Johann ]\latthäus Hahn. Treffliche Elfenbeinarbeiten 
bilden einen Hauptbestandteil des Kabinetts. Aufserdem 
historische Merkwürdigkeiten: Hut, Stiefel, Handschuhe von 
Napoleon I., Kleid von Marie Antoinette, Chorhemd von Kaiser 
3Iaximilian I., Säbel von Johann Sobieski, Dolch von dem 
Herzog Alba, Degen von dem Herzog Alba, Degen von 
Bernhard von Weimar und Karl XII., Sonnenschirm der Frau 
von Maintenou u. s. w. 

ö. Das chinesische Kabinett enthält eine grofse Samm- 
lung von Specksteinliguren. Grerätschafteu, Kunstarbeiten in 
Elfenbein, Uemälden, chinesischem und japanischem Por- 
zellan. Es ist 1804 vcnn Herzog August gegründet und ge- 
hört zu den bedeutendsten seiner Art. 

4. Die Saniniluny der Gi2)s(ib(iiiss('. Der faruesische Her- 
kules, Laokoon im Vatikan, Apollo von ßelvedere, die zehn 
Abgüsse der zweiten • bronzenen Thür am Battistero zu 
Florenz, von Loreuzo Ghiberti, die Statuen der Diana -und 
des Morpheus von Houdou, der Niobe Mutter und Tochter, 
des Theseus vom Parthenon, der Ino Leukothea, der Venus 
von Melos, der Minerva Cliustiniani, der Victoria von Rauch 
gehören zu den vorzüglichsten der Sammlung. 

5. Das Natur alienkabineti gilt nächst dem Wiener für 
das reichste an seltenen Concliylien, Korallen und See- 
gewäclisen. 

Das Museum ist goöflfnet vom 1. April bis Ende Oktober; Sonn- 
tags 8 — 10 Uhr: die Naturhistorisfhe Sammlung; 10 — 1 Ulir die 
Gemälde-Galerie und das Kunstkabinett. Eintritt frei. Montag, 
Dienstag Freitag und Sonuubeud 10—1 Uhr: alle Sammlungen, Ein- 
tritt 50 Pf. — Au den Wochentagen wird der Eintritt nachmittags 
1 -4 Uhr gegen 5 Mk. für 1—4 Personen gestattet. 

Die Anhnjoi um das Schlofs gewähren mit ihrem Wechsel 
von Baumgruppen. Buschwerk, Blumen, schattigen (rängen 
und hül)scho.n Ruhesitzen vielfache l'nterhaltung. An ihre 
Südseite stufst der nur durch die Promenade um die Stadt 



37. Von Gotha nacli Neiidietendorf. Drei Gleichen. 135 

von ihnen getrennte *Park, den man auf zwei steinernen 
Treppen r. und 1. vom Xeuen Museum betritt. In ilim rulien 
auf einer von dichtbelaubten Bäumen beschatteten Insel die 
Gebeine Herzogs Ernst II. und seiner vier Söhne sowie der 
Herzogin Karoline, der Clemahlin des Herzogs August. 
Mehrere Ruhesitze laden zur Betrachtung der sich öffnenden 
schönen Landschaftsbilder ein. 

Ein Rundgang in dem 95 Acker (1 Acker = 22,7 Are) 
grofsen Park mit herrlichen alten Bäumen, üppigen Wiesen- 
nächen, griechischem Tempel und zahlreichen Denkmälern ist 
nicht zu versäumen. Von den vielen Ruhesitzen desselben zeigt 
sich ein fortwährender Wechsel schöner Landschaftsbilder in 
nächster Xähe bis zum fernen Gebirge des Thüringer Waldes. 

Durch eiuen östl. Ausgang des Parkes gelaugt man zu 
der neuen Stcrnicarfe in der Nähe des Leinekanals, von da 
führt r. ein Weg nach dem Bahnhof (5 Min.) und nach der 
Walkmühle. Vielen interessant wird die Besichtigung des 
Leichenverbreunungsofens, au der Langensalzaer Landstrafse, 
sein (\i.2 St.). 

Empfehlenswerte Ausflüge zu Fufs oder Wagen: *Alte 
Sternwarte auf dem Seeberge (Restauration), prachtvoller 
Rundblick zwischen Harz und Thüringer Wald, ^2 '^t- — 
Bergyarten (Restauration), schöner Park mit Aussichtsturm, 
Schöpfung E. W. Arnoldis, ^U St. — Boxberg (Restauration), 
prächtige Waldidylle mit schönem Gebirgs- und Waldpano- 
rama. IV2 St. 

Laug'eusalza (Gasthöfe: Mohr; Prinz von Preufsen; 
Schivan : Restanration bei Freitag unä im Schivefelbad , mitten 
im Schlachtfeld), welches durch das blutige Treffen zwischen 
Preufsen und Hannoveranern am 27. Juni 1866 eine traurige 
Berühmtheit erlaugt hat. Mehrere Denkmäler sind auf dem 
Schlachtfeld errichtet. Die Eisenljahn führt von Gotha iu 
40 Min. dorthin. ^'4 St. von der Stadt entfernt das wirk- 
same Schwefelbad mit Kurhaus, Avorin 08 Logierzimmer. Das 
ganze Bad ist umgeben von einer hübschen Parkanlage. 



37. A'^on Gotha nacli Neudietendorf. 
Drei Gleichen. 

Wenn man den Bahnhof Gotha nach Osten hin verläfst, 
bleibt die jetzt zur Restauration benutzte Sternwarte Seeberg, 
ehedem die berühmteste Sternwarte in Deutschland, zur 
Rechten liegen. Wenn man an der Haltestelle Seebergen 
vorüber ist, treten die Gleichen immer mehr hervor, ein 
schönes landschaftliches Gesamtbild darbietend. Die nächste 



136 ;)7. Von Ootliii nach Nendietendorf. Drei Gleichen. 

Station, Neudieteii«l<n*f (Gasthof zur Eriiderffemoinde. beim 
J5;ilinliof, recht gut und l)illii;-; ebenso die Restauration im 
Jiahnbof), ist eine tVeundliclie, saubere, i;-ewerbthätige Herrn- 
luiter- Kolonie. IJeini Apotheker J^apie ist der weit bekannte 
i\IaL,'enli([Ueur „Arouiati(iue" zu haben. In Neudietendorf be- 
üinnt die Staatsbalni Neudieten(btrt-Kitsclienliausen mit den 
Stationen Arnstadt, Vhtnv (von hier Zweigbalm naoli Elg'ers- 
buri?, Ilmenau, üehreii, iTrofsbreiteubach), (iräfenroda, Zella, 
Suhl, Grimmenthal. 

Die Drei («leicheii. 

Wer den Austlug- über die Drei Gleichen machen will, 
wird beim Kestaurationsgebäude des Bahnhofs Neudietendorf 
einen den Weg nach Apfdstedt (V., St.) angebenden Weg- 
Aveiser finden; das Dorf bleibt dann zur Rechten. Über eine 
Brücke nnd eine Wiese und zAvischen mehreren einzeln stehen- 
den Grebäuden hindurch gehend, wird man bald auf einen 
Fahrweg stofsen, an dessen rechter Seite ein kleines eisernes 
Kreuz steht. Hier sieht man die Burgruine *(Tleicheii vor 
sich (IV2 St. vom Bahnliof). Der Schlüssel ist im Forsthans 
zum Freudenthal zu holen, der Weg nicht mehr zu verfehlen. 
Die Burg thront auf einem isolierten, bewaldeten und ziem- 
lich steilen Bergkegel unweit des Fleckens Wcmdcrslcbcn. 

Die nächste der Burgen, Mühlhenj (74 St.), ein 23 m 
hoher Turmgigant oberhalb des gleichnamigen Fleckens (mit 
t Wirtshaus, auch im Forsthaus Freudenthal erhält man Er- 
frischungen), ist die am niedrigsten gelegene. Ihre Ruinen 
werden bald ganz verfallen. Das (reschlecht der Urafen von 
IMühlberg erlosch 12i0; 18U3 üelen Ort und Schlofs an 
Preufsen. — Der beste Weg nach der '^'Wachseiibiu'g geht 
in südöstlicher Richtung (r. bleibt das Dorf Böhreiisee) bis 
in die Nähe von (IV4 St.) Holzhansen, wo man den Pfad hin- 
auf leiclit findet. Sie ist die am höchsten gelegene der drei 
Burgen und die einzige noch gut erhaltene und bewohnte; 
ein Turm stürzte leider 176S zusammen. Nachdem man den 
schönen Lindeupiatz vor dem Burgthor überschritten, gelangt 
}nan durch einen schmalen Zwinger in den geräumigen, die 
Burg umziehenden Hof. Ein sehr tiefer, in Felsen gehauener 
Brunnen, das Haus des Kommandanten, in dessen Inneres 
ein zweites Thor leitet, die Kirche, das Staatsgefängnis 
(Stube mit vergittertem Fenster), verschiedene Gewölbe und 
Avinkelige Gänge sind der Besichtigung wert und geben ein 
recht anschauiiclies Bild von der inneren Beschaft'euheit so 
vieler in Ruinen liegenden Bergschlösser. 

Die Aussicht, welche sich von diesem Hochpunkte er- 
schliefst, ist eine der schönsten in Thüringen. Dicht an den 



88. Arnstadt. 1;J7 

Fufs des Burgberges lehnt sich das Dorf Holzhauseu; nacli 
Osten hin sieht man das nahe gelegene Arnstadt. In süd- 
licher und Avestlicher Richtung begrenzt der Thüringer Wald, 
vom Schueekopf und Inselberg überragt, den Ge sieht ski'eis. 
3[ehr im Hintergrund blickt die Wartburg herüber, und im 
3Iittelgrund der Friedenstein. Daneben erhebt sich der See- 
lierg mit dem gleichnamigen Flecken an seinem Fufse. Im 
Norden und Nordwesten breitet sicli die Ebene mit ihren 
zahlreichen Ortschaften aus; darunter im Vordergrund Dieten- 
dorf, und mehr r. (im Mittelgrund) Erfurt. 

Gewöhnlich beschränkt man sicli auf den Besuch der 
Wachsenburg und begnügt sich, die beiden anderen Ruinen 
aus der Ferne zu betr.ichten. ]\Ian fährt auf der Bahn von 
Xeudietendorf bis zur Station Haarhausen, geht von da über 
Holzhai;sen in 1 St. nach der vor uns liegenden Burg und 
alsdann in IV4 St. (wieder über Holzhausen) nacli der an der 
Gera gelegenen gröfsten Stadt des Fürstentums Schwarz- 
burg-Soudershausen : Arnstadt. 



38. vVriistadt. 

Gasthöfe: *Henne: *Sonne: Schiran; Schivarzhurger Hof: Thüringer 
Hof\ Hoj's: Fürst Bismarck; Deutsches Haus. 

Restaurationen und Bierlokale : Fabers Weinkeller, neu, Ratskeller, Schwan, 
Thormann, Fahers Gastnirtschitft. lütter, Tunnel Günsel. Entferntere: Felsen- 
keller, Bergschlöfschen neben dem Fürstenberg, Eremitage, Hopfengriuid, 
Flora, Schönhrunn. 

Eisenbahn : nach Neudietendorf und Ritschenhausen mit Abzwei- 
gung in Plane nach. Ilmenau und Gehren. 

Post: über Stadt -Um nach Rudolstadt. 

Droschken der Gasthöfe an der Bahn; Fahrt in die Stadt mit 
Gepäck 50 Pf. 

Bezeichnete 'Weg^e: 

1. Arnstadt, Hohe Buchen, Reinbergshaus, Reinsburg. Halskappen- 
turm, Veronikaberg, Martinroda, Elgersburg — rot- 
Vjraun. 

'■i. - Hohe Buchen, Sängerplatz, Philosophenplatz, Königs- 

ruhe. Wasserleite — blau. 

3. ^ Eremitage. Wasserleite, Königsrulie — rot. 

4. „ Walpurgiskirehhof, Wasserleite. Köni^sruhe gelb. 

5. „ Hopfengrund. Krumphardsruhe, Günthershöhe, Bastei, 

Eremitage — weil's. 

Arnstadt ist eine recht freundliche, teilweise bergige, 
lebhafte Handelsstadt, 295 m ü. M.. mit 12 000 Einw., Sitz 
eines Amtsgerichts und Landratsamts. Die Kuranstalt des 
Sanitätsrats Dr. Osn-ald an der Promenade ist gut und 
elegant eingerichtet. Flufshäder siml in dem grnf'sen Herren- 
bad in der Pollmaun'scheu Mühle und im Damenbad bei der 
Lolimühle zu haben. 



[:;s o>. Arnstadt. 

Arnstadt ist als kliniatiscUer Kurort i;ünsti<j; geley-eii 
und iiucli schon länger bekannt. Die vielen Uärten, Alleen 
und Ol)stbaunii)fianzuu<>'en niaclien die Laj^e der Häuser und 
Villen in den beiden Vorstädten nocii besonders anniuti"'. 

Die Stadt wird schon iu Urkunden des Jahres 704 er- 
wähnt, wo Heden I., der erste christliclie Herzog; Thüringens, 
die Villa Arnestati dem Bischof Willibrord von Utrecht 
schenkte. 954 hielt Kaiser Otto I. in Arnstadts Mauern eine 
Fürstenversanuuluug ab, in welcher sein natürlicher Sohn 
AVilheliu. dessen Xame am Seitenportal der Liebfrauenkirche 
zu lesen ist. zum Erzbischof von Mainz und Statthalter von 
Thüringen erwälilt wurde. Später gehörte der gröfste Teil 
der Stadt zur Abtei Hersfeld und der kleinere den Grafen 
von Sclnvarzburg. Diese brachten aber 1832 den Hersfeld- 
schen Anteil käuflich an sich. Ehedem Residenz einer schwarz- 
burgisclien Hauptlinie, ist sie seit 171(3 der Nebenlinie Sou- 
dershauseu zugefallen. — Arnstadt ist der Geburtsort des 
Tonsetzers Chr. Bach (1643—1708), des Oheims und Lehrers 
von Job. Seb. Bach, der von 1704—1707 hier Organist au der 
Bonifatiuskirche war, wo sich auch die berühmte Bach'sche 
Orgel beündet, und Mich. Bachs (1060—1718). des Schwieger- 
vaters von Johann Sebastian Bach. Auch der Dichter des 
„Gesundbrunnen", V. W. Xeul)eck, Avard hier 1765 geboren; 
seine Vaterstadt hat ihm ein Denkmal errichtet. In ihrer 
an der Hoheubleiche gelegenen Villa Avolnite und starb die 
unter dem Namen Marlitt bekannte Romanschriftstellerin 
Fräulein John. 

Arnstadt besitzt eines der schätzbarsten mittelalterlichen 
Bauwerke in der in ihrem ursprünglichen Stil wiederher- 
gestellten *Liel)frauenkircIie am westl. Ende der Stadt, 
ihre reichen und zierlichen Portale sowie die beiden Türme 
an der Westseite sind beachtenswert und zeigen den Über- 
gang des Ruudbogenstils zur Gotik. Im Innern betindet 
sich das schöne Grabdenkmal des 1583 verstorbenen Grafen 
Günther des Streitbaren von Schwarzburg. — Den schönen 
]\Iarktplatz ziert das stattliche Rathaus mit künstlichem 
Uhrwerk. 

Der hübsche Schlofsgarten ist eines Besuches wert. Das 
1560 erbaute oUe Schlofs, Ruine Neideck, ist zum Teil Avegen 
Baufälligkeit abgetragen; seit 1716, wo mit Anton Günther II. 
die Linie ausstarb, residiert der Hof in Sondersliausen. Vom 
63 m hohen Schlofsturm prächtige Aussicht. — Das fürstliche 
Palais, 17;>2 erbaut, auch Wittumspalais genannt, am Sclilofs- 
platz, enthält eine Sammlung von Forzellangegenständen 
und Bildern. Der „Kevernburger Willkomm", ein Becher iu 
der Fonn eines Hüfthorns, der über zwei 3Iafs fafst und von 



;iS. Arnstadt, IJtj 

jedem Ritter, der zum Besiicli iu die Burg kam, auf eiuen 
Zug geleert werden mufste, heiiudet sicli jetzt im Rathause. 

Freunden der Gartenkultur ist der Besuch der Möliriug- 
schen Kunst- und Handelsgärtuerei am Längwitzer Thor zu 
empfehlen, auch Spittel, Clotthold & Cie.. Neerliug u. a. m. 

Die lohnendste Partie iu der Umgebung von Arnstadt 
ist der mit reizenden Anlagen geschmückte, wegen des Bahn- 
baues zum Teil abgetragene Fürsteuberg:; man erreicht ihn 
vom Riedthor in V4 St. Er bietet, besonders bei einem Lust- 
hause mit Säulenbau, entzückende Blicke auf den Plaueschen 
(rruud. Mitten im Tlial, wo es sich erweitert, ragt aus der 
Ebene der Felskolofs empor, auf welchem die Ehrenburcj 
oberhalb Plane thront, und im Hintergrunde der Thüringer 
Wald mit dem Schneekopf. 

Xoch ausgebreiteter ist die Aussicht von der etwas weiter 
gelegeneu Ereiiiitagre (V2 St.), mit treffliclien Anlagen und 
einer Restauration. Man erreicht dieselbe auf folgenden genau 
angegebenen Wegen: 1. Nach Durchschreitung des Riedthors 
wenden wir uns bei der zweiten Teilung der Fahrstrafse 1. 
von der quer vorliegenden Xiebergall'schen Kuranstalt bis 
zur Lohmühle, überschreiten dort die (rera und bald darauf 
die Eisenbahn ('^U St.) und folgen nach Anleitung der dort 
augebrachten Tafel den roten Wegebezeichnungen (s. S. lo7). 
2. Vom Längwitzer Thor aus verfolgen wir r. (südl.) die 
Promenadenwege die Gera aufwärts bis zum grofsen Wehr, 
überschreiten dort die Eisenbahn und verfolgen den Prome- 
nadenweg weiter aufwärts bis zu der oben erwähnten Tafel. 
Ton da zur Eremitage entweder 1. auf dem Pufsweg durch 
den Wald, oder r. aiif dem Fahrweg (V4 St.). Auf der Ere- 
mitage gute Verpflegung, hübsche Ruheplätze, Aussicht über 
den Plaueschen Grund, nach dem Thüringer Wald, zum 
Schneekopf. Die Wände, welche jenen Grund bilden, sind 
Avenig bewachsen, der steinige Grund bietet viele Schwierig- 
keiten. Von der Eremitage auf dem rot gezeichneten Wege 
weiter zur Wasserleite und Königsruhe ('/o St.), Schutzhütte 
mit Aussicht auf den Plaueschen Grund, Arnstadt und auf 
ein kahles Bergmeer bis zum nördl. Thüringer Wald; ein 
Halbrund, kein Rundpanorama, 497 m. Der Hopfengrund 
(gute Verpflegung) bietet schöne Plätzchen und Aussicht auf 
die Stadt. 

Den Rückweg nach Arnstadt nimmt man auf dem gelb 
gezeichneten Wege über den Walpurgisklrchhof oder auf dem 
blau gezeichneten Wege über Philosophenplatz, Sängerplatz, 
Hohe Budien (V^ St.). 

In der nächsten Umgebung Arnstadts besuche man auch 
Sehönbrunn und das Jonasthal niit dem Jungfernsprung. 



14U 39. Erfurt. 

Aucli die Altcuhitirj an der andern IJero'wand des Tlauesdien 
Grundes wird liäulijj: bestiegen, niid die Partie durcli das 
Dorotitcmfhal auf die aussiclitreiclie Ruine Kevcmhur;;, 
Stanimsclilofs der Fürsten von Sch\varzl)ury, gern besu(;lit. 
Sehr lohnend ist auch die Tour nacli den Re'mHberyen auf 
dem rotbraun gezeichneten Wege von der oben erwähnten 
Wegetafel ab (P/2 St.). Scliöne Waldpartie, herrliche Aus- 
sicht, geräumiges Schutzliaus (vom Tli. W.-V. angelegt). Die 
Fundamente der einstigen (Raubritter-jBurg Heinsberg sind 
noch erkennbar. 



39. Erfurt. 

Gasthöfe: *Buiiiisclier h'uistr, am Anger; Rheinischer Hof, unweit vom 
Eegierungsgebäude, mit dem Bierlokal „Franziskaner" ; Thüringer 
Hof, nalie dem Dom, gutes Bier, gelobt; Preußischer Hof, am Anger; 
Silber, am Bahnhof; gute Küche; *Weifses Ro/s, sehr gutes Essen; 
Kronprinz, Tutter-strafse; Ritter, in der johannisstrafse, gut; Victoria, 
Bahnhofstral'se; Hotel f/urni, Bahnhofstrafse. 

Restaurationen und Bierlokale: *Bohne (früher Steiniger), in der 
PretUgerstrafse. gutes Kssen, mit Garten, Durchreisenden zw em- 
pfehlen; Kohl, am Anger, mit Garten: Kaisersaat, im Winter Konzerte. 
JBirkenstralse; Rutsketler, im Rathaus; Restaiiration Zum Franziskana . 
im Rhein. Hof; Wilder Mann, Johannisstrafse; Töpler, Grafengasse: 
Reiiiii, Löberstrafse ; Yu(/e!s Harten : Theaterkarten. 

Konditoreien: Stolze <ۥ Bachrodt, am Hirschgarten; Gundermann, 
Neuestrafse; Bering. Marktstrafse; Jordan, Winkler, Wenigenmarkt ; 
Walter, Neuwerkstralse. 

Gartenwirtschaften und Felsenkeller:* Vogels Garten, oft Konzert. Vor 
der Stadt: das *Steigeriiirtshaiis, unweit davon die Silherliütte, das Wald- 
schlö/schen auf der Höhe des .Steigers, das Schie/shaus, der Baumann'sche, 
Schedel'sche und ^A/Ze/cFelsenkeller, der Flaner'sche vor dem Krämpfer- 
thor und der Auenkelhr vor dem Andreasthor; *Fiora, Steigergasse, 
namentlich abends sehr besvicht; Theatergarten: Waldhaus. 

Droschken : 1 Person 50 Pf., 2 Personen 75 Pf. 

Pferdebahnen von Ilversgehofen nach dem Steiger, vom Bahnhof 
nach dem Andreasthor 10 Pf. 

Badeanstalten: Das neue Akiienbad, am Hermannsplatz; W. Kraujse, 
Krämpfermauer 6. 

Bezeiclinete Wegre: 

1. Melchendorf, AVillröder Forst, Riechhcimer Berg — weiJs. 

2. Willroda, Riechheimer Berg — hochrot. 

Erfurt, uralte, umfangreiche Hauptstadt Tlniringens, an 
der Gera, 195 m ü. 31., mit (59 oüO Einw., ist Hauptstadt des 
gleichnamigen preufs. Regierungsbezirks. Sitz mehrerer .lustiz- 
und Verwaltungsbehörden, ^littelpunkt und Sitz der königl. 
Direktion des Eisenbalmdirektionsbezirks Erfurt, der General- 
Inspektion der Thüring. Zollvereinstaaten und der Überpost- 
direktion für die Tliüring. Staaten und war bis in die jüngste 



B 



PLAN vQN^ iRrymr 



Botels. 

8. Solei Silber __ D^t 

9. Jibmisdtcr^Eazaeri) 3 

/O.WassesHoss D 3 

fi.TraissHof^ D3 

/2.£7tecnzsA SbC^C ^l 

fS.IKvnprmx D 3 

iuJtitter D 3 

^o'jfTdamifaiBofJC. 3 

GuWle/Uuii'Öis tAa^Enj. 



Triediwr^ * 



fß Yoffeh Gdrtai._V, 'l 
i7.Saison,17uaterJ(\ It 
/SJhi&n K-Mer. B 2 




39. Erfurt. 141 

Zeit Festuno- mit zwei Citadelleu, dem Petersberg und der 
Oyriaksbnrg. 

In Erfnrt stiftete Bonifatius ein Bistum, welches aber 
später dem 746 gegründeten Erzstifte Mainz einverleibt 
wurde. Karl der Grofse verlieh 805 der Stadt die Stapel- 
gerechtigkeit, wodurch sie einen mächtigen, späterhin durch 
die von den deutschen Kaisern hier abgehaltenen Reichstage 
geförderten Aufschwung nahm. Eine endlose Kette von 
Zwistigkeiten zwischen dem Magistrat und den Bürgern, dann 
wieder mit den Grafen und Rittern der umliegenden Gegend 
füllt die Geschichte der Stadt melirere Jahrhunderte hindurch 
aus; sie ging jedoch meistenteils als Siegerin hervor. Hart- 
näckiger waren ihre Kämpfe gegen die Landgrafen von Thü- 
ringen und die Erzbischöfe von Mainz; es gelang ihr aber, 
trotz der von beiden Fürsten auf die Landeshoheit gemachten 
Ansprüche eine Art von Unabhängigkeit zu behaupten. Als 
Anhängerin des geächteten Grafen Adolf von Nassau, Erz- 
bischofs von Mainz, traf auch sie der päpstliche Bannstrahl 
und die Reichsacht; sie trug beides standhaft, und Adolfs 
Dankbarkeit half ilir (1392) die Universität gründen, den 
berühmtesten Sitz der Humanitätsstudien, wodurch sie die 
höchste mittelalterliche Städteblüte erreichte. 1472 rächte 
sich Apel v. Vitztlium an Erfurt, weil es seinen habsüchtigen 
Plänen nicht Vorschub leistete, durch einen fanatischen 
Mönch, Dietrich Burkart* aus Schulpforta. indem er den- 
selben durch glänzende Versprechungen dazu bewog, die 
Stadt an mehreren Enden in Brand zu stecken. Hierdurch 
wurde sie fast ganz zerstört, und da sie ohnedies acht Jahre 
vorher durch die Pest (welche 28 000 Menschen dahinraffte) 
hart mitgenommen war, so mufste sie 1483 mit Sachsen 
ein Schutz- und Schirmbündnis schliefsen. Luther lebte 
in Erfurt von 1501 — 1508 als Student und Augustinermönch. 
Die Parteikämpfe zwischen den Gewerken und Innungen 
einerseits und den Patriziern andererseits erreichten in dem 
sogenannten „tollen Jahre" 1509 ihre Höhe und arteten in 
einen hellen Aufruhr aus. Durch fortgesetzte Intriguen 
wufste aber Mainz im 17. Jahrhundert Ansprüche geltend zu 
machen, und seit 1667 blieb Erfurt unbestrittenes Besitztum 
der Mainzer Kurfürsten, bis es 1803 (als Entschädigung für 
die an Frankreich abgetretenen Besitzungen) an Preufsen fiel. 
Xacli der Schlacht bei Jena geriet die Stadt in französische 
Hände, 1808 (im Okt.) versammelte Napoleon in Erfurt einen 
Fürstenkongrefs um sich, Kaiser Alexander von Rufsland, 
die Könige von Sachsen, Bayern und Württemberg, Hieronymus 
von Westfalen, die Grofsherzogin Stephanie von Baden etc., 
und der Schauspieler Talma war berufen, die hohen Herr- 



14-2 3'J- Erfurt. 

Schäften durch seiue Kunst zu unterlialten und vor einem 
Parterre von Köniiicn zu üpielen. Auch Goetlie kam. vom 
Grofslierzotr Karl Aug^ust bescliieden, von Weimar nacli 
Erfurt. 1814 ergab sich die Stadt wieder an Preufsen. welches 
sie stärker befestigte. Ihre Universität Avurde 1816 auf^-e- 
hoben. 

Die Stadt ist mehr mittelalterlich-interessant als schön; 
nur der An(jcr (Hauptstrafse), der Fischmarkt mit dem neuen 
Rnthniis und den Iteiden hocliinteressanten Renaissancebauten 
„zum breiten Herd" und „zum roten Ochsen." und ebenso 
der Friedrich- WiVichns-Flatz haben ein modernes Aussehen; 
ferner die vor mehreren der niedergelegten Thore entstandenen 
Neubauten. Den Friedrich-Willielms-Platz zieren der Dom 
und die Severikirche. die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt, 
sowie der alte Kenaissancebau der „hohen Lilie", in welchem 
u. a. Luther unil Gustav Adolf Avohnten, und das stattliche 
Landgerichtsgehäude. 

Der *I)oiii soll schon 752 von Bonifatius als Kii'che 
gegründet sein. An ihrer Stelle wurde 1153 eine neue 
begonnen; der prachtvolle Chor ist 1849—53 aufgeführt, das 
Langhaus hingegen erst um die Mitte des 15. Jahrh. um- 
gebaut. Am imposantesten nimmt sich der hohe Chor vom 
Friedrich- Wilhelms-Platz aus. An seinem Fufse zieht sich 
ein Brüstungsgeländer herum, und r. fin nördlicher Richtung) 
erblickt man das reichverzierte 'Hauptportal, zu welchem 
man auf vielen Stufen (den sog. Graden) hinansteigt, und 
wo an den Seitenwändeu unter Baldachinen trelf liehe Statuen 
der Apostel stehen. Am Mittelpfeiler (zwischen den Thor- 
flügeln) befindet sich die Statue der heil. Anna, und über 
dem Thürsturz das Feld mit dem Bilde des Gekreuzigten, 
umgeben von Maria und Johannes. Die Kröni;ng des Portals 
ist ein Spitzgiebel, in dessen Mitte eine grofse Fensterrose 
sich befindet. An der entgegengesetzten Seite des Portals 
sind die Statuen der klugen und thörichten Jungfrauen. 
Xeuerdings ist eine grofsartige Restauration des ganzen 
Kirchenbaues ausgeführt, tuul die an den Pfeilern der Chor- 
Aufsenseite fehlenden Statuen sind von dem Bildhauer 
Kölling ergänzt worden, der auch die anderen neuen Skulp- 
turen gefertigt hat. Um das Innere des Domes zu sehen, 
wird man wohl thun, nicht dixrch das Hauptportal, sondern 
durch den am Westende des Schiffes befindlichen Eingang 
einzutreten. 

Im Innern der Kirche (den Domwärter ruft man, falls 
die Kirche geschlossen, durch die Glocke oberhalb der Stufen, 
Trinkgeld 75 \*i. bis 1 Mk.j ist die Kanzel, von Schinkel, 
])eachtenswert ; ilann weiterhin im Chor das Steindenkmal des 



39. Erfurt. 143 

Grafen Ernst III. vou Gleichen und seiner beiden der Sao-e 
nach gleichzeitigen Ciemahliunen, aus dem 13. Jahrh. Treff- 
liches Bronze- B die f: Krönung der Maria (angeblich von 
P. Vischer). Aufser dem Hochaltar sind noch IS kleinere 
Altäre vorhanden; die Anbetung der Heiligen, die Mutter 
mit dem Jesuskinde und die Vermählung der heiligen Ka- 
tharina sind Gemälde von L. Cranach; das Altargemälde, 
Anbetung der heiligen drei Könige, ist von Beck. Unter 
dem Kronleuchter betindet sich die Statue Wolfram Hildrichs, 
eine Leuchtertigur aus dem 11. Jahrb., zum Andenken an 
^eine Pönitenz. Aus derselben Zeit stammt auch der neuer- 
dings aufgefundene schöne Teppich mit Bildern aus Gottfried 
von Strafsburgs „Tristan uud Isolde". 

Auf dem Turm beündet sich die bekannte, liO? von 
Gerhard de Wou von Kempen gegossene, 275 Centner schwere 
Glocke „Maria gloriosa". Sie ist an die Stelle der alten, 
1251 geschmolzenen ,. Susanna" getreten. Vom Turm schöne 
Aussicht auf die reichbetürmte Stadt und in die "weite Um- 
gegend. Von der neuen Plattform am Westgiebel des Doms 
führt eine runde Freitreppe in die 3Iainzerhofstr. (Gewehr- 
fabrik); von unten gute Aussicht auf die 1870 angebrachte 
Madonna, 3Iosaikl)ild von Salviati in Venedig. 

Dicht neben dem Dom befindet sich die Severikirclie, 
eine Hallenkirche mit 5 gleich hohen Schiften nebeneinander; 
das Langhaus ist in spätgotischer Zeit, nach einem Brande, 
erbaut. Der Haiiptschmuck des neuerdings prachtvoll er- 
neuerten Innern ist der Taufstein von 11:70 und ein Marmor- 
relief des hl. Michael. 

Auf dem Platz vor beiden Kirchen, dem Friedrich- 
Wdhelms- Platz, steht ein Obelisk^ dem Kurfürsten Friedrich 
Karl Joseph 1777 errichtet. Die hier einmündende Markt- 
strafse verfolgend, gelaugt man auf den Fischmarkt, dessen 
Hauptzierde das 1871 — 75 vou Sommer neu im gotischen Stil 
erbaute Rathaus ist. (Täglich 11—1 Uhr gegen 30 Pf. 
ä, Person; aufser dieser Zeit gegen 1 Mk.) Die schöne Fagade 
ist mit den Kaiserstatuen vou Friedrich Barbarossa und 
Wilhelm I. geschmückt. Das Dach mit seinen architektoni- 
schen Verzierungen und Türmcheii ist beachtenswert. An 
der Hauptseite befindet sich eine Normaluhr von Maunhardt 
in 3Iünchen, darüber eine neue Rolandsfigur, modelliert von 
Kugel in Ruhla. Im Innern sind verschiedene Säle und das 
Treppenhaus, das Archiv u. s. w. sehenswert. 

Im grofsen Festsaal die *Freskogemälde von Professor Jansen, 
welche Ereignisse aus der Greschichte Erfui-ts darstellen: ]. Hanpt- 
bild: Der heilige Bonifatins bekehi-t Erfurt zum christlichen Glauben; 
1. Thürbild: Der heilige Martin, die lieilige Elisabeth und die Kiuder- 
wallfahrt; 2. Hauptbild: Herzog Heinrich der Löwe demütigt sich 



144 ^3- Erfurt- 

vor ik'in Kaiser Friedrich Rotbart; 3. HaxiiitliiUl: Kaiser Riiilolf von 
Habsburg zerstört mit Hülfe der Erfurter die Burgen der Raub- 
ritter; 2. Thürbild: Die hohe Scluile zu Erfurt; 4. Hauptbild: Das 
tolle Jahr; 5. Hauptbild; Die Stadt Erfurt unterwirft sich dem Kur- 
fürsten Johann l'liilipp von Mainz; 3. Thürbild: Erfurt hulili^jt dem 
König von Preulsen; li. Hauptl)ild: Die Zerstörung des Obelisken auf 
dem Anger bei der Einnahme Erfurts 1814. — Die an der Nordseit(t 
liegende Front erinnert durch ihre Kolonn.iden an die Lauben sü<t- 
licher Städte. Vor dem Rathavis die alte Hülandsmiüe. 

Die Marktstrafse zu Ende gelieiid, gelany'en wir au eiue 
über (JO ni lauge, enge Stral'se, deren dreistöckige, meist 
altertümliche Häuser auf einer Brücke fulsen. die zur Zeit 
(les mittelalterlichen Flors (in welchem Erfurt über üU ÜilO 
Einw. zählte) Sitz der reichen Kautleute war, der Kränwr- 
brücke. Über den Wenigeumarkt (Fruchtmarkt), wo sich die 
frühere, jetzt in ein Wohnhaus verwandelte Egydienkirche 
mit ihrem wohlerhalteuen Griebel und Turm im spätgotischen 
Stil betindet, durch die Futterstrafse mit dem Kaisersaal, 
kommt man in die Johann isstraf se. wo das prächtige Re- 
naissancehaus Zum Stockfisch und die Kaufmaimskirche. und 
dann auf den Aiigrer, mit der Konwuw(la.ntm\ dem 18S9 er- 
richteten *Luther(leukiiial von Schaper, Brouzegufs mit S Re- 
liefs im Grranitsockel, dem neuen Postgebäude und dem Pack- 
hof (in dessen Räumen die Königliche Bibliothek mit OOUOO 
Bänden [3Iontag. Mittwoch, Sonnabend geöffnet von 1 — 3 resp. 
4 Uhr] uuil das neu eingerichtete städt. Museum [mit den 
Nehrli'scheu, Cxerhardt'scheu und Bellermann'schen Samm- 
lungen]). Am andern Ende, neben dem ehemaligen Augustiner- 
kloster, erblickt man den neu errichteten monumentalen 
Brunnen, daneben die Wigbertikirche und das vom Koadjutor 
von Boyneburg erbaute Reglenrngsgebände ^ die ehemalige 
Residenz des inainz. Statthalters und zuletzt des Koadjutors 
Karl von Dalberg (f 1817); es diente 18Ü8 Napoleon 1. zur 
Wohnung. In dem der Regierung gegenüber liegenden Hirsch- 
garten ein Denkmal für die in den letzten Kriegen gefallenen 
Soldaten, von Gruher in Berlin. Von hier über die neue 
Kasinobrücke, bei Barfüfser- und Predigerkirche vorbei, nach 
dem Fischmarkt (Rathaus). 

Vom Dom und vom Rathaus her gelangt man an dem 
Universitäts-Cxebäude mit schönem Portal vorbei durch das 
Viertel der früheren Patrizierhäuser über die alte sogenannte 
Lehmannsbrücke, welche auf- und abwärts einen interessanten 
Blick auf den Creraflufs bietet, in die Augustinerstrafse. 

Die A.ug:ustinerkirche diente 1850 dem ünionsparlament 
als Sitzungssaal. Dicht dahinter betindet sich das alte 
Augustinei--Klostergebäude, welches seit 1071 einen Teil des 
evangelischen Waisenhauses bildet. 



39. Erfurt. 145 

Unmittelbai- vor dem HaiTptaltar liegt ein Stein mit der Aiif- 
schritt: .Anno domini MCCCCXXVIII seqiiente die St Jacobi obiit 
reverendus vir frater Johannes Zacharias Sacrae theologiae professor, 
hie sepnltus, cujus aniiua requiescat in pace. Amen." Dieser 
Zacharias, wegen seiner Gelehrsamkeit bekannt, wurde von dem 
Prior des Augustinerklosters zum Konzil nach Kostnitz geschickt. 
Er war ein eifriger Anklager des Johann Hills und trug viel dazu 
bei, dafs Hüls verbrannt wurde. Für seine Verdienste erhielt er vom 
Papst die geweihte Eose, die an seinem Haupte auf dem Grabstein 
abgebildet ist. Auf diesera Stein stehend, erhielt Luther am Sonntag 
Cantate löC7 die Priesterweihe. 

Neben dem evangelischen Waisenhaus liegt die vom Rektor 
Eeinthaler lfj'21 errichtete Erziehungsanstalt für Knaben, genannt 
das Marthistift. Hier befindet sich eine von Reinthaler errichtete 
Marfinskuiiiiiier, in welcher das Schwert Liiihers aufbewahrt wird. 

Die Barfiißcrkirchc, hinter dem ehemaligen Augiistiner- 
kloster (jetzt Üffiziers-Kasiuo). 1229 — 32 errichtet und 1836 
restauriert, nud die Predige rkirchc (zwischen jener nnd dem 
Mschmarkt). his 1522 den Dominikanern geliörig (mit alt- 
deutschen Gemälden im Chor), sind durch ihre Bauart be- 
merkenswert und jetzt durch eine neu angelegte Strafse nnd 
Brücke verbunden. Einen hübschen Eindruck macht die 1857 
im romanischen Stil wiederhergestellte Reg'lerkirclie , mit 
einem Turm aus dem 12. Jahrh. und einem Altarbikl aus 
31. Wohlgemuths Schule, sowie einem Gemälde von E. F. 
Hagen: die Auferweckung von Jairus Töchterlein. Sie ist 
die älteste Kirche der Stadt; eine Merkwürdigkeit derselben 
ist der in ihre nördliche l^angseite eingebaute Kreuzgang des 
1138 gestifteten vormaligen Klosters der regulierten Chor- 
herren des Aiigustinerordens. 

Der JoJtaimcs-Frierüiof umschliefst ein einfaches Denkmal 
für sieben am 24. November 1848 gefallene Soldaten, der 
Awjnst-Friedhof enthält die Grabstätten des General-Lieute- 
nants von Radowitz (-j- 1853) und des Chemikers Trommsdorf 
(7 1837). der BrUhler Friedhof die des General-Feldmarschalls 
von MüfÜing (f 1851). 

Den Besuch von Yogels Gtai'ten, mit Restauration, möge 
man nicht versäumen. Weltberühmt ist Erfurts Gartenbau 
uml Kunstgärtnerei, und zahlreich sind die Gärten der Kunst- 
gärtuer. welche die ausgebreitetsten Geschäfte betreiben, und 
zwar nicht nur mit Blumen und Sämereien, sondern auch mit 
Gomüse ftrefflichem Blumenkohl). Die Brunnenkresse, welche 
nii'gends so gut wie hier gedeiht, wird am Fufs des Steigers 
gebaut. Die dazu hergerichteten Beete und Wassergräben 
(Kressklingen genannt) verdienen Beachtung. Wer im Spät- 
sommer Erfurt berührt, versäume nicht, einige Stunden den 
Gärten und Blumenfeldern vor dem Brübler-, Andreas- und 
Krämpferthore zu widmen. Die Gartenerzeugnisse Erfurts 
waren schon im 12. Jahrh. bekannt und besitzen noch jetzt 

Griebens Rei-se-Bibl. : Thüringen. (16. Aufl.) Kj 



146 ■*0. Weimar. 

liohen Ruf. Die vom Uärtuereibetrieb in Erfurt selbst oiu- 
yenunuiieuo Fläclic beträj^t über ;M)Ü ]\Ior!2:eii. Die be- 
rühmtesten Handelsgärtner sind: F. C. Hcinetiiann in der 
Kohlgrnbe, Lorenz in der Joliannisstr ., Bcnary am Brühler 
Thor, j\'. Christen scn, J. V. Stiiniidt in der Schlösserstrarse 
neben der Lorenzkirche, Haage cfc Schmidt. Platz & Sohn 
vor dem Krämpt'ertlior u. a. Dem um Erfurts Gartenkultur 
und Wohlstand so sehr verdienten Chr. Beicliardt ist auf dem 
Reichardtijlatz am Ende der Neuwerksstrafse ein 8tandl)il(l 
mit Skulpturen g-esetzt, (gearbeitet vom Dombildhauer KöUinü,-. 

Lohnend ist auch der Ausflug" nach dem ^/o St. von der 
Stadt westlich gelegenen Steig:er, am Abhang des Steiger- 
waldes, mit hübschen Anlagen und herrliclier Aussicht auf 
die turmreiche Stadt, das Dorf Hochheim sowie auf eine der 
Drei Gleichen und den im Westen hervordämmernden Thü- 
ringer Wald. 

Die Pferdebahn fährt bis zur Flora (Restaur.). Gleich 
dahinter das Steiyerhans (hübsch gelegene Restaur.). 5 Min. 
ol)erhalb des Steiger durch den Augnstapark zur Friedrich- 
Wilhclmshöhe mit einem Denkmal. Von hier sowie von der 
nahe gelegenen „ Vesiierbank" schöner Blick auf den Dom und 
die turmreiche Stadt. Weiter auf schönen Promenadenwegen 
nach ('/+ St.) dem Waldlums mit '''prachtvollem Panorama 
des Thiiringer Waldes (von den Fenstern des ersten Stockes ), 
vom Schwarzathal bis zur Wartburg, die Heinleite, Schmücke 
und den Harz. ^U >*>t. weiter Bhoda. Vom „Silberblick"' ähn- 
liches Landschaftsbild wie vom Waldhaus, jedoch ohne Aus- 
sicht nach Norden, aber mit schönerem Vordergrund. 

Eine andere Pferdebahnlinie führt zum Schiefshaus und 
den daneben liegenden Schedels-, Banmanns- und AJcticn- 
brauerei-Fclscnkellcrn. An Baumanns Eelsenkeller vorbei auf- 
wärts durch schönen gemischten Hochwald zum (^/.^ St.) 
Waldschlörselieu , schön im Walde gelegen. Ruhiger, an- 
genehmer Aufenthalt. 

Andere beliebte Ausflugsorte sind: Hochheim (V2 St.), 
Bischleben (''.^ St.), Stedten (1 St.\ Möbisburg (1 St.), Schlofs 
Molsdorf (IV2 St.) mit Park, Melchendorf (»4 St.). 



40. Weimar. 

Gasthöfe: *Hitssisther Hof, am Ivarlspliitz, zunächst der Post, vornelnu, 
hübsche Lage; *Erbprim, um Markt (Besitzer F. LaiiKenherp:), renom- 
miert; Ohcmiiiiiiiii, in der Gelcitstralse ; *Elej(tnt, am Markt, mit Garten; 
Buhnh<ifs-Hotel. im Bahnhof; *(julde>ttr Adler, Marktstralse; haistrin 
Auffustit, am Bahnhot; auch Garten, gut nnd billig; ^Vdjser Schivdn; 
Preußischer Hof, am Bahnhof. 



40. Weimar. X47 

Restaurationen: Im Stadthauf:: *Roselt, Karlsstr. ; Sächsischer Hof, mit 
Garten (Konzerte; zu empfehlen der Besncli des im Geschmack der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrh. gebauten und ausgestatteten Zimmers 
mit Gemälden von Freisleben und Weichberger, welche 1) den Festzug 
beim 25jälirigenRegiervingsjubiläum des Grol'sherzogs, von 1878, 2i die 
Musik, 3) den Katzenjammer, 4) Weimar im Jahre 1564, 5) das Bier, 
6) das Kartenspiel, 7) das Essen, i-i) den weimarischen Lustgarten im. 
Jahre 1650, 9) Ober-Weimar, 10) die Aul'senseite des sächsischen Hofes, 
11; das alte Rathaus von Weimar darstellen); i'W(o/tsw^ iind Vereinslokal 
am Karlsplatz; Jiiippert, neben dem Theater, wegen seiner schönen 
Garten-Einrichtungen (Werthers Garten) zu empfehlen; /(»// Frainis- 
kaner, Schillerstral'se; Beckers Garten, Kaiserin Augusta-Stral'se: Ariu- 
hrust, Schützengasse; Meyers Konaertliuus, am Brühl. Axii'serhalb 
der Stadt: *Babnliofs-ltesiauriition, gelobt; Kaiserin Äugusta, schöner 
Garten; Scleiefshaus, an der Strafse nach Tieffurt; Felsenkeller, an der 
alten Strai'se nach Berka; * Wal dschlöf sehen, an der Strafse nach Jena; 
Falkenhurij, an der Allee nach Belvedere. 

Weinstuben: Schrickel, am Markt; * Freund, SchillerstraJ'se ; Sehhesse, 
Herderplatz. 

Konditorei und Katfeehaus: Oberdürster, am Markt; Baininer, am Markt; 
Gren^dörjer, am Karlsplatz. 

Droschken : Von und nach dem Bahnliof 50 Pf, in die Vorstädte 
75 Pf. Polizeiliche Taxe! 

Dienstmanns-Institut: Die bestimmten Wege in und aufserhalb der 
Stadt haben ihre festen Taxen. 

Theater: Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend. 
Von Mitte Juni bis Anfang September geschlossen. 

Lese-Mluseum : am Karlsplatz. 

Warme Bäder in der gut eingerichteten Wasch- und Badeanstalt 
beim Residenzschloi's, jenseits der Sternbrücke 1., 60 Pf.; Zünckel, 
Watzdorfstr. ßy. 

Weimar, Haupt- und Residenzstadt des Grofsherzogtunis 
Sachsen- Weimar, 211 m ü.M.. mit über 24 500Einw., indem 
lieblichen Ilm-Thal, liat unter der Regierung Karl Augusts 
(y 1828) und seiner Mutter Anna Amalie einen Weltruf er- 
laugt. i)ie gefeiertsten Heroen der Litteratur lebten an ihrem 
Hofe (Goethe, Schiller, Wieland, Herder). Kotzebue wurde 
liier am 3. Mai 1761 geboren. Goethe lebte hier 50 Jahre 
laug (1775— 1S32J bis zu seinem Tode, Schiller, bis 1801 
Professor in Jena, starb 1805 in Weimar; Herder fungierte 
177G — 181o als General-Superintendent daselhst; Wieland 
lebte von 1772—1813 (anfangs als Prinzenerzieher) in der 
gefeierten Musenstadt; Musäus (geb. 1735 in Jena) war 1768 
Pagenhofmeister und von 1770 bis zu seinem Tode 1785 
Gjmnasial-Professor; Bertuch (geh. 1747 in Weimar) gründete 
1791 das dortige Landes-Industrie-Comptoir, und Falk (f 1816) 
errichtete 1813 eine Gesellschaft der „Freunde in der Not", 
die noch jetzt segensreich wirkt. 

Das *Resitlenzschlols (Führer für die Dichterzimmer im 
westlichen Flügel: der Schlofskastellan; geöffnet in der 
Regel den ganzen Tag ; der Führer erhält für eine oder 

10* 



148 **^- ^v**»"»"'- 

zwei Personen 1 ]\Ik., für drei (xler vier Personen zusammen 
1 ]\Ik. öO Pf., füi' jede weitere Person je '25 Pf. mehr; liöcli- 
stens zwölf Teilnelimer; Führer für den östlichen Flügel, 
der nur uusnalimsweise und mit Beschränkung' g;eött'net wird: 
der Schlofsportier; der Führerlohn ist in gleicher Weise, 
wie vorstehend, bestimmt) brannte infolge eines ]Jlitzsc]ilag-.s 
1774 nieder und blieb 15 Jalire Ruine. Karl August liei's 
es wieder aufbauen und vergröfsern. 

Von den inneren Räumen des Schlosses (die herrschaft- 
lichen Wulinungen werden nur in Abwesenlieit der grofs- 
herzoglichen Familie gezeigt) sind besonders folgende sehens- 
Avert: das i>rachtvoll dekorierte Treppenhaus, der grofse Fest- 
saal, der aus dem ersten Stockwerk in das zweite emporragt, 
mit einer umlaufenden und auf 2U Säulen ruhenden Cxalerie, 
die Zimmer mit (reniälden von Preller und C. Hummel, die 
Zimmer der Urofsherzogin mit den Originalkartons von 
Leonardo da Vinci zu dem berühmten Abendmahl in Mailand, 
das Audienzzimmer des Grofsherzogs, die Kapelle mit den Ge- 
schenken der königl. preuTs. Familie zur silbernen Hochzeit 
des grofsherzoglichen Paares. Die von Karl August vormals 
bewohnten Zimmer und das Bernhardszinivier mit der Rüstung- 
Bernhards des Cirofsen und anderen Erinnerungen au ihn und 
seinen Bruder. Ganz besonders sehenswert sind aber die 
*I)ichterzimiiier, dem Andenken au Herder, Goethe, Schiller 
lind Wielaud gewidmet. Sie werden stets geöffnet, auch wenn 
andere Räume des Schlosses nicht zugänglich sind. Der 
Kastellan erklärt die Gemälde. 

Im Herderzimmer oben au der Decke Herders "Wahl- 
spruch: Licht, Liebe, Leben. Die Gemälde von Jäger stellen 
dar: 1) Harpokrates schwebt auf der Lotosblume, neben ihm 
Athene, sinnend und gerüstet. 2) Henoch Idris, unter der 
Ceder sitzend, mit Blättern im Schofse, langt zum Schwan 
des Paradieses empor; daneben Homer und Ossian mit der 
Fingalsharfe, o) Dem zum Christentum l)ekehrteu ]\Ialer 
Sophronius erscheint Maria im Traum vor der Staffelei. 
4) Dem Cid bringen die unterjochten IMoliren den Tribut, 
doch er verweist sie an seineu König. 5) Petrus kündigt 
dem Cid sein nahes Ende und seinen Ruhm bei der Nachwelt 
an. Die Marmorbüste des Dichters ist von Schaller. 

Das Goethezimmer, von Neher gemalt: 1) Faust be- 
schwört die Geister in offener Halle; Dämonen dienen ihm, 
einer bietet ihm das (Hfttiäschchen, liinter ihm Wagner und 
Mephisto. Seitenscenen: Gretchens \'erführung und die Ver- 
urteilte; darüber: der Zauberlehrling, Erlkönig, König in 
Thule. 2) Plutus mit dem Genius; zur Linken Helena mit 
dem Knaben Euphorion; in der ülitte Fausts Leichnam, den 



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40. Weimar. 149 

die Dämoiieu bean>;prucheii; oben die Himmelskönigiu, uin- 
g-eben von Engeln iind Seligen, nnd Gretcben mit Genien, 
nm Mephisto die Seele des Vollendeten zn entreifsen. Dar- 
über: der Fischer, der neue Pansias, Gott und die Bajadere. 
3) Gauyiued. 4 ) Der Dichter mit der Harfe daherschreitend ; 
Genien beugen die Alpenrosen nieder; Winde stofsen ins 
Muschelhorn. und von oben herab senkt Regen-Zeus die 
strömende Urne. 5) Götz von Berlichingen legt Georg den 
Panzer an. G) Götz nimmt im Hofe der belagerten Burg Ab- 
schied von seiner Schwester und von Franz v. Sickingen. 
7) Egmouts Gespräch mit Uranien. 8) Egmonts Traum im 
Gefängnis. Im Fries der Seitenthür antike Reliefs (Iphigenia 
auf Tauris) aus dem Palast Grimani in Venedig; darüber 
0) Iphigenia, opfernd, tritt zwischen die »Schwerter des Arkas 
und Pylades. entfesselt am Meeresufer den Orest und Avird 
von ihm erkannt. — Zwischen den Fenstern an den Pfeiler- 
wänden: 10) Tasso. 11) Hermann mit Dorotliea am Brunnen. 
12) Der einsam verzweifelnde Werther. lo) Willielm Meister 
zeigt der 3Iarianne das Puppenspiel. 14) 3Iignon und Harfner 
(am Fries darübei'). — Die Innenseiten der drei Bronzethüren 
sind nach XeJiers Entwürfen von Fräulein Angelika Fasins 
in Weimar modelliert wnA^ow B^o-gschmiet gegossen; sie ent- 
lialten treffliche Reliefs. Der architektonisciie Entwurf dieser 
Galerie ist von Schmhel. 

Das Schillerzimmer enthält hauptsächlich Scenen aus des 
Dichters Dramen: 1) Fiesko wird hinterrücks von Verrina 
ins Meer gestofsen: darüber (im Fries): der alte Doria im 
Gedränge, während man die Leiche seines Neffen fortträgt. 
•Jj Don Carlos nimmt Abschied von der Königin (im Fries); 
Don Carlos erl)lickt die Leiche des Jlarquis Posa; Fufsfall 
vor der Königin in Aranjuez. 3) Wallenstein trennt Max 
von Thekla; darüljer: Seni und die Kapuziner-Predigt. Auch 
aus der Braut von Messina, Maria Stuart, der Jungfrau von 
Orleans und aus Wilhelm Teil sind hervorragende Scenen 
augebracht. Am Fries über deuThüreu; der verlorene Hand- 
schuh, der Drachenkampf, Ritter Toggenburg und der Gang 
nach dem Eisenhammer. Sehr sinnig die Scene aus der Glocke. 
Schillers 3Iarmorlniste. von Wagver, ist mit einem goldenen 
Lorl)ei'ki'anz geschmückt. Die Gemälde sind von Neher, 
Hummel. Köuitzer und Kögel. Hier wird auch das Auto- 
graphen-Album, welches die Kaiserin Augusta geschenkt und 
Alexander von Humboldt mit einem Vorwort geziert hat, 
aufbcAvalirt. Im Durchgangszimmer ist der sogenannte 
,. Schillerschrank" in die Wand eingelassen, welcher wertvolle 
Reliquien von Goethe (Ulir, Locke. Schreibzeug), Schiller 
(Dcse, Tasse, Medaillon), Herder (Guitarre, Etui mit Dose) 



150 40. Weimar. 

uiul Wieland (Mütze, Brille) enthält. Der Schrank wird auf 
Wunsch geöffnet. 

Das Wielmidzimmer, mit der Büste des Dichters von 
Wdjincr. die ausüfezeicliueteu Wrtndl)ilder in Tempera von 
Preller; auf rotem Urunde der Wand fünf Darstellungen aus 
Oberon. 

In der Nähe des Residenzschlosses die grorsherzogliche 
*Bibliotliek im sogenannten französischen Schlosse (aufser 
Sonn- und Festtagen täglicli von 9—12 Uhr geöffnet, für 
Fremde auch zu anderen Tagesstunden gegen ein Trinkgeld 
von 1 3Ik. für eine Person, für mehrere Personen je 50 Pf,; 
im Juui wie au den Oster- und Weihnachtsfeiertageu 
geschlossen). Sie enthält etwa 170 000 Bände, darunter 
viele Handschriften, seltene Druckwerke uud 500 alte Stamm- 
bücher; ferner die Büsten von Musäus, Geliert. Lessing, 
Rabener, Winkelmauu, Goethe (von David), Schiller (von 
Dannecker)^ Tieck, Gluck; Gemälde von Lnkas Cranach 
dem Älteren: die Reformatoren, die berühmte Büste Goethes 
(io Jahre alt) von Trippel, gegenüber die Schillers (kurz vor 
seinem Tode), von Dannecker, Herder, von Trippcl. und AVie- 
land. von Kaufmann ; Heinricli Meyer, Porträt Karl Augusts; 
Stock, den Friedrich der Grofse Zieten geschenkt, mit dem 
Begleitbrief; Degen Bernhards von Weimar; Schiffsmodell, 
von Peter dem (rrofsen geschnitzt; die 3Iönchskutte Luthers; 
das durchschossene Koller Gustav Adolfs. Im Turmbau mit 
einer merkwürdigen, 200 Jahre alten Wendeltreppe, frei in 
sicli ruhend, beündet sich eine Militärbibliothek und eine reiche 
Landkartensammlung (die ältesten Karten sind aus den Jahren 
14S4 und 1527). Mit der Bibliothek ist auch eine Antoyraphen- 
sammlung uiul ein Münzkabinett verbunden. 

Das Fiirstenhans dabei (ehenial. Wohnung des Herzogs 
Karl August) enthält Bureaux der Ministerien und den Stände- 
saal. Im westiiclien Erdgeschof.'^ das Telegraphen-Bureau. 

Auf dem freien Platz vor dem Fürsteuliaus. dem Fürsten- 
])lan, das Reiter.staudbild von Karl August^ von Prof. Donn- 
dorf in Stuttgart, enthüllt am 3. September 1875. Au diesem 
Tage hatte Karl August vor 100 Jahren als Herzog die Re- 
gierung seines Landes angetreten. 

Hinter dem Fürstenhaus, nach dem l^ark zu, liegt die 
griechische Kapelle und die einstige Wohnung der Frau von 
Stein; weiterhin die Weimarische iBank, das Staatsarchiv, die 
Hofgärtnerei und das Liszt-Museuiii. (Fülirer: die Kastellanin. 
Geöffnet wälirend der Sommerszeit in der Regel von vormit- 
tags 11 Uhr bis naclimittags 1 Uhr und naclimittags von 
o— 5 Uhr. AN'egeu Führung zu anderen Stunden in der Sommers- 
zeit sowie wegen Führung in der Winterszeit ist die Ka- 



40. Weimar. 151 

stellaniu zu befragen. Gebiilir der Fiihrerin: 50 Pf. für jede 
Person.) 

Das 1811 im gotischen Stil erbaute Rathaus am Markt 
befindet sich gegenüber dem Hause des Hofbuchhändlers 
Hoffmann, in welchem Lukas Cranach der Aeltere und Jüngere 
Avohnten und starben (1553 und 1586). Im Innern des Kat- 
hauses, im sogenannten Bernhardzimmer, ein grofses Gemälde 
von Mardersteig: dem Herzog Bernhard werden die Schlüssel 
der oberen Stadt Breisach überreicht, und eine Goethe-Figur 
in Gips. Das Rathaus wird jederzeit durch den Ratsdiener. 
der im Rathause wohnt, gezeigt; Vergütung beliebig. 

Schiller.s Wolmhans in der schönen Schillerstrafse ent- 
hält noch sein ziemlich unverändertes Schreibzimmer mit 
Arbeitstisch. Klavier, Briefen, mit dem Bett, worin er ge- 
schlafen, seinem Porträt, interessantem Album etc Das Haus 
ist Eigentum der Stadt. (Führer: die Kasteliauin. Geöftiiet: 
im Sommer von S— 12 Uhr und von 2—6 Uhr, im Winter 
von 9—12 und von 2—4 Uhr. Eintrittsgeld: 30 Pf., aufser- 
lialb der angegebenen Stunden 50 Pf. mehr ) 

Am Goetheplatz (Frauenplan , beim Frauenthor, Goethes 
WohnJians . von dem Dichter bis zu seinem Tode bewohnt, 
danach über ein halbes Jahrhundert fast ganz unzugänglich, 
mit dem Tode des letzten Enkels samt den Sammlungen des 
Grolsvaters in den Besitz des Staates übergegangen und seit 
dem 4. Juli 1886 als Goethe -National -Museum eröffnet. 
(Geöffnet : im Sommer die ganze Woche, aufser Montags, und 
zwar von 11 — 4 Uhr; im Winter Sonntags und Mittwochs 
von 11—3 Uhr. Eintrittsgeld: Sonntags 50 Pf., an den 
übrigen Tagen wähi'end der Besuchszeit 1 Mk.. für den Be- 
such an Tagen oder zu Stunden, wo das Goethe-Xational- 
Museum nicht geöffnet ist, sind zu dem Preise von 1 Mk. 
50 Pf. Eintrittskarten bei der Kassenverwaltung des Kultus- 
ministeriums (Rotes Schlofs, Am 3Iarkt) zu lösen. Aufserdem 
Averden auch Jahreskarten — für eine Person 8 Mk., für eine 
Familie 5 Mk. — ausgegeben.) 

Der Besucher gelangt über die nach Goethes Ent\vTirf augelegte 
geräumige und von ihm mit Gipsabgüssen und Kartons geschmückte 
Treppe in den ersten Stock, der, soweit nur irgend möglich, genau 
so wiederhergestellt ist, wie er zu Goethes Zeiten gewesen. Aus dem 
groJ'sen Reichtum der Kunstgegenstande aller Art sind hervorzii- 
hehen: Porträts Goethes von Kraus 177-5, von Angelika Kauftmann 
I7ö7, von Bury 1797, von Kolbe 1822, von Sebbers in jNIiniatur auf 
mnor Tasse 1820, von Stieler IbäS; das Bild Christianens von H. Meyer 
I7i*2 und von Bury l797, von dem Sohn August, dessen Gattin und 
Kindern von .Jagemann-Muller, Schmeller u. a.; daneben Bildnisse 
aus dem weimarisehen Fürstenhause (Anna Amalie von W. Tisch- 
bi-in. Karl August von Kolbe), von Freunden (Marianne Willemer 
von Raab, Zelter von Begas). dazwischen in Schaiikästen Reliquien 
aller Art, Autographen, Goethe gewidmete Ehrengeschenke, die Re- 



152 -iO. Weimar. 

liefs der Eltorn Goethes von Melchior, Büsten uml Denkmalsent- 
würfe von Goethe selbst, von Fürsten und Freunden (letztere be- 
sonders in dem von H. Meyer ausgemalten „Büstenzimmer'"), Fortriit- 
metliiillons von David d'Angers, Gemälde etc. Die östlichen drei 
Zimmer enthalten Goethes eisentliidie KunstsaimuluiiKcn, meistens 
noch in den ursiirüiiftliclien Kahmeu und Schiiiuken: vor aUem be- 
(KnxtendeHaudzeichiiuuj'eu (P. Vischer, Reudiraudt. Hulieiis, (xuercino, 
AVatteau, H ackert, Tischbein, Kobell, (h>r Angelika, Goetlies selbst, 
wertvolle Kupferstiche; Proben der reichen Münzsammlung (l'orträt- 
medailleu des 15. und lü. Jahrhunderts, Plaquettes), geschnittene 
Steine, antike und moderne Bronzestatuetten von gröl'ster Scliön- 
heit, herrliche italienische Majolikagefälse, französische Emaillen 
n. a. m. In dem Hinterhause Go(^thes Studierzimmer nebst dem 
kleinen Sterbezimmer sowie dem Vorzimmer mit der naineralogischcn 
Sammlung und der Bibliothek, in der gesamten überaus bescheidenen 
Einrichtung genau so erhalten, wie es am Tage von Goethes Tode 
gewesen. 

Auf dem Wielancisplatz die am 4. September 1857 ent- 
hüllte Wielandsstatue, von Hans (jrassev in Wien modelliert. 

Weiter hinaus gelangt man durch die Amalienstral'se am 
neuen Gymnasium (das alte Gymnasium, am Herderplatz.^ 
dient jetzt den Zwecken der Baugewerbe- und der Fortbil- 
dungs-Schule) vorbei zum neuen Friedhof. Dort birgt die 
tempelahnliche *Fiirsteiig'rutt die eichenen Sarkophage Goctheft 
(t 188-2) und Schillers (f 1805); daliiuter die Hülle ihres 
Gönners Karl August (f 1828) und verschiedener anderer 
Personen des grofsherzoglichen Hause.s. Die prachtvolle. 
1862 errichtete griechisehe Kapelle, von Streichhan erbaut, ist 
die Ruhestätte der Grofsherzogin Maria Faulotnui. (Führer: 
ein Diener des Hofmarschallamts, welcher in der Sommers- 
reit regelmäfsig Dienstags und Freitags von mittags 12 Uhr 
bis 1 Uhr, an den anderen Wochentagen von vormittags 11 Uhr 
bis 12 Uhr und an sämtlichen Wochentagen nachmittags von 
3—5 Uhr an der Fürstengruft anwesend sein wird. Wegen 
Führung zu anderen Stunden ist im Hofmarschallamte anzu- 
fragen. Während der \\^interszeit wird in der Regel an allen 
Wochentagen von vormittags 10 bis mittags 12 Uhr und 
nachmittags von o-4 Uhr ein Diener im Hofmarschallamte 
zur Führung bereit sein.) 

Auf dem Gottesacker ruhen ferner der Komponist Hmnvicl 
(t 1837), der Kinderfreund J. Falk (f 182()). der Schauspieler 
P. Ä. Wolff, Verfasser der „Preciosa" (f 1828), Fckennaiiit, 
der Freund Goethes, Joh. Fr. Köhr, der Jlaler Bonarcntura 
Gencin, Fr. Preller u. a. 

In der Nähe des Friedhofs das schöne Gebäude der von 
der Grofsherzogin S(tidiie errichteten Krankcvpflegcrimieit- 
Anstalt. und östl. die Kunstsrhnlc, geöffnet 11 — 12 Uhr. 

Von hier kehren wir zum Wielandsplatz zurüiik und gehen 
durch die Kaiserin Augustastrafse und Schützen gasse, in 
welcher das Lokal der Annbrustschützen-Gesellschaft mit 



40. Weimar. 153 

einer Erzbüste Karl Augusts sich beiindet, auf eleu Tbeater- 
])hitz. Auf diesem das von Rietscbel modellierte Scliiller- 
<Toethe-Deukmal, enthüllt am 4. September 1857. Beide 
neben einander stehend, halten einen Lorberkrauz, welchen 
Goethe mit der rechten Hand seinem jüngeren Freund, der 
in der Linken ein Buch hält, reicht, während er seine Linke 
auf dessen Scliulter legt. Das Postament ist ein Geschenk 
des Grofsherzogs von Baden. 

Hinter dem Denkmal das im Jahre 1868 unter der Lei- 
tung des Baurats Bormann im Innern ganz umgebaute und 
restaurierte Theater. Gegenüber hinter einem Vorbau das 
1888 eingerichtete, im Innern freundlich geschmückte Knvstier- 
Jieim. Hinter dem Theater das von der Frau Grofslierzogin 
unterhaltene Sophienstift, (höhere Töchterschule), links davon 
dAs Seminar ; am westlichen Ende der Kaiserin Augustastrafse 
die neu erbaute katholische Kirche. 

Am Eingang in die Schillerstrafse das Wittum spalais, 
in welchem einst Anna Anialie Weimars berülimte Männer 
um sich versammelte. Dasselbe ist jetzt wieder so einge- 
riclitet, wie es zur Zeit des Weimarischen Musenhofes war. 
Die Sammlung unendlich vieler Erinnerungsstücke aus jener 
Zeit ist liochinteressant. Der Kastellan wohnt im Hofe und 
öffnet zu jeder Zeit. In der Nähe (beim Theater, No. 26) 
Wielands Haus, vom Dichter 1808—13 bewohnt. 

Von hier aus zu dem mit schönen Anlagen verzierten 
Karlsplatz, an dessen südöstlicher Ecke das im griechischen 
Stil erbaute Leseninseum, daneben das Gebäude der Erholung, 
diesem schräg gegenüber der prächtige Neubau der Post. Im 
Hause No. 9 die stäudig-e Ausstelluiii;" fia* Kunst und 
Kunstg'ewerbe; geöffnet: im Sommer von 10 — -1 Uhr, im 
Winter von 10 — 3 Uhr; Eintrittsgeld: Sonntags 50 Pf., an 
den Wocheutagen 1 Mk. Aufserdem werden Dutzendkarten 
zu 5 Mk. und Jahreskarten — für eine Person 5 Mk., für 
jede weitere Person der Familie 3 Mk. mehr - ausgegeben. 

Herders Wohnhaus (<lie Dienstwohnung des ersten Geist- 
lichen) ist hinter der Stadtkirclie. Die 1850 auf dem Platz 
aufgestellte *Herderstatue ist 3 m hoch, von Ludwig Schaller 
modelliert und von Ferdinand Miller in München in Erz 
gegossen. 

Die *Stjidtkirche (der Küster wohnt hinter der Kirche 6, 
Trinkgeld 50 Pf. bis 1 Mk.), 1-190 im einfachen gotischen Stil 
erbaut, besitzt ein wundervolles Altargemälde von Lukas 
Cranach d. Alt. (f 1553), vollendet 1555 von seinem Sohn; 
im 3Iittelbild Christus am Kreuz, 1. der Auferstandene, r. 
Johannes der Täufer. Luther, Melanchthon und der 80jährige 
Maler selbst; im Hintergrund Adam, Moses und die Pro- 



]54 40. Weimar. 

plieten, die eherne Sclilanae und die Verkündig'uug. Auf 
dem Innern der Seitenäü<i;el : Kurfürst Johann Friedrich der 
(irufsniütig-e mit seiner Familie knieend; auf der Auf.seuseite: 
die Taufe und Jlimmelfahit. 

In der Kirdie ruhen d(U' Kurfürst Johann Friedrich der 
Grofsmütiy-e (f 1554). der Herzog Joliann (f 1605), Bernhard 
d. Gr. (t 10o9). die Herzogin Anna Amalie (f 1807), Herder 
("i" 180.1); beachtenswert ist auch das Grrabmonument der 
(iemahlin des Herzogs Johann Wilhelm, Dorothea Susanne 
(y 1592), und der aus der Jakobskirche hierher gebrachte 
tirahstein des älteren Lukas Cranach (j- 1553). Die von 
Fr. Schulze 1825 erbaute Urgel ist berühmt. 

Das iiaturwissenscliaftliclie Museum in der Bürger- 
schule hinter der Stadtkirche wird wöchentlich einmal an noch 
zu bestimmenden Tagen und Stunden unentgeltlich geöffnet. 

Auf dem ehemaligen Friedhofe der Jakobskirche, der in 
eine kleine parkähuliche Gartenanlage mit einer Kiuder- 
bewahranstalt verwandelt ist, sind die Grabstätten Lukas 
Cranachs (f 1553), des Märchendichters Musäus (j- 1787). 
der Karoliue Flachsland. Herders Gattin (f 180V»), des Über- 
setzers Bode (f 1793) und des Grafen Schmettau (f 1806 in 
der Schlacht bei Auerstädt). Ihre Grabdenkmäler sind teils 
am Eingang der Kirche, teils an der Kirchmauer angebracht. 

Das *Museum ist auf einem freien Platz des neuen 
Stadtteils nach den Plänen des Professors Josef Zitek in 
Prag 1863—1868 im Stil italienischer Renaissance erbaut. 
Auf einem hohen Rustica-Parterre erhebt sich sein Hallen- 
bau in zwei Hauptgeschossen. Der Skulpturenschmuck des 
änfsereu Materialbaues besteht in 14 Sandsteintiguren, vom 
Bildhauer Eoberf Härtel in Breslau ausgeführt, welche die 
Zwit'kelfelder der sieben Arkaden des ersten Geschosses in 
der HauptfaQade zieren ixnd die heidnische und christliche 
Kunst darstellen, und zwar 1) egyptische und griechische 
Baukunst; 2) griech. und röni. Skulptur in Stein uudiletall; 
o) Gefdfs- und" Freskomalereien; 4j die Genien der .bildenden 
Kunst, Geschichte und Poesie; 5) Glas- und (Ölmalerei; 
6) Bildschnitzereien und Erzgufs; 7) romanische und gotische 
Baukunst. 

Eine breite Grauitfreitreppe führt in die A'orhalle des 
ersten Geschosses. Auf dem ersten Podest des Treppenhauses 
erblickt der Besucher die in der Mittelnische der Nordwand 
aufgestellte Steiiihäuser'sche Marmor()ruppe: Goethe und 
Psyche, nach einer Idee der Bcttiiui von Arnim; die Büste 
Lukas Cranachs, von Di)nndorf; die Wandtläciien des Trepiien- 
hauses sollen noch mit Gemälden gesclunückt werden. Die 
nördliche Galerie des ersten (ieschosses, geschmückt durch 



40. Weimar. 155 

den Fries der Hermaimssclilaclit, von Härtel, ist wie die 
ganze Westseite desselben G-escliosses zur Anfstellung plasti- 
scher Werke, der östliche Seiteusaal dagegen mit den an- 
stof senden Payillons für die Vorbildersanmilung für Archi- 
tektur und Kunstgewerbe und für Ausstellung neuer kunst- 
gewerblicher Erzeugnisse bestimmt. Die beiden geräumigen 
Oberlichtsäle des zweiten Cieschosses enthalten nebst den an- 
stofseuden Seiteuzimmern Gremälde (darunter mehrere gute 
Cranachs und Xiederländer), Kartons und Zeichnungen. Die 
Carsten^ sehen Zeichnungen sind ein Schatz, wie ihn keine 
andere Galerie aufzuweisen hat. Daneben Cornelms' Zeich- 
nuugeu zur Berliner Friedhofshalle und GeneUis letzte Arbeit: 
„Bacchus unter den Seeräubern". Die südlichen Pavillons 
dieses Geschosses sind für Gemmen und Miniaturen benutzt, 
die nördliclieu Pavillons vermitteln den Zugang zur nörd- 
lichen Galerie, dem Glanzpunkt des ganzen Museums, welche 
die Wanäfjeniähle der Odyssee-Landschaften von Prellcr in 
reicher, nach Ziteks Entwürfen von Karl Westplial ausge- 
führter Dekoration enthält. In 16 Laudschaftsbildern sind 
die Schicksale des Odjsseus von seinem Abzüge aus Troja 
bis zur Heimkehr auf Ithaka nach Homers Odyssee darge- 
stellt; ergänzend enthalten die Sockelbilder (rote Figuren auf 
.schwarzem Grund) die Vorgänge auf Ithaka während der 
Abwesenlieit und nach der Rückkelir des Odysseus. Die 16 
landschaftlichen Hauptbilder sind folgende: 1) Abzug des 
Odysseus von Troja; 2) Kampf mit den Kikouen; o) Abzug 
aus der Höhle des Polyphemos; 4) Abfahrt von der Insel der 
Kyklopen: 5) Odysseus auf der Insel der Kirke von der Jagd 
heimkehrend: 6) Verwandlung der Gefährten durch Kirke; 
7) Odysseus erhält von Hermes das Moly als Schutz gegen 
die Zauberkunst der Kirke; 8) Odysseus in der Unterwelt; 
9j Odysseus entgeht den Sirenen; 10) die Gefährten des 
Odysseus schlachten die Rinder des Helios; 11) Odysseus 
wird von der Kalypso in die Heimat entlassen; 12) Rettung 
des Odysseus durch Leukothea; 13) Odysseus bittet Nausikaa 
um ihre Hülfe; 14) Ankunft des Odysseus in der Heimat; 
15) Odysseus sieht beim Sauhirteu Eumäus seinen Sohn 
Telemachos; 16) Odysseus bei seinem Vater Laertes. — Her- 
vorzuheben sind noch die Aquarellzeichnungeu von Moritz 
V. Sclnvind. das Märchen von den sieben Raben und der treuen 
Schwester darstellend. 

Das Museum ist geöffnet im Sommer, vom 16. April bis l.ö. Ok- 
tober, Sonntags und Feiertags von 11 — 4 Uhr, in der Woche alle Tage 
aulser Montags von 10-4 Uhr; vom 16. Oktober bis 15. April Sonn- 
tags und Feiertags von 11—3 Uhr, Mittwochs und Donnerstags von 
10—3 Uhr. Der Emtritt ist Sonntags, Feiertags iTnd Mittwochs un- 
entgeltlich, an den übrigen Tagen sind 50 Pf. zu zalüen. Aufser den 



156 40. Weimar. 

festgesetzton Erürt'nungszciten zahlen 1 2 Personen 1 Mk., jede weitere 
Person 50 Pf. — Die h'iip/ersItdi-StniniilHnf/ mit 40C00 Kunstblättern ist 
jeden Donnerstag geöffnet. 

Vor dem j\[useuin nach der Stadt zu ein scliöner Brunnen 
mit dem Standltild der Wiiiiaria. 

Weiter nach dem Bahnhof zu auf dem Watzdorfplatz 
das von Hob. Hiirtel modelliei'te *Krie^er«lenkiiial für die 
im Krie.n'e s'eg-en Frankreich 1S7Ü/71 g-efallenen Angehörigen 
des Cirofsherzogtums. 

Der au der Südseite der Stadt heim Schlosse und an 
beiden Ufern der Ihn liegende *Psirk, geschmackvoll von 
Karl August im Verein mit Cioethc angelegt, zeichnet sicli 
durch seine majestätischen Baumgruppen und seinen grünen 
Wiesengrund aus vmd enthält viele durch Goethe berühmt 
gewordene Plätze, so das Tempelherrenhans in Form eiiun* 
englisch-gotischen Kapelle, das römische Haus, wo am Fufse 
der Treppe das ö-oethe'sche Gedicht in 3Iarmor eingegraben 
steht : 

Die ihr Felsen und Bäume bewohnt, o heilsame Nymphen, 
Gebet jeglichem gern, was er im Stillen begehrt! etc. 

Das römische Haus, in welchem alle Zimmer noch genau 
wie zu Karl Augusts Zeiten eingerichtet sind, wird gegen 
ein kleines Trinkgeld an den Parkwärter gern gezeigt. 

Ferner bemerkt man im Park das Denloncd des Fürsten 
Franz von Dessa^i; die SehiUerbank; die sog. Bitinc und das 
Borkenhäuschen ; ein Denkmal Genio hujus loci, die sogenannte 
Xatnrhrücke, und auf einer Anhöhe Goethes Berggaiteu mit. 
dem einfachen, scliindelgedeckten Gartenhaus, das der Dichter 
am 10. ]irai 1770 bezog und sieben Sommer hindurch be- 
wohnte. Besichtigung unter Führung des Gärtners gestattet 
(für jede Person "25 Pf.). 

Vom Park fülirt eine schattige Lindenallee in 1 St. nach 
dem Lustschlofs Belvedere, einem geschmackvollen Gebäude. 
Vom Schlosse, von dem nahe gelegenen Gasthof und vor 
allem vom Nordrande des Parkes hübsche Aussicht auf das 
Ilm-Thal, zur Rechten auf Ehringsdorf und Ober- Weimar; 
die Stadt wird durch den Park teilweise verdeckt. Ein 
anderer Weg geht über Ehringsdorf und Ober- Weimar nach 
dem Park und der Stadt zurück. 

In den sehr geschmackvollen, sich südl. nach einem Seiteu- 
tlial hinabziehenden Park-Anlagen sind der Orauyen-Garten 
und die Gewächshäuser, bei welchen eine t'eder vom Libanon, 
ein Schildkrötenbassin, ein Gehege von Gold- und Silbci-- 
fasanen; weiterhin die Büsten von Schiller. Goethe. Herder 
und Wieland etc. 



40. Weimar. ]^57 

Vi St. Östlich von Weimar, am Ihnflufs. liei^'t der Lieb- 
lingsaufenthalt der Herzogin Anna Anialie, Tiefurt, mit an- 
mutigem Park und Landhaus des Grofsherzogs , in Avelchem 
Ooetlie und Scliiller oft verweilten. Unter Uoethes Leitung 
haben öfters theatralische Aufführungen, im Park stattge- 
funden. Denkmal für den bei Rettung Überschwemmter in 
Frankfurt a. O. verunglückten Prinzen Leopold von Braun- 
schweig. Denkstein zur Erinnerung au den Prinzen Oonstantiu 
von Weimar. 

1 St. weiter östl., auf halbem Wege zwischen Apolda 
und Weimar, über Denstcdt mit Burgüberresten und einer 
Apfelweiufabrik, nach Ofsmannstärlt (s. S. 15S). 

Vom Bahnhof uördl. {VU St.) und 1. von der Strafse 
nach Cölleda. welche man eine Zeitlang verfolgt, erhebt sich 
der weithin sichtbare Ettersberg' (408 m, am Nordabhange 
das Dorf Effersbnrg) mit einem Schlofs, ebenfalls Lieblings- 
sitz der Herzogin Anna Amalie, wo in gleicher Weise wie in 
Tiefurt zu Goethes Zeiten lüiutig im Freien bei Fackelschein 
dramatische Auffuhrungen vorgenommen wurden. An seinem 
südlichen Abhang die Herdersruhe , ein mit Pappeln um- 
pflanzter Rasenplatz, wo Herder auf seinen einsamen Spazier- 
gängen oft der Ruhe pflegte. Daneben die Landes-Baum- 
schule Marienhölw und das Rädchen, kleines Gasthaus im 
Walde. 

Von der Hottelstedfer Ecke, an der westlichen Seite des 
Barges, weite Fernsicht aiif Weimar, die Höhen im Saale- 
Thal, nach Erfurt und nördl. nach der Sachsenburg, dem 
Kyffhäuser und der Goldenen Aue. Man geht von hier am 
Waldrande hin direkt über das Karamergut Lützendorf nach 
Weimar zurück. 

In der Nähe von Weimar (12 km) ist noch zu erwähnen 
Berka, Städtchen an der Um, freundlich gelegen, 279 m ü. M., 
i\iit Bad (Kurhmis, Deutscher Kaiser, Tanne, Weimurischer 
Hof, Ilinschlöfschen). Durch seine milde Luft und geschützte 
Lage in einem breiten Wiesenthal, fast ringsum von Wald 
umgehen, ist es zu einem klimatisclien Kurort ganz besonders 
geeignet, gilt auch als Heilstation für Brustkranke. Bäder 
aller Art, gute Kureinrichtungen; Wald-Schlafeinrichtung für 
Lungenki'anke. Ein scliöner Aussichtspunkt ist der Hexen- 
berg. Der Kurhauspark ist in neuester Zeit erweitert und 
nach der „Harth" ein Fahrweg hergestellt worden. Bahn- 
verbindung mit Weimar, Blankenhain und Tannroda. 

Lohnender Ausflug ül)or Hetschhnrg nach dem '^U »^t. 
weiter an der Um stromabwärts nach Weimar zu gelegenen 
Dörfchen Bnchfart (Wirtschaft) mit dem gleichnamigen Felsen- 
schlosse, dessen Gemächer, jetzt durch einen neu angelegten 



158 ^•^- Weimar. 

We<i' leichter zu<^iini;lic,li , in eiiua' Hülie von .'50 bis S'^ m in 
den Felsen gearbeitet sind. Das Schloi's, einzig in seiner Art 
in Thüringen, soll eine »Sehnt zburg Heinrichs I. gegen die 
Hunnen gewesen sein. Siiäter gehörte es den (J raten von 
Orlaniünde, l-lr2S den Grafen von Schwarzburg und li45 den 
Herzögen Friedrich und Wilhelm von Sachsen. Burgmänner 
waren die von Hetschburg. dann die von Harras, seit lö(,)8 
Hans von Meusel)ach und 159-t der Kauzler Gerstenberg, der 
es 1597 der weimarischen Kammer verkaufte. 

Blaiikeiihaiii {Bä)\ Mohr, L'mdcvhmis, — Dr. Fricämamis 
Sanatorium für Brustkranke), 1 St. von Berka, weimarisches 
Landstädtchen mit 'iölK» Einw., o45 m ü. M., klimatischer 
Kurort mit Badeanstalt. Irrenanstalt im alten Schlols. — 
Schöne AValdungen reichen bis an den Ort und sind ohne 
Bergsteigen zugänglich. Billiger Aufenthalt. Eisenbahn nach 
Berka und Weimar. 



Die Bahn von Weimar nach Naumburg führt über 
Apolda und Suiza. 

Apolda {*A(lJer, *Post^ Weintraube, Linde, Thür'mgcr 
Hof [die beiden letzten für bescheidene Ansprüche]), 170 lu 
ü.M., mit 21100 Einw., bedeutende Fabrikstadt, hat vier 
grofse und viele kleinere Strumpfwarenfabriken, acht grofse 
Färbereien, IG Eisengiefsereien. Apolda ist eine der ältesten 
Städte Thüringens mit altem Schlo/s der Herren v. Vitzthum, 
jetzt der Universität Jena gehörig. Die Stadt ist innen 
wenig schön, hat aber seit mehreren Jahren schöne öffent- 
liche Anlagen und, besonders nach dem Bahnhofe zu, neue 
Strafsen mit schönen stattlichen Gebäuden und grofsen Gärten. 
— Zwischen Apolda und Weimar liegt das Gut Ofsmann- 
Ktädt, Haltepunkt der Thüringer Bahn, Kuhestätte Wielands 
{'l' 1813), seiner (lattin und seiner Freundin Sophie Brentano. 
Sie haben einen gemeinschaftlichen Grabstein. 

Suiza {Grofsherzog von Sachsen., beim Bahnhof; Kurhaits., 
auf einer Anhöhe zwischen Stadt und Saline, mit gutem 
Restaurant; WeimnriscJier Hof\ nahe dem Kriegerdenkmal; 
Hotel Simon, Mitte der Stadt; Zum Esche uhaimi . in Dorf 
Suiza), ein besuchtes Solbad, besteht aus drei Ortschaften: 
Stadt Suiza, Saline Neusulza und Dorf Suiza; dieselben liegen 
nahe bei einander, im Thalkessel der Hm, und sind durch 
schattige Promenaden verbunden. Suiza besitzt vier Sol- 
quellen, eine Trinkciuelle, Sol-, Mineral-, Kiefernadel- und 
andere Bäder. Im Stadtpark das Kinde rlieilhad. welches von 
der Frau Grofsherzogin von S.-W. errichtet worden ist und 



I 41. Von Eisenacli nach Salzungen. I59 

imter deren Schutze steht. Neue Trinkhalle für den Miilil- 
bruuuen, für Molken und Mineralwasser. Schöne Kunst- 
gärtuerei am Ivunstgraben. Lebensweise im ganzen billig. 
Spaziergänge: Stadtpark, Kunstgraben weg, Philosophenweg, 
der Herlisberg, Krähenhütte mit Turm und Restauration, 
Lanitzthal, Rudelsburg, Eckartsburg. 

Seitwärts, ^'2 St. westl., liegt Aiierstädt^ bekannt durch 
die für Preufsen so folo'enschwere Schlacht am 14. Oktober 18üG. 



41. Von Eisenacli nach Salzungen. 

Eisenbahn (^yerrahahn) 130 km in 3i/., St. für 1. 13 Mk. 90 Pf., II. 7 Mk. 
80 Pf, III. 6 Mk. 10 Pf 

Man setze sich der Aussicht wegen voii Eisenach aus links! 

Stationen: Eisenach, Marksuhl, Salzungen, Immelborn, Werns- 
hausen, Wasuugen, Walldorf, Meiningen, Grrimmenthal, Themar, 
Hildburghaiisen, Eisfeld, Coburg. 

Die durch das anmutige, vom Thüringer Wald und dem 
Rhöugebirge eingeschlossene Werra-Thal führende Eisenbahn 
(seit 1858 im Betrieb) zweigt hinter Eisenach von der 
Thüringer Bahn südlich ab und durchschneidet bald in einem 
langen Tunnel das Gebirge unter dem Rennsteig. 

Marksuhi [Gasthof zum Wcinhaus)^ weimarisches Städt- 
chen mit einem alten Schlofs, dessen zweites Stockwerk ein 
Holzbau ist, war von 1585 bis 1596 die Residenz eines be- 
sonderen Fürstenhauses. 

Nahe bei Marksuhl liegt der Ort Frauensee, Sommer- 
frische und Luftkurort, Sommer und Winter geöffnet, in- 
mitten grofser Waldungen und umschlossen von Anhöhen mit 
Laub- und Nadelwald. Auf Bestellung Wagen von Frauen- 
see in Marksuhl. 

Wer durch die Zeit nicht gedrängt ist, unternehme vom 
Bahnhof Marksuhl aus einen Abstecher nach dem östl. ge- 
legenen. V2 St. entfernten Melniesberg , der 458 m hoch ist 
und eine prächtige Übersicht beinahe über das ganze Rhön- 
gebirge bietet. Er ist kenntlich durch einen turinähnlichen 
Baum, vom Volk die „Saizunger Botenfrau" genannt. Im 
Westen ein herrliches Bild der Wartburg. 

Auf der Weiterfahrt sieht man 1. einige Häuser von dem 
Dorfe MöJtra. in dem Luthers Eltern wohnten. Seit 1801 
ist dort dem Reformator ein Standbild in Erzgufs nach 
Müllers Entwurf errichtet. 

Salzung'en. 

Gasthöfe: Am See: ^Kurlmus mit 40 Logierzimmern und Parlc- 
anlagen, ersten Ranges, mit Pension, nicht teuer. — Ferner: Hotel 
HüttUngtr und Hotel fApjjold, Ijeide mit Pension und Gartenanlagen. 



2(JQ 41. Von Eisenaeh nach Salzungen. 

Ebendaselbst ilic Villen Wimmer iind Conrad, mit Gartenanlagen. 
— In dei' Stadt: Säihsisclifr Hof, Krone, h'ui/ler, fWiiiniier. — Am 
Bahnhof: Mtininner Hof, raii hiil)sehem (rartcn, beliebte Pension, 
Hotel \\'idlz, neu und komfortabel, und Iktlinlio/s-Jiedaitration. 

Eisenbahn nach Eisenach 45 Min., nach Meiningen 1 St. Eisen- 
biilm nach l,fii(/s;'el(l, Kaltutiiorilheiiti und Vacliti. 

Droschken von und nach dem Bahnhof 5C Pf. 

Salziiasi'eii, 2 St. von Liebensteiu, freundliches meinin- 
o-isohes .Städtchen, 250 ni ü. 31., mit 4000 Einw., verdankt 
«ein Anfblühen den alten, schon 77ö genannten Salzwerken 
und feierte am 1. August 1875 das elfhnnderrjälirige Jubiläum 
seines Bestehens. Das moderne Ansehen hat die Stadt nach 
dem .o-rürsen Brande im .fahre 178(5 erhalten. Auf steilem 
reisen erliebt sich über der Stadt die Schnepfenlnmj . Avelche 
schon 1212 von Kaiser Otto IV. und 1295 von Adolf von 
Nassau erobert und 178(5 ein Raub der Flammen ward. Der 
jetzige Bau auf steiler Felswand ist 1792 vollendet worden 
imd gegenwärtig der Sitz der Bezirksbehördeii. Unter dem- 
selben breitet sich der hübsche, der Oegend zu besonderer 
Zierde gereichende Salzimger See aus, der während des Erd- 
bebens in Lissabon 1755 in heftige Wallung geriet und durch 
sein zeitweiliges Aufkochen und durch das sogenannte Blühen, 
eine Folge der in ihm entstehenden Wasseralgen, interessante 
Erscheinungen darbietet. Man versäume nicht , den Vj St. 
vom Bahnhof entfernten *Sechcr(j (mit Sommerwirtschaft) zu 
besuchen. Vom höchsten Punkt der sich an seinem Abhang 
hinziehenden Anlagen geniefst man eine herrliche Aussicht 
ins Werra-Thal, namentlich schön bei Sonnenuntergang. Eine 
noch weitere Aussicht hat man von der etwas höheren, über 
dem Seeberg gelegenen Schanze (305 m). bezeichnet durch eine 
weithin sichtbare Linde. Unten am Seeberg, seitwärts der 
Promenade, liegt die Teufelshntfe , ein von Bäumen umgebenes, 
tiefes Clrulienloch mit starker Quelle. Lohnend ist auch der 
Besuch der (V^ St.) Luxcnbnrg (Restauration) und des (V2 St.) 
Mühlbeiyi^. Auf dem Bergkopf über K/ostcr Allendorf stand 
ehemals der Frankenstein^ die Dynastenburg der einst mäch- 
tigen Pierren von Frankensteiu. Jetzt krönt ein Aussichts- 
turm den Gipfel. 

Das Solbad, im Jahre 1874 erweitert und vergröfsert, 
mit der grofsartigen Inhal ations- Anstalt und Trinkquelle, 
wird wegen seiner vorzüglichen Heilkraft von Jahr zu Jahr 
mehr aufgesucht. 

Wer von Salzungen einen weiteren Ausflug zn machen Lnst 
und Zeit hat, dem dürfte die Besteigung des Oechsenberges ganz be- 
sonders zu empfehlen sein. Alan fahrt mit der Hahn uacli lUetia^ 
und geht auf bequemem, guten Waldweg über Vidki'rshausen auf 
die Hohe. Oben gut eingerichtetes Schutzhaus; an Wochentagen 
thut man gut, den Forstwart in Völkershansen mitzunehmen, der oben 



42. Schmalkaluen. 161 

gutes Bier auf Lager hat. Den Abweg nehme man nach Vacha. Der 
Berg, ein vollkommener Kegel, 621 m ii. M., bietet eine entzückende 
Rundsicht. Kördl. der Meilsner bei Eschwege, nordöstl. die Wart- 
burg; dahinter der kahle Hörselberg, in grauer Ferne der Brocken; 
östlich dehnt sich die Kette des Thürmger Waldes vom Glöckner 
\ind Inselberg bis zu den Höhen bei Schmalkaldeu lind Wasungen 
aus, südöstl. schau.t man den Bless, die Stopfeiskuppe, die Feste bei 
Coburg, den Dobnar. die beiden Gleichberge, die Geba; südl. ragen 
die Abtsröder Kuppe, der Allersberg, Kreuzberg, die !Milseburg hoch 
in die blaue Luft hinein, während siidwestl. und westl. die Berge 
lim Tann \ind nordwestl. die Wilhelmshöhe mit dem Herkules bei 
Kassel das Panorama abschliel'sen. Innerhalb dieser äulsersten 
Grenzlinien breitet sich ein wundervoll coupiertes Gelände aus, aus 
den grünen Wiesen schimmert die Werra, und die riesigen Xachbaren. 
der Dietrichsberg und der Baier, heben ihre bewaldeten Scheitel 
empor. 

Bei der nächsten Station Immdborn zweigt die Eisen- 
bahn nach Bad Liebenstein ab, an Barchfeld^ Schlofs des 
Prinzen von Hessen- Pliilippsthal, vorbei; hinter Herren- und 
Frmien- Breitungen Avird das W'errathal enger; es zeigt sich 
auf der Höhe 1 , dem Dorfe Wernshausen gegenüber, die 
Toteiiwart, ein altertümliches Eittergut, in der Vorzeit durch 
Türme und Gräben befestigt. 

Am Fufse der Totemvart (10 Min. vom Bahnhof Wernshausen) 
liegt die Zin'ck, ehemals nur ein Wirtshaus „Zum freien Ritter", jetzt 
weithin bekannt durch eine grofsai-tig eingerichtete Kammgarn- 
spinnerei, welche hunderten von Arbeitern aus der L^mgegend Ver- 
dienst schaift. Die hier abzweigende Meininger (alte ..Nürnberger") 
LandstraJ'se führt zunächst nach dem stattlichen Dorfe Schaulhingm 
(in ilin.). Etwa in der Mitte zwischen Schwallungen iind Werns- 
hausen quillt dicht an der Werra ein stark eisenhaltiger Säuerling, 
der Schmalborn, dessen Wasser im Geschmack und in der Zusammen- 
setzung seiner chemischen Bestandteile dem Liebensteiner Saixer- 
brunnen fast gleich ist. Die Quelle, schon im 17. Jahrhundert als 
Gesundbrvinnen benutzt und hochgeschätzt, konimt in neuester Zeit 
wieder in Aiifnahme ; es müfste jedoch für eine schattigere Um- 
gebung gesorgt werden. Eine überraschende Aussicht bietet der 
gegenüber liegende Kirchherq. der von Schwallungen aus in 'A, St zu 
erreichen ist. Man sieht die Thüringer Waldkette und den Dolmar 
vor sich ausgebreitet, wobei besonders der Schmalkaldener Grund 
mit Schmalkalden und der Wilhelmsberg hervortritt; ferner fesseln 
den Blick zahlreiche Ortschaften im Werrathal und die Höhen der 
Rhön. Die Strafse am Südabhang führt durch lieblichen Waldes- 
grund nach dem weimarischen Forstorte ZiUbach, in dessen ]jrächtigen 
XValduugen der Grofsherzog (auch Kaiser Friedrich III. war dort 
als Kronprinz Gast) mit Vorliebe jagt. (Ueber den Hunsrück in 
1 St. zurück nach Wernshausen.) 



4:2. Schmalkalden. 

Von Wernshausen, einem volkreichen, aufljlühenden Orte 
mit Papierfabrik und bedeutendem Holzhandel, fahren täglich 
rt Züge auf der Zweigbahn in ■^,4 Stunden nach 

Schmalkaldeu (\ Krone; j Adler ; j Deutsches Haus ; Pen- 
sion im Kurhaus; Konditorei von Ensinger; Grartemvirtscliaft 

Griebens Reise-13ibl. : ThUringeu. (16. Aufl.) H 



162 4-- ScbmalkiiUlen. 

von Gramer; gutes Bier im Lutliers-, Wiegands- und Wulfs- 
keller; Postverbindnng nacli Brotterode in "i"., St. für 1 .Alk. 
50 Pf, Friedricliroda zum Anschlufs an die Zweigbahn Frie- 
dricliruda-Früttstedt in 3 St. für 2 ilk. 10 Pf., Steinbach- 
HallenberiT in 1 St. für 1 3Ik. 20 Pf.. Zella in ;ii 4 St. für 
2 Mk. 70 Pf.), 30U m ü. M.. mit fast 70(X) Einw.. im lieblichen 
Thal der Schmalkalde, welche hier die kurz vorher durch die 
Asbach verstärkte Stille aufnimmt, hat sein mittelalterliches 
Gepräge noch ziemlich bewahrt. Von den zahlreichen Be- 
festigungstürmen zwar hat sich nur noch einer, der soge- 
nannte „Pulverturm in der Hofnung". erhalten; aber die 
doppelte Stadtmauer ist, wenn auch vielfach durchbrochen, 
noch vorhanden, und die meist engen und winkeligen Gassen, 
die fast durchweg der Strafse zugekehrten Giebelseiten mit 
teilweise ganz eigenartigem Aufbau lassen das hohe Alter 
der Stadt erkennen. Sie wird zuerst 874 erwähnt. 

Schnialkalden liegt am Südabhang des Thüringer Waldes 
in einem Kranze nicht unbedeutender Höhen. Aufser von den 
schon genannten Flüfsclien wird das Gelände noch durch eine 
Reihe kleinei'er Thälchen durchschnitten. So kommt es, dafs 
man fast von jeder Höhe einen überraschenden Ausblick auf 
die Stadt zu Füfsen, die zusammenmündenden Thäler und 
den nahen Gebirgszug geniefst. Sehr zu empfehlen in dieser 
Hinsicht ist der Besuch des Volksgartens, 10 Min. von der 
Stadt. 

Das Badehaus, dicht am Bahnhof, ist 1879 restauriert. 

Die Stadt ist bei'ühmt durch ihre Eisenindustrie (die so- 
genannten Schmalkaldener Artikel) iind durch den 1581 ge- 
schlossenen Schmalkaldischen Bund, dessen Häupter Johann 
Friedrich von Sachsen und Philipp der Grofsmütige von Hessen 
waren. Auf dem Altenmarkt erhebt sich die stattliche, mit 
drei hohen Türmen gezierte gotische Stadtkirche, 1413—1509 
erbaut, mit vorzüglicher ürgel und schönem Geläute. Im 
freundlichen und hellen Chor zwei schöne Gemälde, das eine 
die Einsetzung des heil. Abendmahls, das andere Luther in 
Lebensgröfse darstellend. Über der Sakristei ein gewölbtes 
Zimmer mit alten Büchern und Handschriften, das sogenannte 
Lntherstiibchen. Der in der Nähe wohnende Küster zeigt 
gegen eine kleine Vergütung die Kirche und ihre Merk- 
würdigkeiten. 

Ganz in der Nähe der Kirche steht das Rathaus, 1419 
erbaut, mit dem sogenannten Audienzsaal im zweiten Ge- 
schols, worin im Februar 1537 die Bundesversammlungen ab- 
gehalten und die „Schmalkaldener Artikel" beraten wurden 
und die Unterzeichnung der Schmalkaldener Artikel stattfand 
(24. Febr. 1537). 



42. Schmalkalden. 163 

Auf der Glitte des Platzes das Denkmal Karl Wilhelms, 
des Komponisten der „AVacht am ßhein", 1876 errichtet, eine 
Germania von Walclier in Berlin mit dem 3Iedaillon Willielms 
am Sockel. (Wilhelms Grab mit einfacher Marmorplatte auf 
dem Totenhof.) Der Kirche und dem ßathaus gegenüber die 
im gotischen Stil neu erbaute Post; davor dev Lutherbrnnnen 
mit einer Büste des Reformators. 

Am Lutherplatz liegt das Lutherhaus (jetzt Buch- 
druckerei und Buchhandlung von Feodor Wilisch) mit dem 
historisch denkwürdigen Zimmer im dritten Geschofs. in 
welchem Luther bei seinem Aufenthalt in Schmalkalden 1537 
wohnte. Über dem Balkon erinnert ein Scliwau an die auf 
Luther bezüglichen prophetischen Worte des Johann Hufs: 
„Nach hundert Jahren kommt ein Schwan, den wird man 
müssen leben lau (lassen)!" Melanchthon wohnte in der 
jetzigen Rosen-Apotheke. 

Am Lutherhause beginnt der Schlofsherg anzusteigen, 
und man gelangt bald zu dem am Abhang der Queste schön 
gelegenen Sclilofs Wilheliiishurg, einer ehemaligen Residenz 
der Landgi-afen von Hessen. Der umfangreiche Bau gerät 
leider mehr und mehr in Verfall, ist aber immer noch sehens- 
wert. Im Innern jetzt mehrere Mietswohnungeu, aufserdem 
befindet sich im Riesensaal die sehr interessante Sammlung 
des Hennebergisclien Geschichtsvereins. Der Vorsitzende des 
Vereins (Apotheker Matthias) zeigt dieselbe jederzeit gern. 

Steigt man ein Viertelstündchen weiter hinauf, so ge- 
niefst man auf dem Gipfel der Queste eine lohnende Rund- 
sicht. 

Das Trusenthal (S. 103) kann von Schmalkalden aus 
bequem auf der Chaussee durch den „Pfaffenbach" erreicht 
werden, die durch einsamen, üppigen Wald mit schönen Aus- 
sichtspunkten am Waldhaus (gute Restauration) vorbei nach 
Herges-Auwallenburg führt. 

In der Nähe der Strafse, welche durch das felsige 
Asbacher Tlial und den schönen Ebertsgrund nach dem burg- 
gekrönten Bergflecken Steinhach-Hallenberg und über JJnter- 
und Oher-Scliönau im romantischen Kanzlergnmd nach Ober- 
hof führt, erliebt sich der nur selten besuchte (irofse Her- 
inannsberg' mit seinen grotesken Felsbildungen und seinem 
verwitterten Porphyrkanime. ein Hauptträger thüringischer 
Volkssagen, wert, in den Kreis der besuchten Aussichtspunkte 
eingeführt zu werden. Die Berge vom Schneekopf bis zum 
Inselberg, die fernen Höhen der Rhön mit dem Dolmar und 
der Geba bieten dem Auge ein herrliches Panorama. Der 
Hermannsberg mit seinen Xachbarn Moest, Hoher Stein und 

11* 



X64 ^''- Meiningen. 

üebrannter Stein ij'eliüren zu den gTorsartig'sten inul sehens- 
wertesten l'iirtien des Thüringer Waldes. 

Von Steinbach-HallenberiT wandert man im schönen Thale 
der Hasel in südlicher Richtunj^- weiter über Herges-Hallen- 
bcri) und (1 St.) Vicrnau. 1 St. weiter betritt mau den 
priiufsisclien Marktflecken Schn-arza (g-utes Wirtshaus), mit 
ansehnlichem Schlors, jetzt Sitz eines Amtes. Der Dolmar 
erhebt sicli majestätisch über der Westseite des Thaies (siehe 
folgende lloute). 

Steinbacli - Halleuberg ist ein sehr gewerbfleifsiger 
Flecken des Kreises Schmalkalden, romantiscli gelegen, 3400 
Einw. Gut eingerichtetes Hotel mit schöner Aussicht auf 
den Dolmar. Inmitten des Ortes die gut erhaltene, hoch- 
gelegene HaJJcnhiirg aus dem 10. Jalirh. Eine Bahn von 
Sclimalkalden über Steinbach-Halleuberg nach Zella an der 
Erfurt-Ritschenhäuser Bahn ist im Bau beg-riften. 



43. Meiiiingen. 

Die Werrabahn läuft von ^Vernshauseu nach Wasungen 
(Schwan; Bär), betriebsame Stadt an der Werra, mit Holz- 
stoif- und Pappfabrik, weithin bekannt durch ihren Tabak- 
bau, durch die ihr angedichteten Wasunger Streiche und den 
Wasunger Krieg. Daselbst auch ein Damenstift, gegründet 
1596 von der Familie I\Iarschalk von Ostheim. Auf der Höhe 
die alte Schlofsruine Maienlnft (jetzt Domäne), welches die 
trefflichste Aussicht nach dem Rhüngebirge und den im 
Werrathal liegenden Orten bietet. Hinter Walldorf zeigt 
sich Schlofs Landsherg (S. 165). 

Meining^en. 

Gasthöfe: * Sächsischer Hof, neu eingerichtet, recht gilt; fErbpriii;, 
billig, mit besuchter Restauration; l'ost; fDeutsches Haus; Hirsch. 

Restaurationen: Christen, Kämpf, Hellei", Bahnhof, Schieishaus, 
Schulztn-Ciartcu. liöwe. Bellevue (ausgezeichneter Blick auf die Stadt 
und das Tlial), Reinhardskeller, Roter Hahn; Neiiendorf. 

Weinstuben: Bohlig; Schunk, mit Frtthstückstube. 

Droschken vom Bahnhof iu die Stadt 50 Pf. 

Z\i empfehlen: Karte von Meiniiiyen und Imgegend, bearbeitet von 
Petters. Die Wege in der weitei'en Umgebung sind durch Farbeu- 
striche gekennzeichnet. 

Meiiiin^eu, die Haupt- und Residenzstadt des Landes. 
12 100 Einw.. die Pforte Frankens, wird bei weitem von den 
Touristen nicht in dem Mafse gewürdig-t. als es die Stadt 
durch ihre schöne Lage im Werragrund {'IW m ü. M.) und 
die prächtige Umgebung verdient. Heiuiugen hat am 5. Sep- 



43. Meiningen. Iß5 

tember 1874 ein furchtbares Brandunglück gehabt. Der dritte 
Teil der Stadt ward in Schutt und Asche gelegt; jetzt ist 
sie neu und schöner wieder aufgebaut. Eine grofsartige 
Hülfe ist der durch dieses Brandunglück schwer heimgesuchten 
Stadt zu teil geworden, die Gelduuterstützunoen allein be- 
trugen Ü48 830 3Ik. Eintritt in die Stadt durch die Kaiser- 
allee oder auf schönem Promeuadenwege durch den englischen 
Garten. Beim Ausgang aus demselben Einblick in die schöne 
Bernhardsstrafse mit dem Theater, der Mädchenschule und 
dem herzoglichen Palais. Das 1681 von Herzog Bernhard I. 
erbaute Schlofs ist unbedeutend, verdient aber einen Besuch 
wegen der darin entlialtenen Kunstschätze; die Bibliothek im 
alten, jetzt restaurierten Schlofsflügel ist Mittwoch und Sonn- 
abend von 2—4 Uhr geöffnet Ursi)rünglich war Meiningen 
Würzbnrgisches Besitztum, fiel in der Mitte des 16. Jalir- 
Imnderts an Henueberg und nach dessen Aussterben (1583) 
an Sachsen. — Die Fürstengruftkapelle im Eiiglisclieu Garten 
besitzt treffliche neuere Glasgemälde. — Jean Pauls Haus 
in der frühereu unteren Marktstrafse brannte 1874 mit ah. 
Im Englischen Garten steht sein Denkmal mit Büste; el)en- 
daselbst ein einfaches, aber sehr geschmackvolles Denkmal zu 
Ehren der 1870/71 gefallenen Krieger. In der Stadt be- 
deutende Bauwerke: das neue Eathaus, das Postgebäude, das 
Landgericht, die im gotischen Stil umgebaute *Stadtkirclie 
mit wertvollen Glasmalereien und das Landschaftsgebäude. 

Das herzog'liche Theater, unter persönlicher Leitung 
des Herzogs, hat sich durch die sorgsame Inscenierung dra- 
matischer Meisterwerke ein hervorragendes Verdienst erworben 
nnd durch Gastspiele seinen Namen weit über die Grenzen 
Deutschlands hinaus berühmt gemacht. 

Der neue Friedhof, eine prächtige Parkanlage mit einem 
zu Ehren des Alpenforschers Schaubach errichteten, in ge- 
waltigen, aus den verschiedensten Gegenden der Alpen her- 
rührenden Steiuhlöcken bestehenden Denkmal, verdient einen 
Besuch. 

Beachtenswert ist noch das in westlicher Richtung (kleine 
Vj St.) von der Stadt auf hohem ßergplateau liegende Dorf 
Dreifsigacker, wo man eine schöne Aussicht auf den Thüringer 
Wald, Henneburg, Gleichberge, die Geba und in das Werra- 
Thal hat. Auf dem Wege dahin 1. von der Straf se hübscher 
Fufsweg nach dem Kreuzberg, mit Aussicht auf die Stadt 
und das Werra-Thal. 

Der lohnendste Ausflug ist nach dem V* St. nördl. von 
der Stadt auf isoliertem Bergkegel sich erhebenden Schlosse 
*Laiidsberg' (383 mj. Den Weg dahin nehme man niclit die 



l(Jß 4:}. Miüningen. 

Chaussee entlani>-, sondern durch den *Herrcnherg (Waisen 
haus, mit sc.liönen Parkanlai^-en), über den Bielstein (scliüuer 
Blick über die Stadt, dem Blick vom Tripstein vergleichbar) 
und durch den pi'ächtii>eu Hafsfurtwald mit der Ruine 
Hiibiclitsburg (bescdiränkter, aber uno-emein fesselnder Blick 
ins Thai und auf die gegenüber liegenden, mit prächtigem 
Buclienwald bestandenen Berge). Unten im Thal zog früher 
die Hennel)erger Heeresstrafse aufwärts nach dem durch 
seine Forstakademie einstmals berühmten Dorfe Drtißigocker. 

Von der Habichtsburg aus sollte ein guter Fufsgänger 
nicht versäumen, einen Abstecher nach dem 20 Min. nord- 
westl. entfernten Mclkerser Felsen zu machen. Auf steiler 
Felswand stehend, hat man hier das überraschendste Panorama : 
tief unter sich duB Dorf Melke rs und im weiten Bogen herum- 
gelagert das sogenannte „Amt Sand". Vom Felsen der mit 
Schutzvorrichtung versehenen Ruheplätze aus schlage man den 
durch schönen Buchenwald steil abwärts führenden, durch 
Farben bezeichneten Fufspfad ein. Derselbe umkreist in 
Aveitem Bogen den vorspringenden Bergabhang (Walldorfer 
Kopf), gewährt, nachdem ein Fuhrweg überschritten ist, herr- 
liclie Durchblicke auf Schlofs Landsberg und mündet ixnter- 
liall) desselben in der Nähe der mit Gastwirtschaft verseheneu 
herzogl. Meierei aus. 

Die hochragenden, weithin leuchtenden Zinnen des Lauds- 
berges sind eine wesentliche Zierde des Werra-Tlials, und 
schon in der Ferne fesseln sie das Auge. Im Bauernkriege 
1525 zerstört, erhielt er unter der Regierung des Herzogs 
Bernhard II. in den Jahren 1836 bis ISIO einen stattlichen, 
burgähnlichen, gotischen Neubau, und nur der 1685 durch 
I'ulver gesprengte Turm, dessen eine Hälfte im Burggraben 
liegt und, von Epheu und Schlingptianzen umwunden, einen 
sehr malerischen Anblick gewährt, erinnert an das Mittel- 
alter. Das jetzige Schlofs besteht aus drei Hauptteilen; 
1) der eigentlichen Burg, 2) der Wohnung des Kastellans 
mit dem Küchenbau, 3) der Pförtnerwohnung gleich r. inner- 
liall) der Thorhalle, ilit der Wohnung des Kastellans ist 
das r gelegene Schlofs durch einen Uang verbunden. Die 
lS;5(i -1840 von Döbner und Heideloff restaurierte Burg hat 
manches Sehenswürdige, besonders im ersten Stock. 

Über dem Eingang der reich geschmückten Waffenhalle 
liest man folgende Inschrift: 

Nicht zurück wünschen lal'st uns die iilte Zeit, 
Wohl aher der Almen Kriift und männlich AValten, 
Nicht den Lehnsdrnck, nicht der Ritter Eisenkleid, 
Wolil aber die felsenfeste Treii' der Alten. 



43. Meiningen. 167 

Das Innere enthält noch immer sehenswerte Sammlungen, 
obwohl der gröfste Teil derselben nach Schlofs Altenstein 
übergeführt Avorden ist. 

Der Hauptturm ist 44 m hoch, und seine freie Zinne 
erhebt sich 150 m über den Spiegel der Werra. Trotzdem 
ist die Aussicht wiegen der vorliegenden höheren Berge nur 
eine beschränkte ; doch die mannigfache Form und verschieden- 
artige Bewaldung derselben hat iliren besonderen Reiz. Im 
Turm imitiertes sehenswertes Burgverliefs. Hübsche Anlagen 
rings um den Burgberg, besonders der Marienweg mit maleri- 
schem Blick auf die Burg selbst. 

Besucheuswert ist ferner die Ruine Henneberg (2^/2 St.) 
und das Dörfchen Bauerbach (1-V^ St.), Schillers Asyl, wo er 
sich nach den traurigen Erfahrungen in Mannheim unter dem 
Namen Dr. Ritter 1782 und 178;» aufhielt, „Kabale und Liebe" 
dichtete, den „Fiesko" vollendete und den Plan zum „Don 
Carlos" entwarf. 

Sehr lohnend ist der Weg über Drachenberg (Aussichts- 
turm), Bärengrube und EUingshmiser Holz nach Grimnien- 
thnl, an der „Schanz" herrlicher Blick auf den Thüringer 
Wald. 

Unter den Ausflügen in die weitere Umgebung von 
Meiningeu ist der nach dem *Dolmar bei Kühndorf ganz 
besonders hervorzuheben. Wagen dahin sind jederzeit zu 
haben, bei genügender Beteiligung Omnibusfahrten für 1 Mk. 
20 Pf. bis Kühndorf und zurück. Der Weg führt über Helba 
durch das schöne Helbaer Thal nach Kühndorf und von da 
in \/.. St. auf den Gipfel des Berges (740 m), welcher den 
Namen „Rigi Frankens" verdient und mit einer guten, auch 
zum Übernachten eingerichteten Gastwirtschaft versehen ist. 

Die Schöixheit der Aussicht dieses Vorberges des Thüringer 
Waldes liegt im Anblick der nahen Thüringer Waldkette, der fernen 
Ehön mit ihren Rücken und Kuppen und der flachen, blauen Ferne 
nach Franken und dem früher kurhessischen Gebiet zu. Als be- 
sonders bemerkenswerte Punkte sind hervorzulieben im Norden : 
Windsberg, davor die Felsen bei Glücksbrunn nait dem Häuschen 
auf dem Hohlestein und Riiine Liebenstein, ferner Gerberstein, Insel- 
berg, Seimberg, davor Dorf Seligenthal, Hülmberge, Sperrhügel, 
Donnershaugk, Hermannsberg, davor die Orte Steinbach-Hallenberg 
und Herges: im Osten: der spitzige Riippberg, Gebrannte Stein, 
Spitzige Berg, Beerberg, der Turm auf dem Schneekopf, Finsterberg, 
Eisenberg, Neuhäusei"- imd Adlersberg, Bless bei Eisfeld, in blauer 
Ferne daran Schneekopf und Ochsenkopf im Fichtelgebirge : im 
Süden: Kühudorf, Marisfeld, Hildbiirghausen, dahinter 1. Feste Coburg, 
r. die Kuppen Straufhain und Heldburg, am Horizont der Staffel- 
berg und die AVallfahrtskirche Vierzelinheiligen, sodann Kloster 
Rohra, die Gleiehberge bei Rönüiild, die Bergplateaiis an der Werra, 
an welchen Meiningen hervortritt, am Horizont die Hal'sberge, die 
Rhön; von letzterer machen die Schwarzen Berge bei Brückenau 
und der Kreuzberg den Anfang; der Zug nördl. davon ist die Lange 
oder Hohe Rhön; als Vorberge derselben sind Nei\berg, Hutsberg, 



168 '^'^- Meiningen. 

Geba sichtbar, im Westen: die Rhönberge, Ellenbogen, Baier, Dietrich, 
Oechsen, davor Leicheisberg, Hahnberg, Stoffelskiuipe, Bless, Hnnn- 
knppe. Im nordwestlichen Mittelgrunil fällt die Worra mit vielen 
Ortschaften auf, am Horizont sind Haliichtsvvakl, der Allheimer bei 
Rotenburg und der Meifsner die fernsten Punkte. 

In geog;nostischer Hinsicht besteht der Dolmar aus Kalk und 
Sand, tlie Kuppe ans Basalt; der letztere kommt am nördlichen 
Gipfelabhang und in einem Steinbruch an der Südseite in unregol- 
mäfsigen Stücken, am östlichen Abfall in Säiilenform vor. 

Der Weg von Meiniuj^eu nach Coburj? (fJ9 km) führt 
durch das freundliche Wcnathal. Station (Irinivienthnl. einst 
ein weit bekannter und he.suchter Wallfalirtsort mit einer 
schönen Kirche, jetzt Hospital und Gasthaus , in dessen Hof 
sich noch eine uralte Linde befindet. Hier kreuzt die Erfurt- 
Ritschcnliäuser Bahn die Werrabahn. 

Von Station Theniar (Bahn nach Schleusing-en), in hübscher 
Lage, kann ein AusÜug nach Ruine Osterbnrg (^ St.). in 
Avildromantischer Waldeinsamkeit gelegen, und nach dem Itteii- 
herg. der vor Jahrhunderten durch einen Bergrutsch zur 
Hälfte in ein Trümmerfeld verwandelt wurde („Eingefallener 
Berg"), im übrigen mit schönem Wald bedeckt (Vz St.). em- 
pfohlen Averden. 

Dann Station Hildbur^hausen, 380 m ü. M. (-f Englischer 
Hof^ am 31arkt, gut und billig; Bautenkranz, empfohlen; 
Droschke in die Stadt 40 Pf., mit Clepäck (50 Pf. — Post 
nach Eömhild und Rodach). — Die Stadt, mit 5500 Einw.. 
war 168-1— 1826 Residenz einer herzoglichen Linie, fiel dann 
bei einer Länderteilung an ]\Ieiningen. und der Herzog ver- 
legte seinen Sitz nach Alteuburg. Jetzt ist das Schlofs in 
eine Kaserne umgewandelt. Es hat wenig Bemerkenswertes. 
Lohnend ist die Besteigung des Stadtberges mit neuem, 15 ni 
hohen Aussichtsturm. Bahn nach Heldburg. 25 km, mit altem, 
restauriertem, sehr sehenswertem Bergschlofs, Baustil und 
Aussicht hochinteressant. 

Bei der Weiterfahrt auf der Eisenbahn treten die pitto- 
resken, in vieler Beziehung sehenswerten Basaltgipfel der 
*(Tleicliberg:e bei BöHihild (mit prachtvoller Aussicht auf den 
Thüringer Wald, einen Teil des 3Iain-Thales und das Rhön- 
gebirge) hervor. Der besuchenswertere Kleine Gleichhcrg — 
ein Sagenreiches Wunder der Gegend — ist umgürtet mit 
dreifachem Basaltwall. Das Städtchen Rönihild, eliedcm Sitz 
einer Linie der Henneberger Grafen, hat eine wegen ilirer 
Grabniunumente beachtenswerte Kirche im gotischen Stil aus 
dem 15. Jahrb., im Jahre 1867 restauriert. 3Iau beachte be- 
sonders die Epitaphien der Henneberger Grafen, von Peter 
Vischer in Nürnberg geschaffen, ferner die Kanzelbekleidung 
nach Zeichnungen von A. Dürer. 



44. Coburg. 169 

Beim Städtchen Eisfeld (Rautenkranz ; Bahnhofs-Restaura- 
tion), 4:50 m. ü. M., verläfst die Bahn das Werra-Thal. In 
der Stadt bedeutende Bierbrauerei. Von hier aus kann man 
bequem in 3 St. nach Katzhtitte im oberen Schwarzathal oder 
nach Limbach g-elangen. Zwischen Eisfeld und Limbach 
bietet der Blefshenj, auf welchem der Th. W.-V. einen Aus- 
sichtsturm zu bauen beabsichtigt, eine vorzügliche Aussicht 
über den östlichen und mittleren Teil des Thüringer Waldes 
und über das ganze weite nördliche Franken. 

Von Eisfeld, Eisenbahn nach Unterneubrunn (s. S. 73). 



44. Coburg'. 

Gasthöfe : Leiithnuser (Besitzer Müllert, in der Spitalgasse, gilt ; 
j-Grüner Baum, am Markt; * Traube, nahe dem Bahnliof, sehr besucht; 
\ Bahnhofs- H(jt(l, xwYweit vom Bahnhof, neu. 

Weinstuben: Herold, am Id. Theaterplatz; Wilm, Rosengasse. 

Restaurationen: im Balmhof; Traube; Grübelei; Kaiiffmunn, am Stein- 
■«•eg; Bellevue; Yereingbrauerei; Bierhalle der Cohurger Aktitnhraiierei; sehr 
besticht; Thüriiu/er Hof (Kleine Sobranje); Ratskeller, Restanration 
Cubiibuch. Aul'serhalb der Stadt: Wtlhebiishühe, Kapelle, reizender Aus- 
sichtspunkt, und noch viele Bierwirtschaften in den benachbarten 
Dörfern. Ein besuchtes Lokal ist im Somraer Sturms Garten in der 
oberen Anlage. 

Bäder : im Alexandrinenbad. 

Fuhrwerk auf die Feste, Rosenau, Kallenberg. Man accordiere! 

Coburg' a. d. Itz, mit 16 500 Einw., Hauptstadt des mit 
Gotha vereinigten gleichnamigen Herzogtums, in prachtvoller 
Lage, 295 ra ü. M. Die Gegend bietet mit ihren mannig- 
fachen Bergformen, prachtvollen Waldungen und Thalgründen, 
der hochthronenden Fcste^ den vielen am Festungsberg und 
in der Umgebung der Stadt gelegenen Villen und den reizenden 
Lustschlössern Rosenan und Kallenberg den erquickendsten 
Anblick und Aufenthalt. 

Das *Eesidenzschlofs (die Ehreubnr^) war bis 1547 ein 
Barfüfserkloster. Als aber Karl V. am 1. Juli nach der 
Schlacht bei ilühlberg hier eintraf, erhielt das neue Schlofs 
den jetzigen Namen. 1628 liefs es Herzog Johann Kasimir 
vergröfsern. und nachdem es 1690 durch Brand zerstört war, 
wurde es 1693 durch Herzog Albrecht wieder aufgebaut. 
Seine jetzige, höchst geschmackvolle Gestalt hat es dem 
Herzog Ernst I. zu verdanken, der es durch Heideloff im 
englisch-gotischen Stil erneuern liefs. Die Ehrenburg enthalt 
eine kleine Gemäldesammlung (Meldung beim Kastellan), im 
Familienzimmei' lebensgrofse Bildnisse der Glieder des herzog- 
lichen Hauses; in einem andern Zimmer reiche, schöne Gobelin- 



170 *4- Coburg- 

tapeteu. Der prächtige Riesensaal wird von Karyatiden ge- 
tragen. 

Vor dein Schlosse steht das Schwanthaler'sche Standbild 
des Herzogs Enist I. (f 1844), welcher 1821 dem Lande die 
landständische Verfassung verlieh. 

(xegenüber das Theater (Sonntags und Donnerstags Oper, 
Dienstags und Freitags Schauspiel) und die Hauptwache. 
Breite Treppen führen von hier zum Hofgarteii, welclier sich 
bis unter die Mauern der Feste erstreckt und die herrlichste 
Aussicht auf die Stadt, den Itzgrund und das Main-Thal 
bietet. Im Hofgarten eine ])rachtvolle herzogliche Villa, zwei 
Pavillons, in deren einem ein Abgufs der berühmten Pro- 
metheus-Gruppe des Professor Müller in Rom aufgestellt ist, 
lind das Mausoleum des Herzogs Franz (f 180G) und dessen 
Gemahlin Auguste (f 1831), Eltern des Herzogs Ernst I. — 
Neben dem l'heater das Palais des Herzogs von Edinburgh, 
im Hintergrund die neue katholisclie Kirche im gotischen Stil 
mit hübschen Holzschnitzwerken und Glasmalereien. 

Im Zeughaus betindet sich die bedeutende herzogliche 
Bibliothek (Mittwoch 2 — 4 Uhr) mit GOOOÜ Bänden und einigen 
wertvollen Manuskripten (Fausts Höllenzwang). Die Moritz- 
kirche am Markt umschliefst die Ruhestätte Johann Friedrich II. 
in einem Marmor-Epitaphium; dann die von Johann Ernst, 
Joliann Friedrich V. (f 1595), dessen Gemahlin (f 1595) und 
Johann Kasimir (f IGoo), alle mit kunstvollen Metallplatten 
geziert. Vom 78 m hohen Turm hat man eine schöne Aus- 
sicht. Gegenüber steht das 1604 erbaute Gymnasium Casimi- 
rianum^ an welchem sich des Stifters Standbild betindet. In 
der Nähe liegt das Rose'sche Haus^ worin Jean Paul 1803 
wohnte und den „Titan" und die „Flegeljahre" verfafste. 
Eine Gedenktafel kennzeichnet das Haus in der Rückert- 
strafse, in welchem Rückert eine Zeitlang wohnte. 

Das Rathans und Regle ntHgscjebäude am Markt und das 
ebendaselbst errichtete eherne Standbild des Prinzen Albert 
(f 1801), Gemalils der Königin Victoria von England, die 
städtische Mädchenschule am Albertplatz, die neue Knaben- 
schule in der LöA\'enstrafse und das Palais des Herzogs August 
sind nächstdem zu beachten. 

Den neuen Gottesacker auf dem Glockenberg ziert das 
von Eberhard in Gotlia ausgeführte fä rsf liehe Erbbegräbnis. 
Die plastischen Ornamente im Innern stammen vom Bildhauer 
Th. Behrends in Gotha. Der Weg dahin führt an dem Real- 
schulgebäude „Ernestinum" und dem Ernst-Albert-Seminar 
vorüber. 

Wohlgepflegte Fahr- und Fufswege leiten auf die *Feste 
Coburg (Vj St. Steigens; lOü m höher als die Stadt, 499 m 



44. Coburg. 171 

ti. M.), entweder schon von Karl dem Grofsen als Schutzburg 
^egen die Sorben oder unter Heinrich dem Finkler als Wehr 
^egen die Hunnen erriclitet; doch erst 1057 erscheint der 
Name Coburg in Urkunden. 

Das Bergschlofs diente Jahrhunderte lang den im Mittel- 
alter so mächtigen Grafen von Henneberg zum Wohnsitz, 
bis es 1547 durch Heirat an den Herzog Ernst von Sachsen 
kam. Durch diesen Länderzuwachs wurde Sachsens Macht 
sehr vergrüfsert. Zur Zeit des Augsburger ßeichstages (15oU) 
fand hier Luther drei Monate hindurch ein Asyl. Ob er 
wähi'eud dieses seines Aufenthaltes das unsterbliche Lied: 
„Eine feste Burg ist unser Gottl" dichtete, ist fraglich. An 
die Wand seines Wohnzimmers schrieb er die Worte des 
Psalms in lateinischer Sprache: „Non moriar, sed vivam et 
uarrabo opera Domini. Psalm 118, 17." — Im 30jährigen 
Kriege belagerte Wallenstein (1632) Tergeblich die von den 
Schweden besetzte Burg. Die Residenz war schon 1547 von 
Johann Ernst nach der Ehrenburg verlegt. Der jetzige Herzog 
lieis die Burg durch Heidelotf wiederherstellen, damit sie ein 
würdiges Gegenstück der AVartburg werde. 

Das Innere der Burg (Meldung beim Kastellan, man 
läute an der Glocke im ersten Schlol'shof, Trinkgeld 20 Pf.) 
enthält folgende Sehenswürdigkeiten: In der Halle des Hof- 
raiimes das Gallionbild des am 5. April 1849 bei Eckernförde 
von deutschen Truppen unter dem Kommando des Herzogs 
von Coburg genommenen Linienschiifes „Christian VIII." nebst 
dessen Plaggen sowie denen der dänischen Fregatte „Gefion" 
ixnd verschiedenen AVatten. In der Galerie ein etwas ver- 

blichenes Freskobild von Schneider: Brautzug des Herzogs 
Johann Kasimir und der Prinzessin Anna im Jahre 1585, — 
unter der das Fürstenpaar begrüfsenden Menge betinden sich 
die Architekten Görgel. Eberhard und Heideloff und der 
Dichter Fr. liückert. Die Prinzessin Anna war eine Tochter 
des Kurfürsten von Sachsen und starb 1613 auf der Feste, 
nachdem sie lange Jahre dort im Gefängnis zugebracht, da 
man sie der Untreue beschuldigte. — In den Hallen alte 
Schlitten, Holzschnitzwerke und ein gut erhaltenes Fresko- 
l)ild. ebenfalls von Schneider: zwei Bären dringen in den 
herzoglichen Speisesaal. Unter dem Bild eine scherzhafte 
Inschrift. — Reformator enzbnmer. An den AVänden sieht 
man die in das Leistenwerk eingelassenen Bildnisse in ganzer 
Figur von Luther, seiner Frau und seinen Coburger Fi'eunden 
(auf Goldgrund, von Jlotlibarth) nebst den Wappen von 
16 Jleichsstädten. Die Zelle, in welcher der Reformator 1530 
verweilte, ist unverändert geblieben und entliält auf ihn be- 
zügliche Altertümer, auch Schnitzereien vom Holz der Luther- 



172 •!•»• Coburg. 

huclie. — Rosetten- imd Bankettsaal ^ beide mit Portriits 
tliüriuyisclier Landj^rafeii und sächsischer Fürsten, von liotli- 
liartli und Beck; jener aucli nocli mit verschiedenen Decken- 
rosetten. — Maricnzinnrcr, mit guten, das Leben der heiligen 
3Iaria darstellenden Holzreliefs. — Waffensaal mit Rüstungen, 
Waffen, Wappen, alten ßrautwagen. z. B. den beiden reich 
vergoldeten, mit Bildern verzierten Wagen des Herzogs Johann 
Kasimir, worin er seine unglückliche Gemahlin Anna und 
seine zweite Gemahlin einholte. Unter den übrigen Gegen- 
ständen sind das Schwert Jakobs von Artevelde (74), das- 
Panzerhemd von Thomas Münzer (44) und die Turnierrüstung- 
des Herzogs von Weimar (56) zu nennen — Im Hornzimmer 
Holzschnitzereien aus Johann Kasimirs Zeiten (1643), dessen 
Jagdbelustigungeu darstellend, als Holzmosaik meisterhaft 
dargestellt (kosteten '20 000 Thaler). — Getvehrsaal: 700 meist 
ausgezeichnete Gewehre, Waffen, Trinkgefäfse , Porträts von 
Walienstein, Tilly, Johann Kasimir u. a. — Betsaal mit 
Holzschnitzwerk und Bibeln von 1550 und 1572, jene mit 
bunten Holzschnitten von Burkmayr; auch Brevier mit Minia- 
turen aus dem Kloster Gaudersheim. 

Im Langen Bau die namentlich an Vögeln reiche Natu- 
raUensammlmig (Mittwochs dem Publikum geöffnet). 

Von vielen Steilen der Burg hat man die herrlichsten 
Fernsichten, besonders von der Bärenhastei, wo die mit Un- 
recht sogenannte Lutherkanone steht; die beiden ringenden 
Figuren auf derselben sind nicht Liitlier und der Papst, 
sondern Bilder aus dem Flacianischen Religionsstreit. — 
Noch ausgedehnter ist die Aussiclit von der hohen Bastei 
mu\ vom Turm neben dem Wirtshaus auf der Bastei (gute 
und billige Restauration). 

In westlicher Ferne erhebt sich die Feste Heldbnrg, 
wegen ihrer weil'sen. weithin leuchtenden 3Iauern die „frän- 
kische Leuchte" genannt, und dahinter das Rhöngebirge. 
3Iehr nach Nordost und im Norden sieht man in reizendster 
Berg- und Waldumgebung das nahe Lustschlofs Kallenberg; 
im Mittelgrund die Ruine Straufhain, die Gleichberge bei 
Römhild, den Baier und Lietrichsberg, die Stopfeiskuppe, den 
Blefs, die Geba und im fernsten Hintergrund den Dolmar und 
Beerberg; näher zeigen sich das reizende Lustschlofs Rosenau 
und die Reste der Lauterburg im oberen Itzthal. In dasselbe 
mündet der freundliche, bis zur Stadt Sonneberg sich er- 
streckende Grun<l, aus welchem namentlich das Dorf 3Iöni'h- 
röden mit seinem ehemaligen Benedictinerkloster heraufleuchtet. 
Im Osten steigt das Fichtelgebirge mit dem Waldstein, 
Schneeberg und Ochsenki>pf am Horizont auf, und in süd- 
östlicher Richtung erkennt man bei hellem Wetter den Rauhen 



44. Coburg. 173 

Kulm, im südlichen ]\Iittelgrund den Itzgrnnd und das Main- 
Thal; man gewahrt ganz deutlich Banz und Vierzehnheiligen. 
Jlelir südwestlich findet man das Schlofs Hohenstein, und tief 
zu Füfsen liegt die Stadt mit ihren malerischen Zinnen. 

Von der Feste führt ein schöner Fahrweg durch das 
Laubholz des Bausenboys nach dem reizenden herzoglichen 
Sommerschlofs *Eoseuau, 6,5 km von Coburg, an der 
Schweizerei vorüber. Die Bäume und Haine der Umgebung 
und die frischen Wiesenteppiche ringsum nebst den von 
Schwänen belebten Teichen verleüien ihm ein idyllisclies 
Gepräge. Hierzu kommen die lieblichen Landschaftlsbilder 
im Hintergrund: das romantische Wohlbachsthal und die 
-Ruine Lauterhnrg^ der üppige Wiesengrund nach Oeslau mit 
seiner Schweizerei und seiner Marmormühle und die Feste 
Das geschmackvoll hergestellte Schlofs. noch im Anfang dieses 
Jahrhunderts dem Verfall nahe, ist im Innern glänzend ein- 
gerichtet und besonders beachtenswert das Zimmer mit den 
von der Herzogin von Keut gemalten Wänden. Das Schlofs 
trägt seinen Namen von der angrenzenden, mit Rosen be- 
püauztan Terrasse. Der verstorbene Prinz Albert, Gemahl 
der Königin von England, empfing hier die Taufe. Im 
Sommer wird es gegenwärtig von der Familie des Herzogs 
von Edinburgh bewohnt. 

An der entgegengesetzten Seite der Stadt (5 km nord- 
westl.) ladet Schlofs *Kalleiil)erg, 1857 vom Hof baurat Roth- 
barth fast ganz neu erbaut, zu einem Besuch ein. Es ist 
Tun einem terrassenförmig angelegten Park umgeben und 
bietet überall die schönsten Aiissichten: östl. die Feste und 
die Stadt Coburg, nördl. die Thüringer Waldkette, westl. die 
liuine Straufhain, die Gleichberge. 

Den Rückweg vom Kalleuberg nimmt man über das 
Dorf Neuses (besuchte Gartenwirtschaft), wo auf einer An- 
höhe unter Waldesschatten das Denkmal des 1817 hier beer- 
digten Dichters Thümmel steht. Es enthält di"ei Inschriften 
aus seinen Gedichten. — In Neuses verlebte auch Fr. Rückert 
.seine letzten Jahre. In Rückerts Garten, zwischen der 
Chaussee und dem "\\'ohnhause , wurde 1869 des Dichters 
Kolossalbüste auf einem Piedestal von Sj'enit aufgestellt. 

Sehr lohnend ist der Besuch des der Feste gegenüber 
liegenden Eckhardtsberges mit Aussichtsturm. 



Alphabetisches Register. 

(Die Zahlen geben die Seiten an. Wo über den betr. Ort Ausführ- 
liches zu finden, ist dies durch fettere Ziffern angedeutet.) 



Abtsberg 93. 99. 

Atlafelseii 58. 
Adlersberg 74.76.86. 
Ahle Fisch 90. 
Alexanderhöhe 113. 
AIlendorf(i(J.6S.16ü. 
Almrich 23. 24. 
Alte Burg 32. 46. 
Altenberga 91. 
Altenbiirg. die 47. 

140. 
Altenfels 90. 
Alteiistein 12. 13. 

107. 110. 
Alteiisteiner Höhle 

107. 
Alten Steiner Park 

108. 
Amt Gehren 63. 64. 

69. 
Anger 38. 
Angstedt 68. 
Aunathal 115. 
Apfelstedt 136. 
Apolda 158. 
Arensburg 22. 
Ariesberg 78. 
Arnsgereuth 45. 48. 
Arnstadt 13. 137. 
Artern 22. 
Aschenberg 98. 
Aschenbergstein 98. 

lUO. 



Attchenbach 114. 
Auerhahn 113. 
Auerstädt 19. 159. 
Augustapark 146. 
Auguststein 77. 
AusgebrannterStein 

82. 
Ausspanne 86. 87. 
Au-Wallenburg 103. 
Backofen 38. 
Backofen loch 98. 
Barbarossahöhle 22. 
Barchfeld 161. 
Bärenbruchstein 98. 

100. 
Bärengrube 167. 
Bärenstein 82. 
Barigau 63. 
Bastei (Schönberg) 

50. 
Bauerbach 167. 
Baumgarten 39. 
Bausenberg 173. 
Bechstädt 66. 
Beerberg 78. 81. 89. 
Beerbergstein 104. 
Beirode 103. 
Belvedere, Lust- 

schlofs 156. 
Benonibuche 106. 
Berggarten 135, 
Bergschenke bei 

Cröllwitz 3. 



Berka 157. 
Bernhardsplatz 50. 
Berthaquelle 74. 
Bertholdsburg 75. 
Beulbad 32. 
Beulwitz 47. 53. 54. 
Bibergrund 76. 
Bielstein 91. 
Blankenburg 5. 13. 

54. 55. 
Blankenhain 15S. 
Blauer Stein 79. 
Blechhammer 49. 51. 

63. 65. 
Blelsberg 169. 
Blöfsenberg 50. 
Blumenau 5. 63. 
Bock. Ort 65. 
Boehlscheiben 59. 
Bonifatiusfels 109. 
Boxberg 135. 
Breitengescheid 122. 
Brandenstein 48. 
Brandleite — Tunnel 

81. 
Braunsdorfer Grund 

58. 
Breiter Berg 45. 
Brotterode 12. 102. 
Bucha 48. 
Buchbach 49. 
Bücheloh 68. 
Buchfart 157. 



Büchig 99. 
Burg- 63. 
Burgau 33. 
Burgberg 93. 
Bürge 1 31. 
BurkhardtsRuhe93. 
Bürzel 64. 
Camburg 26. 
Camsdorf. Grofs- 48. 
Chrvsupras 5. 54. 55. 

56. 
Clarashöhe 78. 
Coburg 48. 87. 168. 

169. 
Coburg, Feste 169. 

170. 
Corbetha 3. 
Cottendorf 68. 
Crölpa 48. 
Cumbach 39. 40. 
Debra-Höhe 39, 
Denkstein b. Ober- 
hof 82. 89. 
Deustedt 157. 
Dietharz 90. 
Dietharzer Grund 
Dietlas 160. [90. 
Doktorvveg 47. 
Dollberg 86. 
Döllgrmid 87. 
Dolmar 88. 167. 
Domberg 86. 87. 88. 
Doiinersberg 86. 
Dorfkulm 41. 
Dornburg . Schlofs 

27. 
Dornburg. Stadt 26. 

32. 
Dorudorf 27. 28. 32. 
Dörufeld 68. 69. 
Dorotheenthal 140. 
Drachenberg 167. 
Drachenschlucht 47. 

116. 
Drachenstein 122. 

129. 



Alphabetisches Register. 

Drei Gleichen 136. 
Dreiherrenstein 104. 
Dreifsigacker 165. 

166. 
Dürres Schild 58. 
Ebersdorf 52. 
Eberstein 56. 57.58. 
Eckartsberg 173. 
Eckart sberga 26. 
Eckartsburg 26. 
Eckeuzeller Grund 

108. 
Ehnesleite 50. 
Ehrenburg 169. 
Ehriugsdorf 156. 
Eichicht 46. 47. 
Eichkopf 47. 
FCichschenke 48. 
Eigelsee 68. 
Eisenach 5. 11. 12. 

117. 128. 159. 
Eisenberg 47. 
Eisfeld 66. 169. 
Eishöhle 47. 
Elgersburg5.74.76. 

78. 
Eliasbrunn 52. 
Elisabethenbrunnen 

123. 
Elisabethenhöhe 

129. 
Elisabethenruhell7. 
Ellinghäuser Holz 

167. 
Eltegrund 13. 
Emilieuruhe 112. 
Emmastein 72. 
Emmy-Tempel 111. 
Emsethal 110. 
Eugelsbach 92. 
Eremitage 139. 
Erfurt 140. 
Erfurt -Nordhäuser- 
Bahn 26. 
Erlau 87. 
Erlauß-rund 76. 



175 

Ernstthal 48. 73. 
Eselssprung 104. 
Ettersberg 157. 
Ettersburg,Dorfl57. 
Etzelbach 35. 
Eulau 23. 
Eutersdorf, Grofs- 

34. 
Eyba 45. 
Fähnchen 25. 
Falken burger Bar- 
barossahöhle 22. 
Falkenstein 53. 89. 
Farrenbach 101. 
Fasanerie 62. 
Fellberg 49. 
Felsensteig 117. 
Felsen-Theater 106. 
Feste Coburg 109. 

170. 
Fichtenbacher Stein 

100. 
Finsterberg74.76.89. 
Finsterbergen 92. 
Finsteres Loch 73. 
Fohlenhäuschen 109. 
Förtha 13. 
Frankenhausen i.Th. 

22. 
Frankenstein 160. 
Franzenshütte 73. 
Frauenbreitungen 

161. 
Frauenspe 159. 
Frauen wald 74. 
Freibach-Thal 79. 
Freyburg 21. 
Friedenshöhe 46. 47. 
Friedenstein,Schlofs 

132. 
Friedensturm b. J ena 

31. 
Friedrichroda 5. 92. 

97. 
Friedrichsan fang 83 . 
Friedrichsthal 130. 



176 

Friedricli-Wilhelms- 

höhe 14(5. 
Fröhlicher Älaun 86. 
Fröhliche Wieder- 
kunft 34. 
Fi-öttstedt 180. 
Fuchssteiu 46. 
Fuchstiscli 02. 
Fiichsturm'28.8U31. 
Führer 0. 
Fuhrwerke 7. 
Fürstenberg 139. 
Fürstenbrunnen 33. 
Gabel 73. 
Gabelbach 70. 71. 
Ciahma 52. 
(ialgenberg b. Jena 

31. 
Garnsdorf 45. 
Uarnsdorfer Grund 

45. 48. 
Gartenkuppen 45. 
Gebrannter Stein 82. 

88. 89. 
Gehlberg 7S. 81. 
Gehren. Amt 63.64. 

69. 
Geiersberg 24. 
Geiersthal 65. 
GcUertsberg 23. 
Gera 4. 78. 
Gerathäler, die 78. 
Gerberstein 110. 
Georgenthal 5. 85. 

91. 
Georgsplatz 50. 
Georgsturm 57. 
Giebelstein 46. 
Giebichenstein 3. 
Giesau 65. 
Giescrathal 45. 
Glasbach 63. 
Gleichberge b. llöm- 

hild 16S. 
Gleichen. Burgruine 

136. 



Alphabetisches Register. 

Gleima 52. 
Gleisberg 32. 
Gleitsch 4(). 
Glückner 113. 
Glücksbrunn 107. 
Glücksbrunner 

Höhle 107. 
Goethe-J*latz 79. 
Goethehäuscheii a. 

d. Kickelhahn 72. 
Goldlauter 85. 
Goliusdorf 32. 
Göniichenstein 112. 
Goseck 23. 
Gositzfelsen 46. 
Gösselborn (iS. 
Gofswitz 48. 
Gotha 130. 
Gothaer Vereins- 
hütte 83. 
Gottlob 93. 94. 
Graba 45. 
Gräfenthal 49. 53. 
Grälinau 68. 
Greifeiistein 54. 55. 
Greiz 4. 

Grenzhammer 73. 
Griesbachfelsen 56. 

59. 
Grimmenthal 167. 
Grol'sbeeren 2. 
Grofsbreitenbach 63. 

64. 66. 
Grofs-Camsdorf 48. 
Grofser Drachen- 

steiu 122. 129. 
Grors-Eutersdorf34. 
Grofser Gabelbach 

71. 
Grofser Herraanns- 

berg 163. 
Grofs-.lena 23. 
Grofs-Tabarz97.98. 
Grotte (Schönberg) 

50. 
Grünau 52. 



Günthersfeld 69. 
Gustav Freytag- 
Eiche 58. 
Haarhausen 137. 
Habichtsburg 166. 
Hain 35. 37. 38. 
Haineberg 22. 
Halle 2. 3. 
Hallenburg 164. 
Halskappe 74. 
Hangeberg 73. 
Hasenthal 49. 
Hassenhausen 26. 
Hausberg b. Jena 31. 
Heide 109. 
Heidecksburg 36. 
Heiligenstein 11. 

112. 
Heiliger Berg 48. 
Heiliger Hügel 41. 
Heinersdorf 52. 
Heinrichs 87. 
Heinrichsruhe 52. 
Heinrichstein 52. 
Heifser Graben 40. 
Helbaer Thal 167. 
Heldburg 168. 
Helenensitz 62. 
Helmsberg 73. 
Henne, Zur 23. 
Henneberg, Ruine 

167. 
Herdersruhe 157. 
Herges 12. 103. 
Herges Hallenberg 

164. 
Herges-Yogtei 103. 
Hermannsberg 88. 

89. 163. 
Hermanustein 72.96. 
Herrenberg 166. 
Herrenbreitungen 

161. 
Herschdorf 64. 
Herzog -EiTist- 

Stollen 99. 



Alphabetisches Register. 



177 



Herzogsweg 98. 
Hetscliburg- 157. 
Heuberg- 97. 
Heubergsliaus 94. 
Hildburgbaiisen 87. 

168. 
Himmelreicb 26. 
Hirschbacb 87. 
Hirscbsprung 72. 
Hirscbstein 113. 115. 

129. 
Hocbwaklsgrotte 

115. 129. 
Höbe Blieben 139. 
Höbe Eicbe 48. 
Höbe Kiesel 113. 
Höbe Lei st 76. 
Höbe Scblaufe 90. 
Hober Scbwarm 43. 
Höbe Sonne 115. 129. 
Hoblenstein 109. 
Hoble Scbeuer 106. 
Hölle 81. 
Holstenrube 77. 
Holzliausen 136. 
Hopf eng rund 139. 
Ho]-ba 66. 
Hörselbergll3.122. 

12». 130. 
Hottelstedter Ecke 

157. 
Hüllocb 90. 
Hnmmelsbain 34. 
Hüttengrand 49. 
Hüttensteiiiacli 49 
Ibeiibain 96. 
Igelsbieb 48. 65. 
Illenberg 168. 
Ilmenau 5. 11. 13. 

63. 68. ()0. 76. 79. 
liumanuelkircbe 92. 
Inunelboni 161. 
Ingoklippe ÖS. 
Inselberg 97. 100. 
Jagdbaus b. Klein- 

Taljarz 98. 

Griebens Rei.se-Bibl. : 



Jägerbaus a.Hain38. 

Jägersrulie 110. 

Jägerstein 50. 110. 

Jakobsleiter 45. 

Jena 4. 19. 27. 

Jena, Grofs- 23. 

Jena, Klein- 21. 

Jenaiseber Forst 31. 

Jesuborn 69. 

Jobannistbal 122. 

Jonastbai 139 

Judenbacb 49. 

Julieustein 72. 

Justinsböbe 39. 

Jüterbog 2. 

Kabarz 98. 

Kabla 33. 

Kaiser Wilbelms- 
bui'g 25. 

Kaiser- Wilbelms- 
deukmal auf der 
Rudelsburg 25. 

Kaiser-WilbeliTis- 
höbe 50. 

Kaiser-Wilbelras- 
Steig 50. 

Kalleniierg 169.173. 

Kalte Kücbe 49. 

Kaltwassergrundl3. 

Kammerberg 72. 79. 

Kamsdorf 28. 

Kandelaber 92. 

Kanzlej'grund 89. 
163. 

Kappel. die 50. 

Karl-Alexander- 
Platz 71. 112. 

Kavl-Alexaiider- 
Turm 113. 

Karl- August-Turm 
I 74. 

I Kartbäuser-Bei'g 
114. 

Katterfeld 91. 

Katze 25. 41. 42. 

Katzenberg 24. 

Thüringen. (16. Aufl.) . 



Katzeiistein57. 
Katzbütte 5. 63. 64. 

66. 
Kaulsdorf 46. 51. 
Kehre 63. 
Kevernburg 140. 
Kickelbahn 70. 
Kickelbabusprung 

94. 100. 
Kienberg 83. 
Kienbergshäuschen 

62. 
Kircbberg 65. 90. 

161. 
Kircbfelsen 58. 59. 
Kirchhasel 35. 
Kifslerstein 64. 
Kitzerstein 44. 
Kleiner Dracben- 

stein 122. 129. 
Kleiner Gabelbach 

70. 
Kleiner Gleichberg 

168. 
Klein-Jena 21. 
Kleiu-Tabarz 98. 
Klinge, die 13. 110. 
Knabenberg 24. 
Küditz. Unter- 66.68. 
Kolkwitz 40. 
Königsruhe 139. 
Königsee 66. 68. 
Königstein 117. 
Königs-Waldhaus 

li:i 
Köppelsdorf 49. 51. 
Körubacb-Thal 77. 
Kosen 24. 
Kühles Tlial 94. 
Kühndorf 167. 
Kulm 40. 41. 
Kummerlöcher 78. 
Kunitz 28. 32. 
Kunit/.burg 32. 
Kytt'bäuser 22. 
Läuimcbeu 32. 
12 



178 

Larapreclitsliammer 

65. 
Landgraf enberg 31. 
Landgmfciischhicbt 

IIG. 
Laiulsberg:. Schlofs 

lC)i. 1G5. 
Laiig-eberg63.C4.()G. 
Langensalza 135. 
Langenschade 40. 
LangcAviesen 69. 
Laucha. Bad 98. 
Lanchagruud 94. 97. 

98. 
Lauen stein 53. 
Lauscha 48. 65. 
Lanteiibach-Thal 

103. 
Lauterburg, Rniiie 

173. 
Lehesteu 53. 
Leibis 65. 
Lerchen berg 88. 
Leuchtenburg 33. 
Leutenberg 51. 52. 
Liebte 4S. 65. 
Lichtenhaiu 28. 31. 
Lichte-Thal Ö5. 
Liebensteiu, Bad 12. 

13. 105. 161. 
Liebenstein. Burg 

106. 
Liebensteiuer Hoble 

107. 
Limbach 51. 65. 
Jjindenberg 73. 
];indeiiinsei 55. 
Ijindnorshöhe 50. 
Liske 41. 54. 
Lobdaburg 33. 
Lobedii 33. 
Lobenstein 51. 52. 
Lobes Hütte 50. 
Lübstädt 27. 28. 
Löfflers Hannner 73. 
Lüsches Hall 56. 



Alpliabetisclies Register. 

Luckenwalde 2. 

Ludvvigsburg 37, 

Ludwigstadt 53. 

Luisenliöhe 23. 

Luisenhöhe b. Sonne- 
berg 50. 

Luisensitz 82. 

Luisenthal, Bad 83. 

Lutherbrunnen 91. 
104. 

Lutberbuche 104. 
110. 

Luther- Denkmal 
104 

Lntherbaus a.Scbön- 
berg 50. 

Lützendorf 157. 

Luxemburg 160. 

Manebacb 72. 79. 

Manebacher Grund 

Mankenbacbs- [79. 
Schneidemühle 63. 

Marienblick 129. 

Marienfelsen 50. 

Marienhöhe 157. 

Maricnhölile 99. 

Marienlnft 164. 

]\larienciuelle 78. 

Marienthal 50. 116. 

Marienthaler Wäld- 
chen 109. 

Marieiiturm 40. 

Marksuhl 13. 155). 

Märtenswand 90. 

Maua 33. 

Maximilians-Hütte 

Mehlis 88. [48. 

Mehliser Jierg- 
garten 88. 

Meiersgrund 79. 

Meiningen 164. 168. 

Meil'senstein 110. 

Melkers 166. [113. 

Mellenbach- 
Blumenau (i3. 

Melmesbergl 14.15». 



Merseburg 3. 
Metilstein 124. 
Meuselbaclier Kuppe 

63. 
Meuselscher Aus- 
sichtsturm 50. 
Milbitz 66. 
Mittell)erg 7(). 
Mitt<l-Weifsbach65. 
Möhra 159. 
Möhrenbach 64. 
Mommel 103. 
Mommelstein 102. 
Mönchshof 78. 
Montblanc 39. 
Moor-Thal 77. 
Mooshütte 109. 
Mordfleck 79. 
Morgeuthor 109. 
Mörlaer Höbe 38. 
Most 82. 

Mühlberg 136. 160. 
Mühlthal 28. 
Neudietendorf 136. 
Neuenburg 22. 108. 
Neue Welt 23._ 
Xeuhaus a. R. 5, 48. 

65. 
Neuhaus b. Ilmenau 

68. 
Neuhaus (Vier- 

pfennigliaus) 92. 
Neundorf 53. 
Neunhofen 47. 
Neuses 173. 
Neustadt a.d. Heide 

51. 
Neustadt a. d. Orla 

47. 
Nahegrund 7t). 
Napoleonssitz 57. 
Napoleonsstein 90. 
Maschhausen 27. 
Naumburg 3. 20. 

158. 
Naundurf 40. 



Alphabetisches Register. 



179 



Oberliof 5. 78. 81. 

82. 88. 85. 89. 163. 
Ober-Lichte 65. 
Obernitz 46. 
Überpreilipp 40. 41. 

42. 
Ober-Rottenbach 66. 
Ober-Schöuau 163. 
Ober-Weimar 156. 
Ober-Weifsbach 65. 
Oberwirbach 54. 
Obstfelderschmiede 
.. 63. 

Öchsenberg 160. 
ÖIza 63. 
Öslau 51. 
Ohratbal 83. 
Ohrdnif 83. S4. 
Ölmühle 28 
Ölze 64. 
Oppelei 58. 59. 
Oppiirg- 47. 
Orlamünde 34. 
Ofsmannstädt 157. 

158. 
Osterbiirg 4. 
Osterburg. Ruine 

168. 
Osterlohs Höhe 39. 
Ottenbühel 56. 
Ottilienstein 87. 
Ottowald 113. 
Paradies 28. 31. 
Paraschkeumühle 

28. 
Paulinzelle 66. 68. 
Pennewitz 69. 
Petersberg- 3. 
Phantasie 117. 
Pliilippshöhe-Hotel 

96. 
Pliilosophenplatz 

139. 
Piesan 48. 
Plänkners Aussicht 

81. S2. 



Plane 136. 
Pocherbrücke 63. 
Pöfsiieck 47. [41. 
Preilipper Kuppe 40. 
Preufsenhöhe 77. 
Prinzessiiinenplätze 

73. 
Prinzessinschirm 71. 
Probstzella 49. 53. 
Quellt z 65. 
Queste 163. 
Raasen 87. 
Rauls 47. 48. 
Ratsfeld 22. 
Rauthai 27. 
RaveuesErinnerung 

73. 
Regenberg 93. 
Reichmannsdorf 48. 
Reiuhardsbrunn 11. 

13. 95. 99. 
Reinsberg. Burg 140. 
Reiusberge.die 140. 
Reifsinger Stein 88. 
Reitsteiu 101. 
Remschütz 41. 
Renn weg 14. 
Renusteig 79. 
Reschwitz 45. 46. 
Rhoda 146. 
Ringberg 113. 
Riiigleinsbrunnen 

50. 
Ritterstein 98. 
Roda 33. 76. 
Rödchen 157. 
Rödichen 96. 
Röhrensee 136. 
Römhild 168. 
Ronnthalers Ruhe 

47. 
Roseuau 169. 173. 
Rösesches Hölzchen 

124. 
Roses Ruhe 63. 
Roter Bers: 46. 



Rothenburg, die 22. 

Rothensteiu 33. 

Rottenbach, Ober- 
66. 

Rudelsburg 24. 25. 

Rudolstadt5. 13.35. 
53. 54. 

Ruhla 5. 12. 110. 
128. 130. 

Rupberg 88. 89. 

Ruppersdorf 52. 

Saal bahn 26. 

Saalbrücke b. Saal- 
feld 44. 

Saaleck 26. 

Saale-Unstrut-Bahn 
26. 

Saalfeld 4. 5. 19. 42. 
53. 

Saal-Thal 13. 

Saalthal-Panorama 
28. 

Saal weidenwand 90. 

Sachsenburg 22. 

Sachsenstein 98. 

Salzungen 159. 

Salzunger Boten- 
frau 159. 

Salzunger See 160. 

Sängerbank 117. 

Sängerplatz 139. 

Sapsheide 62. 

Sattelbachskopf 89. 

Saugarten 58. 

Schanze 160. 

Scharfenburg. Ruine 
112. 

Scliauenburg. Ruine 
93. 94. 

Schauenforst 35. 

Scheffelblick 70. 

Scheffelplatz 70. 

Scheibe 66. 

Scherershütte83. 85. 

Schillerhöhe 39. 

Schleifenberg 50. 
12* 



180 

Schlettwein 47. 
Schleuse8:run(l 7(3. 
Schleusingen 75. 87. 
Schlolsl)ery bei 

Rudolstadt 36. 
Scblofsberg- bei 

Scbmalk;vldenl63. 
Schlofsberg bei 

Soniiebersr 49. 50. 
Scblofskulm 4-2. 
Schlotbeiiushöhe 77. 
Schmalbcirn 101. 
Schmalenbiulia 65. 
Scbmalkaldcu 101. 
Schmahvasser- 

Grund 1)0. 
Scbmiedefeld 48. 74. 

81. 
Schmücke 5. 74. 76. 

78. 7». 81. 85. 
Schneeberger- 

Höhenzug 86. 
Schneekopf 74. 80. 
Schneetiegel 81. 
Schnepfen bürg 160. 
Schnepfeiithal 9tj. 
Schönaur22.l:]0.163. 
Schönberg, der 50. 

114. 
Schönbrunn 139. 
Schönburg, Dorf 23. 
Schöps 33. 
Schorii 100. 
Schorte-Thal 73. 
Schortewand 73. 
Schulpforta 24. 
Schutte 37. 
Schützenberg 89. 
Schwaigenberge 22. 
^Schwalbennest 114. 
Schwalbenstein 74. 

77. 
Schwalbenstein- 

Fclsen 79. 
Schwallungen 161. 
Schwarza 41.42.104, 



Alpliabetisclies Register. 

Schwarza-Tlial 13. 

56. 58. 
Schwarzathal, das 

obere 02. 
Schwarzburg 5. 53. 

59. 02. (53. 66. 
Schwarzburg, 

Schlol's 59. 00. 
Scbwarzniühle46.()4. 
Schwarzwald. Dorf 

83. 
Schwarzwald ,E,uine 

83. 
Schwedenschanze 

42. 
Schweina 107. 
Schweizerbaus 58. 

59. 
Seeberg 135. 160. 
Seebergen 135. 
Siechenkapelle 45. 
Siegmundsburg 51. 
Silberblick 140. 
Simmetsberg 100. 
Simmetsbergstein 

100. 
Singen 13. 68. 
Singerberg 08. 
Sitzendorf 03. 
Sommerstein. Bad 

45. 
Sonneberg 5. 49. 05. 
Sophien au 117. [00. 
Sophieuhöhe 28. 32. 
Sophienruhe 112. 
Sorbenburg 43. 44. 
Speclitsbrunn 49. 
Spiefsberg 94. 
Spitterfafl 91. 
Spittergrund 91. 
Spitterstein 91. 
Siütziger Berg 88. 
Stadtberg b. Hild- 
burghausen 168. 
I Stadtberg b. Sonne- 
I berg 50. 



Steiger 55. 146. 

Steigerhaus 83. 146. 

Steiger-Thal 77. 

Steinach 48. 51. 

Steiubach-Hallen- 
berg 163. 104. 

Steinberg (3;>. 

StorchsAnssichtll3. 

Straufsfurt 26. 

Stutenhaus 74. 81. 

Stützerbach 74. 

Stutzhaus 83. 

Suhl 12. 13. 78. 85. 

Suiza 158. [80. 

Tabarz 5. 97. 98. 

Tabarzer Schiefs- 
haus 94. 99. 

Tanibach 5. 90. 92. 

Tanne 28. 

Tännich 61. 

Tännigshaupt 62. 

Tanzbuche 94. 47. 

Taubenbach 48. 

Tautenburg 26. 27. 

Teich. Dorf 48. 65. 

Teinieberg. Schlofs 
97. 

Teufelsbrücke 108. 

Teufelsgraben 50. 

Teufelskutte 160. 

Teufelstreppe 58. 

Thal 5. 11. 112. 

Thalbürgel 32. 

Themar 168. 

Theuern 51. 

Tliorstein 94.98.100. 

TliüringerBrautll3. 

Thüringer Thal 104. 
110. 

Tiefurt 157. 

Totenwart 101. 

Trafsdorf 08. 

Trautvetters Ver- 
dienst 74. 

Triefender Stein 83. 
100. 



Alpliabetisclies Register. 



181 



Tripsteiii 62. 66. 
Trockenborii '.M. 
Truseu 103. 
Trasen-Thal 13.103. 
Truseiithaler 
Wasserfall 103. 

Uebelberg 98. 100. 
Uhlstädt 35. 40. 
Ungeheurer Griind 

94. 100. 
Unter-Köditz66.68. 
Unter-Lichte 65. 
Unter-Xeubrunn 73. 
Unter-Preilipp 11. 

42. 
Unter-Schönau 163. 
Unter- Weifsbach68. 
Unter- Welleiiborn 

48. 
Unter-Wirbach 47. 

53. 

Vacha 161. 
Yenetianersteinl04. 
Verfluchte Juug- 

feruschlucht 117. 
Yeronikaberg 78. 
Yesser Thal 76. 
Vieruau 164. 
Yierpfennighaus 92. 
Yoigtland 4. 
Yölkerhauseu 169. 
A^olkstedt 40. 42. 
Yollradisroda 31. 

"Wachsenburg 136. 
Wachstein 113. 128. 

129. 
Waidmannsheil 52. 

56. 



Waidmannsruhe 

117. 
Waldeck 32. 
Waldenfels 90. 
Waldhaus 146. 
Waldschlörschenl46 
Waldstrafse 84. 
Walkmühle 135. 
Walldorf 164. 
Wallendorf 48. 65. 
Wa Ipurgiskirch hof 

1.39. 
Waltershausen 13. 

96. 
Waudersleben 136. 
Waiigemannsburg 

107. 
Warti.urg 116. 123. 
Wasserleite 139. 
Wasungen 164. 
Weida 4. 

Weimar 146. 158. 
Weifsbach 65. 
Weifsen 35. 
Weifsenborn 112. 
Weifsenburg 85. 
Weifsenfeis 3. 
Weifsenstein 78. 
Wellenborn, Unter- 

48. 
Wernbnrg 47. 
Wernshausen 161. 
Werrasitz 57. 
Werrathal 168. 
Weschenbach 51. 
Wespenstein 49. 
Wiefelsburg 49. 
Wilde Gera-Thal 78. 
Wilhelmsburg. 

Schlofs 163. 



Wilhelmshölie 31. 
Wilhelmsthal 114. 

129. 
Willingerberg 68. 
Winterstein 110. 
Wiuzerla 33. 
Wirbach 47. 
Wittekind 3. 
Wittenberg 2. 
Wittmanns- 

gereuther Thal 

46. 
Wöhlsdorf 42. 
Wolfsberg 112. 
Wöllnitz 28. 33. 
Wümbach 68. 
Wnrzbach 52. 53. 
Wurzelberg 64. 
Wüster Bach 39. 
Wutha 130. 

Zapfengrund 123. 
Zeigerheim 54. 
Zella 12. 78. 82. 85. 

88. 
Zella-Mehlis, Stat. 

87. 
Zenne 31. 
Zeutsch 35. 
Ziegelberg 85. 
Ziegelhüt'te 50. 
Ziegenhain 28. 31. 
Zillbach 161. 
Ziramerberg 122. 
Zinselhöhle 50. 
Zirkel 63. 64. 
i Zscheiplitz 22. 
Zwätzen 27. 28. 
Zwick 161. 



Druck von Leonhard Siinion, Deiliii SW. 



Die geehrten Benutzer des vorliegenden Keisehandbuches 
Averden höflichst ersucht, die Berichtigung etwaiger Irrtümer 
und die Mitteilung von Veränderungen oder Neuerungen an 
die unterzeichnete Adresse zur Benutzung für fernere Auf- 
lagen einsenden zu wollen. 

Das nachstehende Blatt wolle man im Interesse aller 
Reisenden ausfüllen und unterschrieben senden an den Her- 
ausgeber von Griebens Reise-Bibliothek 



Albert Goldschmidt, 

Berlin W., Köthenerstr. 82. 



Folgeudes aits der IG. Auflage des Führers: 

„Thüringen" 

(Ginebens Eeise-Bibliothtk) 
ist zu ändern: 



3Iit toluenileii in der 10. Auflage des Führers: 

„Thüringen" 

(Griebens Reise-Bibliothek) 

anfeeführten Hotels bin ich zufrieden gewesen: 



'SUt folgenden in der 10. Auflage des Führers: 

„Thüringen" 

(Griebens i? eise- Bibliothek) 

aufgeführten Hotels bin ich nicht zufrieden gewesen. 
(Mau wolle den Grund der Unzufriedenheit angeben.) 



An/eigenjin^Griebens Thüriugen. 18« i • 
A 1» O 1. 1> A. 



Hotel zum Adler. ^^ 

.Ä.X'xa.sta'CaLt. 

Gasthof zur goldenen Henne r^^m 

•4t.^«ti.Ph 12 und 1 Uhr,Tach'dtr Karte zu jeder Tageszeit, 
ittagstisch i^ H^'^^ XiUp Franz Kugelbrett im Hause. 
Fahrgelegenheit im Hause, -bianz. ^"g« Maempei, Besitzer. 




mit crrossem Garten-Restaurant. 
* ° Eingaag ins Sehwarzathal. . 

) Table d'hote i)ol-2 Ihr - ä U carte zu jeder Tageszeit. 

fable 1 J«»« )2 ^^^ ^^^^^^^ ^.^^^ j^^„ it zu haben 

? Omnibus .m'BShlhof z« jedem Zuge. -/«»-«» ;™ H»"^« 
' Logis Ton Mk. 4j»0-« £"• ?• lOrv q 

Logis für Tourist«., von Mk. 1,50 an b.s Mk. 3^ 
L r7dA«i ß««""^= Gustav Prüter. f 

lofp ZUM NOÄTJC^^^^^^^^^ 

m Schwarzathal bei Bad «'»*V**^,""Vf h.^ (^^o allabendlich 6 Uhr Fütterung 
im Walde, in nnmittelbarer Nähe des ^'!«J/.\^'"' ^\^-^^^^^^^ eelegen. EmpflehU. 

ler Wildschweine stattfindet) und ^^s Fürstlichen >>ildl.arKs ge^ege^ V^^.^^^ 

ronristen seine g"t «'."ge^iSlt" BuTe B-^^rT' Sg lich'e Küche. - Schattiger 
,on 3,50 M. an. Reine «eine. Gute Biere. ^""9; ^^^il Macheleidt. [7408] 
Garten. Ausspannung. Geschirr m Hause. JnliaDer.i^i» 

Inscllierffcr Mof, am Fasse des Berges. 

Bekannt* r gut und Mllig^Neu eingerichteter Stanim für To^^^^^^^^^ 
wannem Abendbrot (wählbar nach der Karte bis zu 1 M.), ^i*""" \'*^^„' „'o os^m 
rTaTs^Kaffee mit Butterbrödchen. Von 6 Personen an em Z.inmer ät Person 2^25 M- 
Für Schulen, sowie grössere Gesellschaf en »»«SäJhtrivörASt Stöhr. 
^„v.u- nach der Kart e zu jed er Tageszeit._ ^Hochachtungsvoll ^ugu 



i^lKi^iSlFl* 



Erstes und grösstes Hotel. 



unmittelbar am Ausgang- de.s Bahnhofes. 

Z,vel Tables d'hote Mittags. Säle zu Versammlungen u. Jestllchkeiten. 
Elegante Equipagen. »„„.i«...» 

Grosser Park mit Villa, Wohnungen für langereu Aufenthalt. 

Besitzer: Carl & Edmnnd Rohriff, 

,iji ürossh. Sachs. Hoflieferanten, Weinhandlung. 

1 



se, 

Df. 



Anzeigen zu (jriebons Thüringen. IHOI. 



y-f- HOTEL RAÜTENKßANZ y«- 

mit durchgängig neuer Einrichtung versehen. Centrale Lage 
am Marktplatz mit Aussicht auf die Wartburg. Säle zu Ver- 
sammlungen und Festlichkeiten. 

" Bäder und elegante Equipagen. 

l"!*^^] W. Oppemiaiiii^, Besitzer. 



„. , Jacobs 

HOTEL ZUM ERBPRINZEN. 

Mitte der Stadt, am Wege zur Wartburg. 

Vollständig neu, auf das Eleganteste eingerichtet, bekannt als 
eines der besten Hotels Eiseuachs, sowie durch seine 
[7412] billigen Preise. 

Omnibus zu jedem Zug am Bnluiliof. — Equipagen im Hotel. 



EISEMACH. [7411] 

Hotel zum goldenen Löwen. 

Schönste Lage neben dem gro.s.slicrzogl. Kartbausgarten am 

Eingange in's Marien- und Johannisthai. 

Eigener grosser Garten init Restauration. 

Bei längerem AufentliHlte Pension. 

Besitzer: Fr. Befl«. 



EISENACH in Thüringen. 
[7418] Krug's 

Hotel und Pension Elisabethenruhe. 

Gegenüber der Wartburg. 
B(^streuommirtes Hotel in herrlichster Lage Eiscnacht», dem 
schönsten Theile dos Marienthals. Allen Besuchern Eisonachs 
bestens empfohlen und zu längerem Aufenthalt besonders geeignet. 
Contral-Lage sämmtlicher Spaziergänge und grösseren Ausfltige. 
Elektrische Beleuchtung. Telephon. BMder im Haute. 

Be.sitzor: Aiig^. R«M'«ler. 



Anzeigen zu OrJebens Thüringen. 1891. 



EISENACH. 
Hotel Kiiiii halben Iflond. 

I. Ranges. Besitzer: »illielni ßudloff. 

In unmittelbarer N'ibe des Marktplatzes, der Post- und Telegraphen-Bureaux gelegen. 
Solide Preise, prompte Bedienung. Licht wird nicht berechnet. 

Omnibus am Bahnhof. Equ ipagen im Hoteln^ [7419] 

EISEIVA.CII. [7415] 

Hotel Thüringer Hof 

am Carlsplatz, nahe dem Bahnhof Dieses Hotel liegt unstreitig im schönsten 
Theile der Stadt, mit Aussicht nach der Wartburg. Bekannt durch billige Preise, 
sowie vorzügliche KUche und Keller Equipagen im Hotel. Omnibus am Bahnhof. 
Pension hei längerem Aufenthalt Besitzer: Wilhelm Matthens. 

Elsenach. HotOl ZUlll KrOüprinZ. Eisenach. 

In nächster Nähe des Bahnhofes. Omnibus unnöthig. Mit Restaurant und 

Billard. — Besitzer Otto Menzel. 

Frenndllche Zimasi mit Aussicht nach der Wartburg. Gute Betten. 

Table d'häte W/a ühr- - i la carte zu. jeder Tageszeit [7710] 

Prompte Bedienung. Equipagen u. Bä der im Hause. Solide Preise. 

Elsenach. H^artbUFg^-Ilof . Eisenach. 

Hotel und Pension. Restaurant und Garten. 

"Vis- ä- vis clor "W" a r 1 1> VI X" 8:. 

Angenehmer Sommer-Aufenthalt im schönsten Theile des Marienthaies : in 

gesunder Berg- und Waldlnft. Zimmer mit und ohne Pension. 
[7778] Besitzer; Carl Riebter. 



Eiseiiach. 

itel pni bM Restanrait „WolfsscMnclit" 

in Mitte der Stadt. 

Logis mit vorzüglichen Betten Mk. 1,25, incl. Licht und Service. 

Bei längerem Aufenthalt hilligste Pension. 

Table d'höte 'AI Uhr 1,25 M., ohne Weinzwang — ä la carte zu jeder Tageszeit 

^ZlZmUH^ stets lebende Fische. ~~" 

Echt MUnchener und Eisenacher Biere. Beste KUche und Keller. 

[7414] Tb. Matthens, Grossh. Sachs. Hoftraiteur. 



Eisenach. Neuer PelSenkeller Elsenaclu 

bekannt unter dem Namen KalinlUcke, dem Bahnhof vis-ä-Tls. 

Ilestaurant und Log-irhaus mit grossen schattigen Gartenanlagen. Touristen und 

"Vereinen bestens empfohlen. Logis M. 1,25. Gute KUche, vorzüglich frische Biere. 

ff. Frankfurter Apfelwein. 

[7413] ■ • W. Kellner^ 

EISEXA<II. 

Restaurant und Logirhaus Junker Jörg 

in unmittelbarer Nähe der Wartburg. 

Angenehmer Aufenthalt im Garten, schöne Spaziergänge, prachtvolle Aussicht. 

Für ausgezeichnete kalte und warme Speisen und Getränke ist stets gesorgt. 
[7421] Um gütigen Zuspruch bittet W. Stell. 

3* 



Anzeigen zu Grieben» TliBrlngeii. 1891. 



Balinlioflä-K'etsta.ur'a.nt X::ieieMa.oti 

von I^ouIh Abel, 

seit Jfihren sowohl durch seine Lokalitaten wie durch seine ausserordentliclieu 
Leistungen bei nllssicren Preisen [741Ü] 

bestrenomnilrtes Bestauraut der Thüringer R«hn, 

bringt sii-h dem geehrten reisenden rnblikuin hierdurch in empfelilonde Erinnerung. 
Zimmer excl. Licht Mk. 1,90. Hocliachtungsvoil Louis AbeL 

K IS E NACH 1. Th. 

R-et^taur-ant H. Zimmermaiin. 

Eingang: Karlsplatz und Karthäuser-Strasse. 
]?eillhmt durch feine KUche. Stets Auswahl lebender Fische. Feine Weine, nur 
echte Biere. — Garten. — Logis Im Hause. [7422] 

Besitzer: II. Zlmmermaiui. 

Die altrenommirte M'einliandlung, verbunden mit Frülistiicksstube 
von M. PFLU6, Eisenach, Grossh. Sachs. Hoflieferant, 
ompflehlt dem geehrten Publikum seine in der Goldschraiedenstrasse No. 7 be- 
legenen Weinstuben mit kleinen artenanlagen. Ausschank aller Sorten rein- 
gehaltener, direkt bezogener Weine vom Fass in V4 und *|2 Liter GefUssen, sowie 
grosse Auswahl von Flaschen-Weinen zu den billigsten Preisen. [7417] 
Preiaconrant o wie Proben zu Zpgrsg-Proisen atehen gsm in Dlen8ten. 

^ t fenacB. 

Hofconditorei, Carlstrasse B 31, 

Cafe- und Gtiocolade-, Wein- und Frühstiicksstube, Lesezimmer. 

[7420] Besitzer: Franz Sctamltz, Hof-Conditor. 

Bad Elgersburg i. Th. 

Dotd u. Pension Victoria 

gegenüber der Bahn, neu und komfortabel eingerichtet, mit 
herrlicher Aussicht auf Wald und Gebirge. 
Vollständige Verpflegung 3,50 Mk., Logis von 1 Mk. au. 
[7424] Besitzer: F. Gerhardt. 

Elgersburg i. Th, ['425) 

G-astliof* zur- I^inde 

am Rasen inmitten einer prächtigen Lindenallee gelegen, halt sich den geehrten 

Besuchern von Elgersburg und Umgebung bestens emptbhlen. Schöne Zimmer. 

Gute KUche. Beine Weine, ff. Biere. Prompte Bedienung. Solide Preise. 

Besitzer: M. Schi mter. 



Erfurt. 



[77271 Hans irrten Hanges. 

Be.sitzer: Äf. Kanaslov. 



Anzeigen zu Griebens Thüringen. 1891. 







Prämiirt auf der Internationalen Hygienischen Ausstellung Ostende 188$. 
— ^^— — Cjroldene IMoclalllo. ——"—— 



Wasserheilanstalt 
der Herren San.-Rath Dr. Barwinski und Direktor Fr. Mohr. 

520 m U. M. — Im prachtvollen Tannenwald. Keinste ozonreiche, vor Thalzug 
geschützte Luft. Fast- chemisch reines Wasser. Rationelle Wasserkur; elektrische, 
diätetische, pneumatische Behandlung; Massage; Heilgymnastik; Oertel'sche Kur, 
Weir-Mitchell's Mastkur; Molkenkur; Sommerfrische. Elektrische und sämmtliche 
andere Bäder. Temperirbare Douche. Bedeutende Erfolge hei Nervenkrankheiten 
und Leiden der verschiedensten Art. Einrichtung und Führung wie ein Hotel 
I. Ranges, ohne den Charakter der Anstalt zu ge^Jhrden. 150 Zimmer in 5 Villen 
und dem Schlosse. Ausgezeichnete Verpflegung bei civilen Preisen, Saison und 
Kur vom 1. März bis 15. November. Näheres durch Gratis-Prospekte. 



Anfragen beliebe man zu richten an obige Besitzer. 



[7423] 



Bad Elgersburg in Thüringen. 



Im^t 



Prachtvolle Lage am und im Walde. Herrliche Aussicht. Comfortable Einrich- 
tung zum Gehrauch von Bädern, VVasserkuren, Massage etc. — Bäder Jeder Art, 
70 ZfAmer in drei Villen und dem Hotel. — Ausgezeichnete Verpflegung. Civile Preise. 
Arzt im Hause. — Näheres durch Prospekte und die Direktion. 



Anzeigen lu UrMitma Ihiitiii^tfii. iM>l. 



Bad Friedrichroda in Th. 

ttotet tind Pension Fürstentiof. 

Besitzer: Rudolf Bothe. 
[7433] Durch Keubuti bedeutend vergrössert. 

MiUia, 6ofonn«if«, |af(, jlefqtinm«. — Sur(|aB5 ßowforlolife iimidiluiifl. 

t'f'?'J'f1'1"?1*ft"J"t't"t"J"?"?"-t"?'J"J"?'t't'tt1"J't't'J"ft"5't"fT 

„Gotlie's Hotel zur Schauenbur^." 

Ai'ltostes, bestrenommirtcs Hotel um! Bostaurant I. Ranges ;ira Platz, dureli Neubau 
bedeutend vergrössert, beste Lay;e, grosser Garten, Pension. 

Wllh. iSehubcrt, Benitzer. 

Bad Friedrichroda. H^iSO] 



Schönste Lage iu unmittelbarer Nähe von Keiuliardsbruiin und Wald. 
Bes. G. Gläser empfiehlt sein neu erbautes und komfortabel eingerichtetes Hotel, 
verbunden mit Pension und Restaurant. Grosser Garten mit parkähnlichen Anlagen. 
Bäder im Hause. Logement v. Mk. l.öO an. Pension v. Mk. 4,50 an pro Tag. 

Friedricbrodn. Tliüriiijffii. 

HOTEL WAGENER. 

Besitzer: Otto T.jji<!lii»i\iii<l. 177281 

Hauptstrasse, vis-a-vis: Rathhaus und Postamt. Pension. Vorzügliche KUche. 
neue Betten, massige Preise. Omnibus zu jedem Zuge am Bahnhof. 

BA» FRIEDRICHROnA. [7431] 

Mitte der Hauptstrasse. Auch im Winter geöffnet. >eu erbautes und comfortabel 
eingerichtetes Hotel, mit grossem Speisesaal und gerUumigeii, sehr eleganten Restau- 
rationsräumen, sowie Gartenanlagen. Logis und ^'ension zu massigen Preisen. 
Table d'luHe 1 Uhr, ä la carte zu jeder Tageszeit. Voraögllche Küche. Gute. 
Wi'ine und Biere. Omnibus zu jedem Zug am Bahnhof . Bes.: A. I^a nge. 

FriedrlchrodH in Thüringen. 

mtctg* Hlat©! 0)0) d) p^öci^lani 

(Besitzer: E. Lanz, frUher auf Callenberg und Coburg), oraptiehlt sein aufs Beste 
eingerichtetes Haus, nahe am Walde gelegen, den geehrten reisenden Herrschaften. 
Anerkannt ToreügHche Küche und Keller, bei massigen Preisen niul prompter 
Bedienung. [7432] 

«OTHA.. 

Hotel zum I>eiitsclieik H[o:r. 

Besitzer: il. l'UMt. 
1. Kanii^es. Unmittelbar an Promenade, Theater. Pust und Telegraphenbureau und 
nahe dem Bahnhofe. — ZeltKcniäsHe , elegante Kinrlchtung, gute Knch* untl 
Meine. Bäder im Hotel, (tmnibus am Bahnhof. 17438) 



An/.ei^eii -m tiriebens Tliünug;eu. 1891. 



Altreiioiiimirtcs und grösstes Haus I. Rano^es nm Platze, 

mit grossem Garten, 

(Miipliehlt sicli bei civileu Preisen. 

[7IH81 Omnibus am Bahnhof. 

E. Altmaim 

Herzogl. Hof-Traiteur. 

ii « T H A. 

am Neumarkt. 
[7437] Onmitoxis anv :BalinUof. 

Besitzer: K. I'olilniaiiii. 

^^=^^ ^otha. <=S^^=^ 

LJEOP»OLD CJ.^]>i:S 

2« Hauptinarkt. Hcrzogl. Silchs. Hoflieferant. Hauptmarkt 2G. 

"W e 1 n li » 11 cl 1 \i n j>" 

verbunden mit Wein- und Frühstücksstube. [7436] 



Ilmenau in Thüringen. 

Gasthaus zur Tanne. 

Altrenommirles Haus I. Raiips. 

Durch Xe\il)aii Ijedeuteud vergrüssert und mit neuen, grostscui 
Betten ausgestattet, im Mittelpunkte des Fremdenverkehrs und 
in unmittelbarer Nähe des Waldes, mit staubfreiem, geschütztem, 
grossem Garten, hillt seine neu hergerichteteu Lokalitäten aufs 
Beste empfohlen. 

Bei längerem Anfentlialte von unschätzbarem Werthe. 

[7441] Omnibus zu jedem Zuge am Bahnhof. 

Besitzer: Rudolf Michael. 



Anzeigen r.u Griebens Thüringen. I8B1. 



— Ilmenau, i— ^— ^^ 

Schönste Lage unter den Linden. 

Gute Küche, reingehaltene M'elne. — Echt Bayerisch Itler. — Billard. - 

Omnibus am Balinliof. — Equipa),'en ira Ilause. [74t2) 

Licht «nd Servis wird nicht berechnet. Bes.: Kempt A- Russniann. 

[7440J BAD ILMENAU. 

Gasthaus zum Schwan. 

Altbekanntes gutes Uaus IL Banges. Vorzügliche Betten, Logis von 1 Mk. an. 
Guter kraftiger Mittagstisch und Bior vom Fass. Aufmerksame Bedienung, massige 
Preise. Omnibus am Bahnhof Georg Hofmann, Besitzer. 

Bad nmenau. 

Gasthof zum Thüringer Hof. 

In Mitte der Studt gelegen. [7439] 

SehUne Zimmer, vorzügliche Betten von I Mk. Anerkannt gute Küche u. Getränke, 
k la carte zn jeder Tageszeit. Billigste Preise. lieopold Fiictasel. 

_^ Sad Ilitionaii. [7798] 

H®til liMtiilif KalüF 

unmittelbar am Bahnhof und 'J Minuten von den Linden gelegen. Neu und com- 
fortabel. Logis von 1 Mk. an. bekannt gute Küche und Keller. Billige Preise. 
-Vufmerksame Bedienung. Garten. Fr. Schulze, Besitzer. 



916 Mt. U. M. Inselsberg bei Friedriehroda. 916 Mt. U. M. 

Logis von 1,50 Mk. an. Kein Servis. Tahlo d'hötc 1 Uhr. Post im Hause. 
Vereinen und Schulen bedeutende Preisermässigung, Touristen besonders zum 
Logis empfohlen. Prospekt franko, mit Beschreibung des Sonnen-Aufgangs vom 
Inselsberge! Gothalsches Gasthaus F. Naumann. 

Bitte auf Firm a zu a chten : O0THAI3CEES SAS THAÜS. [7587] 

JENA. Zum ii;roldenen !fi»terii. JENA. 

Hotel, Restaurant und Gartenlokal. 

B. Sieber, Jena. [7732] 

Nahe dem Weimar-Geraer Bahnhofe und Haltestelle Paradies der Saalbahn. 

Diners apart, Ji la carte jede Tageszeit. Reine Weine, div. Biere. Logis incl. 

Licht und Servia von Mk. 1,25 an. Aufmerksame Bedienung, gute Betten. 

Hält sich dem geehrten reisenden Publikum empfohlen. 

Soolbad Kosen. 

Hotel M Pensioi Im mUm Her. 

Durch Neubau bedeutend vergrö.^sert. Soolbäder im Hause. 

Dicht bei den Douche- und Wellenbädern und ganz in der 

Nähe des Gradirwerke.s. 

Oiniiilins an ier Bahu. Wagen jeier Art znr VerfüpDg. 

[7441 1 Besitzer: H. Weber. 



Anzeigen zu Griebeus Thüringen. 1891. 



Corastliof* zur Tanne. 

Besitzer: G. Feller. [7434] 

Unmittelbar beim Bahnhofe. Frenndliche Logirzimmer von 1 Mk an mit 
iztiglichen Betten. Gute Küche und Getränke, Kösener Champagnerbier. 
Aufmerksame Bedienung. Billige Preise. 

Eine Stunde von der Station Eichicht, hochromantisch zwischen 

6 hier ausmündenden Waldthälem gelegen , eignet sich durch 

seine schöne und gesunde Lage ganz besonders für Familien 

zu längerem Aufenthalt. Im 

Scli^w^ai?zl>ULi:*gei:* Hof" 

bei C. W. Schmidt, am Markt gelegen, findet man gute und 
billige Pension. Kein Weinzwang, freundliche und aufmerksame 
Bedienung. [7950] 

Bad Liebenstein in Sachs. Mein. 

llüller'^ Hotel nnd Pension 

neben dem Kurhaus an der Trinkpromenade, schönste Lage mit 
70 Zimmern und Speisesaal etc., gut renommirtes, solides Haus. 
[7446] Table d'hote 1 Utir. 

Beque mer Omnibus zn den Personenzügen am Ba hnliof. 

Bad Liebenstein, Werrabahn-Station. 

Meininger Hof. 

Nfu u. comfort. eingerichtet, vorzügliche Betten, massige Preise. 

[7445] Neuer Besitzer: Oscar Fahrig. 

' — -f- Omnibus am Bahnhof. -^ — ■ 



S?JSip?)5?S©J^<?^^ 



Bad Liebenstein. [7447] 

-\^ o X' in als Iv I x* c lin e j:. 

An der Trinkpromenade. Altes, renommirtes Haus, besonders von Touristen viel 
besucht. Gut eingerichtete Zimmer, TorzSgliche Betten. Table d'höte 1 Uhr, k la 
»arte zu jeder Tageszeit. Biere vom Fass. Aufmerksame Bedienung. Massige Preise. 



Anzeigen zu tirlebeni ThürliiKeii. 1891. 




Aechter 



Feinster 

Magenliqueur. 

Allein aecht 
fabricirt seit dem 

Jahre 1828 

von [7449i 

Th. Lappe 

MuDliesitziir 

liiilitßiidoif. 

Vielfach prämiirt. 
f NEUDIETENDORF. | 

I Elasthais 21? liildefgememde. | 

a [7448] Unmittelbar hinter dem Bahnhot' goletjen. § 

Oberhof i. Thür. 

Hotel, Pension, Restauration. 

Herrlich im Wald gelegen, mit 50 der Neuzeit, entsprechend ein- 
gerichteten Zimmern. 
hu^U von Mk. 1,50, Pension von Sik. ö,— »n. — YorzÜKlIrlie KUrh«. 

i'ooii Beisitzerin: Frau Fischer. 




Anzeigen zu Grlebens Thüringen.! 801. 




Das hochfein ausgestattete Kurhaus und Hotel I. Ranges liegt inmitten 
des schattigen Kurparkes und eignet sicli daher vorzüglich zu längerem 
Aufenthalt. Sehr wohnliche und gediegen ausgestattete Kremdenziraraer. 
Vorzügliche Betten Lese- und Billardzimmer, Kegelbahn etc. - Gute 
Küche. Gute Weine. Echte Biere vom Fass. 

Die Bäder des Kudolsbade«« sind durch ihre hochfeine und zweck- 
mässige Einrichtung in ganz Deutschland bekannt; es werden alle Sorten 
Wannenbader, namentlich Fichtennadelbäder, verabreicht, ebenso Russi- 
sche und Römisch-Irische Bader. Ferner ist geübtes Personal für Massage 
vorhanden. Elektrische Itüder. 

Rndolsbad eignet »icli namentlich zu längcrem Aufenthalt für 
solche Personen, welche in der herrlichen Waldluft Erfrischung suchen 
und die sich iu <^em Trubel eines grossen Badeortes nicht wohl fühlen. 
Auch Touristen .steigen mit Vorliebe im „Rudolsbad" ab, weil die Preise 
trotz der hochfeinen Einrichtung sehr massig sind. Alle, welche Thü- 
ringen bereisen, sollten Kudolsbad in ihren Reiseplan aulnehmen; der 
Aufenthalt daselbst wird ein sehr lohnender sein. 

RudoiNbad ist eine Sehenswürdigkeit ersten Randes. — Elektrische 
Beleuchtung. — Omnibus ist zu den HauptzOgen an dem Bahnhof 
Rudolstadt. 

Telegramm-Adresse: „Rudolsbad, Rudolstadt". [7453] 



Rudolstadt. 

HOTEL ZUM LÖWEN. 



=== Ersten Ranges. [7451] 

Besitzer: "\^'. OwiMoni. 
R"üT) O L S T A D T^ 

Gasthof zum „Adler" am Markt 

empfiehlt sich dem reisenden Publikum bestens. 
I*os11ialtoi*el und EJtiiiipujj^eix im llaxise. 

17455] K. Streltberger. 

Ttii<lol5sta<it 1. Tli. 

Hotel „Thüringer Hof 

vi«-;i-vis dem Bahnhof, hält sich dem geehrten reisenden Publikum bei soliden 

Preieen and aufmerksamer Bedienung bestens empfohlen. 
[74.^4] _^ ^ R. S C hüt z e. 

NEU! [7452] Rudolstadt i. Th. NEU! 

Kellner's Hotel und Pension 

am Neumarlit unmittelbar am ßalinliof und am Aufgang 7.nni SchloNN. 
Corafortable Zimmer von 1 Mk. an. Pension 4 Mk. pro Tag. Anerkannt gute 
Küche und Keller. Schöner Garten. Ilansdiener zu Jedem Zuge am Bahnhof. 



12 Anzeigen lu Griebens Thüringen. 1891. 



Hotel Hennig zur Traube. 

Vollständig neu renovirt. Gr. Restaurationsgarten. Diner, sowie 
ä la carte zu jeder Zeit. Table d'liote 1 Uhr. Logis von Mk. 1,50 an. 
[7457] Omnibus am Bahnhof. 

E. Hennlg. 

Bad Riilila b. Eisenach, Bahnstation. 

HOTEL BELLE-VUE 

durch Neubau bedeutend vergrössert und verbe.ssert. Schönster 
Punkt Thüringens, vom Walde umgeben, mit herrlicher Fernsicht, 
empfiehlt Touristen und Badegästen sehr gute Logis, vorzügliche 
Küche, AVeine und Biere. Billige Preise. Vereinen und Schulen 
empfehle gutes und billiges Quartier separirt. 

f^^ss] j. Moskopp. 



-I- » C H I. A. -^^ 



Gasthof zum Schwan mit Schwanen-Alm. 

Bei der Post. Schönste Lage des Ortes. Garten und Wald. Wog durch denselben nach 
und von Bad Thal. Gute Betten und Massenquartiere. Pension. Gutes Bier. Reine 
Weine. Milch. Solid und billig. Besondere Vergünstigung fUr Schulen und Schiller. 
[7456] Wilhelm llartntann, Lehrer emer. 

^^^^^^^^^^^^^^^^»^^^^^^^^^ 

Soolbad Salzungen 

(Station der Werra-Bahn) 

HOTEL KURHAUS. 

Alt bekanntes Haus ersten Hanges, neu eingerichtet, reizend am See und 
Promenaden gelegen, prachtrolle Aussieht auf das Rhön- und ThBringer Gebirge, 
verbunden mit hübschem Kurgarten und geschützten Veranden. Pension J"Ur 
grüssereFamilien je nach Lage der Zimmer von 5 Mk. an. Aufmerksame Bedienung. 

Wagen am Bahnhof. 

[7692] H. Fischer, Inhaber. 

Soolbad Salzungen in Thüringen 

Neu! HOTEL. WALTÄ. Neu! 

Am Ausgang des Bahnhofs in unmittelbarer Nälie der Kuranstalten , mit 
»chOnem Garten, hohen luftigen und comfortabel eingerichteten Zimmern. Table 
d'höte und Restauration. 1.7459] 

Bes. W. Wftlta, zugl. Bahnhofä-Restaarateur. 



Anzeigen zu firiebens Thüringen. 1891. 



iÄiliUill. [7460] 

Hotel Melnlnger Hof, 

dem Bahnhof, Gradir- und Badebaas am nächsten gelegenstes Hotel mit grossem 
schattigen Garten, hohe Inftige Zimmer zu massigen Preisen, vollständige Pension 
incl. Wohnung 4 Mk. Besitzer : Herrn. Wolf. 

Schwarzburg als Nachknrort. 
JdLiil>iier's Hotel und "Villen 

zum weissen Hirsch. 

125 Zimmer und Salons von Mk. 1,50 an, 
[7462] WIF" Sielie letzte Seite. 




lll. 






Schivar^burg. 

• ■X AA»«X XJ 

(Inhaber: Carl NÖller) 

vis-ä.-vis der Post und dem Telegraphenbureau. 

Empfiehlt sein Hotel nebst grosser neuerbauter Veranda mit 

prachtvoller Aussicht nach dem Trippstein und dem Schwarzathal, 

Ausblick nach den von zahlreichem Wild belebten Futterplätzen, 

dicht am Hotel. 

Logis von 1,25 Nk. an. Verpflegungspension von 3,50 Nk. an. 

[7463] Table d'höte 1 Uhr, ä la carte zu jeder Tageszeit. 

Dejeuners, Diners, Soupers von 2 M. an. 

Tek-gr.-Adr.-. STöIIer, Schwarzburg. 

Sclixvarzl>ii.i-g'. ^'*"^ 

Gläser's Hotel zum Schwarzburger Hof. 

Am Eingange iles Ortes, geschützte Lage, altbekanntes Haus, civile Preise, 
grosser staubfreier. Garten, Flussbad in unmittelbarer Nähe, Nachweis von Privat- 
wohnungeu. Auf Wunsch Pension. Crläsez*. 

)Sonnel>ergr> 

I^I^Ui^'s HOTEL. 

I. Rangei«. 

In der Xähe der Bahn , Post und Dr. Richter's Wasserheilanstalt. 

BeiTÜhrt in Allem seinen »Iten Buf. (7715{ 

" Omnibus am. Bahnhof. ——^^—— 



14 Anzeif^un zu Oriebeus Tliüriiieoii. IHOl. 

Hotel zum deutschen Hause 

«inziges Hotel am Markt, bewährt suioeii alten Ruf. B«i vor/.Uglielier Verpflegung 
solide Preise. Besitzer: Carl Naumann. 

Tambacli im Thüringer Wald. 

iiithif mm iliii. 

Der Neuzeit entsprechend eingerichtetes, altreuommirtes Haas. 

Freundliche Zimmer mit guten Betten. 

Angenehme Restaurations-Localitäten mit Garten. 

Anerkannt gute Küche. 

Pension. Massige Preise. 

Besitzer: Aag^nst Reichert, 

17690) früher Oberkellner im Domainen-Gasthof Oberhof. 



M\m 1. LilsBiöat M i. TMr. fall 



/2 



(7469] 



Das Etablissement ist Sommer und Winter geöffnet. Der Arzt wohnt im 
Hause. Pottt, Telef^rsph, Station der Bahn Wntha — Kuhla. Klimat. Kurort 
für >'erTeiili,raiike, ßheuniatische. Blutarme, schwache Kinder und UecouTales- 
cent«n. — Vollständig iienerbaut und komfortabel eingerichtetes Badehaus. 
Grosser schattiger Park, angenehmer Aufenthalt fllr Familien. Pension aner- 
kannt gut und billigst. Fichten-, Sool-, Stahl-, Schwefel-, Loh-, Moor-, 
Donohe-, Dampf-, Elektrische, Warm- und Kaltwasaerbader. — Equipagen. — 

Näheres durch den Besitzer Conrad Scharr. 

Im Herzen Thüringens Bad Thal Im Herzen Thüringens 

Hotel und Pension Tannhäuser 

verbunden mit Milchcuranstalt und grossem Waldrestaurant, 

umgeben von eigenen Waldanlageu. 
I<468] Alle Arten Bäder. Equipagen. 

Herrlich gelegenstes Etablissement am Platz, weithin 

renommirt durch seine vorzügliche Verpflegung und äusserst 

civilen Preise. 

Jeder Bahnzug halt am Eingang des Hotels. 

Haus- nnd Badearzt Dr. med. Frirke. E. Karrer, Besitzer. 

Als Ergltu/.ung zu albn Hcisohllc-hern empfnhleri : 

Praktisches Hotel-Adressbuch für die Reise. 
— ^ 1891. -^ — 

>ach>veii« ompfehlenKnertht^r Hotels in Mittel-Europa. 

Prt>lM «O Pf. 

Verlag von Albert Qoldtchmldt, Berlin W. 



' Anzeigen zu Orlehens Thörinireii. 1891. 15 

Weimar. 

Russischer Hof 

früher A. Fressel. 

Hotel ersten Ranges, in j^ehönster Lage der Stadt. Unmittelbare Nähe des Hof- 
theaters, Post, Museums, Göthe- u.Scliillerhause.s sowie sonstiger Sehenswllrdigkoiten. 

forjugf. <IM<- Bxtffanle feilte, gufe 3{ebteit«Kj, ßtffije f letfe. 

[7480] Omnibus zu allen Zügen am Bahnhof. 

Bäder und Equipagen, im Hause. 

Geschtv. Kloss. 

l¥eiinar. 

H©M Cfctmmltltts. 

In unmittelbarer Nähe der Kaiserlichen Post und des Gross- 
herzoglichen Hof-Theatere. 

Sommer- und Winter -Salon. 
Brillante Garten-Anlagen. 

- Equipage und Bader im Hotel. i. 

[7950] Telegramm-Adresse: Chemnitius, M'eimsr. 

■Weimar. [7479] 

Seeberg's Hotel zum Elephanten 

in schönster Lage der Stadt, am Markt. 
Altrenommirtes Haus, den Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet, 
empfiehlt sich hei billigster Preisstellung dem geehrten reisenden Pnblikum. 
Grosser ^elifiner Garten mit Eingang v. d. Parkstr. Carl Seeberg's Wwe. 

AVetiuar. 

BAHNHOFS-HOTEL. 

Inhaber: August Obenauf. [7476] • 

l>em reisenden Publikum bestens empfohlen. Neu und komfortabel eingerichtete 
Logirzimmer im Bahnhofgebaude. Speisen a la carte zu jeder Tageszeit, ff. Biere 
und Weine. Aufmerksame Bedienung. Ciyile Preise. 

Hotel IiLa.iser*io -A-ug-usta. 

I'iiroh Neubau vergrössert und der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Bekannt 

durch vorzügliche Küche und roilssige Preise. 

Oute Betten. Grosser schattiger Garten mit Veranden. 

[7477] Besitzer: Ernst Reinhardt. 

TV«? i mal*. [74781 

RESTAURANT SÄCHSISCHER HOF 

am Herderplatz — mit freundlichem Garten. Sehenswürdigkeit, altdeutsches 

Bierzimraer mit Gemälden berühmter Meister. Vorzügliche Küche. Hiesiges und 

Miinchener Bier (Hackerbrän) vom Fass. Billige Preise. Abends Konzerte, ah- 

<'hselnd von Militär- und Civil-Kapellen und Sanger-Gesellschaften, fi. Rost. 



Anteigen zu Ctrleben* ThOrlagen. 1891. 



»nnHmuHNUiuiiiiOTmiiuiiiiiiuiiiiiiniiliiiiiiiiiiiiiiuiiimiJiiiinniiliilliin'.iii 



Verlag von Albert Goldschmidt in Berlin W. 
In nnterzeichnetem Verlage ist erschienen: 

500 Jahre Berliner Geschichte. 



Vom Fischerdorf zur Weltstadt. 

Geschichte und Sagre 



Adolf Streckfuss. 

Vierte, bis auf die neuere Zeit (1871) erweiterte Auflage. 
Zwei starke Bände. 

Preis: In Kaliko 22 Mk. 50 Pf., in Halbfranz 24 Mk. 



In fesselnder Sprache rollt uns der auch als Roman- 
schriftsteller beliebte Verfasser in obigem, weit über 
die Grenzen Deutschlands verbreiteten Geschichtswerke 
ein Bild von dem Werden und Wachsen der Reichs- 
hauptstadt auf, das Leben, Frische und Wahrheit 
athmet. Beseelt von begeisterter Liebe für seine 
Vaterstadt, schildert er in ganz ungefälschten Charak- 
terbildern Kurfürsten und Könige, Feldherren und 
Minister, wie alle, welche auf die Entwickelung Berlin.'? 
Einfluss hatten, mit ihren Tugenden und Schwächen, 
ihren Fehlern und Neigungen. Frei von Schmeichelei 
und frei von Verkleinerungssucht, stellt er die Ver- 
hältnisse in strengster Objectivität dar und hat somit 
ein Buch für Alle, für Alt und Jung, ein echtes Fest- 
geschenk geschaffen. 

Die Terlagsbuclihändlnng tod Albert Goldsciimiilt. 
Berlin W.. Köthener Strasse 32. 



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SMUiuiMiiiiw«awmiiniwniiimiimiiiniiiiiiJu»iMHuiiiiiuHimiiuiiniuitunuinMiiiHiwuKwiimmiiuiiuiiMii^^ 



Anzeigen zu Crieb ens Thüringen. 1891. 



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• Verlag vou Albert Goldschmidt in Berlin W. 'H 

aif 1 f iitiii 



Zwei neue Praehtwerkel 

Das Käthchen von Heilbronn 

von 

Heinrich von Kleist. 

Illustrirt von 
A.. Zick. 

Original -Frachtband: SO Miarl«. 

Trugf-Gold 

von 
I^itclolf Ba\xm.\)SLch.» 

Illustrirt von 
Orot Jobann. 

Im Original -Prachtband : SO Mlai*!«. 

Obige von der gesammten Presse als wahrhaft vornehme 
Festgeschenke empfohlenen Pracht-Ausgaben eignen sich 

' als veillkoramene Gaben zu Verlobungen, Hochzeiten, 
Geburtstagen u. s. w. und können durch jede Buchhandlung 

„ zur Ansicht bezogen werden. J 

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Pe/,g^j s^s!^ 

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Anzeifireii stn Grlebens Thüringen. 18A], 




Verlag von Albert Goldschmidt iu Berlin W 



Anleitung 

zum 

Zimmerturnen 

für 

Knrpste, Rekonvaleszenten, alier anci ftr ßesnnäe 



von 



Dr. J. Nitsche, 

EgI. preussisclier Stabsarzt a. D., fllrstl. Pless'scher Brnnnenarzt 
in Salzbrunn. 

Mit ninstrationen. Preis 60 Pf. 



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Ein recht praktisches, durch prägnante Kürze 
ausgezeichnetes Büchlein. Nach kurz gehaltener Ein- 
leitung über die Funktionen der Körperorgane und 
speziell der Muskeln giebt der Verfasser in drei Ab- 
theilungen eine Auswahl von zweckmässigen xind gut 
gewählten Zimmorturnübungen. Die erste Gruppe 
umfasst Uebungen, welche ganz leicht sind und keine 
Anstrengung erfordern, die zweite solche mit massiger 
Anstrengung und die dritte Uebungen für Kräftige. 
Dabei sind ganz besonders die Bewegungen bezeichnet, 
welche geeignet sind, kräftige Entwickelung einer 
schwachen Brust zu erzielen und ebenso diejenigen, [^ 
Avelche für Manchen mit Fettleibigkeit und träger Ver- 
dauung passen. Das Büchlein ist sowohl Aorzten als 
Patienten zu empfehlen. 



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Verlag von Albert Goldsclimidt, Berlin W. 



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Iroldschmidts pibliothelv 

für 

Haus und Reise 

(Neue Folge) 

wird alljährlich eine Reihe von Romanen, Novellen 
und Erzählungen beliebter Belletristiker des In- und 
Auslandes, wie das Beste aufstrebender Talente 
in eleganter Ausstattung (gutes Papier, deutlicher 
Druck etc.) zu einem aufserordentlich wohl- 
feilen Preise (von 50 Pfennig an) bringen. 

Bis jetzt erschienen folgende Bände: 
Zoeller-Lionheart, In der Hochflut. 
Mützelburg, Der Bockreiter. 75 Pf. 
Freitag, Der Sperlingskrug. 50 Pf. 
Cl. V. Glümer, Junge Herzen. 50 Pf. 
Salinger, Kinder der Zeit. 50 Pf. 
Tolstoj, Die Kosaken. 1 Mark. 



50 Pf. 



Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auch von der 

Verlagshandlnng von Albert Goldschmidt, 

Berlin W., Köthenerstrafse 32. 









Anzeigen zu €1 rieben« TbQringea. 1891. 



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Sclwarzlmrs als Nacinrort. 




zum weissen Hirscli 

mit zugehörigen Villen. 

Einziges Haus mit der berühmten Aussicht 
nach dem Wiidparl(. 

drossstädtisclier Comfort. 

125 Zimmer nnd Salons. — 00 ßalcons mit Aussieht. 

Wohnung (einschl. Licht u. Bedienung) von JC. 1,50 an. 

Parkzimmer 2,50 „ 

Frühstück l—JC 

Mittagstisch (5 Gänge) 2,50 „ 

Restauration mit g^rosser Ta^enkart« auf der 
berttlunten Veranda. 

Yerpflegungs-Pension 4 Mark. 

In Vor- und Nachsaison herabgesetzte Preise. 

Fichtennadel- und Soolbäder im Hotel, 
riuss- u. "Wellenbäder. 

Wagren nach fester Taxe. [V462] 

Wahrend der Saison: Zimmer-Bestellung zeitig 
erwünscht. 

Telegiammadresse: Huebuer, Schwarzburg, 



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